Polnischer Aufstand in der Provinz Posen im Jahre 1919 (Großpolnischer Aufstand)

Vorbetrachtungen :
Auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 kam das Großherzogtum Posen sowie weitere Gebiete wieder zu Deutschland. In seinem Besitznahme-Patent vom 18. Mai 1815 äußerte der preußische König Friedrich Wilhelm :
Wir Friedrich Wilhlem, von Gottes Gnaden König von Preussen etc. etc.
Vermöge der mit den am Congresse zu Wien Theilnehmenden Mächten geschlossenen Uebereinkunft, sind mehrere Unserer früheren polnischen Besitzungen zu Unseren Staaten zurückgekehrt. Diese Besitzungen bestehen in dem zum Herzogtum Warschau gekommenen Theilen der Preußischen Erwerbungen vom Jahre 1772, der Stadt Thorn mit einem für dieselbe neu bestimmten Gebiete; in dem Departement Posen, mit Ausnahme eines Theils des Powitzschen und des Peyer'schen Kreises; und in dem bis an den Fluß Prosna gelegenen Theile des kalischer Departements, mit Ausschluß der Stadt und des Kreises dieses Namens.

Von diesen Landschaften kehrt der Culm'sche und Michelau'sche Kreis in den Grenzen von 1772, ferner die Stadt Thorn, nebst ihrem neu bstimmten Gebiete, zu Unserer Provinz Westpreußen zurück, zu welcher auch gegen des Strom-Baues, das linke Weichsel-Ufer, jedoch blos mit den unmittelbar an den Strom grenzenden oder in dessen Niederungen befindlichen Orstschaften gelegt wird.

Dagegen vereinigen Wir die übrigen Landschaften, welchen Wir von Westpreußen den jetzigen Cron'schen und Camin'schen Kreis als ehemalige Theile des Netzedistrikts hinzufügen, zu einer besonderen Provinz, und werden dieselbe unter dem Namen des Großherzogthums Posen besitzen; nehmen auch den Titel, und das Wappen der Provinz in das Wappen Unseres Königreiches auf.

Indem Wir Unserem General-Lieutenant von Thümen den Befehl gegeben haben, den an Uns zurückgefallenen Theil Unserer früheren polnischen Provinzen mit unseren Truppen zu bestzen, haben Wir ihm zugleich aufgetragen, denselben in Gemeinschaft mit Unserem zum Ober-Präsidenten des Großherzogthums Posen ernannten Wirklichen Geheimen Rathe von Zerboni die Sposetti förmlich in Besitz zu nehmen.

Da die Zeitumstände es nicht gestatten, daß Wir die Erbhuldigungen persönlich empfangen, so haben Wir zu Annahme derselben den zu Unserem Statthalter im Großherzogthum Posen ernannten Herrn Fürsten Anton Radziwillausersehen, und ihn bevollmächtigt, in Unserem Namen die deshalb nöthigen Verfügungen zu treffen.

Des zu Urkund haben Wir dieses Patent eigenhändig vollzogen und mit Beidruckung Unseres Königlichen Insiegels bekräftigen lassen.
Geschehen zu Wien, den 15. Mai 1815


1830 wurde Eduard von Flottwell zum neuen Oberpräsidenten von Posen ernannten. Eduard von Flottwell woltte das deutschen Lebens in der Provinz stärken und auch Polen für sich zu gewinnen. 1832 wird deutsch als erste Amtssprache von Flottwell in der Provinz Posen eingeführt. Damit wollte er das Bildungsniveau der polnischen Bevölkerung heben. Große Auseinandersetzungen gab es mit der katholischen Kirche. So kam es zu einem offenen Streit zwischen Flottwell und dem Erzbischof Dunin-Sulgustowski von Gnesen-Posen um die sogenannten "Mischehen". Der Geistliche wurde verhaftet, aber kurze Zeit später wieder freigelassen.

1846 kommt es in Posen zu Verschwörungen und Aufstände, der Verschwörer Mieroslawski und weitere Polen wurden festgenommen und zum Tode verurteilt, aber in Berlin inhaftiert. 1848 wurden die inhaftierten Polen von den Aufständiegen der Märzrevolution befreit und nach Posen begleitet. Am 24. März 1848 traf eine polnische Delegation mit dem Erzbischof von Przyluski in Berlin ein. Die polnische Delegation konnte in Berlin eine Reorganisation der Provinz Posen und die Einrichtung einer polnisch-nationalen Armee durchsetzen. In der Provinz Posen brach der offene Widerstand gegen Preußen aus. General Willisen versuchte durch Zugeständnisse an die Polen die Lage in der Provinz zu beruhigen. Im Mai 1848 wurde der bis dahin glücklose General Willisen durch General von Pfuel ersetz. Dieser konnte den bewaffneten Aufstand der Polen niederschlagen.

Im Jahre 1863 brach ein Polenaufstand im russischen Teil von Polen aus. Durch die sofortige Absicherung der Grenze konnte eine Ausbreitung der Aufstände nach Posen verhindert werden. 1866 wurde die Provinz Posen dem Norddeutschen Bund eingegliedert. Am 28. August 1876 wird deutsch ausschließlich zur Amtssprache gemacht. Am 26. April 1886 wurde die Königliche Ansiedlungs-Kommision errichtet. Diese Kommission sollte polnisches Bauernland aufkaufen und an deutsche Bauern wieder verkaufen. Gleichzeitig wurde die polnische Parzelierungsbank polnische Bauern in der Provinz Posen angesiedelt. Durch das appelieren an das nationale Gewissen : "vaterländischen Boden nicht an die Fremden zu verkaufen" und den daraus entstandenen hohen Preisen der Grundstücke, konnte die Königliche Ansiedlungs-Kommision nicht ihren Auftrag gerecht werden. Bis Ende 1903 wurden für 175 Millionen Mark zirka 228.500 Hektar Land angekauft und auf 7.540 Stellen etwa 50.000 Deutsche in der Provinz Posen und Westpreußen angesiedelt. Die Polen entwickelten durch die preußische Politik in den Provinzen Posen und Westpreussen ein starkes Heimatgefühl und Vaterlandsliebe. Dieses Gefühl äußerte sich aber leider auch in solchen Ausfällen wie : "Kauft nicht bei den Fremden, den Deutschen und Juden", und führte zu einem Boykott der deutschen und jüdischen Geschäfte.

Posen Ansiedlungskommission

Im November 1918 kam es in Posen zu einer Machtübernahme durch einen Arbeiter- und Soldatenrat bestehend aus 5 Polen und 5 Deutschen. Anfang Dezember 1918 forderte ein sogenannter Teilsejm in Posen den Anschluß der Provinz an Polen. Der Polnische Aufstand in der Provinz begann am 27. Dezember 1918. An diesem Tag kam der spätere polnischen Ministerpräsidenten Ignacy Paderewski (polnischer Komponist und Klaviervirtuose) in Posen an. Paderewski setzte sich schon vor dem 1. Weltkrieg für eine Unabhängigkeit Polens ein. Er sammelte während des 1. Weltkrieges Spenden für seinen Hilfsfond im Westen Europas. Paderewski erreichte in den USA, das in dem 14 Punktepapier von Präsident Wilson der Zugang Polens zum Meer verankert wurde.

Das Erscheinen von Paderewski löste in Posen eine spontane Demonstration für die Unabhängigkeit Polens aus. Gleichzeitig findet in Posen eine deutsche Gegendemonstration statt. Am Abend des 27.Dezember kommt es zu ersten Kampfhandlungen der polnischen Aufständigen. Es kommt zur Entwaffnung und Vertreibung der deutschen Truppen in Posen.

Der Polnische Aufstand dauerte bis zum 16. Januar 1919, durch alliierten Druck wurde ein Waffenstillstand durchgesetzt und eine Demarkationslinie festgelegt, bevor die deutsche Grenztruppen die Provinz wieder unter ihre Kontrolle bringen konnten.

1919 wurde Ignacy Paderewski Ministerpräsident und Außenminister von Polen. Er gehörte der polnische Delegation auf der Friedenskonferenz in Paris an und unterzeichnete für Polen den Versailler Vertrag. Trotzt seines Bekanntheitsgrades konnte Paderewski nicht alle polnisch-nationalistischen Ziele durchzusetzen (Danzig wurde nicht polnisch, in Oberschlesien kam es zu einer Volksabstimmung zum Verbleib bei Deutschland)

Als Ergebnis der Versailler Friedenskonferenz wird der größte Teil der Provinz Posen zu polnischen Gebiet. Aus den restlichen Gebieten der ehemaligen Provinz Posen entsteht die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen.

Aufstand in der Provinz Posen

Alte Ansichten der ehemaligen Provinz Posen :

Schneidemühl
Schneidemühl

Nakel
Nakel

Bomberg
Bromberg

Exin
Exin

Argenau
Argenau

Kolmar
Kolmar

Czarnikau
Czarnikau

Kreuz
Kreuz

Znin
Znin

Hohensalza
Hohensalza

Birnbaum
Birnbaum

Schwerin/Warthe
Schwerin a. Warthe

Gnesen
Gnesen

Posen
Posen

Meseritz
Meseritz

Opaleniza
Opalenitza

Bentschen
Bentschen

Bomst
Bomst

Schrimm
Schrimm

Sarne
Sarne

Kosten
Kosten

Fraustadt
Fraustadt

Lissa
Lissa

Bojanowo
Bojanowo

Krotoschin
Krotoschin

Zduny
Zduny

Ostrowo
Ostrowo

Rawitsch
Rawitsch

Schubin
Schubin

Samotschin
Samotschin

Unruhstadt
Unruhstadt

Tirschtiegel
Tirschtiegel

Kempen
Kempen