Babelsberg

Babelsberg, der größte Stadtteil Potsdams, liegt östlich der Havelniederung zwischen der Potsdamer Altstadt und Berlin. Die Siedlungen Neuendorf, Nowawes und Klein-Glienicke vereinigten sich 1924 unter dem Stadtnamen Nowawes und gehören seit 1939 als Stadtteil Potsdam-Babelsberg zu Potsdam. Besonders sehenswert sind das in einem weitläufigen Park gelegene Schloss Babelsberg, das kleine Jagdschloss Stern, die alte Weberkolonie Nowawes und die Villenkolonie Neu-Babelsberg.

Babelsberg

Die Geschichte des Schloss Babelsberg ist eng verbunden mit dem Leben von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) und seiner Gattin Augusta (1811-1890) aus dem Hause Sachsen-Weimar. Der zweitgeborene Sohn des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und der Königin Luise (1776-1810) erhielt 1833 auf eigenen Wunsch und nach längeren Drängen von seinem sparsamen Vater 270 Morgen des um den Babelsberg gelegenen Geländes auf Erbpacht zur Errichtung eines Landsitzes.

Das Marmorpalais im Neuen Garten, vom Vater als Sommerresidenz angeboten, empfand er als zu prächtig und zu unpersönlich. Nur zeitweilig wollte er es daher bewohnen. Sein Streben richtete sich - seine Brüder Kronprinz Friedrich Wilhelm (1795-1861) und Prinz Karl (1801-1883) hatten mit dem Schloß Charlottenhof bzw. Schloß Glienicke Beispiele gegeben - auf einen nach eigenen Wünschen gestalteten Landsitz.

Auf den in der Nähe der Weber- und Spinnerkolonie Nowawes gelegenen und damals von einer Kiefernschonung und Eichen bewachsenen Babelsberg soll Prinz Wilhelm der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1789-1866) als möglichen Sitz für ein Landschloß 1829 hingewiesen haben.

Bereits in jungen Jahren hatte Wilhelm die hügelige Waldlandschft um den Babelsberg, der im Laufe der Geschichte viele Namen hatte, u.a. Buberow, Babertsberg, Pavelberg und Babelsberg, bei militärischen Übungen kennengelernt. Als er nun gemeinsam mit P.J.Lenné den Babelsberg besichtigte, zeigte sich Wilhelm entzückt von der Möglichkeit eines Wohnsitzes auf dieser Höhe an den Havelseen Glienicker Lake und Tiefer See vis-à-vis dem Jagdschloß Glienicke.

In den früherer Zeit befand sich an dieser Stelle ein eingezäunter Tiergarten, den der Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) in Verbindung mit dem Jagdschloß hatte anlegen lassen. Unter Friedrich I. (1675-1713) wurde er wieder aufgegeben und in einen Forst umgewandelt, während auf der Anhöhe, dort wo der Flatowturm steht, seit 1735 der Hofrat Rehnitz eine Mühle betreiben ließ.

Als Prinzessin Augusta, seit 1829 mit Prinz Wilhelm verheiratet, den von ihrem Nann ausgesuchten Platz gesehen hatte, war auch sie von der schönen Lage angetan. Begeistert entwarf sie, die unter Goethe in Weimar zeichnen gelernt hatte, Entwürfe für den Schloßbau, tu dem auch Prinz Wilhelm Skizzen lieferte. Entsprechend dem romantischen Geschmack der Zeit sollte das Schloß nach mittelalterlichen Vorbildern im Stil der englischen Neogotik errichtet werden. Den endgültigen Entwurf schuf dann der preußische Hofbaumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) unter Berücksichtigung der Wüsche seiner Auftraggeber. Die Bauausführung für die der Grundstein 1834 gelegt wurde, beschränkte sich vorerst auf einen Flügel und lag in den Händen des Schinkelschülers Ludwig Persius (1803-1845). Im September 1835 war dieser erste Teil fertiggestellt, während sich die Inneneinrichtung noch längere Zeit hinzog. Auch die von P.J.Lenné begonnene Gestaltung des Parkes zeigte schon erste Konturen.

Bald machte es die geringe Größe des Hauses notwendig, für den heranwachsenden Sohn des Prinzenpaares, den späteren Kaiser Friedrich III. (1831-1888), und seinen Erzieher ein eigenes Gebäude zu errichten. Das sogenannte Kleine Schloß entstand von 1840 bis 1842 nach Ideen von Prinzessin Augusta und einem Entwurf von L.Persius durch den Umbau eines vorhandenen Gartenhauses am nahem Ufer des Tiefen Sees. Schloß Babelsberg, von Prinz Wilhelm oft als Cottage bezeichnet, erwies sich aber immer noch als zu klein für die anwachsenden repräsentativen Aufgaben des Hausherrn. Seit 1840 war er Thronerbe für seinen kinderlosen Bruder, der in diesem Jahr als Friedrich Wilhelm IV. die Nachfolge des Vaters angetreten hatte. Wegen dieser besonderen Stellung erhielt Prinz Wilhelm den Titel Prinz zu Preußen. Die Vollendung der von K.F.Schinkel entworfenen Gesamtanlage für Schloß Babelsberg wurde daher 1844 als dringlich in Angriff genommen, mußte aber wegen der revolutionären Ereignisse von 1848 zeitweilig unterbrochen werden.

Im Jahr 1849 konnte der Erweiterungsbau für Schloß Babelsberg fertiggestellt werden. An dem Entwurf von K.F.Schinkel nahmen L.Persius und nach dessen Tode 1845 sein Nachfolger Johann Heinrich Strack (1805-1880) wesentliche Änderungen vor. Bereits 1843 hatte Unstimmigkeiten mit Prinz Wilhelm zur Ablösung von J.P.Lenné als Gartengestalter geführt. Seine Arbeit wurde von Fürst Pückler-Muskau (1785-1871) weitergeführt. Erst unter dessen Leitung gewann der vergrößerte Park mit seinen weiten Rasenflächen, Baumumgrenzungen und freien Ausblicken die ihn kennzeichnenden typischen Merkmale eines englischen Landschaftsgartens.

Babelsberg ist vor allem als Filmstadt bekannt. Von 1911 bis 1945 befand sich hier die UFA, die Zentrale der deutschen Filmproduktion. Die unter der Regie der DEFA weiterbetriebenen Anlagen wurden 1992 durch die Treuhand an einen französischen Immobilienkonzern verkauft und bilden noch heute die ausgedehnteste Filmstadt Europas.

Parkplan des Schlosses Babelsberg

Parkplan - Schloss Babelsberg

  • Schloß (1)
  • Küchenhaus (2)
  • Maschinenhaus (3)
  • Kleines Schloß (4)
  • Marstall (5)
  • Gerichtslaube (6)
  • Matrosenhaus (7)
  • Flatowturm (8)
  • Kutscherhaus (9)
  • Gärtnerei (10)
  • Großer See (11)
  • Siegessäule (12)
  • Wasserreservoir (13)
  • Torhäuser (14)