Bad Wilsnack und Umgebung

Bad Wilsnack
Durch ein Hostienwunder, das sich 1383 nach einer Brandschatzung zugetragen hatte, erlangte der Ort nahezu europaweite Bekanntheit : Auf dem Altar der verwüsteten Kirche hatte man drei unversehrte, blutende Hostien gefunden. Das Mysterium vom "Wunderblut" sprach sich bald herum und zog zahllose Wallfahrer an. Durch die Pilger wurde Wilsnack zu einer reichen Stadt. Im Jahre 1552 wurden die Hostien, nachdem die Reformation in Wilsnack eingeführt worden ist, vom evangelischen Pfarrer Joachim Ellefeld verbrannt. Damit endete der Aufstieg Wilsnack und es wurde wieder zum Dorf.

Bereits 1384 erwirkte der Bischof Dietrich von Havelberg vom Papst einen Ablaßbrief und ließ aus den reich fließenden Opfer- und Ablaßgelder der Pilger auf den Trümmern des zerstörten Gotteshauses eine Wallfahrtskirche errichten. Die Fertigstellung zog sich jedoch über Jahrzehnte hin, da immer wieder größere Summen aus Wilsnack für die Um- und Ausbauten des Havelberger Doms und der Plattenburg abgezweigt wurden. Der imposante Renaissancegiebel der Westfassade ist wahrscheinlich im 16. Jahrhundert entstanden. Die riesigen Spitzbogenfenster sind fast 20 Meter hoch.

Aus dem einstigen berühmten Wallfahrtsort mit der gewaltigen Wunderblutkirche wurde mit der Entdeckung des eisenoxidhaltigen Moores durch den Stadtförster Zimmermann 1907 ein beliebter Kurort - ein Moorheilbad. Der Komplex liegt in einer natürlich gewachsenen Parkstruktur am Rande des Städtchen, das seit 1927 den Titel "Bad" trägt. Neben Moor ergänzt Thermalwasser das therapeutische Angebot der Region. Die Termalsohle ist heute Bestandteil der Kur- und Gradier-Therme Bad Wilsnack. Das Termalbad in Bad Wilsnack ist im Stil des südlichen Mittelmeerraumes gestaltet.

Gerüchte zufolge besteht noch heute ein unterirdischer Gang zur nahegelegenen Plattenburg. Ein Pfeiler auf halber Strecke des Waldweges soll das Zeichen für den in der Nähe vermuteten Einstieg sein. Die Plattenburg wurde im Ergebnis des Wendenkreuzzuges Markgraf Albrechts des Bären zum Schutz der Eroberungen gegen äußere und innere Feinde um 1150 gegründet.

Inmitten ausgedehnter Eichen- und Kiefernwälder, nahe der Berlin-Hamburger Chaussee, in der wiesenreichen Karthaneniederung grüßt die Wasserburg Plattenburg. Sie blieb eine der wenigen großen, in freier Landschaft errichteten Burgen, in deren Schutz sich keine größere Siedlung oder Stadt entwickelte.

1319 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt, als Markgraf Woldemar von Brandenburg Burg und Herrschaft an den Bischof von Havelberg verkaufte. Von 1319 bis 1548 war die Plattenburg bischöflich-havelbergischer Besitz und diente den Bischöfen als Sommerresidenz. Mit den nicht unerheblichen Einnahmen, die das Bistum aus dem Ablasshandel, der Sünderwaage und dem Verkauf von Wallfahrtssouvenirs seit 1338 in Wilsnack erzielte, konnte auch der Ausbau der Plattenburg vorangetrieben werden.

Von 1552 bis 1945 war die Plattenburg und die dazugehörige Herrschaft im Besitz der Familie von Saldern. 1945 musste die Familie von Saldern Plattenburg verlassen. Der Besitz wurde im Zuge der Bodenreform verteilt. Auch die Burg wurde parzelliert und begann zu verfallen. Das historische Inventar ging nahezu vollständig verloren. Die Ahnengalerie sowie die bedeutende Bibliothek wurden vernichtet.

Teile der Vorburg wurden gleich nach 1945 zur Baumaterialgewinnung abgetragen. Ein Neubauerndorf entstand links und rechts vom alten Fahrweg. Die alte Wassermühle wurde zur Gaststätte ausgebaut.

1969 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Gebäude der Oberburg und betrieb hier bis 1991 ein Kinderferienlager. 1997 hat die Familie von Saldern den Plattenburger Forst gekauft und ist seitdem wieder in Plattenburg ansässig.

Perleberg
Im Jahre 1239 erhielt Perleberg das Stadtrecht nach Salzwedeler Recht. Im Schutz einer von den Edlen Gans zu Putlitz gegründeten Burg entwickelte sich Perleberg im Mittelalter rasch zum städttischen Zentrum der Prignitz. Im Jahre 1358 trat Perleberg in die Hanse ein, über die Stepenitz (damals noch schiffbar) und Elbe wurden fast alle Hansestädte erreicht.

Vor allem durch ihre Handelsbeziehungen zur Hanse stieg die Stadt bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zu einem der reichsten Orte der Mark Brandenburg auf. Der im 15. Jahrhundert durch Kurfürst Friedrich II. erzwungene Austritt aus der Hanse beschnitt jedoch die Möglichkeit der Bürgertums und bremste die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Noch heute steht auf dem Marktplatz der aus Sandstein gehauene 5,4 Meter hohe Roland von 1498 als Ausdruck von Stadtrecht und eigener Gerichtsbarkeit. Auch die spätgotische Gerichtslaube des Rathauses zeugt von dem besonderen Status der Stadt.

Die Jacobikirche - ein laut Inschrift 1361 begonnener dreischiffiger Hallenbau - wurde im 15. Jahrhundert vollendet. Besonders dekorativ sind hier die Portale im Langhaus sowie ein großer fünfarmiger Leuchter von 1475.

Das älteste noch erhaltene Fachwerkhaus der Stadt ist das spätgotische Giebelhaus "Am Markt 4". In der Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, wurde seine Fassade allerdings mehrfach verändert. Weitere - teilweise reich verzierte - Giebelhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert findet man am Kirchplatz, in der Mühlenstraße und am Schuhmarkt.

Eine Gedenktafel am Heimatmuseum erinnert an die 1938 emigrierte Operndiva Lotte Lehmann, die hier zur Schule ging.

Rühstädt
Rühstädt liegt in der Nähe der Mündung der Havel in die Elbe. Die Geschichte der Familie Quitzow ist eng mit dem Ort verbunden. Im Jahre 1384 wurde die Familie von Quitzow mit dem Dorf belehnt. Die Quitzow besaßen das Dorf und die Burg bis 1719. In der Krypta der Dorfkirche befindet sich die letzte Ruhestätte der alten märkischen Ritterfamilie derer von Quitzow. Die restaurierte Dorfkiche aus dem 15. Jahrhundert trägt den Beinamen "Quitzowkirche". In der Kirche sind Wandmalereien und Epitaphien der Familie von Quitzow und anderer Prignitzer Adelsfamilien zu sehen. Die Wagner-Orgel stammt aus dem Jahre 1738. Im Jahre 1780 brannte das Schloss bis auf die Grundmauern ab. Danach wurde das Schloss wieder im Stil des Rokoko errichtet. Heute befindet sich im Schloss ein Hotel.

Rühstädt zählt zu den storchenreichsten Dörfern Deutschlands. Bis zu 40 Paare brüten jährlich im dem kleinem Dorf in der Prignitz. 1996 bekam Rühstädt von der Stiftung Europäisches Kulturerbe den Titel "Europäisches Storchendorf" verliehen

Quitzöbel
Quitzöbel wurde im Jahre 1310 erstmals urkundlich erwähnt. Quitzöbel war der Stammsitz des Adelsgeschlecht von Quitzow. Sehenswert ist die aus den 16. Jahrhundert stammende Kirche im Ort.

Lenzen
Inmitten einer reizvollen - bis heute von Industrieanlagen verschonten - Landschaft liegt die Kleinstadt Lenzen. Bereits 929 wird der Ort in der fruchtbaren Ebene von Elbe und Löcknitz zum Schauplatz eines Gefechts zwischen sächsischen Eroberern unsd slawischen Ansiedlern. Im Schutz der Burg, die wegen der Möglichkeit der Elbzollerhebung ein gefragtes Pfandobjekt war, entfaltet sich im 13. Jahrhundert ein städtisches Anwesen, das noch heute einen nahezu geschlossenen Altstadtkern besitzt. Die Grenzanlage, häufige Besitzwechsel sowie Zerstörungen durch Kriege und Brände hemmen eine nachhaltige Entwicklung. Heute bietet sich vom 800jährigen Burgfried der einstigen Burg ein Rundblick über vier verschiedene Bundesländer. Lohnenswert ist auch ein Besuch des auf der Burg untergebrachten Museums. Neben Ausstellungensstücken aus der Ur-, Früh- und Stadtgeschichte ist in einem 22 Quadratmeter großen Diorama mit 8500 Zinnfiguren die Schlacht von Lenzen nachempfunden.

Filzmanufaktur Lenzen
Die Filzmanufaktur, unmittelbar am Rudower See gelegen, wurde seit 1992 zum Besuchermagnet. Traditionell gehört das Schaf zum Landschaftsbild der Lenzener Region. Es leistet eine ökologische, äußerst wertvolle und auch kostengünstige Pflege arbeit und wirkt der Versteppung der Elbtalauenlandschaft entgegen. 1.400 Schafe und Ziegen wurden in diesem Gebiet gehalten. Dies bedeutet, daß 50 Dezitonnen Rohwolle jährlich anfielen, deren Absatz nur teilweise gesichert war. Aus dieser Situation und aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit entstand der Plan, eine Filzmanufaktur einzurichten. Das Filzen ist ein sehr altes, heute kaum noch bekanntes Handwerk. Man braucht kein Werkzeug und speziellen Ort, sondern heißes Seifenwasser und zwei Hände. Die Schurwolle von Schafen und Ziegen wird gereinigt und gekämmt. Das aufbereitete und gelockerte Material wird in Maßen des herzustellenden Produkts ausgelegt. Mit Hilfe von heißen Wasser und Seife wird unter der Reiben, Walken, Rollen und Stampfen die Wolle zum Filz komprimiert. Ergänzt wird die inzwischen zur touristischen Attraktion avancierte Filzmanufaktur durch den Färbergarten, einem gestalteten Naturlehrgarten. Hier werden spezielle Färbe-, Gewürz- und Arzeneipflanzen angebaut, deren Blüten, Blätter, Früchte oder Wurzeln zum Ansetzen eines Färbesuds Verwendung finden. Das Filzen ist eine sanfte und umweltschonende Technik, außerdem abfallfrei.

Jeder Verschnitt, jedes mißlungene Stück, jeder Schnipsel kann neu eingefilzt werden. Unter geschickten Händen der Lenzener "Filzfrauen" entstehen in aufwendiger Handarbeit dekorative Teppiche, Westen, Hüte, Pantoffeln, Schuhe, Schmuck, Spielzeug. Jedes Produkt ist ein Unikat und kann käuflich erworben werden. Besuchern der Filzmanufaktur werden die Handwerkstechniken Filzen, Spinnen, Weben und Färben vorgeführt. Für besonders Interessierte gibt es die Möglichkeit, während eines Wochenendseminars die Techniken zu erlernen.

Schließlich noch dies : Im Mai findet das alljährliche Filzfest statt.

Im Naturlehrgarten Lenzen finden sich über 480 Kultur- und Zierpflanzen, von denen sich etwa 75 zur Naturstoffgewinnung eignen und 160 zu den Heil- und Gewürzkräutern zählen. Schmuckstück in Lenzen ist eine asu Feldsteinen errichtete, große Kräuterspirale, ideal als Aussichtspunkt über die Gartenanlage. Von hier aus sieht man die Blumen- und Streuobstwiesen, duftende Rosen, den Teich mit seinen Wasserpflanzen sowie einem angrenzenden Spielgarten. Im Bauerngarten stehen Salbei und Oregano neben Hundsrosen und Rittersporn. Bohnenkraut und Zitronenmelisse zwischen Walderdbeere und Fenchel; dazu Sträucher, Obstbäume, Gemüse und im Randbereich Laubgehölze. Kapuzinerkresse im Garten verjagt die Läuse. Die Blüte ist aber auch genießbar und beliebt zum Dekorieren von Speisen.
Sehenswertes in Bad Wilsnack und Umgebung:
  • Spätgotische Kirche St. Nikolai auch Wunderblutkirche in Bad Wilsnack
  • Altes Rathaus in Bad Wilsnack
  • Schlosspark (Goethepark) in Bad Wilsnack
  • Gradierwerk in Bad Wilsnack
  • Thermalbad in Bad Wilsnack
  • "Singer-Häuser" 1903 errichtet von amerikanischen Firma Singer & Co. in Breese
  • Kirche aus dem jahre 1879 in Groß Breese
  • Heimatstube in Groß Breese
  • Kirche aus dem 14. Jahrhundert in Legde
  • Quitzow-Denkmal erinnertn an die Erschlagung von Dietrich von Quitzow im Jahre 1593 in Legde
  • Freischulzenhaus aus dem Jahre 1880 in Legde
  • Kirche aus dem jahre 1662 in Quitzzöbel
  • Fachwerkkirche in Saalform in Roddahn
  • Kirche aus dem Jahre 1909 in Lennewitz
  • Schloss in Rühstädt
  • Kirche aus dem 13. jahrhundert in Rühstädt
  • Fachwwerkkirche aus dem Jahre 1691 in Bälow
  • Zusammenfluss von Havel und Elbe bei Gnevsdorf
  • Holländerwindmühle in Weisen, erstmals urkundlich erwähnt 1491
  • Feldsteinkirche mit barocker Altrawand in Schilde
  • Fachwerkkirche mit Flügelaltar aus dem Mittelalter in Grube
  • Kirche aus dem Jahre 1912 und Reste einer alten Windmühle in Groß Lüben
  • Kirche mit schwebenden Taufengel aus dem Jahre 1904 in Klein Lüben
Karte Bad Wilsnack