Bernau und Umgebung

Die Landschaft nördlich von Bernau sollten Sie unbedingt ansteuern, wenn Sie Harmonie und Vielfalt einer Wald-Wasser-Idylle genießen möchten. Zwischen einem ca. 6000 ha großen Landschaftsschutzgebiet liegt die märkische Kleinstadt Biesenthal. Die katholische Marienkirche, das Grab des letzten Lützower Jägers, das Rathaus und die Kirche am Markt sowie ehemalige Mühlen in der nahen Umgebung sind interessante Sehenswürdigkeiten.

Wer Biesenthal in westlicher Richtung verläßt, gelangt nach Lanke, einem Ort, welcher völlig von herrlichen Mischwäldern und Seen umgeben ist. Welcher der Seen um Lanke Ihr Favorit wird, wage ich nicht zu sagen, denn zwischen Hellsee, Obersee, Großer Wukensee, dem Plötzensee und der Krummen Lanke fällt die Entscheidung schwer. Oder wird es sogar der Liepnitzsee mit seiner Insel, dem Großen Werder, welchen Sie kurz vor Wandlitz mitten im Wald finden. Der mit 260 ha jedoch größte und auch tiefste See in dieser Gegend - der halbmondförmige Wandlitzsee - zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen der Berliner.

Nähern Sie sich dem kleinen Ort Prenden, so wird Sie linkerhand ein Glitzern innehalten lassen. Der langgestreckte Strehlesee lädt zum Verweilen ein. Wenn Sie gern Pilze sammeln, so ist die Gegend um Prenden sicher das richtige Revier für Sie. Und immer wieder stoßen Sie auf idyllische Waldseen, den Bauersee, den Bogensee, den Mittelprendener See, den Buckowsee oder den Eiserbuder See. Nördlich davon, in der Nähe des Oder-Havel-Kanals empfangen Sie die Orte Ruhlsdorf und Sophienstädt, die am Kiessee und den eben genannten Seen sehr gute Bade- und Wassersportmöglichkeiten bieten.

Der eingeschlagenen Richtung folgend, erreichen Sie Groß Schönebeck, das Tor zur Schorfheide, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet im Land Brandenburg. Haben Sie so richtig die erholsame und beruhigende Natur genossen, empfehlen wir Ihnen auch einen Stadtbummel durch die an Zeugnissen geschichtlicher Ereignisse kaum zu übertreffende Stadt Bernau.

Nur 45 S-Bahn-Minuten vom Stadtzentrum Berlins entfernt ist es nahezu einmalig, eine rund 700 Jahre alte fast durchgängig erhaltene Stadtmauer vorzufinden. In Ihrer über 700jährigen Geschichte hat die Stadt Bernau viel erlebt. Sagenhaftes umgibt ihre Gründung! So soll der Askanierfürst Albrecht der Bär, um das Jahr 1140 auf der Bärenjagd in einer Waldschenke gleich um die Ecke eingekehrt sein. Das dort ausgeschenkte, dunkelbraune, schmackhafte Bier habe ihm vortrefflich gemundet, daß er beschloß, an diesem Ort eine Stadt zu errichten.

Die älteste Urkunde ist die Heiratsdispens für Heinrich und Beatrix vom 22. März 1292. Reich wurde Bernau dank der Tuchmacherei und der Bierbrauerei. Das berühmte Bernauer Schwarzbier, in 146 von insgesamt 326 Hausstellen gebraut, war weit über die Grenzen Brandenburg bekannt und begehrt. Mehr als 30.000 Tonnen des beliebten Gerstansaftes wurden noch im 17. Jahrhundert ausgeführt. Jahrhunderte lang galt das Bernauer Bier als das beste der Mark Brandenburg.

Schwere Zeiten brachen für die Stadt am Ende des 16. und dann im 17. und 18. Jahrhundert an. Seuchen und Krieg führten dazu, daß aus dem wohlhabenden Bernau eine verarmte und verödete Stadt wurde. Kurfürst Friedrich der III. hauchte ihr neues Leben ein. So holte er Glaubensflüchtlinge aus Frankreich ins Land und nach Bernau. Darunter waren hervorragende Handwerker, Bauern, Kaufleute und Wissenschaftler. 25 französische Familien wurden im Jahre 1699 in Bernau aufgenommen.

Es mussten noch einmal 150 Jahre vergehen, bis der entscheidende Impuls für die Blüte Bernaus erfolgte. Die erste Eisenbahn dampfte 1842 in die Stadt. Am 30. Juli jenes Jahres wurde die Eisenbahnstrecke Bernau-Neustadt-Eberswalde eingeweiht. Ein Jahr später war die Strecke Berlin-Stettin fertig. Aber auch im 20. Jahrhundert wurde in der Stadt Verkehrsgeschichte geschrieben, verbindet doch seit 1924 die erste elektrisch betriebene Stadtbahn der Welt Bernau mit Berlin.

Damit begann ein neuer gewerblicher Aufschwung. Die Berliner entdeckten zu dieser Zeit, welches Kleinod vor ihren Toren lag. Bernau wurde zu einem beliebten Ausflugsziel.

Das imposanteste Bauwerk ist zweifellos die Marienkirche. Sie darf zu den schönsten und bemerkenswertesten Kirchen des märkischen Raums gezählt werden. Weithin sichtbar, bestimmt si mit ihrer majestätischen Größe die Silhouette der Stadt. Die wunderschöne spätgotische Hallenkirche, 1519 geweiht, birgt in ihren Mauern Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Ein seltener Flügelaltar mit Bildtafeln aus der Schule von Lukas Cranach d. Ä. und eine Triumphkreuzgruppe sollen als Beispiel dienen.

Eine Sehenswürdigkeit besonderer Art sind die Stadtbefestigungsanlagen, die sich aus einem dreifachen Wall- und Grabensystem und einer Mauer aus Feldtsteinen zusammensetzen. Sie stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die Stadtmauer umschloss ursprünglich mit einer Länge von 1.496 Metern den Stadtkern. Sie war damals acht bis zehn Meter hoch und mit 42 Lughäusern, zwei Rundtürmen und drei Stadttoren versehen. Reste der Lughäuser sowie die Rundtürme, der Pulver- und der Hungertrum sind noch vorhanden. Von den drei Stadttoren gibt es heute noch das Steintor. Es steht mit seiner ganzen Wucht und Pracht am östlichen Ende der Berliner Straße. Durch zwei Wehrgänge ist es mit dem Hungerturm verbunden.

Seit 1882 werden im Steintor die Schätze der Vergangenheit gehütet. Dazu gehören wertvolle Waffensammlungen, aber auch Zeugnisse alter Handwerkskunst sowie zahlreiche Schriften aus der Stadtgeschichte. Der Hungertrum kann seit 1994 von Besuchern bestiegen werden und bietet einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. Unweit der Mühlenstraße befindet sich das in die Stadtmauer eingelassene, etwa 250 Jahre alte Henkerhaus, einst Wohnsitz des Scharfrichters. Heute gehört es zum Heimatmuseum und präsentiert Werkzeuge seiner ehemaligen Hausherren, unter anderem das Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert und einen Schandstein für zanksüchtige Weiber.

Sehens- und liebenswert : ein Bernau, das sich seiner Wurzeln erinnert. Ab 1992 feiern die Bernauer nun jedes Jahr wieder am zweiten Juniwochenende ihr Hussitenfest, im lustvollen und dekorativen Gedenken an die Ereignisse im fernen Jahr 1432, als die Einwohner Bernaus einen Überfall versprengter Hussiten erfolgreich abwehrten - mit Bier und Brei, wie man sagt. Übrigens dunkles Bier trinkt man in Bernau auch heute noch.

Börnicke
Börnicke ist ein Ortsteil von Bernau und liegt nur wenige Kilometer von Bernau entfernt. Um 1300 wird Börnicke erstmals urkundlich erwähnt. Aus dieser Zeit stammt auch die sehenswerte Kirche aus Feldsteinen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Börnicke wüst. Im Jahre 1679 erwarb Wolmir von Wrangel das Gut Börnicke. Im gleichen Jahr begannen sich wieder Bauern in dem wüsten Ort anzusiedeln. 1892 wurde das Gut von Paul Robert Ernst von Mendelssohn-Bartholdy erworben.

Im Auftrag des Berliner Bankiers Paul Robert Ernst von Mendelssohn-Bartholdy entstanden im Jahre 1909-1911 das Schloss und der Park in Börnicke. Dieser bewohnt das Schloss bis zu seinem Tode 1935. Durch die starke Bombardierung von Berlin, wird 1945 im Schloss zeitweise die schweizerische Botschaft untergebracht. Nach 1945 wird das Schloss von der KPD übernommen. Wilhelm Pieck, erste Präsident der DDR, verbringt im Schloss und Park sehr oft seine Freizeit. Von 1962 bis 1992 werden im Schloss behinderte Kinder betreut.

Neben dem Schloß befindet sich ein großer Komplex von Wirtschaftsgebäuden, Ställen, Schnapsbrennerei und Scheunen. Auf 3.500 m2 ist eine Ausstellung "Automobilen Erlebniswelt" mit 150 Oldtimern entstanden.

Karte Bernau