Brandenburg an der Havel

Brandenburg an der Havel, die wohl älteste Stadt der Mark, und die Stadt die dem ganzen Land den Namen gegeben hat. Brandenburg an der Havel ist drittgößte Stadt im Land Brandenburg und größte kreisfreie Stadt in Brandenburg. Die Stadt blickt auf eine über 1.000jährige Geschichte zurück. Brandenburg an der Havel liegt, wie der Namenszusatz schon vermuten lässt, an der Havel. Die Verlauf der Havel prägt die Stadt sehr. Sie befindet sich im Stadtgebiet zum Beipiel der Plauer See und der Beetzsee. Die Havel trennt auch die Alt- und Neustadt. Die Stadt Brandenburg an der Havel liegt 70 Kilometer westlich von Berlin.

Die älteste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 948 befindet sich in der Stiftungsurkunde des Bistums Brandenburg. Hierbei ist von der Gründung des Bischofssitzes in der civitate Brendanburg die Rede. Im Laufe der Zeit waren mehrere Bezeichnungen für die Stadt geläufig : Brandenburg (Brendanburg), Brandenburg a./Havel, Brandenburg (Havel).

Im Jahre 928/929 eroberte König Heinrich I. die slawische Burg auf der Dominsel. Otto I. errichtete dann in dem Ort das Bistum Brandenburg. Während des Großen Slawenaufstandes wurde die Burg von den Slawen erobert und der Bischof musste nach Magdeburg fliehen. Erst im Jahre 1150, nach dem Tode des letzten Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich fiel das Land an den askanischen Markgrafen Albrecht den Bären. Er erstürmte im Jahre 1157 die Burg und gründete die Markgrafschaft Brandenburg. Im Jahre 1165 begannen man mit der Errichtung des Domes auf der Dominsel. Im Jahre 1170 wurde Brandenburg dann erstmals als Stadt in einer Urkunde von Markgraf Otto I. erwähnt. 1234 gründen Franziskaner in der Altstadt ein Kloster. 1286 wird ein Kloster in der Neustadt von den Dominikanern errichtet.

1521 bestätigt Kurfürst Joachim I. offiziell den Titel Chur- und Hauptstadt für Brandenburg an der Havel. Außerdem legte er die Reihenfolge der märkischen Städte bei Huldigungen und im Felde fest. Die Reihenfolge hierbei war: Brandenburg Alt- und Neustadt, Berlin, Cölln, Stendal, Prenzlau, Perleberg, Ruppin, Frankfurt (Oder) und Cüstrin. In der Folge kam es später bei Erbhuldigungen deshalb noch bis ins 19. Jahrhundert zu Rangstreitigkeiten mit Berlin. In der Zeit der Reformation wurden die Klöster und der Dom säkularisiert und dem Kurfürstentum Brandenburg eingeliedert.

Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Stadt sehr stark, so überlebten von den ehemals 10.000 Einwohnern nur 3.000 diesen Krieg. Durch das Edikt von Potsdam siedelten sich im Jahre 1685 zahlreiche Hugenotten in Brandenburg an der Havel an. Es kam durch die Gerberei und Lederverarbeitung zu einer wirtschaftliche Belebung der Stadt. Im späten 17. Jahrhundert wurde Brandenburg an der Havel zur Garnisonstadt. 1717 wurde hier auch die Ritterakademie als Ausbildungsstätte des Adels für den Staats- und Militärdienst gegründet.

In den Jahren 1806 bis 1808 war die Stadt durch französische Truppen besetzt und musste sich für die Unterbringung und Verpflegung verschulden. Nach dem Wiener Kongress kam die Stadt im Jahre 1816 in den Landkreis Westhavelland des Regierungsbezirks Potsdam. 1881 schied die Stadt aus dem Landkreis Westhavellland aus und bildete einen eigenen Stadtkreis.

1846 erhielt Brandenburg an der Havel einen Eisenbahnanschluß an die Strecke Berlin-Magdeburg. Im Jahre 1905 wohnten in der Stadt bereits 51.000 Einwohner. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Brandenburg an der Havel durch Stahl-, Metall-, Textil- und Spielwarenindustrie geprägt.

Ab 1933 wurde in Brandenburg-Görden eines der ersten Konzentrationslager eröffnet. Das Zuchthaus Brandenburg-Görden wurde am 27. April 1945 durch sowjetische Truppen befreit. Zum Ende des 2. Weltkrieges war Brandenburg an der Havel zwar "nur" zu 15 Prozent zerstört, aber 70 Prozent der Industrieflächen wurden zerstört.

Sehenswürdigkeiten

Die Dominsel ist die älteste Siedlunggebiet der Stadt Brandenburg an der Havel. Hier wurde auch im Jahre 948 das Bistum der Mark gegründet. Auf der Dominsel befindet sich das Domstift Brandenburg mit der Domkirche St. Peter und Paul, die Domklausur, deren Westflügel die ehemalige Ritterakademie beherbergt. Weiterhin befinden sich auf dem Gelände die Domkurien oder Domherrenhäuser und die St. Petri-Kapelle.
Der Dom St. Peter und Paul kann als Ursprung aller Gotteshäuser in der Mark Brandenburg angesehen werden. Backsteinbau aus dem Jahre 1165, und ist vollständig erhalten. An dem Dom St. Peter und Paul hatte sich schon der preußische Baumeister Carl Friedrich Schinkel in Restauration versucht. Mittelpunkt des hohen Chores bildet der Altar, der vormals im Kloster Lehnin stand. Der Altar zeigt unter anderem den Kommandeur der Zisterzienser, Bernhard von Clairvaux, und den heiligen Benedikt, Abt von Monte Cassino. Im Dommuseum können wertvolle Handschriften und frühe Drucke besichtigt werden.

Die St. Katharinenkirche befindet sich in der Neustadt, und gilt als Höhepunkt der Gotik in der Mark Brandenburg. Die Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Archeölogische Landesmuseum befindet sich im den ehemaligen Dominikanermuseum. An der Stadtpfarrkirche St. Gotthardt kann man verschiedene Baustile erkennen. So ist zum Beipiel das Portal im romanischen Stil errichtet worden, das Kirchenschiff ist gotisch und der Turm in barocken Stil. Leider ist das Franzikanerkloster und die St. Johannis-Kirche nur noch als Ruine zu besichtigen. Die Nikolaikirche befindet sich in der Altstadt und ist im romanischen Baustil errichtet worden.

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind noch Stadttore : Steintorturm, Neustädtischer Mühlenturm, Rathenower Turm und der Plauer Torturm erhalten. Das Rathaus in der Altstadt stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist in Backsteingotik gehalten. Sehenswert ist auch das Haus in der Schusterstraße 6. Die ältesten Teile des Hauses stammen aus dem 14. Jahrhundert, das Haus gilt als eines der Ältesten in Brandenburg. Das Carpzovhaus in der Steinstraße 57 in der Neustadt ist der Stammsitz der Gelehrtenfamilie Carpzov. Das Haus ist ein schöner giebelständiger Renaissancebau aus dem Jahre 1563. Das Portal wurde umgesetzt und befindet sich im Gebäude des ehemaligen altstädtischen Gymnasiums am Kreisgarten. Die von Bruno Möhring für den Fabrikanten Ernst Paul Lehmann entworfene Villa in der Plauer Strasse ist ein besonderes Denkmal für den Jugendstil.

Der Roland von Brandenburg wurde 1474 auf dem Marktplatz der Neustadt aufgestellt und hat eine Höhe von 5,35 Meter. 1716 wurde die Sandsteinfigur zum Rathaus umgesetzt, da sie die preußischen Garnisonstruppen beim Exerzieren störte. Da der Roland während des Zweiten Weltkrieges in ein außen gelegenes Gut der Stadt ausgelagert und vergraben war, wurde er nicht von der Zerstörung des Neustädtischen Rathauses bei der Bombardierung 1945 betroffen und fand 1946 seinen jetzigen Platz neben dem Portal des Altstädtischen Rathauses. Neben der Betonung der städtischen Eigenständigkeit galt die Errichtung des Brandenburger Rolands auch als Ausdruck der wirtschaftlichen Prosperität der Stadt. Dieser Roland von 1474 hatte einen vermutlich hölzernen Vorgänger aus dem Jahre 1402. Eine Kopie des Brandenburger Rolands wurde 1905 für das Märkische Museum Berlin hergestellt und vor dem Eingangsportal errichtet.

Von allen Sehenswürdigkeiten brachte es aber ein Original aus Brandenburg an der Havel es fertig, weltweit in Erinnerung zu bleiben. Fritze Bollmann verdiente sein Lebensunterhalt als Frisör in Brandenburg. Der häufig betrunkene Bollmann wurde von Kindern gern verspottet und geärgert. Statt ruhig seinen Weg zu gehen, reagierte er auf darauf, und er beschimpfte und verfolgte die Kinder und bespritzte sie mit Rasierschaum. Dadurch wurde er zur Spotfigur in Brandenburg.
    Zu Brandenburg uff'm Beetzsee,
    Ja da liegt een Äppelkahn,
    und darin sitzt Fritze Bollmann
    mit seinem Angelkram.

    Fritze Bollmann wollte angeln,
    doch die Angel fiel ihm rin,
    Fritze wollt se' wieder langen,
    doch da fiel er selber rin.

    Fritze Bollmann rief um Hilfe,
    liebe Leute rettet mir,
    denn ick bin ja Fritze Bollmann,
    aus der Altstadt der Barbier.

    Und die Angel ward jerettet,
    Fritze Bollmann, der ersoff,
    und seitdem jeht Fritze Bollmann
    uff'n Beetzsee nich mehr ruff.

    Fritze Bollmann kam in'n Himmel:
    "Lieber Petrus laß mir durch,
    denn ick bin ja Fritze Bollmann,
    der Balbier aus Brandenburg."

    Und der Petrus ließ sich rühren
    und der Petrus ließ ihn rin
    hier jibts och wat zu balbieren,
    Komm mal her, und seif mir in.”

    Fritze Bollmann, der balbierte,
    Petrus schrie: "Oh' Schreck und Graus,
    tust mir schändlich massakrieren,
    Det hält ja keen Deubel aus."

    "Uff' de jroße Himmelsleiter
    kannste widder runter jehn,
    kratze Du man unten weiter,
    Ick laß mir'n Vollbart stehn."
Brandenburg an der Havel