Buckow und Umgebung

Buckow verleitet zum Schwärmen, zum Träumen und Dichten. Und sei es nur für den Hausgebrauch. Der eine erkennt hier ein "lieblich Kind mit edlen Zügen", der andere fühlt sich im Innersten angerührt vom verklärten Blick der "sanften Augen..."

Buckow - "Herz", "Hauptstadt", "Perle" der Märkischen Schweiz ist seit annähernd 150 Jahren touristischer Dreh- und Angelpunkt dieser "Mini-Alpen" zwischen Oder und Spree. Wenn man von Müncheberg oder Strausberg kommend sich der vielleicht kleinsten Stadt Brandenburgs nähert, fährt man überraschenderweise in ein Gebirge hinab! Der Ort liegt in einem eiszeitlichen entstandenen Talkessel zwischen fünf Seen und einer bewaldeten Hügelkette, durch die sich die Straßen wie Spinnenarme hindurchschlängeln. Verwirrt rätselt der Besucher beim ersten Spaziergang, welcher See es gerade sei, der dort hinter den Häusern hervorblinkt - der Buckow-, der Griepen- oder der Schermützelsee ?

Bis ins Zentrum des 1.700 Einwohner zählenden Ortes hinein gibt die Natur den Ton an. Neben all der Naturschönheit verblaßt die Architektur, die für den aufmerksamen Betrachter jedoch vielseitig Auskunft gibt über Jahrhunderte Stadtentwicklung. Da ist die evangelische Kirche auf einer Anhöhe am Marktplatz. Sie bildet nicht nur den Mittelpunkt Buckows, sondern auch all jener malerischen Blicke, die sich von den umliegenden Wanderwegen auf das Städtchen eröffnen.

Ihre Geschichte reicht in die Anfänge der jüngeren deutschen Besiedlung zurück, als 1253 die "Villa Buckowa" mit allen Ländereien und der Hälfte einer Mühle am Stobber den Mönchen des Klosters Lebus übereignet wurden. Die, wie Ausgrabungen belegen, etwa seit 850 ansässigen Slawen mußten sich in die Töpfergasse (heute Wallstraße) zurückziehen, wo sie kleine Grundstücke mit sogenannten Wallgärten erhielten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein baute man eingeschossige Ackerbürgerhäuser mit einfachen, verputzten Fassaden, die auch heute noch in weiten Teilen das Stadtbild prägen. Sie künden von einer Zeit, als Hopfenanbau und Bierbrauen den Ort bekannt machten. 1489 bezogen 39 Dörfer ihr Bier aus "Hoppen-Buckow".

Im 18. und 19. Jahrhundert war es dann vorbei mit dem "Goldenen Hopfenzeitalter". Die Buckower suchten nach neuem Broterwerb, von Leineweber- und Tuchmacherei über Seidenraupen- und Rosenzucht. Erst ab 1865 als die Ostbahn und dann ab 1897 auch die Buckower Kleinbahn ausflugssüchtige Großstädter in die Fontane beschriebene "ländliche Schönheit" brachten, entwickelte sich eine neue Einnahmequelle, der Fremdenverkehr. Begüterte Leute von Rang und Namen ließen sich Villen bauen für die Sommerfrische, reich verziert im sogenannten Heimatstil. Fast jede Buckower Familierichtete ein Gästezimmer ein.

1993 wurde der Betrieb der elektrischen Kleinbahn eingestellt. !998 kam dann das endgültige Aus für den Bahnhof Buckow. Die Deutsche Bahn AG schloß den Traditionsbahnhof Buckow, der seit 1897 den Anschluss an das Schienennetz garantierte. Seit dieser Zeit arbeitet der Eisenbahnverein "Märkische Schweiz" e.V. an der Wiederbelebung der Strecke. Am 15. Juni 2002 war es soweit. Die Buckower Kleinbahn fährt wieder auf der 4,9 Kilometer lange Stecke zwischen Buckow und Münchehofe. (Informationen unter Telefon : 033433 15251)

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts avancierte das "liebliche Kind" zum bevorzugten Kur- und Badeort vor den Toren Berlins. Eine Tradition, die wieder neue Impulse bekommen hat, seitdem Buckow mit staatlichem Segen als einzige brandenburgische "Kneipp-Bastion" ins Rennen geschickt wurde.

Poeten, Maler, Musiker - die Märkische Schweiz zog viele an. Der "rasende Reporter" Egon-Erwin Kisch schlug hier seine Sommerzelte auf ebenso wie der Fotomonteur und Grafiker John Heartfield. Bertolt Brecht und Helene Weigel zog es in den 50er Jahren nach Buckow. Für Brecht und Weigel war das Grundstück am Schermützelsee seit 1952 Sommerhaus. Hier arbeitete der Dramatiker an Inszenierungen wie "Katzgraben ", "Turandot " und "Coriolan ". Hier entstand die Lyriksammlung "Buckower Elegien ", die noch lange nach Brechts Tod 1956 in der damaligen DDR kulturpolitische Erschütterungen auslöste. Auch nach dem Tode Brechts lebte und arbeitete Helene Weigel hier in den Sommermonaten. Seit 1977 steht das Haus für alle offen. Die Betreuung des Hauses hat die "Kultur GmbH Mol" übernommen, die mit einer ständigen Ausstellung und mit Veranstaltungen Räume und Garten belebt. Das Erdgeschoß der großen Villa, einstmals Atelier eines Bildhauers, richtete Helene Weigel für Begegnungen mit Freunden her. Die Einrichtung ist vollständig erhalten und vermittelt mit dem großen Tisch Gastfreundschaft. Knappe Informationen zu Leben und Werk Brechts ergänzen die Präsentation. In der ehemaligen Garage im Garten, die zur Erinnerung an Helene Weigel eingerichtet wurde, hat der berühmte Marketenderwagen der Mutter Courage seinen Platz gefunden; seit 1949 war er im Deutschen Theater und dem Berliner Ensemble sowie auf vielen europäischen Bühnen im Einsatz. Kostüme und Modelle von Bühnenbildern erinnern an inzwischen historische Aufführungen des Berliner Ensembles.

Quelle : www.mieterschutzbund-berlin.de

Wohin man auch wandert oder radelt von Buckow aus, der Weg führt durch kleine Dörfer, die sich malerisch in dei Landschaft betten. Beim Anblick der mittelalterlichen Silhouetten empfindet der Betrachter eine wohltuende, Ruhe verströmende Harmonie zwischen Architektur und Natur. Zeugnis einer weisen und behutsamen Auseinandersetzung des menschen mit seinen natürlichen Lebensbedingungen. Gebaut wurde mit dem, was die Natur in Fülle bot : den Feldsteinen.

Mühevoll jahraus, jahrein von den Feldern "gelesen" und zur Dorfmitte gebracht, wo sie die Steinschläger spalteten. Wir stehen heute staunend vor den kunstvoll gefügten Mauern der alten Kirchen, Bauernhäusern, Scheunen und Ställe.

Da sind Bollersdorf, Pritzhagen, Grunow, Ernsthof, Ihlow und Klosterdorf auf der Barnimhöhe. Frau von Friedland, ihre Nachfahren dero von Itzenplitz und die Bredows hinterließen hier ihre Spuren. Man wandert durch bezaubernde Mischwälder und wird nach dem Aufstieg durch romantische Schluchten mit einem der seit über 100 Jahren gerühmten Ausblicke belohnt : Vom Dachsberg zum Beispiel oder vom Krugberg, mit 130 Metern die höchste Erhebung der Märkischen Schweiz, von der sich ein weiter Blick ins Oderbruch bis nach Polen eröffnet. Die typischen Angerdörfer mit den schilfumstandenen Dorfteichen im Mittelpunkt sind Kleinode, in denen man die ursprünglichen Strukturen der bäuerlichen Wirtschafts- und Lebensweise nachspüren kann.

Von den noch vor einem Jahrzehnt pulsierenden landwirtschaftlichen Betrieben ist allerdings nicht viel übriggeblieben. Wer heute seiner Scholle verbunden bleiben möchte, muß auf mehreren Füßen stehen. Einer davon ist der Tourismus. Und so finden wir hier für die Pferdeliebhaber und Reiter bekannte Adressen, den Reitstall in Klosterdorf, den Pferdezuchtbetrieb in Pritzhagen, die mit vielen Angeboten übers Jahr Gäste aus nah und fern anlocken. In Ihlow wird ein haus nach dem anderen liebevoll restauriertr. Ein rühriger Föderverein bemüht sich seit Jahren, gemeinsam mit dem Nachbarort Reichenberg, eine Seniorenuniversität aufzubauen.

Verläßt man Buckow in westlicher Richtung zeigt sich ein völlig anderer Landschaftscharakter. Hier breitet sich die Weiden- und Wisenlandschaft des Roten Luchs aus, die ihren Namen den Ablagerungen des eisenhaltigen Wassers verdankt. Entlang der alten Heerstrße führt der Europäische Radwanderweg R1 durch Garzin und Garzau. Kleine Orte mit großer Geschichte.

Das heute leider nicht mehr öffentlich zugängliche Garzauer Schloß erstrahlte im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts im herrlichen Glanz Dank eines Mannes - Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau, berühmt durch die "Schmettausche Karte von Preußen". Neben den "Lustgärten" von Harnekop, Prötzel und Haselberg schuf der Graf hier einen der schönsten Parks Ostbrandenburgs, der sich mit Wörlitzer Park (1770) vergleichen ließ.

Wie dem auch sei, auch heute findet man mit den schön restaurierten Feldsteinkirchen (Sommerkonzerte), dem Ökohof mit Herberge, Tiergehege, Ausstellungen oder dem Badestrand am Garziner See genügend Anlässe, angenehme Tage in diesen Dörfern zu verbringen.

Nur zwei Kilometer von Garzau entfernt, radelt man durch Rehfelde. Wie Zinndorf und Werder ein Ort, der auf das Wirken der Mönche des Klosters Zinna zurückgeht.

Waldsieversdorf
Waldsieversdorf bietet rundherum Erholung, Entspannung und Abwechslung bei Mutter Natur. Ruhe, saubere Luft, Wälder, Seen und schöne Aussichtspunkte, Badestrand und Ruderbootverleih, Ferienwohnungen, kurzum alles, wonach sich ein geplagter Großstädter sehnt.

Es ist bedeutungslos, in welche Richtung man wandert, überall warten unverwechselbare Landschaftseindrücke, ob im Roten Luch mit seinen sumpfigen Wiesen und Weiden, an den Däberseen oder entlang der Alten Berliner Straße, wo einst unter einer Eiche Kronprinz Friedrich auf seiner Fahrt in die Küstriner Festungshaft gerastet haben soll. Die Vermutung liegt nahe, daß Theodor Fontane - hätte er die Villenkolonie Waldsieversdorf sehen können - ebenso ins Fabulieren geraten wäre wie beim Anblick der Naturschönheiten im nur zwei Kilometer entfernten Buckow. Doch erst 30 Jahre nach seinen Wanderungen durch die Märkische Schweiz wurde der seit Jahrhunderten wüst liegende Siedlungsflecken aus seinem Dornröschenschlaf geweckt.

Ausgrabungen belegen hier eine frühe Besiedlung der Germanen in der Bronzezeit und später ab dem 7. Jahrhundert der Slawen. 1253 wurde "Seyfridisdporp" erstmals urkundlich erwähnt. Nach 200 Jahren war es - von Hussiten zerstört - kaum noch auffindbar. Nur die Mühle, ein Vorwerk und der Geschehof überdauerten die Jahrhunderte. Die "Wüste Sieversdorf" verdankt ihre Neugründung dem Sozialreformer Ferdinand Kindermann, der 1889 beim Kauf der Priestermühle und dazuhgehörigem Ackerland den Plan einer Wohnsiedlung für Arbeiterfamilien in der Tasche hatte. Doch die Behörden protestierten gegen diese "sozialistische Kolonie". Statt dessen entstanden Villen für begüterte Kreise und 1906-08 auf dem Höhenzug am Großen Däbersee ein repräsentativer neoklassizistischer Bau, das "Märkische Sanatorium". Spezialisiert auf die Therapie innerer Erkrankungen, später Kneipp-Kurheim, begründete das Sanatorium über drei Jahrzehnte den guten Ruf als Luftkurort. Eien Entwicklung, die 1998 mit der endgültigen staatlichen Anerkennung als Erholungsort einen weiteren bedeutenden Meilenstein erricht hat.

Wurzelfichte
Ein romantischer Wanderweg führt neben dem wildbachartigen Sophienfließ an vielen eindrucksvollen, alten, knorrigen Fichten vorbei. Der Wanderweg am Sophienfließ entlang, zuweilen 10 Meter über dem Wildbach, dann wieder auf waaserumspülten Steinen oder schmalen Stegen das Fließ überquerend, oft durch urwaldartig dichte Vegetation, hat einen besonderen Reiz. Die Wurzelfichte steht am Ufer des Fließes. Unter dem freigespülten Wurzelstock finden 20 Menschen Platz. In eindrucksvoller Weise werden die Verzwigungen und Verankerungen der Wurzeln eines Baumes im Boden deutlich. Um 170 Jahre dürfte die gewaltige Fichte alt sein.

Karte Buckow