Calau und Umgebung

An der Straße von Luckau nach Cottbus, zu der späterhin jene von Lübben nach Dresden wichtig wurde, entstand im Markgrafentum Niederlausitz neben einer Burg wohl im frühen 12. oder 13. Jahrhundert die regelmäßig angelegte Stadt - Calau, die 1279 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Erste Ansiedlungen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit sind durch Bodenfunde bewiesen, z.B. in der Urnenstraße und im Gebiet der Herrenheide. Denn die natürlichen Bedingungen, geschützte Lage, Wasser- und Waldreichtum für Fischfnag, Jagd und Bienenzucht, Weideland in den Niederungen, guter Ackerboden im Norden bis zur Kleptna, im Westen auf der Hochfläche nach Säritz zu und im Süden auf der Ostseite des Werchower Weges bildeten somit einen vielfachen Anreiz für eine slawische Besiedlung innerhalb oder bei der heutigen Stadtanlage.

Die Sage erwähnt den Ort schon um 650 nach Christi. Um 950, als Markgraf Gero das Gebiet der Niederlausitz als Teil der deutschen Ostmark eroberte, soll der Ort befestigt gewesen sein, um den Rittern für ihre militärische Besitzergreifung Schutz zu geben.

Der Bau der Dunkelsburg dürfte etwa um das Jahr 1000 erfolgt sein. Ihre Überreste - an der höchsten Stelle des Stadtovals gelegen (95 m über NN) - lassen vermuten, daß auch Calau einst Burgwardsmittelpunkt war. Die Mitteilung eines Historikers, daß um das Jahr 1087 Calau Mittelpunkt des Wendenlandes gewesen sei ("in medio surb Kalow") fand nie eine urkundliche Bestätigung.

Um diese Burg herum konnte besonders im 13. Jahrhundert die Ansiedlung sowohl sorbischer als auch deutscher Zuwanderer erfolgen. Der Name wechselte von Calowe späterhin zu Calo, Kalau, Calau.

Im 14. Jahrhundert begann der Aufbau der spätgotischen dreischiffigen Stadtkirche, die einen alten Vorgängerbau aus Feld- und Raseneisensteinen ersetzte. Um 1480 wurde der Kirchturm angebaut, mit 70 Meter Höhe der höchste der Niederlausitz. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden aus den Gerichtsbezirken die alten Kreise der Niederlausitz, von denen 1411 Calau, Luckau, Lübben und Guben genannt wurden. Spremberg kam später hinzu. Schon im 14. Jahrhundert hatte Calau die Freiheit von der grundherrlichen Gewalt erlangt und war eine der 4 landesherrlichen Städte der Niederlausitz, mit der sie 1635 an Kursachsen und 1815 an Preußen fiel. Zum Kreis Calau gehörten die Städte Calau, Senftenberg, Drebkau, Vetschau, Lübbenau und eine Fläche von rund 1000 Quadratkilometer.

In den unruhigen Zeiten des Mittelalters und einigen folgenden Jahrhunderten haben die Besitzer der Stadt oft gewechselt.

Die lutherische Reformation fand bereits 1520 Eingang in Calau. Die Hussitenkriege sowie der 30jährige Krieg brachten der Stadt mancherlei Trübsal und schwere Verluste an Hab und Gut. 1627 wurde Calau durch Truppen Wallensteins geplündert, und 1635 brannte die Satdt durch die Unachtsamkeit eines Soldaten bis auf den Grund nieder. Allein die Stadtkirche mit ihren mächtigen Backsteinmauern blieb erhalten.

Nicht minder nachteilig wirkten auch die Kriege des 18. Jahrhunderts (der Nordische und der 7jährige Krieg), indem von den unglücklichen Bewohnern große Geldsummen erpreßt wurden. Im Jahre 1813 entging Calau noch rechtzeitig dem Vollzug des Befehls von Marschall Oudinot, der es zusammenschießen lassen wollte, weil er den Preußengeneral von Bülow mit seiner Streitmacht darin vermutete.

Am 21.07.1813 reiste Napoleon durch Calau, wobei am Cottbuser Tor ein kuzer Halt zum Pferdewechsel eingelegt wurde. Später entstand die Sage von der Napoleoneiche.

Wanderungen durch Calau
Am westlichen Stadteingang, dem 1854 abgebrochenen Luckauer Tore, vereinigen sich die Lübbenauer, Buckower, Finsterwalder Straße und der Säritzer Weg und bilden mit der Springteichallee eine komplizierte Straßenkreuzung.

500 Meter entfernt steht am Säritzer Weg ein bedeutendes technisches Denkmal. Eine Bockwindmühle, deren Errichtung 1534 der Stadt Calau durch ein Privileg König Ferdinands I. von Böhmen und Markgraf der Niederlausitz gestattet wurde. Diese Windmühle ist seit 1575 in Privatbesitz der Familie Klemen-Clemens-Schneider und wird vom jetzigen Besitzer liebevoll erhalten, restauriert und gepflegt.

Hinter dem Scheunenviertel der ehemaligen Calauer Ackerbürger zwischen Säritzer Weg und Buckower Straße war in den dreißiger Jahren eine Stadtrandsiedlung entstanden, die zu Ehren des Calauer Demokraten der Revolution 1848 Anwandterstraße benannt wurde. Am Nordwestrand der Altstadt sieht man noch einen Mauerrest der ehemaligen Dunkelsburg, die um 1576 abgebrochen wurde.

Der westliche Stadteingang bot früher ein malerisches Bild, wo an rechter Seite bis 1929 das alte Hospital stand, in der Mitte das alte blaßgelbe Schöngartsche Fachwerkshaus, dazu in der als "Spittelmarkt" bezeichneten Straßenverbreiterung ganz rechts das auch sehr alte Haus des Stellmachers und Wagenbauers Dubrau neben noch drei weiteren kleinen Häuschen. Alle mußten ebenso wie das Schöngartsche Fachwerkshaus beseitigt werden, als die sozialistische Stadtneugestaltung eingeleitet wurde.

Beim Gang zur Stadtmitte benutzen wir die Kirchstraße und nähern uns bald der Wendischen oder Landkirche, die 1520 gegründet, nach mehreren Bränden 1666 ihr heutiges Aussehen erhielt und öfters restauriert werden konnte. In ihr ist noch bis ins 19. Jahrhundert Gottesdienst in sorbischer Sprache für dei Bewohner umliegender Dörfer gehalten worden.

Auf der linken Seite steht einer der alten Röhrkästen, die zu der hölzernen Wasserleitung gehörten. Die war nach mehrmaliger Erneuerung, der letzten 1824, über Jahrhunderte in Betrieb und wurde 1888 durch eiserne Rohre ersetzt.

Es folgt das alte Pfarrhaus sowie ein besonders schönes Fachwerkhaus aus dem Jahre 1789. Da die Räume der Stadtschule "Am Gericht 11/12" nicht ausreichten, wurde 1887 eine und ab 1895 eine weitere Mädchenklasse in diesem alten Hause untergebracht, und im Volksmund wird das Haus "alte Mädchenschule" genannt. 1935 konnte es Dank der Bemühungen des Lehrers und Verwalters heimatlicher Altertumsschätze, Herrn Bernhard Menzel, als Heimatmuseum eingeweiht werden.

Auf der rechten Seite sehen wir in die Straßengabel "Am Gericht" mit den restaurierten Haus Nr. 12, das Haus war als das "Gerichte" bekannt, jedoch um 1800 völlig verfallen. 1809 wurde es durch den jetzigen Bau ersetzt, in den die Stadtschule einzog. Der freie Platz davor war notwendig, da in alten Zeiten die Gerichtsverhandlungen unter freien Himmel vor dem "Gerichte" stattfanden.

An das Heimatmuseum grenzt der von großen Linden beschattete Kirchplatz mit der mächtigen evangelischen Stadtkirche. Im Mittelalter und auch noch später war die Kirche von einem Friedhof umgeben, von dessen Existenz einige verwitterte Grabtafeln an der Kirchenmauer zeugen.

Als nächstes öffentliches Gebäude nähern wir uns dem 1880 im Renaissancestil erbauten schönen Rathaus, das den alt und mürbe gewordenen Vorgänger ersetzte. Leider hat es 1945 schwer gelitten und konnte nicht wieder so getreu mit Turm rekonstruiert werden. An seiner Südseite leuchtet nun wieder die alte goldene Schrift "Jedem das Seine und Gott die Ehre - erbaut im Jahre 1880", die seit 1952 durch eine Verkleidung mit dem Gorki-Zitat "Die Wahrheit steht höher als das Mitleid" verdeckt worden war.

Der Marktplatz ist nach einem "Kalauer" der "größte der Welt", denn er reicht vom "Keller bis zur Sonne" (Ratskeller - Hotel zur Sonne). Am Rande gibt es den 2. noch erhaltenen Röhrkasten. Vom Markt in Richtung Süden erstreckt sich die Töpfergasse, heute Töpferstraße, deren Namen auf den Wohnsitz wohl auch sorbischer Töpfer hindeutet. Bis zum Abriß der kleinen Häuser an der Ostseite hatte dort der Töpfermeister Elsigk eine Werkstatt mit Laden. Am Ende, an der Stadtmauer stand seit dem 14. Jahrhundert die oft umgebaute städtische Badestube, in der es getrennte Räume für Frauen und Männer gab. 1536 wird urkundlich erwähnt, daß dem Küster und den Schülern jeden Sonnabend ein kostenloses Bad zu gewähren sei. Ein Jahrhundert vorher war schon der Rat verpflichtet worden, den Stadtarmen jährlich zwei kostenlose Bäder zu gewähren.

Vom Marktplatz nach Westen erstreckt sich die Schloßstraße als einzige mit der noch erhatenen Granitstein-Straßenpflasterung. Im oberen Teil, dem ältesten Stadtteil überhaupt, finden wir rechts die Abzweigung zur alten "Schloßfreiheit", dem heutigen Burgplatz mit 2 alten Burglehnhäusern. Hier beginnt mit kleien Häuschen der innere nördliche Stadtring "Am Schlagbaum", was darauf hinweist, daß der schmale Durchgang zur Gartenstraße die 3. Toröffnung mit Zollstation war.

Weiterhin beachtenswert in der Marktnähe ist der Gasthof zur Sonne. Bereits 1678 durch den Herzog von Sachsen-Merseburg ein Privileg erteilt, eine Schank- und Gastwirtschaft mit Ausspannung nebst eigener Fleischerei zu betreiben. Der Kurfürst von Sachsen bestätigte am 16.08.1730 dem Restaurateur Heyde das gleiche Recht für ihn und seine Nachkommen. Der zum Hotel zur Sonne umgebaute Gasthof hörte 1950 auf zu bestehen.

Calauer Schweiz
Die Calauer Schweiz, ein Naturschutzgebiet südlich des Spreewaldes. mit Quellen, Mooren, Teichen und Erhebungen, zählt zu den größten und waldreichsten, geschützten Gebieten im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

Sie zeichnet sich nicht nur dadurch aus, daß sie in ihrem Bestand bedrohte Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet, sondern sie ist das einzige großräumige Quellgebiet, das von der Grundwasserabsenkung der umliegenden ehemaligen Braunkohletagebaue weitgehend verschont geblieben ist.

Die "Calauer Schweiz" einschließlich der angrenzenden Teile des Niederlausitzer Landrückens ist durch ihre geologische Beschaffenheit als mächtiger Wasserspeicher zu verstehen, dessen Unversehrtheit die Vorraussetzung für weitere Naturschutzgebiete ist, wie das Naturschutzgebiet Teichlandschaft Buchwäldchen/Muckwar, Naturschutzgebiet "Reptener Teiche" sowie zahlreiche kleine Feuchtgebiete.

Ein Anziehungspunkt sind auch der "Goldborn", die größte und bedeutendste Quelle der Niederlausitz, aber auch wertvolle Guts- und Bauernhäuser, Dorf- und Parkanlagen, geschützte Baumgruppen und Gewächse. Von den höchsten Erhebungen dem Kesselsberg (161 Meter und dem Kuhringsberg 151 Meter) hat man einen herrlichen Ausblick zum südlichen Rand des Spreewaldes und zu den Teichen bei Weißag und Buchwäldchen.

Beliebt sind die Kremserfahrten, die eigens von der "Stegschänke" in Werchow starten. Die "Stegschänke" mit regionaltypischer Hausmannskost, deren Geheimnis in der Verwendung von Produkten aus dem Umland liegt.

Karte Calau