Eberswalde und Umgebung

Vorgeschichtliche Funde weiden bereits auf eine frühe Besiedlung des heutigen Eberswalder Raumes hin. Gegründet wurde Eberswalde im Jahre 1254 vom asketischen Markgrafen Johann I. Die spätere Stadt entstand im Schutz einer Askanierburg als planmäßige Anlage nach kolonialem Schema, wobei bestehende Siedlungsformen mit integriert wurden. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde "Euerswolde" im Jahre 1276. In einer Grenzbriefurkunde finden wir die damaligen Grenzfestlegungen von Eberswalde durch den askanischen Grafen Albrecht III.

Politisch bedeutsam erweist sich die Verlegung der wichtigen Handelsstraße Leizig-Frankfurt / Oder-Stettin über Eberswalde durch den Markgrafen Waldemar und die Verleihung des Rechtes der Warenniederlage. Gleichzeitig wurde der Ort damit Umschlagsplatz für alle die Finow befahrenden Oderschiffe. Aus einer Urkunde von 1322 erfahren wir, daß Eberswalde damals mit massiven Stadtmauern befestigt war (heute noch Reste in der Nähe des Heimatmuseums), mit 34 Weichhäusern, zwei Toranlagen, Wällen und Wassergräben.

Fast die gesamte Stadt vernichtete der große Stadtbrand von 1499. Zwei große städtische Kupferhämmer entstehen 1532 am Kleinwerder; 1602 werden sie durch kurfürstliche Neugründung abgelöst. Von 1605 bis 1620 wird der erste Finowkanal gebaut, während des 30jährigen Krieges wird er jedoch wieder zerstört. Der Krieg fordert unter den Eberswaldern große Opfer, und im Jahre 1635 leben in der Stadt noch ganze 20 Bürger. Vom 18. bis 20. Dezember war in der Maria-Magdalenen-Kirche der gefallene Schwedenkönig Gustav Adolf II. aufgebahrt.

1652 erhält Eberswalde die erste Postanstalt und 1664 die erste Feuerspritze. Im Jahr 1681 wandern die Französischen Reformisten ein. Mit der Errichtung des Messingwerkes von 1690 bis 1700 werden die ersten Schritte auf dem Weg zur industriellen Entwicklung im Finowtal gegangen. 1691 wandern Schweizer Familien ein. Nach über hundert Jahren wird endlich der zweite Finowkanal als Verbindung zwischen Havel und der Oder eröffnet. Von 1743 bis 1755 siedeln sich in der neuen Vorstadt auf dem Kleinwerder auf Betreiben Friedrich II. Messer- und Scherenschmiede aus Ruhla, Schmalkalden und anderen Orten an. Eine Stahl- und Eisenfabrik entsteht bald darauf. 1750 entsteht die erste Fassung eines "Gesundbrunnens". Bis 1898 werden immer wieder Versuche unternommen, die eisenhaltigen Quellen, insbesondere aus den Brunnenbergen, für einen Kur- und Badebetrieb zu nutzen. Richtungsweisend für die geistige und kulturelle Entwicklung der Stadt ist im Jahre 1830 die Verlegung der Forstakademie aus Berlin als Höhere Forstlehranstalt nach Eberswalde. Ihr erster Direktor ist niemand anderes als der berühmte Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (1783-1859). In diesem Zusammenhang entstehen neben den Lehreinrichtungen auch Waldversuchsflächen und botanische Gärten, der bedeutendste ist der heute noch in Eberswalde existierende Forstbotanische Garten (1830).

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Berlin-Stettin in den Jahren 1842/44 brachte neue Impulse für die wirtschaftliche und politische Entwicklung von Eberwalde und Umgebung. Viele Berliner kommen nach "Neustadt Eberswalde" und ihre schöne Umgebung, um sich an Gesundbrunnen, Wasserfällen, aber auch bei zünftigen Festen zu amüsieren. Die Erschließung von Bahnwegen eröffnete schon bald neue Perspektiven für das Gebiet um Eberswalde, verlieh sowohl der industriellen Entwicklung als auch der Besiedlung neuen Aufschwung. Gemeinden wie Britz entwuchsen durch die Siedlung um die Bahnstation herum ihrer dörflichen Struktur, Betriebe, wie die aus Berlin nach Britz verlegte Eisengießerei, prägten den Ort als Industriestandort.

Der Eberswalder Stadtteil Westend wurde ab 1908 gebaut, später folgten die neuen Stadtteile Ostend (1932) und Nordend (1939). Hier entstanden nach den Wohnhäusern der Kantstraße auch die ersten Straßenzüge des sozialen Wohnungsbaus und die Siedlung der Eisenbahner in Kupferhammer. 1914 wurde der an der Stadt vorbeiführende Oder-Havel-Kanal als "Hohenzollernkanal" (später "Großschiffahrtskanal") eröffnet, um den zunehmenden Binnenschiffsverkehr aufzunehmen. Im Jahre 1935 erhielt Finow, seit 1928 selbständige Großgemeinde, das Stadtrecht. Ganze 35 Jahre konnte Finow sich Stadt nennen, dann wird es 1970 mit Eberswalde zu "Eberswalde-Finow" zusammengeschlossen. Heute heißt die Kreisstadt erneut Eberswalde, und Finow, Tornow und Sommersfelde stellen sich als Ortsteile mit ihrem Namen dar.

Eberswalde blickt auf eine wechselvolle Vergangenheit zurück, deren Zeugnisse durch Kriegseinwirkungen und vernachlässigte Werterhaltung in den letzten Jahrzehnten nur noch teilweise vorhanden sind. Aus der einst blühenden Stadt Eberswalde mit entwickelter Verkehrsstruktur, Schwerindustrie, einem beachtlichen Bestand großzügiger Häuser- und Geschäftspassagen sowie Erholungsstätten wurde am 25. und 26. April 1945 innerhalb von Stunden ein Trümmermeer; mit dem historischen Altstadtkern wurde es seines natürlichen Zentrums beraubt, das bislang noch nicht als solches wieder errichtet werden konnte.

Zu den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören neben dem spätgotischen Backsteinbau der Maria-Magdalenen-Kirche das Rathaus, ein Spätbarockbau aus dem Jahre 1755 mit farbigen Stadtwappen (angebracht 1866), das um 1795 errichtete Gebäude der Alten Forstakademie, das ehemalige Ritterhaus (Adlerapotheke), das 1702 errichtete Gebäude der Löwenapotheke, der Löwenbrunnen von 1836 (Eisenguß nach Daniel Rauch), Barbara-Glocke in der Goethestraße, 1518 gegossen von Hinrich van Kampen sowie Reste der Stadtmauer aus dem frühen 14. Jahrhundert.



Forstliche Ausbildung wird in Eberswalde seit 1830 betrieben. Aus der Höheren Forstlichen Lehranstalt wurde 1868 die Forstakademie. 1921 ging aus ihr die forstliche Hochschule hervor, die von 1946 bis zu ihrer Schließung im Jahre 1963 als Forstwirtschaftliche Fakultät der Berliner Humboldt- Universität angegliedert war. Die 1991 neugegründete Fachhochschule setzt die Tradition der forstlichen Ausbildung, nun auch mit internationaler Ausrichtung, in enger inhaltlicher und personeller Kooperation mit der Landesforstanstalt Brandenburg fort.

Finowkanal
Bereits im Mittelalter zählt die Finow zu den wirtschaftlich wichtigsten Flüssen der Mark Brandenburg. Sie war Energielieferant für Getreide-, Säge- und Hammermühlen. Ihr Bett bildete den tiefsten Teil des Eberswalder Urstromtals. So lag der Gedanke nah, über sie Havel und Oder zu verknüpfen.

Start zu diesem Projekt war am 21. Oktober 1603. Damals ordnete der brandenburgische Kurfürst Joachim-Friedrich (1546-1608) den Bau eines Treidel-Kanals von der Alten oder Faulen Havel bei Liebenwalde bis zum Möllensee unweit von Finowfurt an. Von hier aus folgte der Kanal dann dem Lauf der Finow bis nach Eberswalde und Niederfinow, um dann beim sogenannten Wolfsloch in die Oder zu münden. Elf Schleusen legte man an. 1620 war der 39,4 km lange Finowkanal Nummer eins vollendet.

Lange konnte Brandenburg von dieser nützlichen Schiffsverbindung jedoch nicht profitieren. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verwüstete auch den Kanal. Das Gewerbezentrum Eberswalde, für das ein schiffbarer Wasserweg lebenswichtig war, sorgte dann auch für den heutigen Finowkanal. Die Bürger wandten sich an ihren Landesherrn Friedrich II. (1712-1796) und dieser verfügte den Bau des Kanals Nummer zwei, der am 16. Juni 1746 fertig war. Der neue Kanal hatte 17 moderne Schleusen und mündete in den Lieper See. Der nun 36,5 km lange Wasserweg wurde zur Lebensader der aufblühenden Industrieregion Finowfurt/Eberswalde.

Mehrfach modernisiert, aber bald völlig überlastet, wurde er erst 1914 durch den damals hochmodernen Oder-Havel-Kanal zwischen Schleuse Spandau und Schiffshebewerk Niederfinow ersetzt.

Schiffshebewerk Niederfinow
Im Mittelalter hat sich im Oderbruch eine bedeutende Handelsstraße entwickelt, die über Oderberg westwärts verlief. Der rege Handelsverkehr brachte es mit sich, über neue Verkehrswege nachzudenken. Daß eine Wasserstraße die neuen Bedingungen erfüllen konnte, war theoretisch und praktisch bekannt. Die Realisierung sollte aber noch lange auf sich warten lassen. Im Oktober 1603 veranlaßte Kurfürst Joachim Friedrich, die Havel mit der Oder mittels schiffbaren Kanals durch den Fluß Finow zu verbinden.

1749 hatte der Kanal 16 Schleusen, deren Kammerabmessungen die Durchfahrt des sogenannten Finowmaßkahns mit etwa 40 Meter Länge, 4,6 Meter Breite und 1,4 Meter Tiefgang bzw. des Großfinowmaßkahns mit den Maßen 31x5,1x1,5 Meter ermöglichten.

Mit der Entwicklung der Dampfschifffahrt und dem immer größer werdenden Verkehrsaufkommen hatte der Kanal 1905 seine Leistungsgrenze erreicht. 1905 gingen durch die Schleuse Eberswalde 2.754.117 Tonnen - das war nicht mehr zu überbieten.

Unter diesen Umständen sah sich die preußische Regierung gezwungen, in die Kanalvorlage von 1905 Aufwendungen von 43 Millionen Mark für die grundlegende Umgestaltung der Wasserstraßen von Berlin nach Stettin aufzunehmen. Diese neue Wasserstraße hat an Stelle von 19 Stufen nur noch 4 Stufen, bei Plötzensee, Lehnitz, Niederfinow und Hohensaaten.

Die Abmessungen der Schleusen und des Querschnitt des Kanals wurden so gewählt, daß Schiffe mit 600-700 Tonnen Tragfähigkeit verkehren können. Durch die Verringerung der Schleusenanzahl war es nun möglich, die Strecke an einem Tag zu bewältigen. Der etwa 37 Meter über NN liegende Abschnitt mußte auf Hälfte der Gesamtlänge mit einer rund 35 cm dicken Tonschicht künstlich abgedichtet werden. Drei Wsser- und Sperrtore sorgen im Bedarfsfalle für eine Abschottung einzelner Abschnitte.

Erwähnenswerte Ingenieurbauten im Zuge des Kanals sind die Überquerung des Flüßchen Rgöse in 28 Meter Höhe durch einen Damm und die Kanalführung über die Eisenbahnstrecke Berlin-Stralsund.

Bereits das schon erwähnte preußische Wasserstraßengesetz sah den Bau eines zweiten Abstieges neben der Schleusentreppe vor. Man entschied sich für den Bau eines Schiffshebewerkes, das 1927 öffentlich ausgeschrieben wurde. Dadurch konnten gegenüber den 3 Schleusen die 36 Meter Höhenunterschied in einem Zug überwunden und somit Zeit und sehr viel Wasser gespart werden.

Als 1929 der Grundbau fertiggestellt war,konnte mit dem Stahlbau begonnen werden. Der Schiffstrog hat eine Länge von 85 Metern, ist 12 Meter breit und hat eine Tiefe von 2, Metern. Die Abmessungen ermöglichten es, Schiffe mit einer Last von 1.000 Tonnen zu beförden. Das Gesamtgewicht beträgt zirka 4.300 Tonnen. Dieses Gewicht hängt an 256 Seilen von je 52 mm Durchmesser verbunden mit den 192 Betongegengewichten und läuft über 128 doppelrillige Seilscheiben von 3,5 Meter Durchmesser. Die Tore an den Enden des Troges sind 12,5 Meter breit und zirka 3,5 Meter hoch und haben ein Gewicht von etwa 23 Tonnen.

Durch die gute Gewichtsverteilung benötigt man nur 4 Gleichstrommotoren mit einer Leistung von je 55 kW, die den Trog heben und senken.

Das Stützgerüst ist knapp 60 Meter breit. Der Untergrund machte den Bau einer Kanalbrücke zum Hebewerk erforderlich. Diese hat eine Länge von 157 Meter, eine Gesamtbreite von 34 Meter (28 Meter Wasserspiegelbreite) und eine Wassertiefe von 3 Metern.

Das Schiffshebewerk Niederfinow nahm am 21. März 1934 seinen Betrieb auf und war damit zu dieser Zeit das größte seiner Art. Eine Einschleusung mit Ein- und Ausfahrt dauerte damals wie heute zirka 20 Minuten.

Das Schiffshebewerk hat heute nicht nur eine große Bedeutung für die Schifffahrt, es ist auch als technisches Denkmal ein touristischer Anziehungspunkt. Die von Jahr zu Jahr steigenden Besucherzahlen belegen dies. Der Besucher kann sich nicht nur eine Schleusung ansehen, es ist auch möglich, diese auf einem Schiff selbst mitzuerleben.

Luftfahrtmuseum Finowfurt
Das Luftfahrtmuseum Finowfurt besitzt die größte Luftfahrthistorische Sammlung in den neuen Bundesländern. Das Museum befindet sich auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz. Sie können mehr als 25 Originalflugzeuge, Triebwerke, Kraftfahrzeuge und Schnittmodelle besichtigen.

Alle ausgestellten Flugzeuge, Triebwerke und Flugzeugwracks haben ihre großen und kleinen Geheimnisse. Sie erschließen sich dem Besucher durch fundierte und anschauliche Sachinformationen in den Flyern, Themenheften und sachkundigen Führungen. Erfahren Sie das Geheimnis des ausgestellten Wracks einer abgestürtzten deutschen Maschine Focke Wulf 190 aus dem 2. Weltkrieg oder die spannende Geschichte der 1966 über Westberlin abgestürtzten Jak-28.

Kontakt :
Luftfahrtmuseum Finowfurt
OT Finowfurt
Museumsstraße 1
16244 Schorfheide
Telefon : 03335 - 7233
Telefax : 03335 - 326224
eMail : info@luftfahrtmuseum-finowfurt.de
Internet : www.luftfahrtmuseum-finowfurt.de

Öffnungszeiten :
März - Oktober von 10.00 - 17.00 Uhr
Oktober - März von 10.00 - 16.00 Uhr


Liepe
Liepe gehört zum Amt Oderberg im Landkreis Barnim und liegt sehr malerisch zwischen Bruch und Plateau. Die Großsteingräber auf dem Pfingstberg zeugen von der schon sehr alten Geschichte des Ortes. In slawischen Zeiten gab es ein Ober- und ein Unterliepe, später gehörten beide Teile zum Kloster Chorin. och heute kann man einige alte Fachwerkhäuser der Schiffer, Fischer und Bauern aus dem 16. Jahrhundert sehen. Die Lieper Schleuse stammt aus dem Jahre 1767. Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte der Holzhandel und die Flößerei große Bedeutung. Sehenswert ist auch das Lieper Schöpfwerk, erbaut 1895/96.

Spechthausen
Der Name Spechthausen geht auf einen Hammerschmidt mit dem Namen Johann Georg Specht zurück. Dieser errichtete ein Hammerwerk, das später zu einer Schneid- und Mahlmühle umgebaut wurde. Auf Veranlassung von Friedrich II. wurde die Mühle in eine Papierfabrik umgebaut. Ab 1799 wurden hier Banknoten und Wertpapiere hergestellt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden hier große Menge von gefälschten Banknoten produziert. Damit sollte die Wirtschaft von England und den USA gestört werden. Sie können die Papiermanufaktur besichtigen und das Schöpfen von Büttenpapier selber miterleben.

Papiermühle Spechthausen
Eberswalder Straße 27-29
16227 Eberswalde
Telefon: 03334-354943

Von Spechthausen lohnt sich eine Wanderung entlang des Nonnenfließ. Laut einer Sage soll am Nonnenfließ ein Nonnenkloster gestanden haben. Bei einer Flut wurde das gesamte Kloster in die Tiefe gerissen. Nur eine Nonne überlebte die Flut und aus Dankbarkeit errichtet diese ein hölzernes Kreuz. Der Name der Nonne war Liese, und daraus wurde die Stelle des Kreuzes Liesenkreuz genannt.

Karte Eberswalde