Fehrbellin und Umgebung

Erwähnung findet die Stadt Fehrbellin schon 1216 als Belin. Der heutige Name geht auf eine Rhinfähre zurück, von der erstmals im Jahre 1402 die Rede ist.

Im kleinen Stadtpark steht ein Denkmal zu Ehren des Großen Kurfürsten. Seit 1902 erinnert das Standbild des brandenburgischen Regenten an die Schlacht, die den Ort über die Grenzen hinaus bekannt gemacht hat (wenn es auch eigentlich eine "Schlacht bei Hakenberg" war). Am westlichen Ende von Fehrbellin befindet sich eine stattliche Kirche, die nach Plänen von Friedrich August Stüler 1867 im neugotischen Stil anstelle einer älteren im ehemaligen Dorf Feldberg errichtet wurde, das erst 1928 zu Ferhbellin eingemeindet wurde.

Hakenberg
Theodor Fontane schrieb:
"Grüß Dich, dich Tag von Fehrbellin. Grüß Gott, dich Tag, du Preußenwiege. Geburtstag und Ahnherr unsrer Siege. Und Gruß dir, wo die Wiege stand, geliebte Heimat, Havelland."
Auf diesem Flecken brandenburgischer Erde wurde am 16., 17. und 18. Juni 1675 die Größe des brandenburgisch-preußischen Staates gegründet in der Schlacht von Fehrbellin. Zur Eriinerung und Gedenken an die Schlacht von Fehrbellin wurde hier in Hakenberg errichtet.

Kurz vor Hakenberg überragt ein Denkmal die Bäume. Folgt man eine wenige hundert Meter lange Allee, trifft man auf ein Zeugnis brandenburgischer und europäischer Geschichte. Inmitten eines kleinen Wäldchens ragt eine 40 Mter hohe Siegessäule empor, ähnlich der in Berlin, nur um einiges kleiner. Auf der Spitze des als Aussichtsturm errichteten Denkmals zur Erinnerung an die Schlacht bei Fehrbellin steht eine Bronzeviktoria nach einem Entwurf von Christian Daniel Rauch. Am Fuße der Säule erinnert ein Marmorportrait an den Sieger des Gemetzels, den Großen Kurfürsten. Ausgeführt wurden die Arbeiten im Jahre 1879 von Albert Wolff. 114 Stufen sollten niemanden davon abhalten die Säule zu ersteigen. Der Blick weit ins Ruppiner Land entschädigt für die Mühen. Im Norden erhebt sich am Horizont die siebzehn Kilometer entfernte Neuruppiner Dominikanerklosterkirche; vor uns am Rande des Rhinluchs, von West nach Ost, die Orte Hakenberg, Tarnow und Fehrbellin.

Die Schlacht bei Fehrbellin
Im 17. Jahrhundert herrschten wirre Zeiten in Europa. An allen Ecken und Enden des alten Kontinents tobten Kriege. Französische Truppen unter Ludwig XIV. griffen Deutschland und die Niederlande an; 1674 wurde die Rheinpfalz zerstört. Frankreich und Schweden hatten sich gegen die deutschen Länder verbündet; da hieß es, den Reichskrieg gegen den Erbfeind im Westen zu führen.

So beteiligte sich auch der Große Kurfürst mit 20.000 Mann am Waffengang gegen Frankreich, aber schon in den ersten Januartagen des Jahres 1675 mußten sich die verbündeten deutschen Truppen wieder über den Rhein zurückziehen.

Zu allem Unglück drangen nun auch noch die Schweden von Norden in Brandenburg ein, der Kurfürst war aber mit dem Gros seiner Truppen in den deutschen Südwesten gezogen. Man musterte im Brandenburgischen zwar eifrig Soldaten, kam aber dennoch im Frühjahr auf nicht mehr als 6.000 Mann.

Die erste große Offensive der Schweden fand am 28. Dezember 1674 in der Uckermark statt. Während des zweiten Einfalls am 31. Mai 1675 war es den Skandinaviern gleichermaßen eine Leichtigkeit, die brandenburgischen Truppen aus ihren Stellungen bei Fehrbellin, Kremmen und Oranienburg zu vertreiben. Diese zogen sich nach Spandow, dem heutigen Berlin-Spandau, zurück.

Drei Wochen später standen die schwedischen Truppen vor den Mauern der Stadt Brandenburg, in Pritzerbe/Havel lagerte die Kavallerie, und Rathenow wurde von einem Dragoner-Regiment besetzt.

Nach der Meldung von den schwedischen Einfällen aus dem Norden machte sich der Große Kurfürst im Eilmarsch mit seinen Truppen auf den Weg in Richtung Heimat. Am 21. Juni erreichte man Magdeburg. Vier Tage später, am 25. Juni 1675 um zwei Uhr morgens, wurde Rathenow angegriffen und die Schweden, die nicht so schnell mit der Ankunft der kurfürstlichen Truppen gerechnet hatten, besiegt.

Eigentlich wollten sich sämtliche schwedischen Truppen in diesem Tagen vereinen, doch als man in Pritzerbe von der Rathenower Niederlage erfuhr, versuchte man, den brandenburgischen Truppen über Nauen und Fehrbellin auszuweichen. Der Kurfürst nahm daraufhin die Verfolgung auf.

Am 28. Juni trafen die verfeindeten Parteien aufeinander. Es regnete. Leichter Nebel erlaubte keine gute Sicht. Nach einigen kleinen Scharmützeln ließ scih die entscheidende Schlacht bei Hakenberg nicht mehr verhindern. Der Nachteil der Schweden war, daß sie nicht erkennen konnten, wie groß die kurfürstliche Armee tatsächlich war.. Wetter und die landschaftlichen Gegebenheiten verhinderten den Überblick. So kam es, daß die Schlacht in den frühen Nachmittagsstunden entschieden war. 6.000 brandenburgische Reiter hatten eine weitaus stärkere schwedische Armee geschlagen.

Rhinluch
Während die Trockenlegung des Havelländischen Luchs - durch König Friedrich Wilhelm I. gefördert - bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter fachlicher Anleitung von holländischen Experten begann, wurde das Rhinluch größtenteils erst gegen Ende des Jahrhunderts melioriert.

Um aus dem Sumpfland fruchtbares Ackerland zu machen, wurden Gräben gezogen, Brücken, Stauschleusen und Dämme gebaut. Ab 1840 lief jedoch der Torfabbau der Umgestaltung der Wasserführung den Rang ab. Vor allem die Neuruppiner "Torflorde" Johann Christian und Alexander Gentz betrieben ein lebhaftes Geschäft mit dem gefragten Energieträger, der besonders im nahegelegenen Berlin für Haus- und Industriebrand genutzt wurde.

Heute ist das Rhinluch mit seiner vielfältigen Flora und Fauna ein wertvolles Biotop. Seltene Vögel wie Kraniche, Fischadler und vor allem Störche sind hier noch heimisch. in Linum, einem kleinen Dorf nur weige Kilometer südlich des Fehrbelliner Schlachtfeldes, ist in der Naturschutzstation ein "Storchenmuseum" eingerichtet, das die Lebensgewohnheiten dieser anmutigen Vögel dokumentiert.

Ausgangspunkt für interessante Ausflüge kann die für ihre optischen Erzeugnisse bekannte Stadt Rathenow sein. Begründer des wichtigen Industriezweiges der Stadt war der Pfarrer Johann Heinrich August Duncker. Er konstruierte 1901 auf dem Dachboden seines Geburtshauses am Kirchplatz eine Vielfachschleifmaschine und begann die Produktion von Brillengläsern.

Wer sich für die Fliegerei begeistert, sollte in das Ländchen Rhinow fahren. Mit Rhinow und Stölln verbindet sich ein Gutteil moderner Fluggeschichte. Hier auf der höchsten Erhebung des Havellandes, dem Gollenberg bei Stölln, unternahm Otto Lilienthal Gleitflüge mit seinen selbstgebauten Flugapparaten. Wer möchte, kann sich auch selbst in die Lüfte erheben. (Segeln, Drachenfliegen, Hubschrauberrundflüg)

Die Einwohner nennen ihn Otto-Lilienthal-Berg, den 110 m hohen Gollenberg bei Stölln. Hier unternahm Otto Lilienthal Flugversuche mit seinen Flugapparaten. Er erreichte damit Weiten bis 350 m. Ein Gedenkstein erinnert an die Stelle, an der er bei einem dieser Flüge 1896 verunglückte. Bemerkenswert auf dem Flugplatz Stölln die IL62 der Interflug. Im Innern des ehemaligen Passagierflugzeuges informiert eine Gedenkstätte über das Leben und Wirken des Flugpioniers.

Linum
Auf einem schmalen Höhenzug zwischen Rhin- und Havelländischen Luch, dem Ländchen Bellin, liegt das Storchendorf Linum.

Wer zwischen Linum und Hakenberg hinfährt und weiß "dies ist das Schlachtfeld von Fehrbellin", hier fiel des Kurfürsten Stallmeister Froben, hier wurde das Regiment Dalwigk in Stücke gehauen, "der wird sich aufrichten in Wagen und Luch und Heide plötzlich wie in wunderbarer Beleuchtung sehn" schrieb Theodor Fontane 1894 im Vorwort zu seiner "Grafschaft Ruppin".

Der Dichter konnte nicht ahnen, daß das Dorf Linum 100 Jahre später seine Anziehungskraft, neben dem Abglanz des kurfürstlichen Sieges über die Schweden im Sommer 1675, einem heute selten gewordenen Sommergast verdankt. Jedes Frühjahr erwarten die Linumer ihre "Adebars". Im Februar übt man sich noch in Geduld, im März aber, da müßten sie kommen, die aus Afrika anreisenden Weißstörche. Rund auf 18 Giebeln, Dächern, Baumkronen horstende Brutpaare machen den kleinen Rhinluchort vor den Toren der Hauptstadt zu einem der wenigen Störchendörfer in Deutschland, in denen noch Weißstörche in nennenswerter Zahl brüten.

Der erste Ankömmling, mitunter noch im Schneetreiben, hat dann die Qual der Wahl. Welches der zahlreichen Nester soll er besetzen, vielleicht - aus der Oranienburger Richtung einfliegend - gleich das am Ortseingang auf dem Gittermast mit der Nisthilfe, oder jenes auf der alten Linde mit dem Wagenrad, noch besser das höchste auf der Zinne des gotischen Dorfkirchgiebels, dessen Turm eine von König Friedrich I. gestiftete güldene Krone ziert.

Natürlich wird auch das Nest auf dem Schuldach geprüft, immerhin möchte es schon bis zu 2 m Durchmesser haben, sowie die zwei auf dem schönsten märkischen Stallgiebel. Bei so vielen Angeboten ist es nicht immer leicht, doch auch hier gilt, der erste hat den ersten Zugriff, verschafft sich den besten Blick auf die nahrungsreichen Wiesen, erwirbt die sicherste Stellung gegenüber angreifenden Feinden und Rivalen. Ein Brutpaar mit drei Jungen muß immerhin täglich 4 kg Nahrung erbeuten.

Aber schon zur Zeit Friedrichs des Großen ging es "Tierisch" in Linum zu. Er führte in Linum die Seidenraupenzucht ein. Allein im Pfarrgarten standen damals 184 Maulbeerbäume. Die dazughörige neugotische Backsteinkirche von 1867 ist im Kern mittelalterlich und weist heute noch drei alte Glocken aus dem 16. und 17. Jahrhundert auf. Bemerkenswert für ein Dorf dieser Große sind die Staffelgiebel an der nach Osten gewandten Seite des Gotteshauses.

Übrigens - kennen Sie Luise Hensel ? Wahrscheinlich nicht. Und es wäre höchstwahrscheinlich kaum von Belang, daß Luise Hensel 1798 in Linum geboren wurde, wäre da nicht das Gebet "Müde bin ich, geh' zur Ruh, schließe meine Äuglein zu". Die von Brentano verehrte Dichterin, die zwanzig Jahre auch in Berlin lebte und wirkte, schuf dieses wohl bekannteste Wiegenlied Deutschlands.

Linumer Rhinluch
Einsame Weiten wogender Gräsermeere, dunkle Moorkolke, vielfarbige Blumenwiesen und zwischen den Grashalmen wiegen sich Schmetterlinge im Wind, so wurde es oft besungen, das Rhinluch - seit jeher ein Eldorado für den Weißstorch, dem Wappentier des Naturschutzbundes.

In der letzten Eiszeit entstanden, erstreckt sich das Rhinluch - ein von Flachmooren bedeckter Teil des Thorn-Eberswalder Urstromtales - vom Kremmener See bis hin zur Rhinmündung. Wasserreichtum, Feuchtwiesen und Äcker haben in dieser typischen Niedermoorlandschaft eine große Artenvielfalt der Flora und Fauna entstehen lassen.

Erst die Trockenlegung größerer Flächen und der Abbau der Torflager durch den Menschen gaben dem Luch sein heutiges verändertes Gesicht. Die intensive Entwässerung der Feuchtwiesen ermöglichte zwar die Gewinnung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen, führte aber gleichzeitig zu schweren Schäden der Böden, in der natürlichen Vegetation und der Tierwelt - auch zum Bestandsrückgang der Weißstörche.

Karte Fehrbellin