Ländchen Friesack

Der Amtsbereich Friesack gehört mit elf Gemeinden und 200 Quadratkilometer zu den flächenmäßig größten im Havelland. Die Einwohnerzahl ist jedoch nicht so immens. Es leben nur 30 Menschen auf einem Quadratkilometer. Im Jahr 1992 bildete sich der Amtsbereich Friesack und somit wurden 10 Gemeinden und eine Stadt miteinander vereinigt.

Zum Amtsbereich gehören folgende Gemeinden : Zootzen, Wutzetz, Vietznitz, Wagenitz, Senzke, Haage, Brädikow, Warsow, Pessin und Paulinenaue. Jede Gemeinde hat ihren eigenen ursprünglichen Charakter. Eine große Rolle in dieser Region spielte die Familie von Bredow. Sie kam im 12. Jahrhundert mit Albrecht dem Bären ins Land. Und so ergab es sich auch, daß sich die Sage ihrer annahm : Der Teufel hatte einst einen Menge Edelleute in seinem Sack gesteckt und flog damit zur Hölle. Da riß der Sack an einer Kirchturmspitze auf und ein Herr von Bredow fiel heraus. Da riefen die anderen "Loch to, loch to". Herr von Bredow nannte nun das Dorf, das er baute, Lochow.

Als der Teufel weiterflog, riß der Sack noch viel weiter und eine Menge Bredows purzelten heraus. Voll Freude riefen sie alle: " Frie ut'n Sack", und nannten den Ort Friesack. Ein anderer wollte nachspringen. Da schrein die übrigen Edelleute : "Wags nit". Er wagte es schließlich und gründete das Dorf Wagenitz. Da die Herren von Bredow nicht alle in Friesack bleiben konnten, so änderten sie die Richtungen. Der älteste Bruder blieb gleich in Friesack, der zweite wanderte landein und gründete Landin, der dritte ging den selben Weg lang und nannte sein Dorf Selbelang, der vierte ging rechts to und baute Retzow, ein anderer ging beßhin und gründete Pessin. Der letzte also ließ sich in Bredow bei Nauen nieder, dem er seinen Namen gab.

Friesack
Friesack ist eine alte Ackerbürgerstadt am Rande des Rhinluchs gelegen. 1327 wurde Friesack erstmals als Stadt, in einem Brief des bayrischen Markgrafen Ludwig erwähnt. Friesack hatte auch eine Burg. 1218 wurde sie in einer Urkunde erwähnt. Die besagte Urkunde liegt im Dom zu Brandenburg/Havel und erwähnt die Burg Friesack als Grenzfeste des brandenburgischen Kirchenbezirkes. Die Friesacker Burg galt als Symbol des märkischen Raubrittertums. Die Burg war Sitz der Ritter von Quitzow. 1414 wurde die Burg Friesack mit Hilfe der Faulen Grete von Friedrich VI., Burggraf zu Nürnberg, niedergelegt.

Friesack

Die Straßennamen wie Oberwall- und Burgstraße, Große und Kleine Schanze deuten auf die ehemalige Befestigungsanlage hin. Auf dem Burgberg stehen heute noch 2 riesige Platanen. Wenn man sich das Gelände der alten Burg zwischen Kirche und Post angesehen hat, bietet es sich an, den Friesacker Marktplatz zu besuchen. Hier findet man ein schönes Marktplatzensemble mit Rathaus aus dem 18. Jahrhundert und Burghäuser in unterschiedlichen Stilepochen.

Das Heimatmuseum gegenüber dem Rathaus lädt jung und alt ein, ein bißchen über die Geschichte von Friesack zu erfahren.

Im Stadtpark von Friesack steht das Denkmal von Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg. Es wurde am 13.10. 1894 durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde die Figur abgetragen. Ihr Verbleib ist unbekannt. Heute ist nur noch der rote Sockel vorhanden.

Eine Naturschönheit gibt es am Ortsausgang in Richtung Klessen zu betrachten. Es ist die Sieben Brüder Eiche, eine Eiche mit einem Stamm und 7 Bäumen.

In Friesack beginnen und enden zwei verschiedene Radwanderwege. Die Strecken sind gut ausgeschildert und führen durch die einzelnen Gemeinden unseres Amtsbereiches. Will man die Gegend nicht mit Fahrrad, sondern auf dem Rücken der Pferde erkunden, so kann man sich auf dem Reiterhof im Ortsteil Briesen ein Pferd leihen. Der Reiterhof liegt direkt am Wald.

Zootzen
Von Friesack nach Zootzen führt eine Landstraße, die Ortsteil Damm rechts abbiegt und durch weitere 3 kleine Ortsteile führt. Das alles zusammen ist Zootzen. Geprägt ist das Gebiet durch einen 1600 ha großen Wald, der dem Besucher eine Vielfalt an Flora und Fauna bietet. Der Westteil de Zootzen ist Naturschutzgebiet. Über einen Naturlahrpfad kann der Wanderer das Gebiet selbst erkunden. man kann hier 20 verschiedene Holzarten, besonders Eichen bis 300 Jahre alt, finden. Im Frühling blühen hier reichlich Anemonen, Leberblümchen und Maiglöckchen. 20 Vogelarten, darunter Nachtigall und Schreiadler brüten im Zootzen. Mit etwas Glück kann der Besucher auch Ringelnattern oder den seltenen Hirschkäfer sehen. Man kann auch eine naturkundliche Wanderung durch den Friesacker Zootzen in größeren Gruppen mit dem Revierförster unternehmen.

An der Straße zwischen Friesacker und Klessener Zootzen auf der linken Seite befindet sich die Schwedenschanzen. Sie stammen aus dem 30jährigen Krieg. Im Zootzen befinden sich zwei Burgwälle aus dem 9. Jahrhundert. Im Klessener Zootzen ist es ein altslawischer Burgwall, der ein Burgbeziksmittelpunkt war und im Briesener Zootzen eine slawische Fluchtburg. Die Wanderwege zu den Wällen sind ausgeschildert.

Wutzetz
Wutzetz ist eine bäuerliche Siedlung aus der Zeit der Wenden. Das Dorf ist ein typisches Rundlingsdorf, welches in einer fast kreisrunden Ausbuchtung des festen Landes gebaut wurde. In der Mitte des Dorfes steht die Kirche, eine einfache, einschiffige Hallenkirche ohne Turm. Sie wurde aus Fachwerk und Lehm errichtet. Um 1830 wurde die Kirche neu erbaut, aus unverputztem Fachwerk mit hohen rechteckigen Fenstern. 1882 wurde eine Glocke im neu erbauten Turm aufgehängt.

Auf dem Eichenhof in Wutzetz wird Pferdesport groß geschrieben. Hier kann man Pony-, Kutsch- und Kremserfahrten unternehmen oder selbst hoch zu Roß die Natur erkunden.

Vietznitz
Vietznitz wurde im Jahre 1365 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und liegt am Rande des Ländchen Friesack. Vietznitz ist ein Reihendorf.

Das Rittergut Vietznitz gehörte über viele Jahrhunderte der Familie von Bredow. Das Schloß der Bredows wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut. Es ist heute nur noch ein kleiner Teil des Gebäudes vorhanden. Der Ort hat eine kleine Kirche, die als Rechteckbau mit kurzem, spätgotischem Ostteil aus Backstein und barockem Westteil aus Fachwerk mit verbrettertem Dachturm errichtet wurde. Der Altar von 1695 ist zweistöckig mit zwei gewundenen Säulen und ausgesägten Wangen. 1836 wurde der Altar rekonstruiert. Die hölzerne Kanzel ist von 1686 und achteckig, ebenso wie die achteckige Taufe.

Ein Besuch dieser kleinen Kirche lohnt sich immer. Auf Vietznitzer Gebiet liegt der Schönstückenberg. Den Namen hat er vom General von Schöning, welcher zur Zeit des schwedischen Einfalles 1675 auf dem Berg seine "Stücken" gepflanzt habe, um den Paß von Vietznitz nach "Bellin" zu bedecken.

Im Juni ist im Dorf Backofenfest. Am Dorfplatz gibt es einen alten, gut erhaltenen Backofen. In ihm werden zum Fest die leckersten Brote gebacken, die man sich gut schmecken lassen kann.

Wagenitz
1353 wurde Wagenitz erstmalig in einer Urkunde erwähnt. Seit dieser Zeit wurde das Geschehen im Dorf durch die Familie von Bredow geprägt. Hartwig von Bredow ließ 1571 den sogenannten Schwedenturm errichten. Das war der Grundstein für das Wagenitzer Schloß, dem wohl schönsten Sitz der Bredows.

Der Schwedenturm ist ein Küchenbau, der seinen Namen durch die Ereignisse des 30jährigen Krieges bekam. Von 1991-1994 wurde er durch Baumaßnahmen vor dem weiteren Verfall bewahrt. Im Inneren des Turms ist ein kleines Museum eingerichtet. Hier kann man sich über die damaligen Ereignisse kundig machen. Oben auf dem Turm befindet sich ein Storchennest. In jedem Jahr brüten hier die Störche ihre Jungen aus.

In der Wagnitzer Kirche gibt es ein 6 Quadratmeter großes Votivgemälde aus dem Jahre 1667, auf welchem die Familie Christoph von Bredow dargestellt ist.

Nach einem Spaziergang durch den 8 ha großen Park mit vielen seltenen Baumarten kann man sich auf dem Grillplatz erholen. In Wagenitz kann man auch in die Lüfte gehen, nämlich mit einem Ballon. Der hier ansässige Ballonsportclub bietet Ballonfahrten nach vorheriger Absprachen an.

Senzke
Das Dorf liegt am Südrand des Ländchen Friesack, unmittelbar am Rande des Havelländischen Luches.

Die Kirche von Senzke wurde 1857 im Stil der Schinkelschule erbaut. Sie ist ein Saalbau mit Aspis. Die Innneinrichtung ist aus Holz und aus der Vorgängerkirche von 1667. Links und rechts des Altares befindet sich das Patronatsgestühl mit den Darstellungen der 12 Apostel. An den Wänden hängen Bilder von etwa 1720 mit naiven Bauernmalerei.

Die Bredows waren alle Generationen hindurch Patrone der Senzker Kirche. 1875 wurde das Schloß, welches heute als Schule dient, im klassischen Stil errichtet. Der dahinter liegende Park wurde bereits 1751 von dem Domherren von Havelberg, Otto Friedrich von Bredow angelegt. Seine Grabstätte befindet sich im Park, im Domherrenhäuschen, einem kubischen Putzbau mit Schieferdach.

Im Park stehen heute mächtige Laubbäume. Ein idyllischer Teich und der Begräbnisplatz der Familie von Bredow geben dem Park seine Reize. Zur Jahrhundertwende fuhr in Senzke eine Schmalspurbahn. Sie verband Rathenow-Senzke-Paulinenaue. Das damalige Bahnhofsgebäude ist noch als Ruine vorhanden.

Haage
Haage wurde 1307 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort entwickelte sich über Einzelgehöfte zum Angerdorf. Landschaftlich ist Haage in eine talförmige Mulde eingebettet. Auch hier bestimmte die Familie von Bredow das Leben im Dorf.

In Verlängerung des Angers entstand ein Gutspark und eine Kastanienallee führte auf das Gutshaus zu. Heute kann man noch anhand der Baumstubben den Verlauf der Allee nachvollziehen. In Haage stehen mit die ältesten Eichen in unserer Gegend. Die Förstereiche z.B. hat einen Umfang von 5,20 m und eine Höhe von 30 m. Sie steht vor dem alten Forsthaus.

Eine Kuriosität gibt es an der Heerstraße zu sehen. Eine etwa 80-90 Jahre alte Eiche ist so mit einer Kiefer verschlungen, daß man meinen könnte, sie hätten eine Wurzel.

Die Kirche von Haage steht etwas außerhalb des Dorfes, so daß sie auch weithin von allen Seiten aus gesehen werden kann. Sie wurde im Barockstil errichtet und birgt einen wunderschönen Kanzelaltar, vor welchem sich auch Brautpaare von außerhalb trauen lassen.

Brädikow
Brädikow entwickelte sich als Straßendorf parallel zur Landstraße.

Den jetzt freien Dorfmittelpunkt bildet eine Gebäudekomplex, der durch eine Allee mit dem Vorwerk verbunden war. Das Vorwerk war das Gut Bernhardinenhof. Anfang des vergangenen Jahrhunderts von einem Herrn von Bredow gegründet und nach dessen Frau Bernhardine von Wulffen benannt. In den 30er und 40er Jahren dieses Jahrhunderts entstand dort die Bergsiedlung.

Die Kirche von Brädikow war eine, um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene, schlichte Fachwerkskirche in Saalform mit neugotischem Turm von 1868. 1976/77 mußte der Saal der Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden So steht heute nur noch der Kirchturm. Die landschaftlich reizvolle Lage Brädikows an der Grenzlinie zwischen Havelländischen Luch und der Hochfläche des Ländchen Friesack lädt geradezu zum Wandern ein. Aber auch ein Ausritt ist möglich, denn in Brädikow gibt es einen Reiterhof.

Warsow
Warsow wird 1541 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte damals zum Königreich Preußen, zur Provinz Brandenburg.

Warsow war ein reines Bauerndorf, ohne Gewerbe und Industrie.

1683 wurde die Kirche eingeweiht. Ein nüchterner, ganz überputzter Fachwerkbau in Saalform mit quadratischem Bretterturm auf dem Westende. Der Altar mit Kanzel besteht aus zwei gewundenen Säulen im ländlichen Barock

Der Ortsteil Jahnberge liegt 5 km östlicher Richtung von Warsow. Es ist ein Straßendorf.

Inmitten der ausgedehnten, ebenen Niederungslandschaft bei Jahnberge erhebt sich auffallend der bewaldete Dünenzug der Großen Jahnberge. Hier ist ein Naturschutzgebiet, das sich als Strichdüne von 1 km Länge von Nordwesten nach Südosten erstreckt. Hier wurden auch zahlreiche Feuersteinabschläge gefunden, die eine steinzeitliche Bearbeitungsstellen vermuten lassen. Auf der Düne wachsen zahlreiche Pflanzenarten.

Eine kurze Wegstrecke nach Nordost durch die Luchwiesen führt zu den Kleinen Kahnbergen, die durch die ausgeprägten Trockenrasen charakterisiert sind. Ein Artenreichtum an Trockenrasenpflanzen läßt hier jedem Botaniker das Herz höher schlagen.

Pessin
Die erste Nennung des Ortes stammt aus dem Jahre 1197, die erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahre 1335.

In Pessin läßt sich Geschichte aufspüren. Das Herrenhaus derer von Knoblauch ist wahrscheinlich das älteste in der Mark Brandenburg.

Der Stammvater der Familie, Sigismund von Knoblauch, ließ es 1419 als Fachwerkbau errichten. Neben der Tür im Gebälk befindet sich eine Inschrift. Die selbe Inschrift trägt die Glocke. Bedeutend älter als das Herrenhaus sind die dicken Mauern der z.T. gewölbten Keller, die außerhalb des Hauses liegen.

Die Dorfkirche ist teilweise spätgotisch, teilweise ein Putzbau von 1739. Hier gibt es bemerkenswerte hölzerne Lauben beiderseits des älteren Westteils des Kirchenschiffes zu sehen. Turm und Schiff der Kirche waren ursprünglich getrennt. Vor der Kirche auf dem kleinen Hügel liegt das Denkmal für die gefallenen Pessiner aus dem 1. Weltkrieg.

Ein auffälliges Gebäude im Dorf ist das Altersheim. Es wurde 1900 als Villa Winter gebaut.

Paulinenaue
Paulinenaue liegt auf einer Talsandinsel am Rande des Niedermoors. Der Ort grenzt im Nordwesten an das Einzugsgebiet der Großtrappen an. Hier gibt es auch zahlreiche Kleingewässer mit einer wertvollen Vegetation. Rohrweihe und Beutelmeise sind hier noch zu Hause.

Paulinenaue hat einen Park, der unter Naturschutz steht, das "Lindholz". Das ist ein naturnaher Laubwaldkomplex. Um diesen Wald für sich zu nutzen zu können, wurde ein Naturlehrpfad eingerichtet. Im Lindholz wachsen Schlüsselblumen, Leberblümchen, Maiglögchen und hier ist das einzige Vorkommen in Brandenburg des Großen Zweiblatts und der grünlichen Waldhyazinthe. In der Mitte des Lehrpfades lädt eine kleine Schutzhütte zur Rast ein.

Paulinenaue ist geprägt durch die Bahn. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde Mitte des vorigen Jahrhunderts ein großer Schritt für die Entwicklung des Ortes getan.

Karte Friesack