Jüterbog und Umgebung

Die schriftliche Ersterwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1007 und meint vermutlich die spätere Dammvorstadt. 1174 verlieh der Erzbischof Wichmann Jüterbog Magdeburger Stadtrecht. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich Jüterbog zu einer blühenden Handels- und Handwerkerstadt. Alle bedeutenden Bauwerke stammen aus dieser Zeit. Der Auftritt des Ablaßpredigers Tetzel in Jüterbog soll Anlaß für Martin Luther gewesen sein, seine Thesen gegen den Ablaßhandel zu verfassen. Jüterbog war vom 14. Jahrhundert bis 1623 immer wieder Austragungsort für Fürstentagungen. Im 16. Jahrhundert verbreitete Thomas Müntzer, Hans Kohlhase un Philipp Melanchthon von Jüterbog aus ihre Ideen. Im 30jährigen Krieg weilte Wallenstein 1626 in Jüterbog.

Nachdem die Stadt 1815 preußisch geworden war, begann für sie die Entwicklung als Garnisionstadt, die sie bis zum Abzug der sowjetischen Streitkräfte im Jahre 1991 blieb.

Jüterbogs Altstadt empfängt seine Besucher auf allen drei Hauptzufahrtsstraßen mit reich geschmückten Stadttoren aus dem 15. Jahrhundert, zwei Tore sind Doppelanlagen. 5 Mauertürme und Stadtmauerreste mit Wiekhäusern veranschaulichen den ehemaligen Verlauf der mittelalterlichen Verteidigungsanlagen. Das älteste Bauwerk der Stadt, die Liebfrauenkirche, befindet sich in der Dammvorstadt. Zu den bemerkenswerten wertvollen Baudenkmalen innerhalb des historischen Stadtkerns gehören die doppeltürmige Pfarrkirche St. Nikolai aus dem 14./15. Jahrhunderts mit bedeutsamer mittelalterlicher Ausstattung, die Tetzelkapelle und das mit Staffelgiebeln geschmückte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Das heute als Bürgermeisterzimmer genutzte Fürstenzimmer ist ein Meisterwerk spätgotischer Baukunst.

Im ehemaligen Abtshof ist das Heimatmuseum untergebracht. Die Mönchenkirche, eine dreischiffige Backsteinhalle mit einschiffigem Chor, wurde zwischen 1480 und 1510 errichtet und dient heute als Bibliothek sowie Konzert- und Theaterraum. Neben den dominierenden Einzeldenkmalen leisten die wohltuend proportionierten Straßenräume mit Wohnbebauung aus dem 18. und 19. Jahrhundert ihren Beitrag zu einem sehr harmonischen Stadtbild.

Der Höhenrücken des Niederen Fläming prägt das Umland der Stadt Jüterbog. Seine Bezeichnung geht auf die Besiedlung dieses Landstriches durch Flamen zurück. Zusammen mit dem Hohen Fläming erstreckt er sich über 100 km von der Elbaue bei Burg bis ans Dahmetal bei Dahme. Im Landschaftsbild dominieren ausgedehnte Wälder. Südlich von Jüterbog liegt ein ackerbaulich genutzter Landstrich, der eine eindrucksvolle Fernwirkung der unverfälschten Stadtsilhouette ermöglicht.

Kloster Zinna

Ganz in der Nähe von Jüterbog sollte man noch das Kloster Zinna besuchen. 1170/1171 wurde das Kloster auf Geheiß Wichmanns von Magdeburg gegründet. Dafür holte er aus der Zistersienserabtei Altenberg bei Köln die ersten Mönche. Durch die Missionierung der ansässigen Slawen und die landwirtschaftliche Erschließung sollte die deutsche Herrschaft rund um Jüterbog gesichert werden. Der Erfolg gab den Mönchen recht.

Im 15. Jahrhundert besaß das Kloster den Marktflecken Luckenwalde, 30 Dörfer im Land Jüterbog und zehn auf dem Barnim sowie etliche Häuser in Jüterbog, Berlin, Wittenberge und Strausberg.

Zudem fielen mannigfaltige Einnahmen an, wie z.B. aus den Kalksteinbrüchen bei Rüdersdorf und der Wallfahrtskapelle auf dem Golmberg bei Stülpe. Die reichlichen Geldopfer der Gläubigen wanderten in die Hände des Zinnaer Abtes.

Dieser Reichtum dokumentiert sich noch heute in der ansehnlichen Architektur. Besonders gelungen ist das Abtshaus mit seinem reichverzierten backsteinernen Staffelgiebel aus der Mitter des 15. Jahrhunderts. Älter ist die Klosterkirche, mit deren Bau schom um 1230 begonnen wurde. Kein Besucher sollte sich das Museum im Kloster entgehen lassen. Die Fresken in der Abtskapelle zählen zu den schönsten und wertvollsten Wandmalereien Nordost-Deutschlands.

1533 fiel Kloster Zinna der Säkularisation zum Ofper, und dessen Besitztümer wurden zwischen Brandenburg und Magdeburg aufgeteilt.

Das Dorf entstand erst 1764, als die preußische Regierung hier 150 Häuser bauen ließ und sie anschließend mit je zwei Morgen Land an Oberlausitzer Weber vergab. Die Weberei bestimmte das Leben der Menschen noch immer. Das Museum macht Geschichte begreifbar. Erleben Sie die Herstellung des bekanntesten Zinnaer Produktes des "Klosterbruders", hautnah mit. Schauen Sie Handwebern bei der Arbeit zu. Begegnen Sie bekannten Persönlichkeiten und unbekannten Künstlern, die den Ort prägt haben.

Museum Kloster Zinna
Am Kloster 6
14913 Kloster Zinna
Telefon : 03372-439505
geöffnet Dienstag - Sonntag von 10.00-17.00 Uhr und nach Vereinbarung
weitere Informationen : www.kloster-zinna.net

Webermuseum Kloster Zinna
Berliner Straße 72
14913 Kloster Zinna
Telefon : 03372-432739
geöffnet Dienstag - Sonntag von 10.00-17.00 Uhr
weitere Informationen : www.webhaus-kloster-zinna.de

Luckenwalde

Luckenwalde wurde 1216 als Burganlage Lukenwalde erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort geht aber auf den slawischen Ort namens Lugkin zurück. Dabei bedeutet Lug Bucht, Biegung oder Bogen. Dies bezieht sich auf die Lage in einer Bucht des Baruther Urstromtals und auf den Flusslauf der Nuthe. Eine andere Deutung führt die Silbe Lug auf den Begriff Luch, der für eine feuchte Niederung steht, zurück.

1285 kaufte das Kloster Zinna den Ort und die Burg. Man vermutet das der heutige Marktturm ursprünglich ein Bergfried oder Teil einer Burg gewesen war. Seit 1484 sind die Glocken der Sankt-Johannes-Kirche im Turm. Der Salzhandel im Mittelalter von Halle nach Berlin ließ den Ort ständig wachsen. 1430 wurde dem Ort das Braurecht und die Zulassung von Handwerkern vom Erzbischof Gunther von Magdeburg verliehen. Erst im 19. Jahrhundert wird Luckenwalde im Zuge der Steinschen Städteordnung das Stadtrecht verliehen.

Im Dreißigjährigen Krieg wird Luckenwalde geplündert und verwüstet. Seit dem Jahre 1680 gehörte die Stadt zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg und bildete als eine Exklave einen eigenen Kreis. 1684 gründete der Zeugmacher Christian Mauhl aus Schandau in Sachsen ein Unternehmen zur Versorgung der preußischen Regimenter. Weitere Tuch- und Zeugmacher folgen. 1745 wird Luckenwalde zur Amtsstadt. 1772/73 kam es zu einem innerpreußischen Gebietstausch, wudurch Luckenwalde aus dem Herzogtum Magdeburg ausschied und dafür der Ziesarsche Kreis zu Magdeburg kam. Seit 1828 wuchs Luckenwalde zu einer Industriestadt, am Anfang des 20. Jahrhunderts waren zahlreiche Tuch- und Hutfabriken in Luckenwalde ansässig. 1841 bekam Luckenwalde einen Eisenbahnanschluß an die Linie Berlin-Halle. Eine wichtige "Erfindung der Menschheit" wurde im Jahre 1867 in Luckenwalde auch gemacht, so wurde der Pappteller von Hermann Henschel in Luckenwalde geschaffen und patentiert. Die Stadt wurde von Chronisten als "Sadt der Schornsteine" bezeichnet. An diesem Titel haben das Feuerlöschgerätewerk von Otto Hermann Koebe und das Pianowerk in Luckenwalde einen starken Anteil.

Während des 2. Weltkrieges blieb Luckenwalde von schweren Zerstörungen verschont, so sind viele historische Gebäude erhalten geblieben. Der Marktturm gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Eine Legende sagt folgendes über den Marktturm aus: "In früheren Zeiten stand der Marktturm direkt bei der Kirche, er war noch ein Kirchturm. Die Jüterboger jedoch waren neidisch, und wollten den Kirchturm stehlen. Deshalb luden sie ihn bei Nacht auf einen großen Wagen. Sie kamen jedoch nicht weit, nach wenigen Metern zerbrach der Wagen, und der Turm landete wieder auf dem Boden. An dieser Stelle steht er bis heute." Die ältesten Teile des Turmes stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Der Marktturm ist 38 Meter hoch und kann bestiegen werden.

Die spätromanische St. Johanniskirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Laut Ordensregel der Zisterzienser Mönche bekam die Kirche keinen Turm, sondern nur einen kleinen Dachreiter für die Glocken. Den für heutiges Aussehen entscheidenen Umbau erlebte die Kirche 1901 bis 1903. Bei Restaurierungen fand man im Kircheninneren Reste wertvoller spätgotischer Wand- und Gewölbemalereien.

Der Vierseitenhof geht auf eine Gründung (Große Fabrik) von Friedrich II. zurück. Er siedelte 200 Zeugmacher aus Gera in der "Großen Fabrik" an und stellte ihnen Webstühle zur Verfügung. Leider war der Erfolg der "Großen Fabrik" nicht von langer Dauer. Die Besitzer wechselten ständig und im Jahre 1929 fiel die "Große Fabrik" der Weltwirtschaftskrise zum Opfer. Heute ist der Vierseitenhof eine Wohn- und Hotelanlage.-

Wiepersdorf

Wiepersdorf wurde im Jahre 1160 erstmals urkundlich erwähnt. 1462 kam der Ort mit dem Ländchen Bärwalde unter die Lehenshoheit von Böhmen. Erst 1742 wurde die Lehenshoheit von Friedrich II. aufgehoben. Im Jahre 1780 kam Wiepersdorf in den Besitz der Familie von Arnim.

Wiepersdorf, dem ehemaligen Wohnsitz von Ludwig Achim und Bettina von Arnim, erstahlt heute wieder im alten Glanz. Das in Brandenburg, etwa 80 km südlich von Berlin gelegene Schloss Wiepersdorf nimmt in der Geschichte der Künste, insbesondere der Literatur, eine besondere Stellung in Deutschland ein. Als ehemaliger Wohnsitz von Achim von Arnim und Bettina von Arnim, dem bedeutenden Dichterpaar der Romantik, hat es eine lange Tradition als Ort des geistigen Austausches. Achim von Arnim zählte neben Clemens Brentano zu den bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik. 1814 zogen Achim von Arnim mit seiner Frau Bettina auf das Rittergut Wiepersdorf. Im Jahre 1831 starb Achim von Arnim und wurde in der Kirche dort beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht:

Gieb Flügel dann und einen Hügel Sand
den Hügel Sand im lieben Vaterland
die Flügel gieb dem abschiedsschweren Geist
daß er sich leicht der schönen Welt entreißt.

Bettina von Arnim war eine bedeutende Dichterin der deutschen Romantik. In Ihren Berliner Soireen trafen sich viele bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Zeit - Wilhelm und Alexander von Humboldt, Gneisenau, Christian Daniel Rauch, Karl Marx, Ferdinand Lasalle, Heinrich Heine u.v.a. Bettina von Arnim war während ihres ganzen Lebens sehr sozial eingestellt. Sie pflegte Kranke und Pestkranke und kritisierte das sozilae Verhalten des Königs Friedrich Wilhelm IV. in ihrer Anklageschrift "Dies Buch gehört dem König". Im Alter von 74 Jahren starb Bettina von Arnim in Berlin, beigesetzt ist sie zu Füßen ihres Mannes Achim von Arnim in Wiepersdorf.

Der Enkel von Achim und Bettina von Arnim lässt im Jahre 1877 umfangreiche Änderungen am Schloss und Park vornehmen. So entsteht 1877 am nördlichen Teil des Hauses auf den Resten des abgerissenen Nordflügels sein geräumiges Atelier. Es ist der größte Raum des Hauses, mit hoher Decke, die er nebst Türen kunstvoll ausgemalt hat. Später ließ er den Balkon und die halbrund ausschwingende Terrasse anbauen. Die breite Freitreppe mit massiver Balustrade und Vasen endet in einem abgesenkten Gartenparterre mit Mittelbeet. Südlich des Gartenparterres entstand 1888/89 die Orangerie. Sandsteinfiguren, Statuen aus der griechisch-römischen Sagenwelt und große Vasen, die der Maler von seinen Italienreisen mitbrachte, verleihen dem Park ein heiteres südliches Flair. Vor dem großen Atelierfenster stehen im Halbkreis aufgestellt fünf groteske Zwergenfiguren, deren Herkunft nicht überliefert ist. Am westlichen Teil des Gartenparterres schließt sich ein Landschaftsgarten an. Haus und Park stehen heute unter Denkmalschutz.

Die ehemals kleine Schlosskirche, die sich im nördlichen Teil des vorderen Schlossparks befindet, wurde 1894/95 ebenfalls nach den Plänen des Malers Achim von Arnim-Bärwalde umgebaut und erhielt ihr heutiges Aussehen. Auch die Gestaltung des Familienfriedhofs an der Kirche wurde nach seinen Plänen ausgeführt. Dort ruhen das Dichterehepaar und einige ihrer Nachfahren. Heute ist die Kirche eine Gemeindekirche und kann nur während der Gottesdienste oder bei Führungen besichtigt werden.

Das Schloss Wiepersdorf ist heute ein Künstlerhaus. Es finden dort zahlreiche Veranstaltungen, Lesungen, Konzerte, Kolloquien und Ausstellungen statt. Das Schloss Wiepersdorf beinhaltet auch das Bettina und Achim von Arnim Museum.

Dennewitz

Einen Abstecher sollte man noch nach Dennewitz machen. Im Verlaufe des Befreiungskrieges gegen die napoleonische Fremdherrschaft wurde am 6. September 1813 auf den Feldern rund um Dennewitz eine der bedeutensten Schlachten zur Verteidigung Berlins ausgetragen. Graf Bülow von Dennewitz sagte vor der Schlacht von Dennewitz: "Unsere Knochen sollen vor Berlin bleichen und nicht rückwärts." In der Schlacht von Dennewitz standen sich die Truppen von Bülow und dem französischen Marschall Ney gegenüber. In der Nacht auf den 6. September 1813 befahl Bülow seinen Soldaten absolute Ruhe zu halten, nicht zu rauchen, und in voller Montur zu schlafen. Nachdem Marschall Ney mit seinen Truppen an Bülow vorbei gegen Jüterbog zog, griff Bülow überraschend die Truppen von Marschall Ney in der Flanke an. Die Schlacht wurde durch die Brigade Borstell entschieden, obwohl der Oberbefehlshaber der schwedische Graf Bernadotte dies ausdrücklich untersagt hatte.

Heute erinnern 11 Denkmäler an den heldenhaften Kampf um Dennewitz und Gölsdorf.

weiterführende Informationen unter : Dennewitz

In der Nähe von Jüterbog befindet sich auch Deutschlands längster Skater-Rundkurs. Dieser führt durch malerische Gegenden und Dörfer im Fläming. Neben Skater und Radlern können auch Rollstuhlfahrer diese Strecke benutzen.

Skaterstrecke um Jüterbog
Altes Lager
Altes Lager ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf. Der Ort wurde 1870 als Barackenlager des preußischen Militärs gegründet. Während des deutsch-franzöischen Krieges 1870/71 wurde hier Gefangene inhaftiert. Bis 1916 enstanden weitere Lager - Jüterborger Artillerieschule und ein Luftschiffhafen. Der Luftschiffhafen musste nach dem Versailler Vertrag wieder abgerissen werden. Im Jahre 1935 wurde hier durch die deutsche Luftwaffe ein Flugplatz angelegt. Dieser wurde bis zum Jahr 1994 weiter von der Sowjetarmee genutzt.
Sehenswertes in Jüterbog und Umgebung:
  • Stadtkirche St. Nikolai im gotischen Stil in Jüterbog
  • Stadtbefestigung mit 3 Stadttoren in Jüterbog
  • Rathaus aus dem jahre 1285 mit Mauritiusplastik in Jüterbog
  • Liebfrauenkirche in Jüterbog
  • Abtshof, spätgotischer Backsteinbau aus dem Jahre 1480
  • Mittelstraße mit Fachwerkhäusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert
  • Nikolaikirche im gotischen Stil aus dem 13. bis 16. Jahrhundert
  • Mönchenkloster aus dem Jahre 1480 und Museum in Jüterbog
  • Kloster Zinna
  • Webermuseum in Kloster Zinna
  • Barbara-Halle (Garnisionsgeschichte, Ausstellung) in Altes Lager
  • Bockwindmühle aus dem Jahre 1542 in Gölsdorf
  • Bockwindmühle in Mellnsdorf
  • Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert in Hohenahlsdorf, Markendorf
  • Bockwindmühle als Standesamt in Dennewitz
  • Kulturscheune mit Bauernstube und Museum in Seehausen
  • Schloss Wiepersdorf mit Bettina und Achim von Arnim Museum
  • Skaterstrecke
Karte Jüterbog