Kyritz

Kyritz "an der Knatter", so ist dieser Ort bekannt, aber es gibt keinen Fluß Knatter. Das Knattern soll von den vielen ehemaligen knatternden Wassermühlen an einem Nebenarm der Jäglitz herrühren oder von den fleißigen Wäscherinnen die aus ihrer Wäsche die Seifenreste ausschlugen. Also Kyritz liegt nicht an der Knatter.

Kyritz wurde im Jahre 946 erstmals urkundlich erwähnt. Als Schutz für die deutsche Ostexpansion östlich der Elbe, wurde am Ufer der Jäglitz eine Schutzburg errichtet. Im Jahre 1237 erhielt Kyritz das Stadtrecht. 1259 erhieleten die Bürger von Kyritz das Recht der Schiffahrt auf der Jäglitz verliehen. 1358 wurde Kyritz Mitglied der Hanse. In der wechselvollen Geschichte gehörte Kyritz zu markgräflich-brandenburgischer oder mecklenburgischer Herrschaft. Immer wieder wurde Kyritz von dem mecklenburgischen Raubritter von Bassewitz überfallen. Im Jahre 1411 wurde der Raubritter gefangenommen und mit seinem eigenem Schwert hingerichtet. Das Bassewitzfest wird in Kyritz derzeit alle zwei Jahre im Mai gefeiert. Es geht zurück auf den jährlichen Gedenktag am Montag nach Invocavit an eine überstandene Belagerung aus dem Jahr 1381. Erst 1415 kam Kyritz dann endgültig unter die Herrschaft der Hohenzollern.

Während des Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 kam es bei Kyritz zu einer Schlacht zwischen dem brandenburgisch-sächsischen Heer und den schwedischen Truppen. Im Jahre 1826 wütet die Pest in Kyritz, fast 800 Menschen sterben an der Pest. Die Stadt wurde in ihrer Entwicklung stark zurückgeworfen und Kyritz wurde zu einer Ackerbürgerstadt. Im Jahre 1718 wurde Kyritz zu einer Garnisionstadt. Die daraus entstandenen Lasten brachten die Stadt an den Ruin. Im Jahre 1806 wurde Kyritz, nach der Schlacht von Jena und Auerstädt, von den Franzosen besetzt. 1807 wurden zwei Kyritzer Büger (Kämmerer Schulze und Kuafmann Kersten) von den Franzosen schuldlos erschossen. Ein Gedenkstein vor der Kirche erinnert an diese Tat. 1814 wurd aus Anlass des Sieges in der Völkerschlacht von Leipzig über die Franzosen eine Friedenseiche gepflanzt. Diese Eiche kann man auf dem Marktplatz in Kyritz noch heute bewundern.

Nach 1871 entwickelte sich die Stadt rasch, es entstand zum Bepiel eine der größten deutsche Stärkefabriken in der Stadt. Das Rathaus wurde im Jahre 1879 erbaut (kastellartiger Klinkerbau im Tudorstil mit zinnenbekrönten Uhr- und Ecktürmchen) und im jahre 1910 das Krankenhaus. 1887 erhielt Kyritz einen Eisenbahnanschluß an die Strecke Neustadt/Dosse-Pritzwalk. Am Ende des 2. Weltkrieges, am 2. Mai 1945, wurde die Stadt kampflos den sowjetischen Truppen übergeben, dadurch kam es zu keinen größeren Zerstörungen in der Stadt. Am 2. September 1945 verkündete der KPD-Vorsitzen Wilhelm Pieck, der spätere DDR-Präsident, im Hotel "Zum Prignitzer" die Bodenreform für die sowjetische Besatzungszone in Deutschland.

Bekannt wurde Kyritz aber auch durch seine Brauereien in der Stadt. So gab es in Kyritz in den besten Zeiten bis zu 300 verschiedene Brauereien. Das Bier "Mord und Tottschlag" wurde zu einem Begriff in der gesamtem Mark. Das Bier wurde sogar zum Hofe des Kurfürsten, nach Hamburg und Lübeck geliefert.

Ein wertvolles Dokument befindet sich heute noch im Besitz der Stadt Kyritz. Beim Brand im Jahre 1825 wurde das alte Rathaus vernichtet, nur das Bassewitzschwert und eine Kölnische Bibel blieb erhalten. Bis 1945 gab es in ganz Deutschland nur noch 10 Examplare dieser wertvollen Bibel. Die Kyritzer Bibel ist 1478 – also fünf Jahre vor Luthers in Köln bei dem Buchdrucker Quentel erschienen. Die Bibel ist reich illustriert mit Holzschnitten und handkoloriert. Die Bibel ist im Sitzungssaal des Kyritzer Rathauses ausgestellt.

Die St. Marienkirche wurde im 12. Jahrhundert als einschiffige Hallenkirche errichtet. Die Kirche in der heutigen Form wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet. Die Dreihallenkirche besteht zum Teil aus Feld- und Backsteinen. 1850 entstanden am Westgiebel zwei Türme, erbaut von Oberhofbaurat August Stüler, einem Schüler Schinkels. Die Orgel stammt von dem Orgelbauer Adolf Reubke aus dem Harz. Die Orgel der Kirche ist die einzigste in ihrer Größe noch erhaltene Reubke-Orgel und gleichzeitig die größte romantische Orgel des 19. Jahrhunderts im Land Brandenburg.

Das Franziskanerkloster ist das älteste Bauwerk der Stadt Kyritz. Noch heute ist das Rundbogenfenster und die Gewölberippen der frühgotischen Hallenkirche zu erkennen. Im Jahr 1539 erfolgte in Kyritz die Reformation, worauf das Franziskanerkloster 1552 aufgelöst wurde. Heute ist zwischen den Mauerresten der ehemaligen Klosterkirche eine Kleinkunstbühne entstanden.

Bantikow
Die urkundliche Ersterwähnung des Dorfes geht auf das Jahr 1307 zurück. Aus dem Jahre 1870 stammt die Dorfkirche, aus dem Jahre 1906 ein schlossähnlicher Neubarockbau. Letzterer fungierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Zentrale Parteischule der LDPD und nach 1990 vorübergehend als Lehrgangsstätte der Bundesanstalt für Arbeit, ist aber nun in private Hände übergegangen und wird als Kur- und Wellnesshotel genutzt.

Gantikow
Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestanden in Gantikow zwei Rittersitze und ein Wohnhof im Besitz der Familie von der Weide. 1658 wurde der Besitz an die Familie von Platen, die zu den einflussreichsten Familien der Prignitz gehörte und wichtige Funktionen im brandenburgisch-preußischen Staat bekleidete. 1872 wurde der Besitz an die bürgerliche Familie Neubauer verkauft. Im Jahre 1926 ging der Besitz an eine Frau Döpke über die das Gebäude bis 1945 besaß. Das Schloss Gantikow beherbergt das Deutsche Historische Lügenmuseum.

Karte Kyritz