Lebuser Land

Der slawische Stamm der Lebuzzi oder Lebuser siedelte sich im 7. Jahrhundert zwischen Spree und Oder an und gründete Orte. "Terra Lubus" wurde erstmals 1194 erwähnt, zuvor war ein Schloß und ein Bistum dieses Namens genannt, das bis ins 13. Jahrhundert in Lebus seinen Mittelpunkt hatte. Das seit dem Mittelalter stets umkämpfte Gebiet erstreckt sich ursprünglich beiderseits der Oder, wurde aber seit frühester Geschichtsschreibung zumeist auf den westlich gelegenen Teil beschränkt, so bereits im Landbuch Karl IV. von 1375. Im Lebuser Land zwischen Oder, Schlaube, Spree, Löcknitz und Stobber finden sich von Nordosten nach Südwesten drei hauptsächliche Landschaftsformen: das Oderbruch zwischen Oder und Alter Oder (Bad Freienwalde - Seelow), das Hochland mit einem Großteil der Märkischen Schweiz bis etwa zur Linie Müncheberg - Heinersdorf - Lebus sowie das südlich gelegene Waldland bis zu Schlaube, Spree und Löcknitz.

Nach der Neuorganisation des preußischen Staates entstand im Jahre 1816 der Kreis Lebus, den man 1950 mit einigen Veränderungen nach über 1000jähriger Geschichte in die Kreise Seelow und Fürstenwalde/Spree teilte. Heute gehört des Kreisgebiet Lebus zu den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree. Zum Kreis Lebus gehörten die Städte Buckow, Fürstenwalde/Spree, Lebus, Müllrose und Seelow.

Kreis Lebus

Als größte Stadt und geschichtliche Hauptstadt des früheren Lebuser Land machte sich das über 700jährige Fürstenwalde einen Namen. Seit 1385 hatte hier das Bistum Lebus seinen Sitz und mit der damaligen St. Marien-Kirche die Kathedrale. Ihr bedeutendster Bischof war Dietrich von Bülow (1490-1523), der gelehrte Berater Joachim I. und erster Kanzler der Frankfurter Universität. Zunehmend erlangte die Stadt wirtschaftliche Bedeutung - bis hierher war die Spree in Richtung Osten schiffbar. Handel und Handwerk ließen das mittelalterliche Fürstenwalde aufblühen. Heute sind nur wenige Bauten dieser Zeit erhalten. Dennoch prägen sie die Silhouette der Stadt. In der alles überragenden Domkirche St. Marien, einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche, deren Grundmauern vermutlich Mitte des 15. Jahrhunderts neu errichtet wurden, befindet sich das älteste Bauwerk der Stadt : das Sakramentshaus (1517), 12.50 Meter hoch. Gleich daneben finden Sie das um 1511 errichtete und 1624 durch einen Turmbau erweiterte Alte Rathaus mit seinem prunkvollen Festsaal, einem Ausstellungszentrum und dem alten Ratszimmer. In den Kellergewölben bekamen Bader und Roßschlächter ihre Stände zugesprochen. Seit 1985 befindet sich in dem spätgotischen Gebäude auch das Standesamt. Bei Ihrem Stadtbummel werden Sie sicher auch Reste der Stadtmauer mit dem Niederlagetor und dem Bullenturm finden, das ehemalige Kurfürstliche Jagdschloß und die Treidlerbrücke. Nur vereinzelt sind noch die letzten Bürgerhäuser aus der historischen Innenstadt zu sehen, so zum Beispiel das Gebäude des heutigen Heimatmuseums. Im Nordosten der Stadt liegt der zauberhafte Heimattiergarten. Auf 8 Hektar leben hier bis auf wenige Ausnahmen nur Tiere, die in Europa zu hause sind.

In der reizvollen Umgebung von Fürstenwalde befinden sich die Markgrafensteine. Der große Findling maß ursprünglich fast 30 Meter im Umfang und wurde 1827 in drei Teile gesprengt, nachdem ihn der Berliner Bauinspektor Cantian zur Herstellung einer Granitschale auserkoren hatte. Schinkels Plänen zufolge sollte sie die Rotunde des damals in Bau befindlichen Alten Museums zieren. Sieben Jahre dauerten die Arbeiten am "Biedermaeierweltwunders" von den Berlinern respektlos "Suppenschüssel" genannt. Dann wurde es endlich aufgestellt. Jedoch war die Schale für das Alte Museum etwas zu groß geraten und fand so nur im Berliner Lustgarten ihren Platz.

Direkt am Heinersdorfer See gelegen, bietet Behlendorf inmitten weiter, hügeliger Landschaft ausreichend Idylle und Ruhe. Der Ort wurde im Jahre 1405 erstmals urkundlich erwähnt - sein damaliger Besitzer hieß Georg von Burgsdorff. Eindrucksvolle Feldsteinbauten, alte Bauerngehöfte und die alte Schäferei ziehen immerwieder die Blicke an. Das Herzstück der Gemeinde ist der alte Gutshof, den der königliche Amtsrat Carl Friedrich Baath bauen ließ. Dieser genoß in der gesamten Umgebung einen hohen Ruf als praktischer Landwirt. Die Gutsgebäude sind einem Achteck angeordnet und entstanden zwischen 1802 und 1808 nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, der hier zu Beginn seiner Karriere erste Zeichen setzte. Attraktive Feldsteinhäuser umrahmen einen idyllischen Ententeich, an dessen Kopfende sich mit Pferdeställen und einer ehemaligen Schnapsbrennerei das eigentliche Gutshaus befindet. Es ist en stattlicher, heller Putzbau, der heute eine Gaststätte und ein Hotel beherbergt. Dahinter erstreckt sich ein umfangreicher Park, worin Sie das "Eiserne Denkmal" Baaths zu Ehren finden. Für die Naturliebhaber unter Ihnen sind sicher die alten Baumbestände im Ort interessant : der Silberahorn auf der Allee nach Heinersdorf, die rund 600 Jahre alten Eichen am Weinberg oder die ausgebrannte Teufelseiche am See, die auch schon 120 Jahre zählt.

Erste urkundliche Erwähnung über ein von Templern gegründetes deutsches Kolonistendorf names "Henrikestorp" stammen von 1244. Im Jahr 1318 ging der Besitz an die Johanniter, deren späterer Herrenmeister Graf Martin von Hohenstein 1572 das Dorf für 9.000 Taler an den kurfürstlichen Statthalter zu Küstrin, Zacharias von Grünberg, verkaufte. Ab 1841 gelangte es in Besitz des Grafen Hardenberg. Eindrucksvolles architektonisches Zeichen ist die Dorfkirche, im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaut. Der Trum entstand im 14./15. Jahrhundert, sein Abschluß mit haube und hölzerner Laterne wurde erst 1760 aufgesetzt. An der Außenwand der Kirche finden Sie noch heute die Grabsteine des Amtsmannes Tile und seiner Frau (1719/1727). Die Friedhofsmauer entstand im 15. Jahrhundert und steht unter Denkmalsschutz. Guttsherr Günther Schulz von Heinersdorf ließ sein Herrenhaus im 17. Jahrhundert erbauen.

Inmitten idyllischer Laub- und Kiefernwäldern zieht sich entlang der Spree Berkenbrück. 1285 erstmals erwänht, stammt der Name von einer Brücke aus Birkenholz, die das Fließ nach Fürstenwalde überspannte. Viele Jahrhunderte prägten Fischer mit ihrem Handwerk das Bild der Gemeinde. Heute bietet der Ort vor allem Wanderern und Wassersportlern, Radlern und Anglern ideale Erholungsmöglichkeiten. Schon in einem alten märkischen Wanderbuch wird der Ort so beschrieben : "Hinter Fürstenwalde folgt an der Schlesischen Bahn Berkenbrück. Das 20 Minuten südwestlich an der Spree gelegene Dorf wird als Sommerfrische aufgesucht. " Und wahrlich ! Der nahe gelegene Dehmsee (90 ha), in dem der Eichwerder mit Spuren alter Ansiedlungen liegt, ist ein paradies für alle Angler, Ruderer und Paddler. An seinen romantischen Ufern finden jährlich die Sonnenwendfeiern am 21. Juni und 21. Dezember statt. Ein besonders Erlebnis erwartet alle Naturliebhaber in Berkenbrück : Sachkundig geführte Exkursionen, organisiert vom hiesigen BUND, zeigen den interessierten Wanderern die "Schätze" in den umliegenden Wäldern - seltene Pflanzen und heimische Tiere. Aufmerksame Beobachter finden am Dehmsee eine interessanten Waasernußbestand. Es nisten auch noch Kraniche, Schwarz- und Weißstörche hier, bei Spaziergängen können Sie auch Wiesenorchideen finden. Im Ort selbst stehen auf der Dorfaue die 1872 gepflanzt Friedenseiche und eine viele hundert Jahre alte Ulme.

Schon im Jahre 600 sollen Slawen das Gebiet um Briesen besiedelt haben - beim Bau der Fankfurter Autobahn entdeckte man eine Dorfanlage aus dieser Zeit. Mehrere Fundstätten sind als Bodendenkmale registriert und im umliegenden Waldgebiet zu finden. 1225 wurde Briesen, dessen slawische Entsprechung etwa "Birkendorf" heißt, erstmals urkundlich erwähnt. 1495 verkauften die ansässigen Ritter das Dorf mitsamt seinen Bewohnern an das wohlhabende Kartäuserkloster in Frankfurt/Oder. Der dortige Kurfürst Joachim II. von Brandenburg besann sich schon wenige Jahre später des Dorfes, als er für den Unterhalt seiner 1506 gegründeten Universität Land und Leute brauchte. Er ließ den Kartäuserabt so lange einsperren, bis dieser "freiwillig" auf seine Ländereien verzichtete. Also nährten die Briesener bis 1811 auch die Herren der Frankfurter Universität. Die Lage des Ortes an der alten handelsstraße zwischen Berlin unf Frankfurt/Oder begünstigte seine Entwicklung - Handwerk und Industrie blühten auf. 1842 wurde die Eisenbahnstrecke von Berlin nach Frankfurt/Oder eröffnet, Briesen war fortan für die umliegenden Orte ein wichtiger Mittelpunkt. Nach 1945 prägte sich die ländliche Atmosphäre wieder stärker aus, besannen sich die Einwohner ihrer zauberhaften landschaftlichen Umgebung. Am nördlichen Ortsausgang erstreckt sich ein 10 Kilometer langes Landschaftsschutzgebiet. Südöstlich von Briesen, etwa 4 Kilometer vom Ortsausgang entfernt, liegt die Kersdorfer Schleuse. 1888 erbaut, verbindet sie die Spree in Richtung Berlin mit dem Oder-Spree-Kanal, einer wichtigen Ader zu den Binnenwaaserstraßen Osteuropas. Sie besteht aus 2 Schleusenkammern von 57 und 67 Metern Länge.

Aus dem Jahre 1354 stammt die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Demenitz - gegründet unter einer Eiche, die noch heute imWappen zu sehen ist. Der Name wurde aus dem Wendischen abgeleitet und bedeutet "Rauchdorf". Zeuge dieser Zeit ist die Kirche aus dem 12. Jahrhundert, in der wertvolle Stücke zu sehen sind. So zeigt die Brüstung Doppelwappen verschiedener Adelsgeschlechter, das Gestühl stammt aus der Zeit des Barocks, und die Gewölbe bergen kunstvolle Totentafeln. Demnitz ist ein typisches Gutsdorf. 1832 wurde nach dem Vorbild des Steinhöfeler Schloßpark, der die typischen Stilmerkmale englischer Landschaftsgärten aufweist, der Demnitzre Park angelegt. Auf 5 Hektar wachsen kunstvoll gepflanzte Gruppen von Eichen, Platanen, Fichten, Buchen, Linden und Papeln. Ein besonders schöner Tulpenbaum gibt dem Park zudem sein besonderes Gesicht. Wiesnflächen und der Schloßteich gehören zu der großzügigen Anlage. Am Dorfanger finden Sie das frühere Gutshaus. Es beherbergt heute die Heimatstube, ein klienes Museum, das einen Überblick über die Lebens- und Arbeitsweise in einem typischen märlischen Gutsdorf gibt. Umgeben ist Demnitz von großen Acker- und Wiesenflächen und ausgedehnten Wäldern, die vor allem land- und forstwirtschaftlich genutzt werden.

Der Ort wurde 1250 von Askaniern angelegt. Urkundliche Erwähnung fand "Steinihobell" (Steiniger Weg) erstmals 1401. Aus dieser Zeit ist heute noch die Kirche zu bewundern, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand. Im Kircheninneren mit ihrer schönen Barock-Ausstattung finden Sie wertvolle Erinnerungen an die Familien von Wulffen. Sie besaß das Gut über vier Jahrhunderte bis zum Jahr 1774. Sein heutiges Gesicht erhielt Steinhöfel nach 1790, als David Gilly, ein Lehrer des berühmten Berliner Baumeisters und Architekten Schinkel, hier tätig war. Markante Bauten im Dorf sind das Schloß, das Amtshaus, das alte Gasthaus "Ulmenhof" und einige Wohnhäuser. das Schloß, für Oberhofmarschall Valentin von Massow errichtet, erhielt sein jetziges Gesicht nach Umbauten im 19. Jahrhundert. daran grenzt der Steinhöfeler Park, einer der ältesten und schönsten Landschaftsparks Brandenburgs. Starke Buchen, Eichen und Fichten prägen das Bild. Dazwischen erartet Sie freie Wiesenflächen und sehr malerische Gruppen alter Weymouthskiefern. Paradestück der Anlage ist die mehr als 500 Jahre alte Königseiche. Hier soll Friedrich II. vor der Schlacht bei Kunersdorf mit seinen Offizieren Kriegsrat gehalten haben.