Kloster Lehnin und Umgebung

Kloster Lehnin

Das Kloster Lehnin ist eine ehemalige Zisterzienserabtei und liegt südlich von Potsdam. 1180 gegründet von Otto I. und im Zuge der Reformation 1542 säkularisiert, beherbergt es seit 1911 das Luise-Henrietten-Stift. Das Kloster liegt im Zentrum der Hochfläche Zauche in wald- und wasserreicher Umgebung rund 700 Meter vom Klostersee entfernt.

Kloster Lehnin

Das Kloster war des erste Kloster in der Mark Brandenburg. Neben seiner historischen kommt dem Kloster auch eine große kulturelle Bedeutung zu: Seine Kirche zählt zu den wichtigsten romanisch-gotischen Backsteinbauten in Brandenburg. Deren Rekonstruktion in den Jahren von 1871 bis 1877 gilt als frühe Glanzleistung der modernen Denkmalpflege. Das heutige Lehniner Stift sieht sich mit seinen pflegerischen, medizinischen und ausbildenden diakonischen Einrichtungen in der klösterlichen Tradition und versteht sich als Schaufenster der Evangelischen Kirche. Das Kloster Lehnin diente für die askanischen Markgrafen und drei Kurfürsten aus dem Hause der Hohenzollern als Grablage. Leider blieb nur die Grabplatte von Otto IV. der Nachwelt erhalten.

Nach einer Legende zufolge, soll Otto I. nach einer anstrengenden Jagd unter Eichen eingeschlafen sein. In seinem Traum erschien ihm immer wieder ein weißer Hirsch, der ihn mit seinem Geweih aufspießen wollte. In seiner Not rief Otto i. Christi an, worauf sich der Traum auflöste. Otto I. errichtete an der Stelle eine Burg zu Ehren Gottes, also ein Kloster.

Durch Schenkungen von Otto I. und dem askanischen Hause entwickelte sich das Kloster Lehnin. So kam die Zauche, die Dörfer Stangenhagen und Blankensee dazu. Die Gebiete das Klosters dehnten sich bis an das Magdeburgische aus. Im jahre 1250 kam Werder/Havel, Zehlendorf und Schlachtensee zum Klosterbesitz. Nach der Säkulirisierung im Jahre 1542 wurd das Kloster Lehnin in ein kurfürstliches Domänenamt umgewandelt. Während des Dreißigjährigen Kriegs kam es mehrfach zu Plünderungen der Anlage und zu Bränden. Im 17. Jahrhundert erlebte das ehemalige Kloster einen zwischenzeitlichen Aufschwung. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ den Westflügel verlängern und die Klausur um 1650 zum Jagdschloss erweitern, was ein bescheidenes höfisches Leben mit sich brachte. Seine erste Frau, die Kurfürstin Luise Henriette von Oranien, machte Lehnin zu ihrer bevorzugten Sommerresidenz. Am 9. Mai 1667 nahm die kurfürstliche Familie in Lehnin von der schwer erkrankten Henriette Abschied, wenige Wochen später starb sie in Berlin. Der Name der Kurfürstin lebt im heutigen kirchlichen Luise-Henrietten-Stift fort. In den Jahren von 1770 bis 1820 wurde das Kloster Lehnin als Steinbruch genutzt und stark abgetragen und zerstört.

Im Jahre 1811 ging die preußische Domäne in Privatbesitz über. Der Rittergutbesitzer Robert von Loebell sammelte Geld für den Erhalt der ehemaligen Klostergebäude (auch bei der Königsfamilie). Durch das erstarken des Nationlabewußtseins und der Romantik wurde dann in den Jahren 1870 bis 1877 das Kloster restauriert. Im jahre 1911 kaufte das Evangelische Landeskirche die Gebäude und gründete das Diakonissenmutterhaus Luise-Henrietten-Stift. Nach 1949 wurde der ehemalige Wirtschaftshof zu einem Krankenhaus umgebaut und bis heute betrieben.

Der Ort Lehnin entwicklte sich aus einem Markt der Mönche vor den Klostermauern im Jahre 1415. Bis 1733 hatte der Flecken Lehnin das Marktrecht und dann an Werder/Havel verloren. Erst 1855 konnte das Marktrecht wieder erlangt werden.
Sehenswertes in Kloster Lehnin und Umgebung:
  • Damsdorf: Kirche von 1777, Weidenpalast über 450 qm am Rande des idyllischen Fenn-Sees.
  • Emstal (bis 1937: Schwina): Frei stehende, funktionstüchtige historische Backöfen (um 1870), Backofenmuseum, jährliches Backofenfest. Torfstichsee Emstaler Schlauch im Naturschutzgebiet.
  • Göhlsdorf: Barocke Grabsteine von 1789
  • Grebs : Ausstellung Leben unserer Großeltern in einem historischen Dreiseitenhof (Museumshof). Landwirtschaftliche Kultur und Lebensweise zwischen 1870 und 1950.
  • Lehnin: Neben dem berühmten Kloster mit romanisch-gotischer Backsteinkirche und vielen weiteren Bauten sind erwähnenswert: Skulpturenpark am Klostersee, Posthalterei (heute Altenhof des Luise-Henrietten-Stifts), Willibald-Alexis-Denkmal von 1914. Klostersee, Mühlenteich und Wanderwege zu weiteren Seen.
  • Krahne: Rechteckige Backsteinkirche mit Westturm von 1767. Rochow-Grab von 1914. Naturdenkmal Blauer Stein . NSG Krahner Busch mit Elsbrüchen und Feuchtwiesen. Storchenwanderweg.
  • Michelsdorf: Spätromanische Feldsteinkirche, im 18. Jahrhundert verändert.
  • Nahmitz: Kirche aus dem 18. Jahrhundert, ein rechteckiger Putzbau mit hölzernem Dachstuhl.
  • Netzen: Spätgotische Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Pfarrhof (Backstein) von 1893. Beobachtungsturm im Vogelschutzgebiet Rietzer See. Naturlehrpfad (2 km).
  • Prützke: Kirche von 1747, rechteckiger Putzbau. Der Ort mit heute 590 Einwohnern wurde 1346 erstmals urkundlich erwähnt, als Prutzken. Die Bedeutung des Namens ist nicht eindeutig. Sie könnte sich vom slawischen Wort Prusek für Preuße oder vom urslawischen prus für Pferd ableiten.
  • Rädel: Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert. Alte Ziegelei (um 1870).
  • Reckahn: Schloss (Gutshaus) mit Rochow-Museum von 1605, Barockkirche von 1741. Steinpyramide von 1790 zum Heerlager Friedrich des Großen. Rochow-Grab. Denkmal für den Schulmeister Heinrich Julius Bruns. Schulmuseum mit komplettem Klassenraum aus der Zeit um 1900. Reckahner Schloss mit Park. Fischteiche.
  • Rietz: Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Europäisches Vogelschutzgebiet Rietzer See, über 250 Vogelarten, 1134 ha. Der Beobachtungsturm in der Prützker Straße ist von Netzen aus zugänglich.
  • Trechwitz: Kirche von 1750 mit Glocke von 1288 und prächtiger Innenausstattung: u.a. Empore auf toskanischen Säulen und im Kirchenschiff schwebender Engel mit Taufschale.
Karte Lehnin