Lychen und Umgebung

So abwechslungsreich wie die Lychener Landschaft mit ihren vielen Seen, Hügeln und Wäldern - so wechselhaft ist die Geschichte Lychens.

Lychen

Die letzte Eiszeit, vor etwa 17000 Jahren, war es, die die Landschaft das Gepräge gab. Sicher waren es die Gewässer und die Wälder, die die Menschen in vorgeschichtlicher Zeit veranlassten, sich hier niederzulassen. Erste Spuren menschlichen Lebens lassen sichnachweisen in der Mittleren Steinzeit (10000 bis 3000 v. Chr.) durch entsprechende Funde - Pfeilspitzen, Schaber, Feuersteinabschläge auf dem Hohen Werder im Großen Lychensee, bei Brennickens- und Kuckuckswerder. Während der Völkerwanderung (5.-6. Jahrhundert) kamen aus dem Osten slawische Völker in das verlassene Gebiet. Hier konnten sie dem Fischfang nachgehen, Ackerland anlegen und nutzen sowie ihre Tiere weiden lassen. Ihre Wohnplätze legten sie auf Inseln und Halbinseln, da diese natürlichen Schutz boten. Hier bauten sie Fluchtburgen. Eine solche Anlage ist der Burgwall (jetzt Lindenhof), eine Halbinsel im Wurlsee.

Die Insellage, die gute Verteidigungs- und Übergangsmöglichkeiten bot, war sicher Veranlassung dafür, dass Markgraf Johann I. hier anno 1248 eine Stadt gründete. Die Bürger wurden mit Ackerland und Weide ausgestattet und erhielten das Recht mit kleinen Netzen und Reusen in den angrenzenden Seen zu Fischen; ein Recht, das erst nach 1945 außer Kraft gesetzt wurde.

Nach der Urbarmachung der Felder begann man mit der Befestigung der Stadt und mit dem Bau der Kirche (13. und 14. Jahrhundert). Die Mauer wurde aus Feldsteinen der Umgebung gebaut, war 6 Meter hoch und hatte erst 2, später 3 Tortürme.
  • von Norden das Stargarder Tor,
  • von Westen das Fürstenberger Tor
  • und von Süden das Templiner Tor.
Das Stargarder Tor und das Fürstenberger Tor wurden aus Feldsteinen gebaut. Das Templiner Tor kam erst mit der Errichtung des Weges nach Templin und der Aufschüttung des Templiner Dammes zwischen Oberpfuhl und Stadtsee dazu und wurde aus Ziegelsteinen errichtet. Durch die Grenzlage der Stadt zwischen Mecklenburg und Brandenburg kam es häufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die der Stadtmauer und ihren Toren übel mitspielten. Teiols nicht wieder aufgebaut bzw. später abgerissen bestehen heute nur noch Reste dieser Bauwerke. Die größten erhaltenen Stücke der Stadtmauer befinden sich am Stargarder Tor bis in den Ebert-Park, am Templiner Tor in der Gartenstrasse und am Fürstenberger Tor. Liebevoll restauriert befindet sich seit 1997 im Fürstenberger Tor die Lychen-Information und im Stargarder Tor ist das Flößereimuseum untergebracht.

Nachteilig für die Entwicklung der Stadt wirkte sich die Gründung des Zisterzienser-Mönchsklosters (1299) in Himmelpfort aus, da es alle Gewässer und Mühlen sowie eine Reihe von Dörfern im Lande Lychen bekam. Dadurch war die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Lychen natürlich erheblich gehemmt. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen fällt Lychen 1302 an Mecklenburg (fast 150 Jahre), was aber für die Menschen der Stadt kaum Auswirkungen hatte, da die Rechte nicht angetastet wurden. Nach einem Angriff des Markgrafen Johann von Brandenburg vom Walde aus am Oberpfuhl (seitdem Markgrafenbusch) kam die Stadt wieder zu Brandenburg.

Der Dreißjähriger Krieg (1618-1648) ging an Lychen nicht spurlos vorbei, Hunger und Pest forderten ihre Opfer. 1644 sind nur noch 17 Häser von 29 Menschen bewohnt. Der Wiederaufbau der Stadt nach dem Dreißjährigen Krieg ging über einen langen Zeitraum nur langsam voran. 1653 waren in Lychen wieder 55 Häuser vorhanden, doch ein Großfeuer 1684 vernichtete fast die gesamte Stadt, selbst die Kirche brannte aus. 1690 begann man mit ihrem Wiederaufbau. Am 30.04.1732 brach erneut ein Feuer aus, in drei Stunden war Lychen ein rauchender Trümmerhaufen. Verschont blieben nur die Kirche, die Schule, das Hospital und 28 Häuser. Auch das hölzerne Rathaus ging in Flammen auf.

Rückschläge gab es auch während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) durch die schwedische Besetzung, die die Stadt finanziell schwer belastete. Der preußisch-französische Krieg (1806-07) brachte neue Belastungen und Schwierigkeiten. Die Stadt wurde von französischen Truppen unter Bernadotte verwüstet, geplündert und beraubt. Das Aussehen der Stadt veränderte sich in den folgenden Jahren nicht viel, wohl aber die Struktur der Bevölkerung. Aus einer vorwiegenden Ackerbürgerstadt wurde eine Stadt der Handwerker. Da bis 1900 in Lychen wenig gebaut wurde, gab es wenig zu verdienen. Alle Handwerker betrieben daher nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Versuche, Industrie in Lychen anzusiedeln, schlugen fehl, da die Verkehrslage zu ungünstig war. Einzig und allein konnte sich die Reißzweckenfabrik (die Reißzwecke wurde hier in Lychen erfunden) und die Sägewerke halten.

Voran ging es erst, als 1891 die Chaussee Lychen-Templin und die Eisenbahnstrecke Templin-Fürstenberg 1899 gebaut und eröffnet wurden. Nun entwickelte sich Lychen vom Ackerbürger- und Handwerkerstädtchen zum Erholunhgsort. Dem damaligen Bürgermeister Bachhuber (1902-1933) gelang es Lychen zu einem Luftkurort zu entwickeln. Die Gründung der Volksheilstätten (1903-14) des DRK in Hohenlychen, deren Initiator Prof. Dr. Pannwitz war, ist davon nicht zu trennen, der Aufschwung Lychens begann. Die Bedeutung als Erholungsort wuchs ständig, im Jahre 1931 hatte die Stadt die höchste Zahl der Übernachtungen von Sommergästen in der Provinz Brandenburg. Während des Krieges wurde aus den Heilstätten ein SS-Lazarett. Der damalige Chefarzt, Prof. Dr. Gebhardt, nahm an Frauen aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Ravensbrück grauenvolle medizinische Versuche vor, an denen viele Frauen starben. Prof. Dr. Gebhardt wurde dafür vom Nürnberger Kriegsverbrechergericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Am Ende des Krieges hatte Lychen zahlreiche Tote, viele Menschen waren geflüchtet und kehrten nicht zurück. Ein großer Teil der Stadt stand in Flammen - nicht die Folge des Luftangriffes, sondern angezündet von den Siegern. Nur langsam begann nach 1945 der Aufschwung. In den folgenden Jahren wurde Lychen wieder als Erholungsort bekannt. Leider wurde in den 40 Jahren DDR der Wiederaufbau der Innenstadt immer wieder verzögert - unmittelbar nach der Wende wurde mit dem Aufbau der Fürstenberger Str. und des Marktes begonnen. Seit 1996 ist Lychen "Staatlich anerkannter Luftkurort".

Ein weithin sichtbares Wahrzeichen Lychens ist die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete frühgotische Feldsteinkirche St. Johannes. Trotz mancher Brandkatastrophen konnte über 700 Jahre hindurch dieser bau in seiner ursprünglichen Form im Wesentlichen unverändert erhalten blieben. Bis 1763 fanden auf dem weit um die Kirche herum angelegten Friedhof die Verstorbenen ihre letzte Ruhe. In einer Krypta unter dem Altarraum wurden bis 1800 die Pfarrer beigesetzt. Um 1900 wurde der Zugang zugemauert. Nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahre 1684, dem auch die Kirche zum Opfer fiel, erhielt sie 1698 unter anderem einen neuen Altar, eine neue Kanzel und Empore, die man noch heute vorfindet. Ein Kronleuchter aus Messing, gestiftet von der Schlosser- und Schneiderinnung (1629), ist noch vorhanden. Die Orgel wurde 1907 als pneumatisches Werk mit 24 Registern und 1564 klingenden Pfeifen errichtet. 1988 wurde diese vollständig restauriert. Die alten Bronzeglocken fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Seit 1929 hat die St. Johannes-Kirche 3 Stahlgussglocken.

Umgeben von einem Karree aus Lindenbäumen steht das Rathaus auf dem zentralen und höchsten Punkt der Altstadt. Es wurde 1637 auf den alten Fundamenten eines Schlosses errichtet. Durch einen Brand vernichtet, wurde es 1748 im barocken Stil neu errichtet. 1945 brannte es erneut nieder und wurde danach im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes aufgebaut. Der Rathausturm wurde nicht wieder aufgebaut.

Vor dem Stargarder Tor befindet direkt am Oberpfuhl auf einem Hügel ein alter jüdischer Friedhof. Da hier in Lychen viele Menschen dieses Glaubens lebten, legten sie am besagten Ort ihren eigenen Friedhof an. Dieser Friedhof wurde 1938 durch Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen zerstört. Der Hügel mit einem Gedenkstein erinnertn daran und eine uralte Eiche überschattet die historische Stätte.

Das Wehr zwischen den oberen und unteren Seen des Lychener Seenkreuzes vor dem Templiner Tor ist die so genannte Floßarche. Durch das Wehr wurden geschlagene Rohholzstämme zu den Sägemühlen am Stadtsee geflößt. Die Gaststätte "Cafe Alte Mühle" - ein gut erhaltenes Fachwerkshaus - war eine der erwähnten Sägemühlen. Die Flößer waren eine starke Innung in Lychen. 1995 wurde die Tradition des Flößen wiederbelebt. Am ersten Wochenende im Monat August jeden Jahres wird das Flößerfest am Ufer des Oberpfuhl und die Flößermänner bauen dann ein Originalfloß. Mit einem Touristenfloß kann täglich von Mai-September eine Rundfahrt gemacht werden.

In dem kleinen Dorf Retzow (Amtsgemeinde zu Lychen), nur 4 km von Lychen entfernt, befindet sich die Ruine einer gotischen Feldsteinkirche. Sie ist ein Bau aus dem 15. Jahrhundert. Während des Dreißigjährigen Krieges zerstört; wurde sich nicht wieder aufgebaut. Bemerkenswert ist der frei stehende Glockenstuhl.
Sehenswertes in Lychen und Umgebung:
  • Stadtkirche St. Johannis aus dem 13. Jahrhundert in Lychen
  • Rathaus in Lychen
  • Teile der mittelalterlichen Stadtmauer in Lychen
  • Stadtkirche aus dem Jahre 1845 in Fürstenberg/Havel
  • Heimatmuseum in Fürstenberg/Havel
  • Schloss in Fürstenberg/Havel
  • Wasserburg in Fürstenberg/Havel
  • Brandenburgisches Forstmuseum in Fürstenberg/Havel
  • Technisches Denkmal Eisenbahnfähre in Fürstenberg/Havel
  • Draisinestrecke von Fürstenberg/Havel nach Templin
  • Mahn- und Gedenstätte in Ravensbrück
  • Naturlehrpfad zwischen Bredereiche und Himmelpfort
  • ehemalige Klosteranlage der Zisterzienser in Himmelpfort
  • Klostergarten in Himmelpfort
Karte Lychen