Neuruppin und Umgebung

Neuruppin liegt etwa 5 Kilometer in westlicher Richtung von Altruppin entfernt. Hier gründeten die Arnsteiner in der seit ca. 1200 bestehenden Siedlung "Newen Ruppin" ein Dominikanerkloster.

Neuruppin war die Wiege vieler bedeutender märkischer Persönlichkeiten. Karl Friedrich Schinkel, Theodor Fontane und Wilhelm Gentz sind nur die bekanntesten unter ihnen. Aber auch die beliebten Neuruppiner Bilderbogen haben den Namen der Stadt berühmt gemacht. Der Ort wird 1238 das erste Mal urkundlich erwähnt und erhält 1256 Stendaler Recht. Zur Sicherung der vorwiegend von Handwerkern, Ackerbürgern, Bierbrauern und Tuchmachern bewohnten Stadt werden Wälle und Gräben angelegt und ein florierendes städtisches Wirtschaftsleben hält Einzug in der mittelalterlichen Stadt.

Der 30jährige Krieg überzieht Neuruppin mit Tod und Verwüstung. Nach 1685 sind es vor allem die Ansiedlung von französischen Hugenotten sowie der Ausbau zur Garnisonsstadt, die Neuruppin neue wirtschaftliche und kulturelle Impulse geben.

1732 übernimmt Kronprinz Friedrich von Preußen (der spätere Friedrich II.) hier das Regiment und läßt sich entlang der Stadtmauer einen Garten ("Amalthea" heute "Tempelgarten") anlegen.

Ein Jugendfreund von Kronprinz Friedrich von Preußen namens Georg Wenzelslaus von Knobelsdorff errichtet 1735 als Erstlingswerk einen kleinen Apollotempel, der noch heute den Garten ziert. 1853 erwirbt die Kaufmannsfamilie Gentz den Garten und läszlig;t ihn im maurische Stil umgestalten. Ein Jahr nach Friedrichs Tod vernichtet ein Großbrand (1787) über 400 Häuser, darunter die Pfarrkirche St. Marien sowie etliche öffentliche Gebäude. Mit der Unterstützung der Könige Friedrich Wilhelm II. und III. realisierte Bernhard Matthias Brasch eine klassizistische Stadtanlage. Klassisch strenge, sparsam verzierte zweigeschossige Wohnhäuser prägen den Charakter der breiten Straßen und Plätze. Die Friedrich-Wilhelm-Straß wurde zur pulsierenden Magistrale der Stadt. Sie verbindet das Rheinsberger mit dem Königstor. Theodor Fontane, dessen Geburtshaus - die heute noch existierende Löwenapotheke - in der gleichen Straße steht, fand hier mit dem 1907 von Max Wiese in Bronze gegossenen Denkmal eine besondere Würdigung.

Nicht weit davon entstand auf dem Kirchplatz - nach Plänen von Philipp Bernhard Berson - die neue St. Marienkirche als klassizistische Querkirche. Zugleich fand der repräsentative Bau des ehemaligen Gymnasiums mit der Portalinschrift "Civibus Aevi Futuri" (den Bürgern der kommenden Zeit gewidmet) hier seinen - dem Gedankengut der Aufklärung entsprechenden - Platz im Zentrum der Stadt.

Eines der wenigen erhaltenen Wohnhäser aus der Zeit vor dem Stadtbrand ist das Predigerwitwenhaus von 1736 in der Fischbänkenstraße 8. Hier lebte der Pastorensohn Karl Friedrich Schinkel als Sechsjähriger den Stadtbrand sowie den anschließen Neuaufbau mit, der ihn in seinem späteren Leben als Baumeister geprägt haben mag.

Auch die Klosterkirche des Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert hat den Jahrhunderten getrotzt. 1836 entwarf K.F. Schinkel die Pläne für die Restaurierung der Kirche. 1906/08 wurden anstelle des abgebrochenen gotischen Turmes die beiden bis heute erhaltenen Türme errichtet. Ebenso haben sich die Hospitalkapelle (St. Georg) aus dem 14. Jahrhundert sowie die Siechenhauskapelle (St. Laurentius) von 1491 in die Neuzeit herübergerettet. Im Heimatmuseum, einem repräsentativen Bau von B.M Brasch, sind neben den Ausstellungen zu Schinkel, Fontane und Gentz eien reichhaltige Sammlung der weitbekannten Neuruppiner Bilderbogen zu sehen.

Neuruppiner Tempelgarten
An der Stelle, wo die Neuruppiner Stadtmauer einen Schwenk nach Osten Richtung See macht und die hohen Bäume des Walles ihren kühlen Schatten werfen, fand der zwanzigjährige Friedrich, Kronprinz von Preußen, einen Ort ganz nach seinem Geschmack. Außerhalb der Stadt, mit Blick in die weite Landschaft, und doch nur wenige Schritte vom Dienst entfernt, legte er einen Garten an und dachte dabei wohl an das kleine Paradies seiner Mutter in Monbijou, wo er mit seiner Lieblingsschwester Wilhelmine viel zu selten lustwandeln konnte.

Mit dem 13 Jahren älteren Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, den er nach Neuruppin holen konnte, da dieser beim König als ehemaliger Offizier in hohen Ansehen stand, disputierte er über Kunst und Architektur, über Baupläne und Gestaltungskonzepte. Knobelsdorff, selbst äußerst begabter Schüler des Hofmalers Antoine Pesne und bewandert in vielen Metiers, ging auf die künstlerischen Neigungen des Prinzen verständnisvoll ein. Ein noch heute sichtbares Produkt dieser "Team-Arbeit" ist der Tempelgarten in Friedrichs Garten, ein Freundschaftstempel, den er seiner Schwester Wilhelmine, die nicht sehr glücklich im fernen Bayreuth residierte, widmete. Apollo selbst, der liebestrunkene Schöngeist und Beschützer der schönen Künste thronte auf dem Tempeldach. Friedrich und Knobelsdorff schufen damit ihr erstes Werk, dem eine Reihe weiterer bedeutender Bauwerke nach der Thronbesteigung (1740) folgen sollten. Dieser Monopteros war zugleich das erste Bauwerk seiner Art im Zeitalter der Aufklärung auf dem europäischen Kontinent. Nur in England, dessen Architektur und Gartenkunst Friedrichs Sympathien hervorreifen, hatte dieser tempeltypus nach antiken Vorbild bereits seine volle Blüte erlebt. So gelangte über einen Umweg die Antike in unsere märkischen Gefilde.

Der Tempelgarten wurde Friedrichs liebster Ort, der im Kreis seiner Getreuen Abwechslung und Streitgespräche bot. Er wurde seine "Universität". 1736 bezog er mit seiner Gattin, die aus Platzmangel in der Neuruppiner Garnision kein Unterkommen fand, das im Umbau begriffene, drei Meilen entfernte Schloss Rheinsberg. Der Garnisionsdienst erforderte seine häufige Anwesenheit in Neuruppin. Der Garten blieb hier stets sein Lieblingsaufenthaltsort, zumal an warmen Sommerabenden, wo im Tempel musiziert, philosophiert und gefeiert wurde. Im Alter dachte er mit Wehmut an die längst verflossene Ruppiner Zeit.

Seit jenen glücklichen Tagen ist der Tempelgarten ein Ort der Entspannung und des Gedenkens an den legendären preußischen König. Diesem Anliegen gemäß erwarb vor fast 150 Jahren die Neuruppiner Kaufmannsfamilie Gentz den Garten, restaurierte ihn und machte ihn erneut der Öffentlichkeit zugänglich. Ein Freund der Familie, der Architekt Carl von Diebitsch, schuf eine Umfassungsmauer, eine Villa und ein Gärtnerhaus im Stil des beliebten Orientalismus. Der Garten erfuhr eine Vrejüngungskur, seltene Bäume und Sträucher wurden angepflanzt und barocke Skulpturen aufgestellt. Ein Kleinod brandenburgischer Gartenbaukunst entstand.

Neuruppiner Bilderbogen
pixelSiehst du wohl da kimmt er,
pixellange Schritte nimmt er !


Unter den Städten Europas, in denen Bilderbogen gedruckt wurden, gebührt Neuruppin der erste Rang.

Diese Stellung verdankt es der Anzahl der Bilderbogen sowie der Kontinuität der Produktion, die in den Zeitraum zwischen 1810 und 1945 fallen. In diesen 135 Jahren verließen etwa 22.000 verschiedene Bilderbogenmotive die drei Offizine in Neuruppin. Die Bilderbogen, die in ihrer Entstehungszeit als Verbrauchsmaterial bestimmt waren, sind heute begehrte Sammelobjekte. Ihre Popularität verdanken sie der Vielfalt der Thematik und der naiven Gestaltung der Zeichnungen und Texte.

In der frühen Periode knüpften die Bilderbogen eng an das Denken und Fühlen der ländlichen und kleinstädtischen Bewohner an, die auch die ersten Käufer waren. Sie trugen dem Bedürfnis des Volkes nach Erbauung, Unterhaltung und Information Rechnung und berücksichtigten die Schaulust der Menschen. Als Begründer der Neuruppiner Bilderbogen gilt der Buchdrucker Johann Bernhard Kühn, der von 1750 bis 1826 in Neuruppin lebte. Seine ersten Bilderbogendrucke sind vor 1800 entstanden. Der Sohn Gustav Kühn trat im Jahre 1819 mit 21 Jahren als Teilhaber in die Firma ein und führte sie ab 1822 selbständig. Versehen mit guten geistigen Anlagen und zeichnerischer Begabung absolvierte er 1812 bis 1813 in Berlin eine Fachausbildung für Holzschnitt, Stahl- und Kupferstich und lernte die von Alois Senefelder 1796 erfundene Lithographie kennen. Die Anschaffung einer Lithographenpresse im Jahre 1825 brachte einen deutlichen Aufschwung in seiner Produktion.

Anfangs waren die Kühnschen Bilderbogen nur für den einheimischen Markt bestimmt. Allmählich erweiterte sich aber der Radius der Städte, die von Neuruppin aus beliefert wurden. Die preußischen Ostprovinzen und die skandinavischen Länder wurden die wichtigsten Liefergebiete.

Im Jahre 1831 gründete sich in Neuruppin die Firma Oehmigke & Riemschneider, die 1835 mit dem Druck von Bilderbogen begann. Ihr folgte im Jahre 1855 die Firma F. W. Bergemann, die ebenfalls Bilderbogen herstellte.

Die Bilderbogensujets der drei Neuruppiner Offizine gleichen sich und lassen sich grob in folgende Gruppen einteilen:
  • Andachts- und Erbauungsbogen
  • historische o. Aktualitätsbilderbogen,
  • Genrebilderbogen, Bilderbogen für Kinder, die der Belehrung und Beschäftigung dienten.
Darüber hinaus gibt es Bilderbogen für Wirtshäuser und Konditoren sowie Schießscheiben für Jäger, Schützen und das Heer. Die Wirkung der Neuruppiner Bilderbogen geht von ihrer Buntheit aus. Der Konturendruck auf dem weißen Papier wurde mit Hilfe von Schablonen und Wasserfarben ausgemalt. Die Schablonenkolorierung erfolgte in Malsälen der Offizinen und wurde hauptsächlich von Kindern durchgeführt.

(Quelle : Neuruppiner Bilderbogen)

Altruppin
In Altruppin liegt an der Einmündung des Rhins in den Ruppiner Sees am nördlichen Ufer. Im 13. Jahrhunderts legten die Grafen von Arnstein eine stark befestigte Wasserburg an. Diese diente bis 1524 den Herren von Ruppin als Residenz. Nach einem Brand während des Dreißigjährigen Krieges verfiel die Burg immer mehr und diente später als Steinbruch.

Der frühgotische Backsteinbau der Pfarrkirche St. Nikolai, aus dem 13. Jahrhundert, wurde in Jahren 1589 und 1599 um einen massiven Backsteinturm erweitert. Sehenswert sind der dreiteilige Kanzelaltar aus dem Jahre 1712, sowie der fünfteilige Orgelprospekt aus dem 18. Jahrhundert.

1832 wurden die Ruppiner Seen an die Havel angeschlossen. Für den Ausgleich des Höhenunterschiedes mussten zwei Schleusen gebaut werden. Dies führte in Alt Ruppin zur Schließung von Wassermühlen und zur Trockenlegung des Schlossteiches.

Über die Schleuse Alt Ruppin öffnet sich das Tor zur Seenkette der Ruppiner Schweiz für den Besucher und gibt den Weg frei für herrliche Touren. Die Umgebung bietet viel Reizvolles. Vorbei am schönen Molchowsee führen romantische Wege nach Tornow, zum Rottstielfließ, einem Paradies für Angler und Naturfreunde. Wer Lust auf Berge hat, plane einen Ausflug in die Zechower Berge. Mit 97 m sind sie die höchsten Erhebungen im Umkreis. Zeit nehmen sollte man sich auf jeden Fall für einen Besuch von Rheinsberg mit seinem berühmten Schloß und den schönen Parkanlagen. Wer das Ruppiner Land bereist, stößt unweigerlich auf die Spuren des großen Romanciers Theodor Fontane. In Neuruppin ehren das Fontane-Denkmal und Fontane-Gedenkräume im Heimatmuseum den großen Sohn dieser Stadt.

Wustrau-Altfriesack
Wustrau-Altfriesack liegt direkt am Ruppiner See. Im 13. Jahrhundert siedelten dort schlawische Stämme. Im Jahre 1462 wurde Wustrau erstmals urkundlich erwähnt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Wustrau vollständig niedergebrannt. Das Schloss wurde in den Jahre 1747 bis 1750 im barocken Stil gebaut. Das Schloss wird heute als Richterakademie genutzt. Im Jahre 1766 kam Wustrau in den Besitz derer von Zieten. Wustrau wird auch Zietendorf genannt, nach dem preußischen Husarengeneral und Freund Friedrichs des Großen, Hans Joachim von Zieten. Der Husarengeneral Zieten kommandierte das Leibhusarenregiment der preußischen Reiterei. Er zeichnete sich während des Siebenjährigen Krieges bei Hohenfriedeberg und Hennersdorf aus. Neben der Dorfkirche kann man das schlichte Grab des alten Zieten und seiner zweiten Gattin entdecken. Auf dem Dorffreidhof ist ein Gedenkstein sichtbar mit einer eingelgten Eisenplatte: "Im Jahre 1851 den 23. April stand an dieser Stelle das Blüchersche Husaren-Regiment, um den hier in Gott ruhenden Helden, den berühmten General der Cavelliere und Ahnherr aller Husaren, Hans Joachim von Zieten, in Anerkennung seiner hohen Vwerdienste durch eine feierliche Parade zu ehren. Ruhe und Frieden seiner Asche! Preis und Ehre seinem Namen! Er war und bleibt Preußens Stolz."

Im Jahre 1785 gab es zwischen Wustrau und Karwe eine sogenannte Seeschlacht, zwischen den Adligen von Zieten aus Wustrau und von dem Knesebeck aus Karwe.
weitere Informationen unter: www.literaturport.de

Sehenswert sind die Häuser im Angerdorf Wustrau, diese stehen zum Teil unter Denkmalschutz. (Constanzehaus, Pfarrhaus, Kavalierhaus usw.) Besonders zu empfehlen ist die Besichtigung des Gutspark in Wustrau. Hier kann unteranderem der Eiskeller und der Kanonenberg besichtigt werden. Im Jahre 2000 eröffnete in Wustrau das Brandenburg-Preußen Museum. Auf mehr als 350 m2 wird hier die Geschichte Brandenburg-Preußens unter den Hohenzollern dargestellt.

Brandenburg-Preußen Museum
Eichenallee 7a
16818 Wustrau
Telefon : 033925-70798
weitere Informationen unter : www.brandenburg-preussen-museum.de/

Der Ort Altfriesack wurde 1421 erstmals urkundlich erwähnt. Altfriesack ist ein typisches Fischerdorf und liegt auf einer Insel zwischen Ruppiner See und dem Bützsee. Sehenswert in Altfriesack ist die Klappbrücke über den Rhinkanal. Die Brücke wurde um 1787 aus Holz fertiggestellt. Im Jahre 1927 wurde die Holzkonstruktion durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Die Brücke, das Schleusenhaus und das Wohnhaus stehen unter Denkmalschutz.

Karte Neuruppin