Oderbruch

Die Region Seelow gehört zu den dünnbesiedelsten Gegenden Deutschlands. Ihre landschaftlichen Gegensätze bilden ein harmonisches Naturensemble. das Lebuser Höhenland mit langgestreckten Rinnen und Seen wurde im 13. Jahrhundert besiedelt. Die Kultivierung des Oderbruches mit seinen weiten Feldern und verstreuten Siedlungen erfolgte unter Friedrich dem Großen von 1747 bis 1753. In dieser, auch heute noch recht unberührten Landschaft, können Sie die Spuren der Zisterzienser, der Templer und Johanniter, Schinkels, Fontanes u.a. folgen. Von der Märkischen Schweiz kommend, führt der europäische Radweg R1 vorbei an den Schlössern Trebnitz, Wulkow, Neuhardenberg und Wollup durch das Oderbruch. Ab Sophienthal, dem einstigen Spinnerdorf, nimmt der R1 seinen Lauf entlang des Oderdammes nach Küstrin-Kietz, dem Tor zum Osten. Sind sie eine Woche nach Pfingsten hier; so erleben Sie in Reitwein den traditionellen Heiratsmarkt, ein Fest, wie es turbulenter nicht sein könnte. Petrijünger kommen in Altfriedland, Genschmar, Bleyen und Falkenhagen, aber auch direkt entlang der Oder voll auf ihre Kosten. Naturverbundene "Wandervögel" finden nicht nur im Odervorland, sondern auch während eines Spazierganges entlang der pontischen Hänge von Dolgelin über Carzig nach Mallnow und Lebus Erholung, wo im Frühling das in Europa seltene Adonisröschen blüht.

Ökologische Produkte können Sie in Wulkow bei Booßen und in Jahnsfelde erwerben. Von der Gedenkstätte "Seelower Höhen", die an die letzte opferreiche Schlacht am Ende des II.Weltkrieges erinnert, liegt Ihnen das Panorama der faszinierenden Oderbruchlandschaft zu Füßen.

In Letschin wird an Friedrich II. und Theodor Fontane erinnert, deren Spuren Sie auf den ausgeschilderten Rad- / Wanderwegen folgen können. Im Ortsteil Wilhelmsaue winken Ihnen die Flügel der letzten Bockwindmühle zu. Urlaub im Grünen wird Ihnen auf dem Campingplatz in Altzeschdorf uns am Gusower Baggersee geboten. Von den Lebuser Bergen, wo einst der Bischof seinen Sitz hatte, können sie den Blick weit ins polnische Land schweifen lassen. Die von K.F. Schinkel geschaffene kulturhistorisch wertvolle städtebauliche Anlage Neuhardenberg von Schloß und Lenne-Park, Dorfanger und Kirche, in der als Kleinod das versteinerte Fürstenherz zu besichtigen ist, lassen einen Besuch genauso zum Erlebnis werden wie ein Aufenthalt im Kunstspeicher von Fredersdorf.

Die Friedliche Eroberung des Oderbruchs
Das (und nicht der) Oderbruch, war einst ein dem Spreewald ähnliches Gebiet, durchzogen von unzähligen Oderarmen als Wasserstraßen, heimgesucht von den Frühjahrshochwassern wurde unter Friedrich II. in den Jahren 1747 bis 1753 trockengelegt. Das Projekt als Ganzes währte allerdings über Generationen. Welche Bedeutung vor allem dieser letzten Ausbaustufe zukommt, ist schon daran zu erkennen, daß Friedrich Wilhelm I. die Entwässerung und Eindeichung seinem Sohn mit der Begründung hinterließ, er sei dafür zu alt. Gewichtiger waren für ihn wohl die Kostenfrage und die zu erwartenden Streitigkeiten um das beste Verfahren.

Auch Friedrich II. stimmte erst am 17. Juli 1747 nach Vorlage von exakten Plänen zu. Begutachtet und geprüft wurden sie von international anerkannten Persönlichkeiten wie dem Schweizer Professor für Mathematik Leonhard Euler und dem holländischen Wasserbauingenieur Simon Leonhard Haerlem. Am 2. Juli 1753 wurde der über 20,3 Kilometer gegrabene Kanal den Oderfluten als neues Flußbett übergeben. Damit verkürzte sich der Flußlauf um 25 Kilometer und für einen zügigen Wasserabfluß war gesorgt. Der Hauptoberdeich von Lebus bis Hohensaaten in einer Länge von 81 Kilometern schützt seitdem das Bruch vor den gefürchteten Hochwassern. Gleichzeitig entstand mit 32.500 Hektar die größte eingedeichte Niederungsfläche an einem deutschen Strom.

Beim Anblick des fruchtbaren Landesteiles soll Friedrich der Große geäußert haben : "Hier habe ich in Frieden eine Provinz erobert. " Wie wahr diese Worte sind, verdeutlicht folgender Vergleich : Nahezu zeitgleich kämpfte Brandenburg-Preußen im Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Dieser kostete 139 Millionen Taler, 180.000 Soldaten fielen. Die Bevölkerungsverluste betrugen rund 400.000 Menschen. Mit der Besiedlung des Oderbruchs wurden 33 neue Bauerndörfer und 7 Spinnersiedlungen gegründet, in denen 1.134 Bauern- und 363 Spinnerfamilien mit etwa 7.000 Personen angeworben, angesiedelt und mit Rechten ausgestattet wurden, die in der französischen Revolution von 1789 erst blutig erkämpft werden mußten. Die Kosten für die Trockenlegung werden mit 600.000 Talern beziffert. Fontane schreibt : "Fische und Heu hatten Jahrhunderte lang den einzigen Reichtum der Odergegend gebildet ... Die Dörfer im Bruch lagen vor der Eindeichung ... auf einem Haufen und waren meistens von gewaltigen, häuserhohen, aus Kuhmist aufgeführten (aufgefüllten) Wällen umzingelt."

Die wenigen hier lebenden Wenden waren Fischer und erlebten bereits 1753 eine alles verändernde "Wende", als Pfälzer, Schwaben, Polen, Franken, Franzosen, Westfalen, Vogtländer, Mecklenburger, Österreicher, böhmische Einwanderer in den königlichen Dörfern Land und Haus, Vieh und Gerätschaften kostenlos übereignet bekamen und ihnen eine vollständige Freiheit von allen Lasten für 15 Jahre gewährt wurde. 1753 begann man zielstrebig und planmäßig mit dem Aufbau der neuen Dörfer. Infrastrukturell günstiger erschließbare Angerdörfer lösten die einst wendischen Runddörfer ab. Die Baumeister hielten sich an die Forderung des Landesherren, "paleste seindt nicht zu bauen, sondern Schaafställe und Wirtschaftsgebäude!"

So wurden drei Typenbauten für Fachwerksbauten entwickelt. Da nach Königs Wunsch "in jeder nach seiner Fassion selig werden" durfte, wurden Kirchen unterschiedlichster Konfession notwendig. Bereits 1764 entstand in Wuschewier die architektonisch gelungene Fachwerkkombination von Schule und Betsaal unter einem Dach. Dieses Prinzip fand unter dem berühmten Baumeister Karl Friedrich Schinkel im 19. Jahrhundert in vielen Oderbruchdörfern die klassische Form. Der Brandenburg-Preußische Staat stellte finanzielle Mittel zur Verfügung, setzte erfahrene Ingenieure, organisatorisch begabte Beamte ein und prägte mit einer begrenzten Förderung eine Kulturlandschaft, deren Anblick noch heute fasziniert. Nach wie vor ist hier die Landwirtschaft dominierend. Fruchtbares, großflächiges nutzbares Ackerland ließ die Region in der Folgezeit zur Speisekammer und zum Gemüsegarten für die umliegenden Städte, insbesondere für Berlin, werden.

Ins Oderbruch locken eine abwechslungsreiche, teilweise als schicksalhaft zu bezeichnende Geschichte, namhafte Persönlichkeiten, eine unverwechselbare Architektur, die eigenwillige Landschaft mit ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt, Landwirtschaft, aber auch die dünne Besiedlung und aufgeschlossene Menschen, die gern die Welt auf sich zukommen lassen.

Gedenkstätte und Museum Seelower Höhen
Im Winter und Frühjahr 1945 starben bei den Kämpfen um die Brückenköpfe und bei der Schlacht um die Seelower Höhen mehrere Zehntausende Soldaten vieler Nationen. Der Krieg forderte unter der Bevölkerung viele Opfer und zerstörte eine einzigartige Kulturlandschaft. Nach 1945 entstand hier am authentischen Ort ein in Deutschland einmaliges Denkmalensemble von internationaler Bedeutung in Einheit von sowjetischen Ehrenmal und Kriegsgräberstätte sowie deutscher Gedenkstätte und Museum. Heute ist es ein Ort der gesamtdeutschen Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg, seine Folgen und seine unterschiedlichen Darstellungen.

Gedenkstätte und Museum Seelower Höhen
Küstriner Straße 28a
15306 Seelow
weitere Informationen unter : www.gedenkstaette-seelower-hoehen.de

Naturschutzgebiet Mallnower Oderhänge
Wenn bei Mallnow, Lebus und Dolgelin im Landkreis Märkisch-Oderland die kleinen Adonisröschen blühen, ist endgültig Frühling. Bis weit in den Mai hinein verwandeln sich die in Deutschland einmaligen Trockenrasengebiete in einen leuchtend gelben Blütenteppich.

Touristen kommen in Scharen per Pkw, Bus oder zu Fuß an die Nahtstelle von Lebuser Hochfläche und Oderbruch, um sich an den blühenden Wiesen zu erfreuen. Die Flächen mit den streng geschützten Frühlingsadonisröschen in der Odernähe gelten als die nördlichsten Verbreitungsgebiete in Europa. Die nach dem Geliebten der Aphrodite, Adonis, benannten Blumen gedeihen vorwiegend in Südeuropa und Kleinasien. In Deutschland kommen die Hahnenfußgewächse auch im Harzvorland, am Rande des Thüringer Beckens und in Süddeutschland vor.

Die Adonisröschen sind für den Seelower Fremdenverkehrsverein Märkisch-Oderland ein Pfund, mit dem sich wuchern läßt. Gern werden in der Fremdenverkehrsstelle der Kreisstadt Anmeldungen für eine geführte Wanderung durch das 121 Hektar große Naturschutzgebiet "Mallnower Oderhänge" entgegengenommen. Wer keine Führung möchte, für den ist seit kurzem ein Rundwanderweg gekennzeichnet.

Adonisröschen Bereits an der Bundesstraße 167 verweist zwischen Lebus und Seelow an der Abzweigung nach Mallnow ein Schild auf die Adoniswanderung. Ausgangs- und Zielpunkt ist am Rande der Gemeinde die Herberge und Gaststätte "Adonisröschen". Während des dreiviertelstündigen Spaziergangs durch bergiges Gelände lernt der Besucher eine in nördlichen Breiten einmalige Steppenlandschaft kennen und genießt von der Lebuser Hochebene eine weite Aussicht ins 60 Meter teifergelegene fruchtbare Oderbruch.

Ein ähnliches Landschaftserlebnis erwartet den Touristen in den fünf Kilometer entfernten Lebuser Oderbergen. Auch dort dominiert auf den Hängen im Frühjahr das Gelb der Adonisröschen. Von den Höhen der Steppenwiesen geht der Blick über die in der Tiefe fließenden Oder hinüber in die polnische Neumark und südwärts nach Frankfurt/Oder. Ein gekennzeichneter Wanderweg verbindet die Lebuser Oderberge mit der deutsch- polnischen Grenzstadt.

Adonisröschen
Der wohl auffälligste und schönste Vertreter des Wiesensteppengebietes ist das Frühlingsadonisröschen. Diese gehört zu den Hahnenfußgewächsen, dessen Gifte das Herz angreifen. Entsprechend dosiert ist ihr Wirkstoff in Arzeneimitteln enthalten. Das Adonisröschen war schon in der Vergangenheit als Symbol des Frühlings angesehen und so verwundert es nicht, daß sich darum eine Reihe von Sagen rankt. Die bekanteste ist die griechische Sage von Adonis und Aphrodite

Adonis, der Sohn des zypriotischen Königs Kinyras, war von vollendeter Schönheit. Deshalb suchte ihn sich die Liebesgöttin Aphrodite zum Geliebten aus. Ihre Liebe war groß und innig, bis Adonis eines Tages auf der Jagd durch einen Eber tödlich verletzt wurde. Daraufhin wurde er in das Totenreich des Hades entführt. Dorthin konnte Aphrodite jedoch nicht folgen. Ihr Wehklagen um den Geliebten erbarmte Göttervater Zeus, und er befahl seinem Bruder Hades, dem Herrscher der Unterwelt, Adonis jedes Frühjahr für sechs Monate auf die Erde zu entlassen.