Oranienburg und Umgebung

Direkt vor den Toren Berlins gelegen, läßt sich Oranienburg bequem mit der S-Bahn oder mit Rad erreichen.

Mit der Erweiterung der askanischen Lande, wird auch das Havelland erobert. Es wird die Burg Bothzowe an der Havel errichtet. Bereits um 1216 wurde der Ort das erste Mal urkundlich unter seinem damaligen Namen "Bötzow" erwähnt. Erst über 400 Jahre später, als Kurfürst Friedrich Wilhelm 1650 das "Amt Bötzow" seiner Gemahlin Luise Henriette von Oranien zum Bau eines Schlosses schenkte, wurde der Name in "Oranienburg" geändert.

Das Schloß wird 1652 unter der Regie der holländischen Baumeister J.G. Memhardt und M.M. Smids an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg erbaut. Das Schloß ist das älteste Barockschloss in Brandenburg. Zwischen 1688 und 1709 werden zunächst von J.A. Nering und M. Grünberg, später von J.F. Eosander verschiedene Umbauten und Erweiterungen vorgenommen, so daß letzlich eine H-förmige Anlage entsteht.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Schloß verkauft und als Fabrikgebäude genutzt. Hier entdeckte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge das Anilin und die Karbolsäure.

Das Innere wurde teilweise erheblich verändert. Erhalten blieb jedoch die ehemalige Porzellankammer mit reich verzierter Stuckdecke, die ein Gemälde über die Einführung des Porzellans in Europa von Augustin Terwesten 1697 ziert. Der im 17. Jahrhundert von Memhardt angelegte Lustgarten wurde im 19. Jahrhundert zum Landschaftspark umgestaltet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde hier die Orangerie erbaut, ein eingeschossiger, durch Pilaster gegliederter Putzbau.

Nach umfangreichen Restaurierungen ist Anfang 2001 das Schlossmuseum zusammen mit einem Kreismuseum eröffnet worden. Im Schlossmuseum Oranienburg, das die ehemaligen Paraderäume, den Festsaal des Corps de Logis, die ehemalige Königswohnung im Nordwestflügel und die darunter liegenden Räume im Entresol des Schlosses umfasst, zeigt die Stiftung herausragende Kunstwerke, die untrennbar mit der Schlossgeschichte verbunden sind. Einen Schwerpunkt bilden die ersten Jahrzehnte der Regierung des Großen Kurfürsten (1620-1688) nach dem Dreißigjährigen Krieg. Es sind Exponate zu sehen, die die engen Bindungen und kulturellen Beziehungen Brandenburgs zu den Niederlanden dokumentieren.

Zu den ausgestellten Kunstwerken zählen derzeit 83 Gemälde u.a. von Jan Lievens, Govert Flinck und Jan Mijtens. Einen weiteren Höhepunkt bilden Gemälde von Antonis van Dyck und Thomas Willeboirts. 16 der ausgestellten Gemälde gehören zur alten Oranienburger Schlossausstattung um 1700. Die hohe Qualität der musealen Einrichtung wird maßgeblich auch von den zwölf Marmorskulpturen niederländischer Bildhauer des 17. Jahrhunderts bestimmt. Das Elfenbeinmobiliar, die Etagéren aus der Porzellankammer und zahlreiche Porzellangegenstände gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken im Besitz der Stiftung.

An die glanzvollste Zeit des Ortes um 1700 werden zwei berühmte Bildteppichfolgen - die Ruhmestaten des Großen Kurfürsten (Berlin, ab 1690) sowie Hof- und Maskenfeste (Brüssel, um 1700) - erinnern. Außerdem kehren Kunstwerke, die sich in frühen Oranienburger Schlossinventaren nachweisen lassen, an ihren ursprünglichen Ort zurück. Besondere Aufmerksamkeit verdient das original erhaltene Deckengemälde der Porzellankammer von Augustin Terwesten.

Die Stadt selbst war Ende des 17. Jahrhunderts als barocke Stadtanlage mit auf das Schloß zuführenden Straßen konzipiert worden. Die Wohngebäude waren vorwiegend als zweigeschossige Traufenhäuser ausgelegt. Ein sehenswertes Beispiel dafür ist die seit 1753 königlich priviligierte Adler-Apotheke in der Havelstraße aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Zu den bemerkentswertesten Architekturdenkmalen der Stadt zählt jedoch das 1665 erbaute ehemalige Waisenhaus (Nr. 29 in der gleichen Straße). Es ist ein zweigeschossiger Ziegelrohbau mit Hausteingliedern in holländischer Manier. Die Pfarrkirche St. Nikolai wurde 1864-66 von August Stüler als Basilika aus gelbem Backstein errichtet, nach der Zerstörung 1945 aber in veränderter Form wieder aufgebaut. Im Jahr 1877 wird Oranienburg an die neueröffnete Bahnstrecke Berlin-Stralsund angeschlossen. 1893 wird im Westteil der Stadt die erste vegetarische Siedlung in Deutschland. Als erste Genossenschaft im Stadtgebiet wird sie unter dem Namen "Vegetarische Obstbaukolonie Eden G.M.b.H." bald in vielen Ländern Europas bekannt.

Außerhalb des alten Stadtkerns sind das ehemalige Forstamt in der Sachsenhausener Straße, ein zweigeschossiger Putzbau mit Krüppelwalmdach von 1771/72, sowie das Jugendstilkaufhaus in der Bernauer Straße sehenswert.

Industriegeschichte schrieb Friedlieb Ferdinand Runge, ab 1832 Technischer Leiter im Schloss, das zur Chemiefabrik umfunktioniert worden war. Dort entdeckte er im Steinkohlenteer das Anilin und die Karbolsäure, Ausgangsstoffe für Arzenei-, Kunst- und Farbstoffe sowei Desinfektionsmittel. Seine Entdeckungen waren die Grundlage für die moderne Chemie- und Farbenindustrie. Die Schlossnutzung als Fabrik hatte neben der Zerstörung der Innendekoration auch zwei Brände zur Folge.

In Oranienburg/Sachsenhausen wurde 1936/37 das erste faschistische Konzentrationslager Deutschlands von Häftlinge aus den Emslandlagern errichtet. Nach der Vorstellung Heinrich Himmlers, dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei, sollte Sachsenhausen zu einem "modernen und neuzeitlichen" Lager ausgebaut werden. Der Entwurf folgte - unter den Aspekten von Funktion und Geometrie - einem " Idealplan": Dreiecksgrundriß, symmetrischer Aufbau, fächerförmig um den Appellplatz gruppierte Baracken, rundum verteilte Sonderbereiche waren unmittelbarer architektonischer Ausdruck von Ideologie und Machtanspruch, von Kontrolle und Terror.

Durch die Nähe zu Berlin und damit zur Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße nahm Sachsenhausen eine Sonderrolle im KZ-System ein. Ein großes SS-Kontingent wurde hierher verlegt, das Lager selbst diente zugleich als Ausbildungsort für KZ-Kommandanten und Bewachungspersonal im ganzen NS-Bereich. Vor dem Lagereingang, im sogenannten "T-Gebäude", saß seit 1938 die für alle KZ zuständige "Inspektion der Konzentrationslager". 1944/45 erreichte das Lager Sachsenhausen seine größte Ausdehnung: über ein Gebiet von ca. 400 ha erstreckten sich die wesentlichen Teile des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

In etwa 100 Außenlagern, die meisten davon in Berlin, leisteten die Häftlinge Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie. Insgesamt waren in Sachsenhausen etwa 200.000 Häftlinge aus annähernd 40 Nationen eingesperrt: politisch Verfolgte, darunter viele Angehörige des Widerstandes, Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene, Homosexuelle, sogenannte "Arbeitsscheue" und sogenannte "Berufs-, Gewohnheits- und Sittlichkeitsverbrecher". Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wächst der Anteil ausländischer Häftlinge schnell an; Sie stellen spätestens ab 1942 den weitaus größten Teil der Gefangenen. Es wird geschätzt, daß etwa 100.000 Menschen ermordet wurden. Ab 1941 wurden Massenmorde an über zehntausend nicht registrierten sowjetischen Kriegsgefangenen verübt, in Vergasungsfahrzeugen, mit Genickschußanlagen und durch nicht behandelten Typhus. Auch Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und Zeugen Jehovas fielen immer wiederkehrenden Massenmordaktionen zum Opfer. Am 22. April 1945 wurden 3.000 Kranke und nicht gehfähige Häflinge im Hauptlager befreit. Mehr als 35.000 hatten zwei Tage zuvor die Baracken verlassen müssen. Sie wurden auf dem Todesmarsch Richtung Schwerin von Einheiten der Alliierten befreit.

Nach der Befreiung des Konzentrationslager Sachsenhausen im Jahre 1945, wurde das Konzentrationslager Sachsenhausenvon den sowjetischen Besatzern als Speziallager Nr. 7 für politische Häftlinge weitergeführt (außer Krematorium und Vernichtungsanlagen). Ab 1948 war das Speziallager das größte seiner Art in der sowjetischen Besatzungszone. Rund 60.000 Menschen waren dort bis 1950 inhaftiert, nochmals fanden mehr als 12.000 Menschen den Tod durch Hunger oder Krankheit.

Zur Erinnerung an die Opfer des faschistischen KZ Sachsenhausen wurde 1956-61 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte geschaffen. Den Mittelpunkt der Anlage bildet der ehemalige Apellplatz mit der Kommandantur. Eine halbkreisförmige Gedenkmauer symbolisiert mit stilisierten Giebeln den früheren Standort des vordersten Barackenrings; in der Mitte stand der Galgen.

In der Hauptachse steht heute ein dreiseitiger Sandsteinobelisk "Befreiung" von Rene Graetz und über dem erhaltenen Fundament des Krematoriums eine Bronzegruppe von Waldemar Grzimek. In der ehemaligen Lagerküche - heute zum Museum umgestaltet - ist u.a. ein Modell des Lagers ausgestellt. Auf dem Kommandaturgelände wurde ein Museum des antifaschistischen Freiheitskampfes errichtet. Zwei Baracken und ein Trakt des Zellenbaus sind östlich des Museums erhalten. Im nahegelegenen Schmachtenhagener Forst sind in einem Gräberfeld die Opfer des sowjetischen Speziallagers bestattet.

Lehnitz
Die Gemeinde Lehnitz liegt längsseits des östlichen Ufers vom Lehnitzsee. Sie grenzt unmittelbar an die Stadt Oranienburg. Lehnitz ist durch die S-Bahn-Stecke von Berlin nach Oranienburg zweigeteilt. Vom Bahnhof aus erstreckt sich Lehnitz in Richtung Lehnitzsee, zum anderen in Richtung des Oder-Havel-Kanals.

Lehnitz wird durch seine vielen sehenswerten Villen geprägt. Von 1948 bis 1953 wohnte der Schriftsteller Friedrich Wolf hier. Der Lehnitzsee, "Perle des Nordens" lädt zum Verweilen und Erholen ein. Nutzen Sie den Wanderweg rund um den Lehnitzsee und lernen Sie verschiedene Vogelarten kennen. Über den Oder-Havel-Kanal gelangen Sie von hier aus in die Oder, Nordsee, Elbe oder Ostsee.

Velten
Velten liegt nur wenige Kilometer in nördlicher Richtung von Berlin entfernt, in einer Sumpf- und Bruchlandschaft. Velten wurde im Jahre 1355 erstmals urkundlich erwähnt. Velten ist vor allem bekannt durch sein Ofenfabriken. 38 Ofenfabriken waren zum Anfang des 20. Jahrhunderts hier ansässig. 1835 wurde die Erste Ofenfabrik in Velten gegründet. Sie produzierten alleine für Berlin rund 100.000 Kachelöfen (weiße Schmelzkacheln für die "Berliner Öfen") . Im Jahre 1935 erhielt Velten das Stadtrecht. Zur Zeit produziert die Im Jahre 1872 gegründete Ofenfabrik A.Schmidt, Lehman & Co. GmbH noch Öfen. In der Ofenfabrik befindet sich auch das Ofenmuseum. Sie können das Ofenmuseum zu folgenden Öffnungszeiten besuchen:
Dienstag - Freitag von 11.00-17.00 Uhr
Samstag - Sonntag von 13.00-17.00 Uhr
weitere Informationen unter: www.ofenmuseum-velten.de

Und wer kennt nicht das Geschirr mit dem Kürzel HB. Hedwig Bollhagen - die große deutschen Keramikerinnen hatte in Marwitz bei Velten ihre Werkstätten.
Sehenswertes in Oranienburg und Umgebung:
  • Schloss und Schlosspark in Oranienburg
  • Gedenkstätte und Museum Konzentrationslager Sachsenhausen
  • Gedenkstätte und Museum Konzentrationslager Ravensbrück
  • Stadtkirche St. Nicolai in Oranienburg
  • Obstbaukolonie Eden in Oranienburg
  • Amtshauptmannshaus, heute Kreismuseum in Oranienburg
  • Tier- unf Freizeitpark in Germendorf
  • Oberhavel Bauernmarkt in Schmachtenhagen
  • Bockwindmühle/Mühlenmuseum in Vehlefanz
  • Ofen- und Keramikmuseum in Velten
  • Schloss in Sommerswalde
  • Ziegeleipark in Mildenberg
  • Clara-Zetkin-Gednkstätte in Birkenwerder
  • Kinder- und Jugendzentrum Neuglobsow
Karte Oranienburg