Prenzlau und Umgebung

Im Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen und des Flusses Ucker gründet der Pommernherzog Barnim I. 1234 die Stadt Prenzlau und verleiht ihr Magdeburger Recht. Unter Einbeziehung einer bereits 1188 an dieser Stelle urkundlich erwähnten slawischen "Burg mit Markt und Krug" wächst die Stadt unter dem Zustrom deutscher Siedler zu einem bedeutenden Handelsplatz heran. Somit wurde Prenzlau zum Zentrum der deutschen Besiedlung des Uckerlandes.

Von Anbeginn vollzog sich der Ausbau planvoll. So wurde im Zentrum ein rechteckiger Marktplatz mit dem Rathaus und der westlich davon gelegenen Marienkirche angelegt. Die Straßenzüge wurden nahezu schachbrettartig angeordnet.

Der Ansiedlung eines Franziskanerklosters folgte die Stiftung eines Nonnenklosters der büßenden Schwestern der heiligen Maria Magdalena (Benediktinerinnen) nahe der uckrischen Siedlung am See.

Später - die Uckermark war 1250 an die Markgrafen von Brandenburg gefallen - entsteht um 1275 im Süden der Stadt noch ein Dominikanerkloster, in dem heute ein kulturhistorisches Museum untergebracht ist.

Nachdem bereits unter pommerscher Herrschaft hölzerne Palisaden die Stadt umschlossen, wird 1287 mit Genehmigung des Markgrafen eine 9 m hohe und 2 m dicke Stadtmauer mit Gräben und Wällen errichtet. Auf 2,6 km Länge werden 4 Stadttore und etwa 60 Wehrtürme errichtet, so daß die engen Zwischenräume von den Türmen aus leicht zu verteidigen sind. Die Stadt genoß zahlreiche Privilegien und gehörte vermutlich seit 1268 dem Städtebund der Hanse an. Ihren Reichtum zog die Stadt aus Handel, Handwerk und der Schiffahrt auf der Ucker. 1303 erhält die "Grüne Apotheke" als erste Apotheke in Deutschland ihr Privileg.

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 15.Jahrhunderts kommt es nach dem Aussterben der Askanier immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Pommern, Mecklenburg und Brandenburg um den Besitz der "Terra Ukera". Pommern gelingt es im Jahre 1425 ein letztes Mal Prenzlau unter seine Herrschaft zu bringen. Durch eine List und gutes Zuspiel der Bürgermeister gelang ihnen die Einnahme der Stadt. Doch schon ein Jahr später konnte Markgraf Johann Prenzlau wieder zurückerobern. Den Bürgermeistern wurden erst die Hände abgehackt, dann wurden sie geköpft. Die Skelette dieser "Schwurhände" sind noch heute im Museum zu besichtigen. 1448 wird dann der Frieden zu Prenzlau geschlossen, fast die ganze Uckermark fällt damit an die Mark Brandenburg.

Ein verheerender Stadtbrand im Jahre 1483 leitet den langsamen Abstieg der blühenden Stadt ein. Die Verwüstungen des 30jährigen Krieges beschleunigen diesen Prozeß noch Nach dem Potsdamer Edikt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, das den in Frankreich verfolgten Hugenotten in Brandenburg Asyl bot, siedelten sich 1686/87 französische Familien in den teilweise immer noch unbewohnten Häusern an.

Als im Jahre 1806 preußische Truppen (10.000 Mann) von den Schlachten bei Jena und Auerstedt nach Prenzlau gelangten, wurden diese von Franzosen (nur 1.500 Mann) eingekreist, da die Preußen ihre Lage verkannten ergaben sie sich. Die Franzosen aber waren ziemlich stolz darauf, so nahmen sie den Namen der Stadt ("Prentzlow") in den Triumpfbogen auf. Von 1806 bis 1812 war Prenzlau unter französischer Besatzung.

Durch neugegründete Handwerksbetriebe setzte im 18. Jahrhundert wieder ein gewisser Aufschwung ein, der durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz 1863 unterstützt wurde. 1894 lebten 18.000 Menschen in Prenzlau.

1945 lag fast die gesamte Altstadt in Schutt und Asche. Allerdings wurde weniger durch direkte Kampfhandlungen zerstört, als vielmehr durch Brandschatzungen der Sowjets (85 Prozent von Prenzlau wurde zerstört). Darum wurde dem ersten Stadtkommandanten von Prenzlau - N.Staroselski die 1969 verliehende Ehrenbürgerschaft im Jahre 1990 auch wieder aberkannt. Beim Wiederaufbau wurden die historischen Grundrisse weitestgehend gewahrt.

Der ehemalige Reichtum der Stadt zeigt sich heute noch in der alten Stadtbefestigung, von der noch Teile der ursprünglichen Stadtmauer sowie Reste von Mauertürmen erhalten sind. Vor allem aber die imposanten Toranlagen, von denen das Steintor, das Blindower Tor und der Mitteltorturm erhalten sind, bezeugen den mittelalterlichen Wohlstand. Die Tore wurden aber in den Jahren 1874/75 nach Aufhebung der Schlacht- und Mahlsteuer abgerissen. Lediglich die Tortürme sind erhalten geblieben, von denen nur noch der Steintorturm für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Aber auch in den Sakralbauten Prenzlaus lebt die einstige Vorrangstellung der Stadt fort. So ist die Marienkirche von ihren Abmessungen die größte Kirche der Uckermark. Die ursprüngliche Hallenkirche mit Querschiff stammt aus der Zeit von 1235-50. Von 1289 bis 1340 wurde die Kirche teiweise abgebrochen und das heutige Mittelschiff mit dem Chor gebaut. Mit aufgestockten Türmen, denen man gotische Spitzhelme aufsetzte, wurde sie 1340 neu geweiht.

Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, zählt die inzwischen wieder hergestellte St. Marienkirche zu den bedeutendsten Backsteinkirchen Norddeutschlands. Von der "Brücke", einem Laufgang zwischen den beiden 64 und 68 Meter hohen Türmen, hat man einen phantastischen Rundblick auf die Stadt, den Unteruckersee und in die Uckermark.

Besonders sehenswert ist der von aufwendigen Maßwerken gegliederte Ostgiebel, der mit seinen rot und schwarz glasierten Steinen einen spielerischen Formenreichtum entwickelt. Die von den Dominikanern erbaute Klosterkirche (jetzt Nikolaikirche), eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte Backsteinhallenkirche, besitzt neben einem Bronzetaufbecken aus dem frühen 15. Jahrhundert einen sehenswerten dreigeschossigen Altar von 1609. Die übrigen, nahezu vollständig erhaltenen Klostergebäude beherbergen heute das Heimatmuseum.

Die einschiffige Jacobikirche brannte 1945 aus, ist jedoch wiederhergestellt und zeigt Teile des ehemaligen Altars aus dem 16. Jahrhundert.

Mit dem Dominikanerkloster entstand in Prenzlau - neben den bereits bestehenden Sabinen- und Franziskanerklostern - ein weiteres geistliches Zentrum, das für die Bedeutung und Blüte der Stadt im Mittelalter eine wesentliche Rolle spielte. Die dreischiffige Hallenkirche ohne Turm (jetzt Nikolai kirche) wurde von 1275 bis 1343 errichtet. Im Süden schließen sich an die Kirche die zweistöckigen Klostergebäude mit umlaufendem Kreuzgang an und umgeben einen fast quadratischen Friedgarten. Im gegen Ende des 14. Jahrhunderts fertiggestellten Westflügel befindet sich das sehr gut erhaltene Refektorium mit Stützpfeilern und frühgotischen Kapitellen sowie mit spätmittelalterlichen Wandmalereien. Doch nur bis 1544 wurde die Gebäudeanlage klösterlich genutzt. Im Ergebnis der Reformation erfolgte auch die Säkularisierung des Dominikanerklosters. Der in der Folgezeit ununterbrochenen städtischen Nutzung der Klausurgebäude ist es zu verdanken, daß die gesamte Anlage erhalten geblieben ist und heute zu den herausragenden mittelalterlichen Klosterbauten im norddeutschen Raum zählt.

1952 werden durch eine Gebietsreform in der DDR die Kreise verkleinert, die Länder faktisch aufgelöst und die Bezirke gebildet. Die Uckermark wird geteilt, die Kreise Prenzlau und Templin gehören zum Bezirk Neubrandenburg, der Kreis Angermünde zum Bezirk Frankfurt/Oder. 1990 entscheiden sich in Bürgerbefragungen die Bürger der Kreise Prenzlau und Templin mit überwältigender Mehrheit für eine Zugehörigkeit zum Land Brandenburg.

Dedelow
Nordwestlich von Prenzlau ist in Dedelow eine schlicht gestaffelte Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert mit breitem Westturm und eingezogenem Chor erhalten. 1963 wurden im Rahmen einer Gesamtrestaurierung spätgotische Wandmalereien freigelegt. Ein Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert stellt die Madonna zwischen Johannes dem Täufer und dem heiligen Sebastian dar.

Das Gruftgebäude auf dem Kirchhof soll mit seiner neugotischen Blendfassade von G. Cantian nach Plänen von K.F. Schinkel errichtet worden sein.

Gramzow
Gramzow, etwa 16 Kilometer südöstlich vor Prenzlau gelegen gilt als ältester Ort der Uckermark. Bereits 1168 wird die Siedlung erstmals urkundlich erwähnt.

Aufstieg und fall einer märkischen Gemeinde - kaum ein anderer Ort könnte besseres Zeugnis für derlei Verhängnis abgeben als Gramzow. Dabei fing alles so hoffnungsvoll an. Zunächst unterstand das Dorf dem Rrämonstratenserstift Grobe auf Usedom, dem heutigen Pudagla. Wahrscheinlich gründete Herzog Bogislaw I. von Pommern-Stettin in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts hier in Gramzow ein selbständiges Prämonstratenserkloster. Mit dem Bau der Klosterkirche, eine stattliche dreischiffige Hallenkirche, wurde vermutlich 1250/60 begonnen, und der Abschluß erfolgte Anfang des 14. Jahrhunderts. Zu jener Zeit sprach man auch schon nicht mehr vom Dorf Gramzow, sondern von Marktflecken oder Stadt.

Das Kloster verfügte zwischen Ücker und Randow über große Besitzungen. Gramzows Aufstieg schien unaufhaltsam. Ein weiteres Zeichen dafür war die inzwischen fertiggestellte Dorfkirche, die sich in ihrer Größe deutlich von einfachen Dorfkirchen unterschied.

1472 kam das Städtchen endgültig an Brandenburg. Ob der Wechsel negative Auswirkungen nach sich zog, ist nicht belegt, eindeutig zum Nachteil gereichte Gramzow aber die Reformation. Durch die Säkularisation wurde es landesherrliches Amt, das Kloster aufgelöst.

Mit der Reduzierung der Einwohnerschaft und den baulichen Zerstörungen förderte der 30jährige Krieg die unglückselige Entwicklung des Ortes. Von den Niederländern, die man nach den Wirren im Jahre 1652 hier ansiedelte, wanderten die meisten schon in der Folgezeit wieder ab. Erst der Zuzug von französisch-reformierten Flüchtlingen ab 1686 schien den Niedergang Gramzow zu verzögern. Diese nutzten ab 1687 das ehemalige Kloster als Gotteshaus, das seit Ende des 16. jahrhunderts halb als Kirche, halb als Getreidespeicher gedient hatte. Der Zustand der altehrwürdigen Gemäuer war schon zu jener Zeit alles andere als unversehrt, auch wenn man 1680 noch Reperaturarbeiten am alten Kreuzgang vorgenommen hatte.

Am 29. Juli 1714 schließlich wurde der überwiegende Teil der Anlage ein Raub der Flammen. Gramzow war geradezu hinabgestiegen in die Bedeutungslosigkeit eines märkischen Dorfes.

Im mächtigen Westturm des ehemaligen Klosters, der über die ganze Breite des Längsschiffes angelegt ist, befindet sich eine der ältesten Glocken (1378) Brandenburgs.

Die ein- und zweigeschossigen Fachwerkhäuser am Markt gelten als die ältesten im Kreis Prenzlau.

Das einst bedeutende Kloster ist zur Ruine verfallen. Die Klosterkirche, etwa Mitte des 14. Jahrhunderts als dreischiffige Backsteinhalle vermutlich mit Querschiff und Umgangschor erbaut, wurde durch den Brand 1747 zum zweiten Mal weitgehend zerstört. Erhalten geblieben ist lediglich ein Teil der Westwand mit der originellen sechseckigen Kapelle sowie ein Teil des reich gegliederten Blendengiebels.