Rheinsberg und Umgebung

Ob es letzendlich Theodor Fontane oder eher Kurt Tucholsky war, der mehr zur Popularität von Rheinsberg beigetragen hat, ist müßig zu fragen. Sicher ist, daß Natur und Kultur hier in besonderem Maß harmonieren.

Schloss Rheinsberg Im 13. Jahrhundert wurde am Grienericksee eine Grenzfeste errichtet, nachdem die dort lebenden slawischen Stämme vertrieben worden sind. Im Schutz der Grenzfeste siedelten sich Bauern aus dem Rheingebiet an. Eine erste urkundliche Erwähnung von "Rynesperg" geht bis 1335 zurück. 1566 ließ der damalige Besitzer Achim von Bredow die Wasserburg in ein Renaissanceschloß umbauen. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu großen Stadtbränden (1566, 1635, 1675 und 1740) und auch die Pest forderte viele Menschen (1591, 1611, 1631 und 1638). Während der Dreißigjährigen Krieges wurde Rheinsberg mehrfach geplündert und niedergebrannt. Am schlimmsten traf es Rheinsberg 1675 als die Schweden fast die gesamte Stadt niederbrannten.

1734 kaufte der preußische König Friedrich Wilhelm I. das seit dem Potsdamer Edikt von 1685 im Besitz der Hugenottenfamilie von Belville befindliche Schloß für den Kronprinzen Friedrich, den späteren Friedrich II.

Die bei einem Brand zerstörte Stadt wurde 1740 nach Plänen von Knobelsdorff auf einem rechtwinkligen Straßenraster in Karrees eingeteilt und mit ein- bis zweigeschossigen Traufenhäusern neu bebaut. Dies sollte das Überspringen der Flammen von Karrees zu Karrees verhindern. Die Stadtkirche, ein gotischer Granitquaderbau, wurde im ausgehenden 16. Jahrhundert umgebaut und enthält noch Grabinschriften der von Bredows. Die Postmeilensäule wurde 1760 errichtet, von hier fuhr die Postkutsche jeden Montag und Freitag von Rheinsberg nach Wittstock und Berlin. 1899 wurde Rheinsberg an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Der Waldreichtum der Rheinsberger Seenkette, die heute als beliebtes Erholungsgebiet genutzt wird, hatte 1737 zur Gründung der Glashütte Zechlinerhütte geführt. Friedrich Wilhelm I. der das Projekt unterstützte, sah hierin die Möglichkeit, Preußen von Glasimporten aus dem habsburgischen Böhmen zu befreien. Er räumte der Weißen Hütte, wie die Glashütte auch genannt wurde, das alleinige Produktionsrecht für Kristall- und Farbgläser ein. Auf Sektgläsern, Pokalen und Vasen gestaltete man patriotische, mythologische sowie ornamental-dekorative Motive. Elias Rosbach (1700-65), einer der bedeutendsten Glasschneider aus Zechlinerhütte, orientierte seine Arbeiten an Werken von Antoine Pesne und Jean-Antoine Watteau.

Schloß und Park Rheinsberg

Schloss Rheinsberg Im März 1734 erwarb der preußische König Friedrich Wilhelm I. die im Norden der Mark Brandenburg gelegene Herrschaft Rheinsberg und übereignete sie seinem ältesten Sohn Friedrich, um diese mit seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern eine eigene Hofhaltung zu ermöglichen. Der Kronprinz kannte den Ort, und auch der zukünftige Baumeister Friedrichs, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, war schon mit zugegen gewesen, als bei Besuchen un Rheinsberg der Wunsch geboren wurde, in der seen- und waldreichen Gegend eine den Studien und den Musen gewidmete Idylle zu schaffen. Ein Gemälde von Knobelsdorff zeigt das Schloß in jener Form, in der es die jungen Interessenten vorfanden : am Ostufer des Grienerick-Sees, auf einer von Wassergräben umgebenen Insel, eine unregelmäßige Gebäudegruppe, deren einziges ins Auge fallende Architekturmotiv ein mächtiger Rundturm mit Kuppeldach und Laterne ist. Der Rundturm, im Kern möglicherweise ein Rest der mittelalterlichen Burg und damit ein Hinweis auf die Gründung von Stadt und Feste Rynesperg im 13. Jahrhundert durch die Grafen von Ruppin, gehörte nun zum Hauptflügel eines Wasserschlosses, das die Familie von Bredow nach 1566 in Renaissanceformen - ebenso wie die Kirche der Stadt - hatte errichten lassen.

Der Name Klingenberg soll von einer Uhr mit Schlagwerk im Turm herrühren. Noch heute wird der Südflügel des Schlosses Rheinsberg, am Abfluß des Rhins dem Garten gegenüber, der Klingenbergflügel genannt nach dem Rundturm an der Seeseite, der als wesentliches Kompositionselement in den Neubau nach 1734 einbezogen worden war.

Der Schlosshof Zunächst wurde dem Baudirektor der kurmärkischen Kammer, Johann Gottfried Kemmeter, die Bauleitung übertragen. Ihm hatte der Soldatenkönig größtmögliche Sparsamkeit angeraten. Trotzdem läßt Kemmeters Planung Großzügigkeit nicht vermissen. Er baute als erstes den Renaissanceflügel um und aus und gab ihm auf der Südseite einen Mittelrisalit, von dem dann die Hauptachse des friderizianischen Gartens ihren Ausgang nehmen sollte. An der Seite zur Stadt fügte Kemmeter rechtwinklig einen Querflügel an mit vortretendem, von einer figurenbekrönten Attika abgeschlossenen dreiachsigen Mittelrisalit. Die Dimension dieses Querflügels - um seinetwillen mußte die Schloßinsel vergrößert werden - und seine Gestalt verraten deutlich die Absicht, ihn zum Hauptflügel, zum Corps de Logis einer Dreiflügelanlage mit zum Grienerick-See geöffneten Ehrenhof werden zu lassen. Die Vollendung dieses Planes, der Bau eines Pendants zum Klingenbergflügel, die Wiederholung des Rundturmmotivs an der Giebelseite zum See und die Verbindung der beiden Türme durch eine Säulengalerie sind als Arbeiten von Knobelsdorff überliefert, der 1737, von einer Italienreise zurückgekehrt, an die Stelle Kemmeters trat.


Ob dieser bei seiner Ausführung schon Vorstellungen von Knobelsdorff und Friedrich gefolgt ist oder ob er selbst der Urheber der Grundidee war sei dahingestellt. Ihren künstlerischen Schwung dürfte die Schöpfung auf jeden Fall durch Knobelsdorff erhalten haben. Eine hinreißende Entwurfsskizze zeigt, wie er sich die Türme erhöht und von einer mit Figuren bestandenen Brüstung bekrönt vorstellte, korrespondierend mit den Fuguren auf der Attika des Corps de Logis und auf der Balustrade über dem Säulengang. Die Kolonnade sollte über einem Sockel mit Brunnennischen den Hof abschließen. Bei der Ausfürung reduzierte man den Plan auf dei Freitreppe zum Gratenparterre und auf die figurenlosen Brüstungsabschlüsse der Türme . Diese tragen ihre schlichten Kegeldächer erst seit 1805.

Säulengang im Schlosshof 1736 war der Ausbau schon soweit gediehen, daß der kronprinzliche Hof aus Neuruppin übersiedeln konnte. Friedrich versammelte hier die Männer seiner Wahl um sich und pflegte, gemessen an der amusischen und spartanischen Hofhaltung seines Vaters, eine geradezu glänzende, den Künsten und Wissenschaften gewidmete Geselligkeit.

Im Juni 1740 bestieg Friedrich II. den Thron, seine Rheinsberger Zeit ging zu Ende. 1744 schenkte er den Ort und das Schloß seinem Bruder Heinrich. Seit 1753 war Rheinsberg dessen ständige Residenz. Er wünschte Veränderungen im Schloß, aber sie kamen nur zögernd voran. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg ging der Ausbau zügiger vonstatten.

Wieder ist es eine zeitgenössische Beschreibung, die des Schloßintendanten und Baumeisters Carl Wilhelm Hennert aus dem Jahre 1778, die Auskunft gibt über die in den sechziger und siebziger Jahren durchgeführten Arbeiten. Als die bedeutendste sei der Muschelsaal - in der Südwestecke des Obergeschosses vom Corps de Logis - genannt, dessen wesentliche Schmuckelemente, die vergoldeten und mit natürlichen Muscheln gezierten Stuckgirlanden, von Hennert ausdrücklich gerühmt werden. Der Entwurf stammt von Carl Gotthard Langhans, der sich hier, im Jahre 1766, noch als ein Meister des späten Rokoko zeigt. Der Vorsaal, das sogennte Ritterzimmer mit einem Deckengemälde von Antoine Pesne, geht auf die Knobelsdorff-Zeit zurück. Zu erwähnen ist auch das Kabinett mit chinesischen Lackmalereien, das schon unter dem Intendanten Reisewitz 1762 eingerichtet worden ist und zu einer als Amalienzimmer bezeichneten Raumflucht im Nordflügel gehört.

Die neue Ausstattung der Räume unter Heinrich, besonders im Obergeschoß, und der Anbau der beiden stadtseitigen Eckpavillons am Corps de Logis zogen sich bis in die achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts hin. In der späteren Phase trat eine zopfig-klassizistische Dekorationsweise an die Stelle des späten Rokoko.

Das Schloß verblieb nach dem Tod des Prinzen Heinrich im Jahre 1802 unter der Verwaltung der Hofkammer. Nach 1923 wurde ihm eine museale Nutzung zuteil. Ab 1953 wurde das Schloß in der DDR als Diabetiker-Sanatorium genutzt. Seit 1991 ist das Schloß wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Garten
Der Garten auf der Schloßinsel, der im Zuge des Schloßbaus nach 1734 entstand und diesen an den drei der Stadt abgewandten Seiten umgab, nahm in seiner Flächengliederung unmittelbar Bezug auf das Gelände. Zwischen Kolonnade und See lagen ein Rosenrondell und zwei Parterrebeete.

Im Park Vor 1740 wurde von Knobelsdorff und dem Gärtner Johann Samuel Sello auch das Gelände südlich des Schlosses, jenseits des Rhins zur Anlage eines Parkes genutzt, dessen bestimmendes Gestaltungselement das barocke Achsenmotiv war. Diese Hauptachsebegann am gartenseitigen Mittelrisalit des Klingenbergflügels und hatte südlich außerhalb des eigentlichen Parkes einen Obelisken als Point des vue. Ihr Tiefenzug wurde gleich hinter der Brücke über den Rhin durch eine Parterre unterbrochen. Oberhalb der einfassendenFeldsteinmauer umgab ein Laubengang das Oval. Glumes Treppenanlage mit den sich gegenüberliegenden Sphinxen vermittelt noch heute zum höher liegenden Teil der nach Süden führenden Achse. Den Abschluß bildete das Portal mit den flankierenden korinthischen Säulengruppen und der halbkreisförmigen Balustrade mit plastischem Schmuck - Vasen, jetzt teilweise durch Kopien ersetzt, und neben den Säulengruppen die Sandsteinskulpturen der Pomona und der Flora. Diese Form des Gartenportals wiederholte Knobelsdorff in Sanssouci.

Südlich des Parkportals erstreckte sich eine regelmäßige Lindenpflanzung - der Rosenplan - und westlich der Hauptachse hinter den Obstquartieren schloß sich ein weiterer Parkteil an mit einer Orangerie, mit Bosketts und mit einem Rondell, einem Étoile, von dem strahlenförmig Wege ausgingen. Ein Wegstrahl war mit halbkreisförmigen Nischen versehen, in denen vermutlich Skulpturen standen. Von der geplanten Orangerie wurden der Mittelpavillon und zwei verkürzte Seitentrakte gebaut. Von hier führte eine mit Linden bestandene Achse nach Westen zu den damals unbewaldeten Hängen des Boberow. Die südliche Grenze des Parkteils markierten vier Treibhäuser mit einem Gartenhaus. Drei Talut- oder Stützmauern gliederten den auf alten Flurkarten als Weinberg bezeichneten Hügel.

Blick vom Park zum Schloss Ab 1753 begannen die entscheidenden Abschnitte von Umgestaltungen und Erweiterungen, durch die der weit über die Grenzen der Mark Brandenburg hinaus bekannte Park entstand. Die Schloßinsel behielt ihre Grundrißgliederung nach den gärtnerischen Veränderungen des Jahres 1769. Nur der ursprüngliche Nutzcharakter des Gartens ging durch Rasenflächen und durch die weitere Ausstattung mit Plastiken verloren.

Das seit 1740 vorgegebene Achsensystem im Park blieb erhalten. Es wurde durch die Anlage einer doppelreihigen Allee mit dem Wechsel von Linde und Fichte zwischen Spinxentreppe und Parkportal, die ihren Point de vue in dem ca. 2 km entfernt stehenden Wachtturm auf dem Krähenberg hat, und durch die alleeartige Bepflanzung der gesamten Querallee mit Linden nach 1750 noch deutlicher. Das Parterre unterhalb der Spinxentreppe wurde schachbrettartig durch Rasen- und Wegeflächen gegliedert, und in den Sommermonaten diente es ausschließlich zur Aufstellung der Kübelpflanzen. Westlich des Parterres ließ Heinrich ein Rondell zum Andenken an den 1758 verstorbenen Bruder August-Wilhelm mit Bildnis-Büste und Urne errichten. Die unter Knobelsdorff begonnene Orangerie blieb unvollendet. Als Rest steht der von den Marmorskulpturen Cybeis - die vier Jahreszeiten darstellend - umgebene pavillonartige Mittelbau.

Obelisk

Auf dem ehemaligen Weinberg wurde 1761 der Fontuna-Tempel - ein Monopteros - mit seitlichen gelegenen Bosketts erbaut. Das vom Tempel ausgehende Wegsystem, das im Barock viel verwendete Motiv eines patte d'oie, gliederte nun die Partie bis zum Grienecke-See. Innerhalb des so geschaffenen Achsensystems entstand um 1760 ein deutlich durch Hecken markierter Boskettbereich, in dem die beiden birnenförmigen Vasen die Mittelachse betonen. Nahe dem Ufer des Sees fügte sich die von Reisewitz 1753 begonnene Feldsteingrotte ein. Unweit davon stand der 1771 erbaute neogotische Leuchtturm, der Pharus, daneben lag der Gondelhafen. Nach 1770 wurde das sich westlich anschließende Wiesengelände als englische Stück mit Gehölzgruppen, geschlängelten Wegen und sentimentalen Gartenarchitekturen angelegt. Die Querallee endet an der 1790 errichteten Egeria-Grotte.

Mit der Anlage der drei bogenförmigen übereinandergestaffelten Terrassen durch Christian Friedrich Ekel 1762 nach der Idee von Reisewitz wurde auch des dem Schloß gegenüberliegende Ufer des Sees in die Gestaltung eingezogen. Ihr bestimmender Blickpunkt vom Schloß war die 1765 errichtete Trajanssäule. Sie wurde auf Veranlassung Heinrichs 1791 durch den noch vorhandenen Obelisk des jüngeren Boumann ersetzt. Er ist ein Erinnerungsdenkmal an den Siebenjährigen Krieg; auf Medaillons waren die Namen der Generäle und Offiziere angebracht, die nach Meinung Heinrichs Entscheidendes für den Sieg vollbracht hatten.

Nach 1772 bezog Hennert auch das Gelände zwischen Böberecken-See, Rheinsberger See und Grienecken-See in die weitere Parkgestaltung ein. Strahlenförmig erschlossen Alleen das durch eine Vielzahl von Gartenarchitekturen aufgewertete Erweiterungsgebiet. Als eine der prächtigsten gilt die nördliche der Terrassenanlage in den Boberow führende vierreihige Lindenallee. Einbezogen in diese Ausschmückung war auch die Remusinsel im Rheinsberger See mit ihrer chinoisen Ausstattung. Bis zum Tode Heinrichs 1802 war eine Vielzahl von Gartenarchitekturen entstanden, von denen im Erweiterungsgebeit der Tempel für teure Verstorbene 1790, die Malesherbes-Säule 1794, die Bodenmodellierung des Parasolberges und auch eine regelmäßige Lindenpflanzung, zugehörig dem Grabmal des Vergil, erhalten blieb. Das letzte Bauwerk im Park, das errichtet wurde, war Heinrichs Grabmal, ein Pyramidenstumpf östlich des Orangerieparterres.

Mit dem Ableben Heinrichs war die Blütezeit dieser großartigen Parkanlage des 18. Jahrhunderts vorüber. Der Verlust an Parkarchitekturen sowie die Aufforstung des Boberow und die Umgestaltungen einzelner Partien im 19. Jahrhundert, auch die mangelnde Pflege haben dennoch die einst geschaffene Grundrißlösungen kaum verändert. 1976 begannen umfangreich Arbeiten zur Wiederherstellung dieser bedeutenden gartenhistorischen Anlage aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Zechlinerhütte
Der Ort Zechlinerhütte (früher Weiße Glashütte) liegt am Schlabornsee. Im Jahre 1736 verfügte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Errichtung einer Glashütte in Fleckenzechlin. In der Glashütte wurde die Produktion von "fein Christall und Kreyden als gemeine Gläser von allerley Sorten, wie auch insbesondere zu Kutschen- und Fenster-Taffeln auf Böhmische Arth" begonnen. Die Weiße Hütte bekamm das Monopol für die Herstellung von weißen Glas in der Kur- und Neumark sowie im Magdeburgischen und Halberstädtischen. Die in der Weißen Glashütte hergestellten Gläser gehörten zu den besten Tischgläsern und Kristallen der Welt, sie übertrafen sogar noch die englischen Glasproduktionen. Im Jahre 1782 untersagte die preußische Regierung den märkischen Hütten die Holzfeuerung um die Wälder zu schonen und die schlesischen Steinkohlebergwerken zu unterstützen. Nur die Weiße Glashütte dürfte weiter mit Holz betrieben werden. Ab 1868 wurde die Produktion auf Gebrauchs- und Massenglas umgestellt. 1890 musste dann die Produktion eingestellt werden. Auf dem Gelände der ehemaligen Hütte wurde 1900 ein Gast- und Logierhaus errichtet.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten zählen die Brüder Karl und Alfred Wegener. Die beiden Wissenschaftler erwarben sich auf dem Gebiet der Meteorologie, der Geophysik und der Polarforschung große Anerkennung. Alfred Wegener wurde durch seine Theorie der Kontinentalverschiebung berühmt. Er nahm seit 1906 an 4 Grönlandexpeditionen teil und fand im November 1930 im ewigen Eis den Tod.

Flecken Zechlin
Flecken Zechlin liegt am Schwarzen See und ist einer der ältesten Erholungsorte in der Mark Brandenburg. Flecken Zechlin wurde erstmals 1237 unter den Namen "Cychalin" erwähnt. Zisterziensermönche errichteten am Ufer des Schwarzen Sees einen Mönchshof und legten einen Weinberg an.Im Jahre 1306 kam Flecken Zechlin zu Mecklenburg und wurde zu einer Burgfeste umgebaut. Zu Zeiten der Hohenzollern wurde das Schloß Flecken Zechlin zur Sommerresidenz und Jagdrevier der brandenburgischen Kurprinzen. 1721 brannte das Schloß ab.

In der Nähe von Flecken Zechlin liegt der Ort Grüne Hütte. Die Hütte wurde im Jahre 1741 am Wummsee errichtet und stellte vornehmlich Kisten- und Fensterglas, Flaschen aller Art und Medizingläser her. 1762 wurden die Weiße Hütte (in Zechlinerhütte) und die Grüne Hütte miteinander verbunden. Durch das Untersagen der Holzfeuerung musste die Produktion der Grünen Hütte 1800 eingestellt werden.

Boltenmühle
Wahrlich, wenn ich nicht Herr von Rheinsberg wäre möchte ich Müller von Boltenmühle sein, so ein idyllisch schönes Plätzchen...
PixelFriedrich der Große

Für die Gründung der Boltenmühle waren jedoch nicht ästhetische Erwägungen der Antrieb, sondern rein praktische. Von den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und der Schwedenzeit ( im nahen Ländchen Bellin tobte 1675 die berühmte Schlacht von Fehrbellin) war das Ruppiner Land im besonderen Maße betroffen. Eine Erholung wollte sich nur zögerlich einstellen. Friedrich Wilhelm I. , der Soldatenkönig, nahm das Zepter in die Hand und befahl die Ansiedlung von Kolonisten, die Wiederbelebung wüster Ortschaften und die Gründung neuer.

Die Schneidmühlen in Kunstspring, Rottstiel, Fristow und Boltenmühle wurden gegründet. An Ort und Stelle konnte nun das Holz, der Reichtum dieses Landes, geschnitten und zu Land und vor allem zu Wasser transportiert werden.

Am 18. Januar 1718 wurde mit einem der Bewerber, mit Hans-Joachim Boldte aus Rathenow, ein Vertrag abgeschlossen. Boldte erhielt am Wielickenberg ein Stück Land von 65 Fuß Länge und 20 Fuß Breite für die Errichtung des Wohnhauses, ein Stück Land von 120 Fuß Länge und 60 Fuß Breite für die Anlage eines Kohlgartens sowie das Land für den Bau der Mühle. Gleichzeitig erhielt er das Fischereirecht ober- und unterhalb des Mühlenfließes. Der Erwerber hatte dafür einen jährlichen Zins von 20 Talern zu zahlen. Holz für die Bauten durfte sich Boldte gegen Entgelt aus den umliegenden Wäldern holen. Die baukosten hatte Boldte in voller Höhe selbst zu tragen. Boldte wurde freier Eigentümer der neuen Besitzung - im Gegensatz zur üblichen Erbzinsverpachtung. Auch erhielt der Müller die Weideberechtigung in Königlichen Forst für sechs Stück Zugvieh, vier Kühe und drei Stück Zuwachs. Das Weiden von Ziegen und Schweinen war verboten.

Am 5. März 1718 bestätigte König Friedrich Wilhelm I. diesen Vertrag. Zwei Jahre später, am 8. April 1720, erhielt Boldte auch die Genehmigung des Königs, zusätzlich eine Mahlmühle einzurichten. Allerdings wurden ihm kleine Zwangsmahlgäste zugewiesen. Jedes Dorf und die Einzelgehöfte waren seinerzeits verpflichtet, bei festgelegten Mühlen mahlen zu lassen. Doch 1723 gelang es dem tüchtigen Boldte, die Dörfer Braunsberg, Linow, Kagar und Lütten-Wallitz sowie die Teerschweler und Pottaschensieder der umliegenden Forstreviere, die bis dahin in der nun stillgelegten Kagarschen Mühle mahlen ließen, als Mahlgäste zugewiesen zu bekommen. Boldte ging enthusiastisch und zielstrebig an sein Werk. So waren die Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung der Boldteschen Unternehmungen geschaffen - so schien es.

Doch die Mahlgäste brachten zu wenig Korn, der Transport des geschnittenen Holzes war zu aufwendig. Der Ertrag war zu gering. Auch mag eine Rolle gespielt haben, daß Boldte in der Mühlen-Branche ein Neuling war. 1731 mußte er seine Mühle versteigern lassen. Er verließ den Ort. Nur sein Name blieb.

Nun ging Müllermeister Joachim Christoph Fleischmann aus Neustadt/Dosse ans Werk und eröffnete die Lange Reihe der Boldteschen Nachfolger. Schon vier Jahre später verkaufte er die Mühle an den Wehrmeister Johann Klöckner aus Fleeth bei Mirow. 1782 übernahm sein Sohn Christian die Mühle. Dann folgten die Mühlenmeister Karl Schröder aus Rheinsberg (1791), Christian Lembke aus Lychen (1808) und Gotthilf Klaehn aus Köpernitz (1817). 1823 übernahm der benachbarte Mühlenmeister aus Rottstiel, Wilhelm Christian Ramm, die Mühle. über 100 Jahre blieb nun die Mühle im Besitz der Familie Ramm.

Auch Prozesse um Mahlrechte, Zwangs- und Bannrechte, Ablösegelder und Stauhöhen sorgten für eine abwechslungsreiche Geschichte des romantischen Ortes. So prozessierte Müller Hermann Ramm gegen Festlegung über die Stauhöhe des Mühlenbaches, die der Besitzer des Gutes Binenwalde, Amtmann Stromeyer, durchgesetzt hatte, weil angeblich seine Wiesen überflutet wurden. Die richtige Stauhöhe war jedoch eine Vorraussetzung für den Mühlenbetrieb.

"In regnerischer Zeit war nicht genug Wasser vorhanden, in regenreicher zeit floß zuviel Wasser in das Mühlwerk, denn die Schützen mußten ja geöffnet werden, damit die Stauhöhe nicht überschritten wurde. Durch den Druck der Strömung entstand dann dringende Gefahr, daß das Mühlwerk und die Gebäude beschädigt wurden. Nur an einer geringen Anzahl von Tagen, wenn Wassermengen mittleren Umfanges vorhanden waren, konnte die Mühle betrieben werden, ohne daß diese Gefahr bestand. Da die Zahl der letzten erwähnten Tage zu gering war, nun noch lohnend weiterarbeiten zu können, sah sich Ramm veranlaßt, die Mühle stillzulegen und seinen Betrieb zu schließen. So endet das einst so hoffnungsvolle Unternehmen der Mühle am Weilickenberge"
So berichtet die Chronik. Das war vor 100 Jahren. Dem Müller blieb nur noch die Landwirtschaft zum Broterwerb.

Auch Wildschaden war Gegenstand des Streits. Die Behörden verweigerten Hermann Ramm einen Abschußschein. Zahlreiches Wild, vor allem Wildschweine, war häufig ungebetener Gast in den Gärten und auf den äckern der Boltenmühle. Auch seine Anträge auf Ersatz von Wildschäden fanden meist kein Entgegenkommen. Ramm klagt : "Die Wildkalamität nimmt hier immer mehr überhand, es muß in irgendeiner Weise Abhilfe geschaffen werden... Die benachbarten Gemeinden können sich durch Ausübung der Jagd schützen, meine Drundstücke, rings von Königlichen Forst umgeben, sind das reine Eldorado für Hirsche und Wildschweine, wenn man ohne Abschußschein ist."

Nach Krieg und Inflationszeit wurde es noch schlimmer. Ramm berichtet, der Mühlenbetrieb sei stillgelegt, die Milchwirtschaft bringe nur geringen Ertrag, da es an genügender Weide fehle und die Kühe zeitweise trocken ständen. Bei dem Federvieh seien vielfach Verluste eingetreten, sowohl durch Raubwild wie auch durch Diebstähle. Im Garten seien die unreifen Früchte von den Bäumen sämtlich gestohlen und auch die Obstbäume stark beschädigt. Das Gemüse sei ebenfalls zum erheblichen Teil gestohlen. Endlich seien äcker, Wiesen und Gärten wiederholt durch Hirsche, Rehe, Wildschweine, Dachse und Wildtauben verwüstet worden. Verbittert von all dem, zog sich Ramm in seine Mühle zurück. Selbst den Wanderern, die nun immer zahlreicher an den Seen und in den Wäldern der Ruppiner Schweiz Erholung suchten, verweigerte er den Durchgang, so daß weite Umwege unumgänglich waren. Nur den Schulklassen gab er häufig den Weg frei. Als Gegenleistung forderte er ein Lied. Ein Wunsch, der immer gern erfüllt wurde. Hochbetagt, im Alter von 84 Jahren, starb Hermann Ramm in seiner Mühle.

Nach dem Tod des letzten Ramm 1932 kaufte der Bäcker und Müller Alfred Schultze aus Rägelin die Boltenmühle. Er eröffnete die idyllische Mühle für jedermann und baute die verwahrlosten Wohn- und Wirtschaftsgebäude zu einem "Heim für Ausflügler und Erholungssuchende" um.

Im Zweitem Weltkrieg und bis 1950 ruhte der Gaststättenbetrieb. Vom Frühjahr 1951 bis Februar 1959 bewirtschaftete die familie Römer die Mühle, welche sie 1952 erwerben konnte. Von 1959 bis 1992 führte die Konsumgenossenschaft des Kreises Neuruppin die Boltenmühle. über Nacht vernichtete im Sommer 1992 ein Brand die altehrwürdige Boltenmühle. 1994 begann der zügige Wiederaufbau des in Schutt und Asche liegenden Fachwerkhauses und die Gestaltung des Umfeldes.

Die Mühle liegt inmitten eines Natur- und Landschaftsschutzgebietes. Altbuchenbestände wechseln mit einer reichen Feuchtvegetation in den Kerbtälern rund um die Mühle, besonders an den Ufern des Tornowsees und der anderen Waldseen. So sind noch seltene Landwaldpflanzen zu finden. Ausgedehnte Moosrasen bedecken die Hangflächen der Endmoränenhügel.

Der Weilickenberg erklimmt einen Höhe von 46 Metern über dem Wasserspiegel des Tornowsees. Dort weitet sich ein Plateau aus, auf dem heute Kutschpferde der Boltenmühle weiden. Vor Jahren fanden hier Archäologen die Spuren einer befestigten Siedlung aus der jüngeren Bronzezeit. Im Potsdamer Museum für Ur- und Frühgeschichte werden die wertvollen Funde aus diesen Grabungen aufbewahrt, so unter anderem ein Armring, eine Lanzenspitze und eine Fibel.

Lindow/Mark
Theodor Fontane schrieb über Lindow: Lindow ist so reizend wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf, und alte Linden nehmen es unter ihren Schatten.

Lindow liegt nördlich von Berlin eingebettet zwischen Wäldern auf einer Landbrücke zwischen dem Wutzsee, dem Großen Gudelacksee und dem Vielitzsee an der Deutschen Tonstraße. Im 13. Jahrhundert wurde hier ein Prämonstratenserkloster errichtet. Das Lindower Kloster war ein Nonnenkloster. Es diente der standesgemäßen Unterbringung der unverheirateten Töchter von Adligen. Das Kloster besaß neben der Stadt Lindow noch 18 Dörfer, 20 wüste Feldmarken, 9 Wassermühlen und zahlreiche Seen. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster säkularisiert und kam in kurfürstlichen Besitz.

Die Stadt Lindow stand immer im Schatten des Klosters. Die Entwicklung der Stadt wurde immer wieder gestoppt durch verheerende Stadtbrände und Überschwemmungen der Seen. In den Jahren 1807 und 1808 musste Lindow 50.000 Franzosen einquartieren und versorgen. 1842 wurde der Lindower Verkehrs- und Verschönerungsverein gegründet. 1896 wird die Eisenbahnlinie von Löwenberg nach Lindow eröffnet.

Lindow ist ein idealer Ausgangspunkt um die Deutsche Alleenstraße zu besichtigen. Der Gudelacksee mit der Insel Werder ist durch den Rhinkanal mit den Ruppiner Gewässern verbunden.

Karte Rheinsberg