Schwedt/Oder und Umgebung

Die Lage Schwedts im Urstromtal der Oder hat die Menschen schon in der Steinzeit angezogen. Funde imn Stadtgebiet belegen eine Besiedelung bereits um 2000 v.Chr. Später soll dann eine slawische Fluchtburg mit Heiligtum existiert haben, woraus (slawisch swajati,sweti = heilig) sich vermutlich der Name herleitet. Als Schwedt 1265 erstmals urkundlich erwähnt wird, ist es bereits "civitas" (Stadt). Die Lage an dem einzigen Oderübergang zwischen Stettin und Oderberg und der Schutz der pommerschen Verwaltung begünstigten die Ansiedlung. Erst Ende des 15. Jahrhunderts kam Schwedt endgültig zu Brandenburg.

Während des Mittelalters entwickelte sich der Ort zum bedeutendsten Oderübergang zwischen Stettin und Küstrin, bis es im 30jährigen Krieg 1637 "bis in grundt verderbet" wird und drei Jahre "gants wüste" steht.

1670 beginnt mit der Herrschaft der Markgrafen die Epoche einer glanzvollen Baugeschichte. Die zweite Gemahlin des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Kurfürstin Dorothea, erwarb die Herrschaft Schwedt-Vierraden. Die Kurfürstin förderte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Nacheinander entstehen ein neues Schloß, die Schloßfreiheit (eine repräsentative Lindenallee vor dem Schloß) sowie Lustschloß und Park von Monplaisir. 1685 wurde, wie im gesamten Mark Brandenburg, auch in Schwedt Hugenotten angesiedelt. Die Hugenotten brachten auch den Tabakanbau in die Uckermark, und Schwedt wurde zum Zentrum des Tabakhandels.

Nach dem Plan eines unbekannten Berliner Baumeisters entsteht 1777 unter der Regie des Hofbaumeisters G.W. Berlischky eines der schönsten Gebäude Schwedts : die Französisch-reformierte Kirche. Der ovale Kuppelbau, heute kurz Berlischky-Pavillion genannt, überstand als eines der wenigen Gebäude die schweren Zerstörungen im Frühjahr 1945. In der Gruft sind die Markgrafen von Brandenburg-Schwedt bestattet.

Die barocken Berlischky-Bauten Monplaisir (stark verändert, Gaststätte) von 1778 sind erhalten. Vom einstigen religiösen Leben der jüdischen Gemeinde zeugt noch das "ehemalige Ritualbad", ein runder Kuppelbau in der Gartenstraße. Am Ermelerspeicher sowie an der Tabakschleuse am Karlsplatz läßt sich die für die Stadt so wichtige Geschichte der Tabakverarbeitung eindrucksvoll nachvollziehen.

1788 erlosch die Markgrafschaft Schwedt, und das Schloss wurde Privatbesitz des Stammhauses der Hohenzollern. Von 1807 bis 1813 wurde Schwedt von französischen Truppen besetzt gehalten.

Im April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde Schwedt nahezu vollständig zerstört. Über 80 Prozent Häuser fielen dem schweren Artilleriebeschuss zum Opfer. Durch die neue Grenzziehung der Allierten wurde Schwedt das Hinterland entzogen (die ehemalige Neumark kam 1945 unter polnischer Verwaltung).

Nur noch im Stadtinnern trifft man Zeugen der über 700jährigen Geschichte Schwedts an. Dazu zählen das Amtsgericht, die Katharinenkirche aus dem 13. Jahrhundert und die ehemalige Seifenfabrik. Ansonsten ist Schwedt eine moderne und junge Stadt. So wurde Schwedt 1960 zum Zentrum der Mineralölverarbeitung der DDR ausgebaut. In der Raffinerie in Schwedt wird russisches Erdöl zu Autokraftstoffen, Heizöl und Petrochemikalien verarbeitet. Die Raffinerie im Nordosten Brandenburgs, nahe der deutsch-polnischen Grenze, ist direkt an die Drushba-Pipeline ("Pipeline der Freundschaft") angeschlossen. Die mit über 4000 Kilometern längste Pipeline der Welt versorgt die Raffinerie in Schwedt mit russischem Rohöl. Deutschland bezieht 25 Prozent seines Rohöls aus Russland, das damit der gräßte Einzellieferant für die deutschen Raffinerien ist. Allein der bis Deutschland gebaute Teil vom russischen Kuibischew am Ural bis nach Schwedt an der Oder ist etwa 3000 Kilometer lang. Das Öl benötigt bei einer Fließgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde rund vier Wochen, bis es in Schwedt an die Erdoberfläche kommt.

Vierraden
Folgt man von Schwedt aus der "Via Regia", der alten Handelsstraße, die von Sachsen nach Stettin führt, erreicht man nach etwa vier Kilometer die Stadt Vierraden. Hier war im 13. Jahrhundert an einer vierrädigen Mühle eine Furt über die Welse, die 1250 als Grenze zwischen Pommern und Brandenburg bestimmt worden war.

Heute findet man noch eine Burgruine, die vermutlich auf die 1325 erstmals erwähnte pommersche Burg zurückgeht, welche hier als bescheidene Grenzfeste existierte.

Erst als während des 30jährigen Krieges der schwedische König Gustav Adolf 1631 sein Winterlager hierher verlegt und die Burg als Wohnstätte bezieht, gewinnt der Ort für kurze Zeit historische Beachtung. Als der König 1632 bei Lützen fällt, ist ihre Rolle auf dem Welttheater der Geschichte schon zu Ende. 1637 brennen schweidsche Truppen die Burg bis auf den heute noch erhaltenen Hungerturm nieder.

Überregionale Bedeutung erhielt die Gegend hingegen durch den Tabakanbau, der hier seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert intensiv betrieben wurde. Das vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erlassene Potsdamer Edikt förderte die Ansiedlung französischer Hugenotten. 1689 nahmen die ersten Einwanderer aus der Dauphine und dem Languedoc auf den leichten Böden des Oder-Randow-Gebietes den Tabakanbau auf.

Unter den günstigen klimatischen Bedingungen entwickelte sich hier in wenigen Jahren das größte zusammenhängende Anbaugebiet Deutschlands. Die charakterischen Tabakscheunen aus dem 18. Jahrhundert sind noch heute vielerorts erhalten. Nehmen Sie sich Zeit und besuchen Sie das Tabakmuseum in einer denkmalgeschützten Tabaktrockenscheune.

Criewen
Südwestlich von Schwedt inmitten der Uckermark liegt Criewen. Rund um das Rittergut des Rittmeisters Otto von Arnim entstand das kleine Fischerdorf um 1820. Hier befindet sich der Criewener Lenné-Park, dieser zählt zu den gepflegtesten seiner Art in Brandenburg.

Inmitten des Parks liegt das alte Gutshaus, das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammt und dessen heutiges Erscheinungsbild auf einen Umbau im Jahre 1910 zurückgeht. Seit der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts war es Sitz der Familie Otto von Arnim.

Das Besondere aber ist die Lage der mittelalterlichen Dorfkirche. Sie befindet sich heute an der Stelle, wo in früheren Zeiten das Dorf stand. Lenné bezog sie 1822 bei seinen Planungen in die Parkgestaltung ein, so daß sie neben ihrer Funktion als Gotteshaus auch noch die Bestimmung erhielt, den Landschaftspark als schmückendes Beiwerk mitzuprägen. Um 1850 kam Lenné ein weiteres mal nach Criewen, um sein Werk zu vollenden.

Die Criewener Anlage liegt direkt an der ehemaligen Alten Oder, der heutigen Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, und wird von einer reizvollen parkähnlichen Landschaft umgeben. Gut erhalten lädt er mit seinen seltenen Gehölzen wie Sumpfzypressen, Sommerlinden und Platanen zu Spaziergängen ein. Auf der polnischen Seite der Oder findet der Criewener Lenné-Park in denn teilweise bewaldeten Höhenzügen seine schier grenzenlose Fortsetzung.

Im Park steht die alte Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert. Als 1816 Rittmeister von Arnim mit dem Bau des Herrenhauses begann, wurde das alte Dorf um die Kirche abgetragen und neue Häuser an der Straße nach Schwedt errichtet. Die Alte Gutsgärtnerei ist heute eine ökologische Schau- und Lehrgärtnerei. Dort sind regionaltypische Kultur- und Wildpflanzen zu besichtigen.

Auf mehreren Lehr- und Erlebnispfaden ist die Umgebung von Criewen erlebbar. Der Naturlehrpfad in den Densenbergen führt über Oderhänge durch Wälder, der Quellpfad lädt zu Erkundung einer der vielen Hangquellen ein. Der Umweltpfad führt zur Natur und Landschaft direkt bis ins Dorf.

Im Jahr 2000 wurde im ehemaligen Schloss und Gebäuden des ehemaligen Gutshofs das Besucherzentrum des Nationalparks Unteres Odertal eröffnet. Im Schloss Criewen befindet sich eine Deutsch-Polnische Tagungs- und Begegnungsstätte. In einem Seitenflügel des Schlosses hat die Umweltbibliothek des Nationalparks ihren Platz.

Nationalparkhaus Criewen
Besucherzentrum des Nationalparks Unteres Odertal
Park 2
OT Criewen
Telefon : 03332-2677244
weitere Informationen unter : www.unteres-odertal.de

Karte Schwedt