Treuenbrietzen und Umgebung

Die urkundliche Ersterwähnung datiert von 1209. Der Ort "Bricene" wurde an der Kreuzung zweier bedeutender Handelswege gegründet. Es war die südlichste brandenburgische Grenzfeste der Askanier gegen Sachsen und Magdeburger. Ende des 13. Jahrhunderts wurden die beiden Marktflecken Sankt Marien und Sankt Nikolai zu einer Stadt vereinigt. Verbürgt ist der Bau der Stadtmauer, leider nur geringe Reste erhalten, durch Mönche des Klosters Zinna von 1296 bis 1306. Mitte des 14. Jahrhunderts hielt die Stadt in den Kämpfen um den Falschen Waldemar treu zu den Wittelsbachern, den rechtmäßen Landesherren, und wurde dafür mit den Zusatz "Treuen" zu ihrem Namen belohnt. 1354 konnten die Wirren um den Falschen Waldemar in Treuenbrietzen beigelegt werden. Den Dank des Wittelsbacher Markgrafen kann hat man auf der Rathaustür verewigt, die Übersetzung lautet: "Das ist die Stadt, die verdient, Treuenbrietzen genannt zu werden; denn in den Zeiten des Krieges blieb sie dem Fürsten treu." 1742 wurde Treuenbrietzen zur Garnisionstadt und trug zur Sicherung der nahen sächsischen Grenze bei.

Einmal stand Treuenbrietzen ganz im Mittelpunkt Brandenburgs. 1416 feierte Friedrich I., der erste markgräfliche Hohenzoller, hier die Hochzeit seines Sohnes Johann mit der Sächsin Barbara. Treuenbrietzen ist also einer der Flämigorte, die schon früh unter den Schwingen des roten brandenburgischen Adlers Schutz fanden. Im Gegnsatz dazu kam der größte Teil erst 1815 zusammen mit der Niederlausitz an die Mark.

Der historische Stadtkern von Treuenbrietzen setzt sich durch eine ausgeprägte Wall- und Grabenzone deutlich im Stadtgrundriß ab. Die breitdimensionierte Hauptstraße mit mehrreihigem Baumbestand kennzeichnet einen der zwei Siedlungskerne. Der wuchtige Turm der zugehörigen Pfarrkirche St. Marien, einer spätromanischen Gewölbebasilika, beherrscht den östlichen Straßenraum. Die Basilika wurde um 1220 als Feldsteinbau begonnen, der quadratische Westturm stammt aus der Zeit um 1500. Sankt Marien ist eines der frühesten Beispiele für die Verwendung von Backstein in der Mark Brandenburg.

Im mittleren Teil der Großstraße dominiert das weißgeputzte Rathaus zusammen mit den sogenannten "Hakenbuden". Der Sabinchenbrunnen vor dem Rathaus nimmt Bezug auf die grausige Moritat vom Sabinchen und dem ungetreuen Schuster aus Treuenbrietzen, die seit Ende des 18. Jahrhundert Verbreitung fand.

Moritat vom Sabinchen oder Das Sabinchenlied

Sabinchen war ein Frauenzimmer,
gar hold und tugendhaft.
Sie lebte treu und redlich
immer bei ihrer Dienstherrschaft.

Da kam aus Treuenbrietzen
ein junger Mann daher,
der wollte gern Sabinchen besitzen
und war ein Schuhmacher.

Sein Geld hat er versoffen,
in Branntwein und in Bier.
Da kam er zu Sabinchen geloffen
und wollte welches von ihr.

Sie konnte ihm keines geben,
drum stahl sie auf der Stell,
von ihrer sauberen Dienstherrschaft,
zwei silberne Blechlöffel.

Doch schon nach sieben Wochen,
da kam der Diebstahl raus.
Da warf man das Sabinchen
mit Schande aus dem Haus.

Sie klagt's ihm mit Gewissensbissen,
ihr ist das Herz so schwer.
Doch jetzt will nichts mehr von ihr wissen
der Treuenbrietzener.

O, du verfluchter Schuster,
Du rabenschwarzer Hund!
Da nimmt er gleich sein Rasiermesser
und schneid't ihr ab den Schlund.

Das Blut himmelaufwärts spritzte,
Sabinchen sank um und um.
Der treulose Schuster aus Treuenbrietzen,
der stand um sie herum

In einem düst'ren Keller,
bei Wasser und bei Brot,
da hat er endlich eingestanden
die schaurige Moritat.

Am Galgen war der Treuenbrietzener
gehängt durch seinen Strick.
Dazu hat ihn gebracht die Untreu
und auch die falsche Tück.

Und die Moral von der Geschicht:
Trau' keinem Schuster nicht!
Denn der Krug geht so lang zu Wasser, bis ihm der Henkel abbricht!


Der Anger in der Breiten Straße macht den zweiten Siedlungskern von Treuenbrietzen kenntlich. Die zugehörige St. Nikolaikirche ist, ebenso wie die Marienkirche, eine spätromanischen Pfeilerbebasilika. Der spätgotische Rundbau der ehemaligen Heilig-Geist-Kapelle erhielt im 15./16. Jahrhundert eine Backsteinfassade. 1936 wurde ein Fachwerkgeschoß und ein Kegeldach aufgesetzt und das Heimatmuseum eingerichtet.

Vorwiegend 2-geschossige traufständige Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert, vielfach in Fachwerkkonstruktion errichtet, prägen das harmonische Straßenbild.

In Treuenbrietzen wurde seit 1607 Bier gebraut und Branntwein hergestellt. Das für das Brauen notwendige Wasser wurde den Bächen der Stadt entnommen. Seit jener Zeit überliefert ist der alte Spruch des Ausklinglers : "Es wird hiermit angeditt, dat kenner wat in de Beeke schütt, den morgen wird jebraut."

Treuenbrietzen liegt am Nordrand des Niederen Fläming, einem mit weiten Kiefern- und Mischwäldern bestückten eiszeitlichen Landrücken. Der Flämingrand ist durch Quellgebiete gekennzeichnet, in denen die in den starken Sand- und Kiesschichten versickernden Niederschläge wieder zutagetreten. Quellgebiete, wie die der Nuthe, der Sernow, des Zahnabaches u.a. bereichern zusammen mit Bächen und Teichen die Wanderwege. Zum Bade lädt im Sommer der in Bahnhofsnähe gelegene Kiessee ein.

Wie die Brietzener treue Brietzener wurden ...

Anfang des 14. jahrhunderts regierte in Brandenburg Markgraf Waldemar, und während seiner Herrschaft blühten Handel und Handwerk auf. Leider starb Waldemar schon 1319 im Alter von 28 Jahren. Man setzte ihn in aller Stille bei, so daß nicht alle im Land von seinem Tod erfuhren.

Nachdem mit ihm der letzte askanische Markgraf gestorben war, brachen unruhige Zeiten an. Die bayrischen Wittelsbacher herrschten nun zwar in der Mark, die Luxemburger gerieten aber mit diesen in Streit. Unter Mithilfe der Herzöge von Pommern und des Erzbischofs von Magdeburg versuchten die Luxemburger, die Wittelsbacher zu vertreiben. Eine List sollte Ihnen bei diesem Unterfangen helfen.

Ein Untergebener am Hofe sah dem toten Markgrafen Waldemar sehr ähnlich. So war es ein Kinderspiel, glaubhaft zu machen, Waldemar sei für einige Zeit lediglich im gelobten Land gewesen, nun aber von seiner Reise heimgekehrt, und man solle ihm die Mark zurückgeben. Alle vertrauten dem falschen Waldemar, nur die Städte Brietzen, Beelitz und Frankfurt(Oder) erkannten den Trick. Kaiserliche, sächsische und anhaltinische Truppen versuchten den Widerstand zu brechen, das Herr Ludwigs des Bayern eilte jedoch rasch herbei und beendete den Spuk.

Und weil die Brietzener so treu zu ihrem Wittelsbacher gestanden hatten, hießen sie fortan treue Brietzener. Mit der Zeit wurde schließlich Treuenbrietzen daraus. Die Stadtfahne trägt noch heute die Farben weiß und blau. Wer hätte gedacht, daß eine preußische Stadt jemals die Farben Bayerns aufziehen würde.


Karte Treuenbrietzen