Wandlitz und Umgebung

Buchstäblich einen Katzensprung vom Kurfürstendamm entfernt liegt der traditionsreiche Ausflugs- und Erholungsort Wandlitz. Von klaren Seen und alten Mischwäldern umrahmt, war diese märkische Seenlandschaft vor der Haustür der Berliner immer schon beliebtes Ausflugsziel der Großstädter. "Hier können Familien Kaffee kochen" hieß der weithin bekannte Leitspruch, nach dem an Sonn- und Festtagen das Ränzlien geschnürt und mit Sack und Pack an den Busen der Natur gezogen wurde.

Erste urkundliche Erwähnung als "Vandelice" war im Jahre 1242. Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet sinngemäß - Menschen die am Wasser leben. Das Zistersienserkloster Lehnin kaufte im Jahr 1242 das Dorf Wandlitz. In dessen Besitz blieb Wandlitz bis zum Jahre 1542. Wandlitz hatte unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Nicht nur die Abnahme der Bevölkerung, sondern auch Hunger, Pest und Mißernten machten das Leben schwer. Erst mit dem Bau der Prenzlauer Chausse im 18./19. Jahrhundert kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Handwerker und Geschäftsleute liessen sich in Wandlitz nieder.

Eine einschneidende Veränderung für Wandlitz geschah im Jahre 1901 mit dem Anschluß der sogannten "Heidekrautbahn". Das Dorf Wandlitz rückte näher an Berlin, und die Menschen ströten nach Wandlitz. Villen, Gärten und Landhäuser schossen wie "Pilze" aus dem Boden. An den drei "Heiligen Pfuhlen" entstand ein Villenviertel. Am nahegelegenen Rahmersee entstand eine "Künstlerkolonie". 1926 wurde das Strandbad in Wandlitz eröffnet.

Im Jahre 1927 wurde der neugebaute Bahnhof in Wandlitz eröffnet. Er ist Stil des Bauhauses geschafffen worden.

Zu Zeiten der DDR entstanden viele FDGB-Ferienheime in und um Wandlitz. Aber Wandlitz hatte einen Mythos : Die Waldsiedlung (Dabei gehörte die Waldsiedlung eigentlich zu Bernau). Sie entstand als Auswirkung des Ungarn-Aufstand 1956. Die damaligen Herrscher fürchteten um ihre Sicherheit, und so entstand von 1958 bis 1961 die Waldsiedlung Wandlitz gebaut. Hier wohnte die Mitglieder des SED-Politbüro abgeschirmt in einer "heilen sozialistischen" Welt. Bis zum September 1989 war die Waldsiedlung für die Menschen nicht zu besichtigen.

Heute befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen Waldsiedlung die Brandenburg-Klinik.

Agrarmuseum Wandlitz
Den Grundstein dafür legte der Wandlitzer Heimatforscher Walter Blankenburg (1901-1984) mit der Eröffnung einer kleinen Heimatstube 1955. Durch den Ausbau eines Stall- und Scheunengebäudes Ende der 60er Jahre und die Errichtung einer weiteren Ausstellungshalle 1975 wurde ein dreiteiliger Museumskomplex geschaffen, der nunmehr rund 2000 Quadratmeter geschlossene beziehungsweise überdachte Ausstellungfläche umfaßt. Der Rundgang durch die zeitlich und thematisch gegliederten Ausstellungsbereiche veranschaulicht, wie sich die brandenburgische Landwirtschaft seit dem Ende des 18. Jahrhunderts über die beginnende Technisierung im 19./20. Jahrhundert bis hin zur vollmechanisierten und industriemäßen Landwirtschaft der DDR verändert hat. Tausende Exponate von A wie Ableger, Ackerzirkel oder Aussteuertruhe bis Z wie Zaumzeug, Zentrifuge oder Zugtraktor dokumentieren die Arbeit und das Leben der Bauern in zurückliegender Zeit.

In seinen Ausstellungen zeichnet das Agrarmuseum Wandlitz ein markantes Kapitel brandenburgischer, damit auch Barnimer Geschichte nach und vermittelt ein Stück heimatlicher Identität.

Zu den in Dauerausstellungen präsentierten Themen gehören das Dorfhandwerk, die Feld- und Viehwirtschaft, die Hauswirtschaft, die Landtechnik, die Mechanisierung des Kartoffelanbaus und auch die Geschichte des Dorfes Wandlitz.

Lanke
Das Dorf Lanke liegt in einem hügeligen Moränengebiet, das erstmals 1315 in einer Urkunde erwähnt wird. Nach dem Dreißigjährigen Krieg heißt es in einem Bericht des Landreiters: "Dieses Dorf ist wüste, wohnet der Müller allein drin".

Graf Wilhelm von Redern lässt in den Jahren 1856-1859 ein Schloss im Stil der französischen Renaissance neu aufbauen. 1867-1868 entsteht eine neugotische Backsteinkirche. Kurze Zeit danach brennt durch Funkenflug fast das ganze Dorf nieder. 1914 erwirbt die Stadt Berlin den gräflichen Waldbesitz und wird somit der zweitgrößte Waldbesitzer Deutschlands. das Gebiet um den Ober- und Liepnitzsee bietet unzählige Bademöglichkeiten und Wanderwege.

Prenden
Im Jahre 1375 wurde Prenden erstmals im Landbuch der Mark erwähnt. Es liegt an der Staße zwischen Lanke und Klosterfelde in einer flachen Mulde zwischen Endmoränen aus der Eiszeit. Die drei Seen rings um das Dorf laden mit ihrer malerischen Einbettung in den Wald zum Baden ein. Die Kirche, ein Mischbau aus Feldsteinen und Fachwerk, birgt einen sehenswerten Altar aus dem Jahre 1611. Eine besondere Attraktion stellt der nach der Wende geschaffene Golfplatz mit seiner 27-Lochanlage dar.

Klosterfelde
1242 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr kommt das Dorf durch einen Tauschvertrag zwischen den Markgrafen Johann I. und Otto III. und dem Kloster Lehnin in den Besitz des Klosters. Die Feldsteinkirche ist das älteste Gebäude des Dorfes, sie stammt aus dem 13. Jahrhundert. Durch den Bau der Straße zwischen Berlin und Prenzlau im Jahre 1834-1836 bekommt die Entwicklung des Dorfes zur Industriegemeinde neue Impulse. Vor allem Tischler, Zimmerleute, Böttcher und Wagenbauer lassen sich hier nieder. Sehenswert ist das einzigartige Internationale Artistenmuseum mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der Welt der Artisten.

Stolzenhagen
Das Angerdorf Stolzenhagen, dis 1522 im klösterlichen Besitz, geht an den Kurfürsten Joachim II. zurück und wird dem Amt Mühlenbeck unterstellt. 1624 leben im Dorf 163 Personen. Durch Krieg und Pest, die in der gegend wüteten, lebten 1632 nur noch 13 Bauernfamilien im Ort. Der Holzturm der Kirche fiel 1890 einer Feuerbrunst zum Opfer, die auch umliegende Bauernhöfe vernichtete. Als Ausflugziel ist das schön gelegene Dorf, nicht zuletzt durch seine beiden idyllischen Seen, längst entdeckt. Ein Wanderweg führt über den Steinberg am Stolzenhagener See entlang bis nach Wandlitz.

Basdorf
1375 wird Basdorf erstmals urkundlich erwähnt. Das 1552 dem Kloster Lehnin gehörende Dorf geht durch Säkularisierung des Klosters in den Besitz der Brandenburgischen Kurfürsten über. Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Saalkirche wurde 1737 mit einem Holzturmaufsatz ergänzt. Durch die Anbindung an die "Heidekrautbahn" und die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie wuchs die Einwohnerzahl.

Schönwalde
Das Straßendorf Schönwalde gehört zu den Spinnerdörfern, die unter der Regierung Friedrich des Großen errichtet wurden. 1752 erhält der Förster Lemonius den Befehl, einen Bestand von Erlen und Buchen u fällen, um das Holz zum bau von 50 Doppelhäusern für Leinenweber und Spinner bereitzustellen. Die vom König bestellte "Erbliche Verschreibung" bestimmt Pflichten und Rechte des Dorfschulzen und der Gemeinde, wonach der Dorfschulz zugleich das Amt des Spinnermeisters versehen sollte. Die Kolonistenhäuser werden nach einem Einheitstyp für Spinnerdörfer als Doppelhäuser errichtet und dürfen nicht mehr als 150 taler kosten. Nachdem schon während des Siebenjährigen Krieges zeitweilig das Spinnen ins Stocken gerät, hört es um 1800 völlig auf. Später siedelt sich hier das holzbearbeitende Handwerk an.

Schönerlinde
Im Jahre 1242 wird das Dorf Schönerlinde erstmals in einer Urkunde erwähnt. 1591 werden 77 Hufen von 21 Hüfern (Größere Bauernhöfe die ein gutes Auskommen sichern zu können) und 12 Kossäten (Kleinere Bauernhöfe die nicht mehr für eine Selbstversorgung ausreichen) bewirtschaftet. In der Nacht vom 23.-24.8.1810 entsteht durch Brandstiftung eine furchtbare Feuerbrunst, durch die 47 Familien ihr gesamtes Hab und Gut verlieren. Zwanzig Jahre später wird die Prenzlauer Chaussee angelegt, die Einwohnerzahl ist auf etwa 500 angestiegen. Im Ort befindet sich eine spätgotische Kirche aus Feldstein. Bemerkenswert ist die zweijöchig gewölbte Sakristei an der Chor-Nordseite, die in der St. Marienkirche zu Bernau ihr Vorbild hat.

Zühlsdorf
Das an der "Heidekrautbahn" gelegene Dorf, wird urkundlich erstmals im Landbuch Kalrs des IV. als Czulstorff genannt. 1624 wohnen im Dorf 9 Bauern und ein Kossät. 1668 errichtet man eine neue Kirche, einen Fachwerkbau. Diese wird 1913 wegen Baufälligkeit abgerissen und neu aufgebaut. Schon nach dem 1. Weltkrieg setzt im Dorf eine rege Bautätigkeit ein. Hunderte von Wochenendhäuser entstehen vor allem in den 70er und 80er Jahren. Wanderungen führen zum Lubowsee und Summter See, sowie ins Briesetal und zum Rahmersee

Briesetal
Die Oberflächengestaltung unseres Heimatgebietes wurde die letzte Vereisung geformt. Das Eis bedeckte damals wie eine Kappe das Land und reichte bis zur Linie Havelberg-Brandenburg-Guben. Durch Temperaturerhöhung kam es zum Abschmelzen des Eises. Die Schmelzwasser, die an der Oberfläche zum Eisrand strömten, stürzten auch in Eisspalten hinab und furchten unter dem Eis tiefe Rinnen aus.

Nach dem Zurückweichen des Eises blieben eingeschnittene Täler zurück, deren tiefste Stellen sich mit Wasser füllten. So entstanden die Rinnenseen wie Wandlitzsee und

In der Nacheiszeit entstanden nun Hohlformen durch das Auftauen des Eises, die sich mit Wasser füllten. Solche postglazialen Schmelzwasserrinnen führten also zur Bildung des Haveltals, des Briesetals und des Papen- und Bogenluchs.

Im Gegensatz zu Naturschutzgebieten, die überwiegend der Lehre und Forschung dienen, sind Landschaftsschutzgebiete für die Erholung unserer Menschen bedeutsam. Das Briesetal erfüllt diese Zielstellung in vollem Maße, wirkt es doch durch seine landschaftliche Schönheit. Der Bach fließt in vielen Windungen durch das Tal, hier an einem Steilhang, dort durch grüne Wiesen, Erlenbrüche oder Waldflächen. Der Wanderweg folgt teilweise dem Bachlauf, zieht sich aber meistens am Rand des Hanges hin. Für den Wanderer wird das wechselnde Landschaftsbild besonders eindrucksvoll sein, da der Weg durch Erlenbrüche, an Wiesen vorbei durch schönen Mischwald führt.

Im Briesetal grub sich die Briese ihr Bett, wobei sie die tiefsten Stellen suchte, so daß sich der Lauf hin und her schlängelt. Die Fließgeschwindigkeit ist beträchtlich, beträgt doch der Höhenunterschied zwischen Abfluß aus dem Wandlitzsee (48,6m) und der Mündung (31 m über den Meeresspiegel) 17,6 m auf 16 km Fließstrecke. Entlang des Bachs, der bis heute seinen Lauf ständig veränderte, in den Senken der Talsohle, überall, kam es durch Ablagerungen von pflanzlichen und tierischen Resten zu Faulschlammbildung und dadurch zu Verlandungserscheinungen. Es entstanden die Flachmoore, deren Zeugen die Torflager im Briesetal sind.

An Bäumen dominieren die Kiefer, Stieleiche, Buche, Birke und Schwarzerle. Kiefer und Birke waren schon in der Nacheiszeit die Charakterbäume der Landschaft. Der Name Briese, vom altslawischen "breza" (Birke) stammend, sowie der Ortsname Birkenwerder deuten darauf hin.

Auf dem sumpfigen Boden gedeihen zahlreiche Sträucher, Moose, Farne und krautige Pflanzen. Die naturgeschützten Pflanzen sind im Waldgebiet, dem eigentlichen Wandergebiet, nur mit wenigen Arten vertreten. Den mannshohen Wacholder treffen wir an den Hängen häufiger an.

Im gesamten Waldgebiet leben Rot- und Dammwild, Rehwild, Wildschweine, Hasen und Füchse. Am Wasser haben Wildenten ihre Gehege. Frösche quaken und der aufmerksame Wanderer kann so manchen Specht, Eisvögel, Bachstelzen, Rotschwänze und andere Singvögel beobachten.

Naturlehrpfad Briesetal
Mit dem Zurückweichen nach derEiszeit erhöhte sich der Meeresspiegel. Das Klima in unserem Raum wurde milder und sehr feucht, der Grundwasserstand in den Schmelzwassertälern stieg ständig. Im ganzen Tal breiteten sich Moore aus, die von Wasserpflanzen, Röhricht und Seggen durchsetzt waren. Bäume konnten hier nicht wachsen. Im Laufe der Jahrtausende entstanden dicke, schwarze, hochzersetzte Muddeschichten, über denen Pflanzen wuchsen, die längst keinen Kontakt mehr zum nährstoffreichen mineralischen Untergrund des Tales hatten. Niedermoore waren entstanden.

Einen Eindruck davon kann man im Papenluch (500 m nördlich) gewinnen. Im 18. Jahrhundert setzte nun die Nutzung dieser Landschaft durch den Menschen ein. Vom Rande her wurden die Moore mit Gräben in Parzellen geteilt und vorentwässert. in geringerem Umfang war das Mooor zur Heugewinnung und Viehweide nutzbar. Darüberhinaus wurde der Torf als Brennstoff gewonnen.

Erst in jüngster Zeit wurden diese Nutzungen aufgegeben. Der durch die Gräben gesenkte Wasserstand ermöglichte Bäumen die Existenz. Allen voran konnte sich auf den vom Menschen nicht mehr genutzten Gebieten die Erle (Alnus glutinosa) ansiedeln, weil sie an hohes Grundwasser und nährstoffarmen Boden gewöhnt ist.

Der Erlenbruchwald hat sich also im Ergebnis menschlicher Tätigkeit aus den Nierdermooren entwickelt, die vom Menschen entwässert worden waren.

Ganz in der Nähe der Siedlung wurde ein Naturlehrpfad angelegt, der Auskunft über die vielfältige, hier angesiedelte Baum- und Strauchflora gibt; inzwischen ist er durch einen Moorlehrpfad, als Knüppeldamm aus Stämmen angelegt, erweitert worden. Der Besucher sei ermahnt, hier sehr schonend umzugehen, nichts zu zerstören und auch auf die Gefahren außerhalb des markierten Weges zu achten.

Während unmittelbar an und um den Bach herum kaum beeinflußter Wildwuchs - mit der Schwarzerle als dominierendem Gehölz - das Bild bestimmt, ist die nähere und weitere Umgebung des Tals durch Wirtschaftswald geprägt, in dem die Kiefer vorherrscht. Aber auch dort schaffen ursprüngliche Dünenkämme und -täler ein abwechslungsreiches Bodenrelief. Einsprengungen von Eichen, Birken, Buchen, Lärchen und Fichten machen das Tal zu einem Naturerlebnis.

Karte Wandlitz