Werbellinsee und Umgebung

"Es ist ein Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des Werbellin" - Theodor Fontane.

Mitten in der Schorfheide liegt Altenhof an dem wohl beliebtesten Badesee - dem Werbellinsee. Nicht nur die Badehungrigen werden magnetisch von ihm angezogen, sind es doch auch die Wassersportler mit ihren Segelbooten. Bei Wanderungen um den See kann man Kostbarkeiten der Flora wie einheimische Orchideenarten, Moosbeeren, Wollgras aber auch Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, entdecken.

Die Historie verweist teilweise auf Vorgänge, die wohl halb Sage, halb Wahrheit sind. Das Jahr 1220 wird als Beginn einer Besiedlung am Werbellinsee angesehen. Von dem mittelalterlichen Herrensitz zeugen noch heute Pfahlbauten nordöstlich nahe der Fischerei. Dieses große Feld eichener Pfähle im Werbellinsee sowie frühgeschichtliche Scherbenfund deuten auf eine Ansiedlung zum Herrensitz hin. Um das Jahr 1350 verschlang ein großer Brand das Schloß auf den Pfählen und so entstand die Sage von der untergegangenen Stadt Werbellow. Seit dieser Zeit, so heißt es in der Sage, steigt Jahr für Jahe eine "weiße Frau" aus den Wogen des Werbellin und holt sich ein männliches Opfer ...

Diese Sage aufgreifend, erscheint die "weiße Frau" seit kurzem wieder zu den alljährlichen Sommerfestspielen und vielleicht hat der eine oder andere Gast Lust, sich einen kleinen Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

Die umgebenden Schorfheide war schon immer ein begehrter Flecken Erde. Hier siedelten einst germanische und slawische Völker. Die Askanier bauten Grenzburgen in Zehdenick, Liebenwalde, Werbellin und Breden. Eines der ersten Jagdhäuser besaß der Große Kurfürst. 1529 schacherten hier Kurfürst Joachim I. von Brandenburg, Herzog Georg von Pommern, Erich Herzog von Braunschweig und Albrecht Herzog von Mecklenburg um die Pommersche Erbfolge. Die Hugenotten entwickelten wenig später das Uhrmacherhandwerk und die Webkunst in der Heide. Hinzu kamen böhmische Glasbläser und holländische Papiermacher. Auch die Hohenzollern konnten von dem schönen Landstrich nicht lassen und wählten diese gegend zu ihrem Erholungsgebiet. Zahlreiche Gedenksteine erinnern an großartige Jagden. Über einen Besuch des Königs von Sachsen ist vermerkt : "119 Hirsche, 218 Stück Rotwild und Damwild, 2 Rehböcke und Fuchs wurden erlegt."

Eine eindeutige Liebeserklärung an den Werbellinsee finden wir bei Theodor Fontane in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" : "Bei Altenhof, unmittelbar an dem gelben Kiesufer, liegen ein paar Tannenstämme aufgeschichtet und bilden eine hohe Bank zum Überblick. Und dort nehmen wir Platz. Kleine Wellen schäumen ans Ufer, vor uns breite Wasserflächen liegt noch im Licht, während sich nach Norden hin bläuliche Schatten über Wald und Seen breiten. Dorthin liegen auch die Trümmer des alten halb Sage gewordenen Grimnitz-Schlosses... Es ist ein Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir sitzen an den Ufern des Werbellin..."

Groß Schönebeck
Die Geschichte des Ortes Groß Schönebeck beginnt Anfang des 13. Jahrhunderts, als der Askanierfürst Albrecht II. (1205-1220) hier eine Wasserburg zum Schutze seines Landes bauen ließ. Die quadratische Burganlage, die von einem Wassergraben umgeben war, kag in einer sumpfigen Niederung und war wohl ein reiner Holzbau. Sie verlor durch Grenzveränderungen schon bald ihre Bedeutung und wurde zu einer Wohnburg aus Steinen, die vorrangig der Jagdleidenschaft der Markgrafen diente. In Ihrer unmittelbaren Umgebung entstand vermutlich nur kurze Zeit nach der Burggründung eine kleine Ansiedlung mit Kirche. Urkundlich findet Groß Schönebeck erstmals 1313 Erwähnung. Nachdem die zweite, wie auch der größte Teil des Dorfes, im 30jährigen Krieg durch die Dänen zerstört wurde, begann 1663 der Wiederaufbau der heutigen Dorfkirche, der sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts hinzog. Der aus nicht behauenen Feldsteinen errichtete Turm stammt in seinen Grundmauern vermutlich noch aus dem 14. Jahrhundert.

Neben der Kirche steht ein altes Fachwerkgebäude, das Kantorhaus. Eine Gedenktafel an dem Haus erinnert daran, daß Karl Friedrich Wilhelm Reyher, Sohn des damaligen Küsters und Lehrers, 1850 zum Chef des preußischen Generalstabes avancierte.

Neu entstanden ist in Groß Schönebeck der Wildpark Schorfheide. Das großzügig angelegte Freilandgehege (88,4 Hektar) beherbergt in der Schorfheide typischen Wald- und Wiesenlandschaft Wisente, Wildpferde, rückgezüchtete Ur- oder Auerochsen, Elche, Rotwild und andere Großwildarten sowie vom Aussterben bedrohte, ursprüngliche Haustierrassen. Besonders attraktiv ist das Gehege für Familien mit Kindern. Ein Streichelgehege ermöglicht den direkten Kontakt mit den Tieren.

Die westliche Schorfheide ist, von ihrer geologischen Entstehung während der Weichseleiszeit her gesehen, ein Ergebnis des sich auflösenden und nach Norden zurückziehenden Gletschers, wobei lehmiges, nährstoffreiches Material der sogenannten Grundmoräne und sandiges, nährstoffärmeres Material des Sanders abgelagert wurde. Auf ersterem finden sich noch Laubholzreste mit alten, knorrigen Eichen und Buchen, auf letzterem stehen heute ausgedehnte Kiefernforsten mit gelegentlicher Birkenbeimischung.

Jagdschloß Hubertusstock
Nach einem langen Jagdtag soll der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. unter den rauschenden Baumkronen einen Stock in den Boden gebohrt haben. Sinnend stand er inmitten des Waldes und dabei kam ihm der Einfall, eben diesen Ort nach dem christlichen Schutzpatron der Jagd zu benennen - Hubertusstock.

Eichhorst
Nur eine Autostunde von Berlin entfernt liegt inmitten von Wäldern der Schorfheide die Landgemeinde Eichhorst. In der Papiermühle am Werbellinfließ wurde im 18. und 19. Jahrhundert im Auftrag des preußischen Königs Friedrich I. Papier hergestellt. Ein holländischer Baumeister hatte mit seinen Leuten die Mühle errichtet. Der Name "Holländische Papiermühle" für die Ansiedlung der 16 holländischen Familien erinnert an diese Zeit.

Sehenswert sind die restaurierten Kolonistenhäuser, Askanierturm und die alten Eichen, die dem Ort seinem Namen gaben. Eichorst ist nicht nur auf der Straße zu erreichen. Schön gelegen am Werbellinkanal, ist ein Besuch mit dem Fahrgastschiff oder Boot möglich.

Joachimsthal
Joachimsthal erhielt im Jahre 1604 das Stadtrecht. Die Stadt liegt zwischen dem Werbellinsee und Grimnitzsee. Sehenswert ist die 1607 geweihte Stadtkirche. Nachdem sie die Wirren des Dreißigjährigen Krieges unbeschadet überstanden hatte, brantte sie im Jahre 1817 ab. Nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wurde sie in Form eines Kreuzes wieder aufgebaut. Dir Kreuzkirche besitzt keinen Glockenturm, und dürfte damit wohl in ihrer Anlage einmalig sein. Im Jahre 1892 wurde die Stadt an das Bahnnetz angeschlossen und der sogenannte "Kaiserbahnhof" eingeweiht.

In der Nähe befindet sich die Burg Grimnitz. Die Burg wurde im Jahre 1247 von dem Geschlecht der Askanier erbaut. Sie diente viele Jahre als Ausgangspunkt für die Expansion nach Osten. In den späteren Jahren wurde die Burg zu einem Jagdschloß umgebaut, und im Dreißigjährigen Krieg leider zerstört. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dem Raubbau als Steinbruch Einhalt geboten. Erhalten geblieben sind Reste der Mauern, der Burggraben und das sogenannte "neye Hus" und die Kellergewölbe.

Finowkanal
Bereits im Mittelalter zählt die Finow zu den wirtschaftlich wichtigsten Flüssen der Mark Brandenburg. Sie war Energielieferant für Getriede-, Säge- und Hammermühlen. Ihr Bett bildete den tiefsten Teil des Eberswalder Urstromtals. So lag der Gedanke nah, über sie Havel und Oder zu verknüpfen.

Start zu diesem Bauwerk war am 21. Oktober 1603. Damals ordnete der brandenburgische Kurfürst Joachim-Friedrich (1546-1608) den Bau eines Treidel-Kanals von der Alten oder Faulen Havel bei Liebenwalde bis zum Möllensee unweit von Finowfurt an. Von hier aus folgte der Kanal dann dem Lauf der Finow bis nach Eberswalde und Niederfinow, um dann beim sogenannten Wolfsloch in die Oder zu münden. Elf Schleusen legte man an. 1620 war der 39,4 km lange Finowkanal Nummer eins vollendet.

Lange konnte Brandenburg von dieser nützlichen Schiffsverbindung jedoch nicht profitieren. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verwüstete auch den Kanal. Das Gewerbezentrum Eberswalde, für das ein schiffbarer Wasserweg lebenswichtig war, sorgte dann auch für den heutigen Finowkanal. Die Bürger wandten sich an ihren Landesherrn Friedrich II. (1712-1796) und dieser verfügte den Bau des Kanals Nummer zwei, der am 16. Juni 1746 fertig war. Der neue Kanal hatte 17 moderne Schleusen und mündete in den Lieper See. Der nun 36,5 km lange Wasserweg wurde zur Lebensader der aufblühenden Industrieregion Finowfurt/Eberswalde.

Mehrfach modernisiert, aber bald völlig überlastet, wurde er erst 1914 durch den damals hochmodernen Oder-Havel-Kanal zwischen Schleuse Spandau und Schiffshebewerk Niederfinow ersetzt.

Karte Werbellinsee