Werder/Havel und Umgebung

Der Name Werder bedeutet soviel wie "Insel im Fluß" und ist auf die Insellage der Altstadt zurückzuführen, Daher nennt man die Altstadt heute "Inselstadt". Nur über eine Brücke zu erreichen, wird diese Inselstadt von zwei havelarmen umflossen.

Im 6. Jahrhundert siedelten sich in der Gegend um Werder Slawen an. Die Insel gab ihnen Schutz. Der Fischreichtum der Havel sorgte für ausreichende Nahrung. Der Fischfang als das älteste Gewerbe hat bis zum heutigen Tage seine Bedeutung.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1317, als Ritter Sloteko das Opidum Werder an das Kloster Lehnin verkaufte. Die Mönche begannen aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen die weiten Hänge mit Rebstöcken zu bepflanzen. Mehrere hundert Jahre bestimmte der Weinanbau das Leben der Stadt.

1458 wurde Werder (Havel) von Kurfürst Friedrich II. zur Stadt erhoben, denn es durften jährlich zwei Märkte abgehalten werden. Das Kloster Lehnin wurde nach Einführung der Reformation aufgehoben und in ein Domänenamt umgewandelt. Das Eigentumrecht des Klosters war damit beendet. Während des Dreißigjährigen Krieges blieb Werder, als fast einzigste Stadt in der Mark Brandenburg, von den Wirren und Schrecken des Krieges verschont.

Zur Zeit Friedrich Wilhelm I. siedelten Holländer in Werder (Havel) an. Der Soldatenkönig, Friedrich Wilhelm I. machte dann mit dem Weinbau in Werder ein Ende. Er war kein Freund des Weines aus Werder und bemerkte :"... seinen Grenadieren nur das Gedärm endommagiere." Der König ordnete an, daß anstelle der Rebstöcke Obstbäume angebaut werden sollen. Die Holländer begannen die Weinberge in Obstzuchtanlagen umzuwandeln. Dies war die Geburtsstunde für den Obstanbau in Werder. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts verlor der Weinanbau völlig seine Bedeutung, Werder entwickelte sich zur Obstkammer Berlins. Das Obst wurde zunächst von Frauen in Schuten nach Berlin gerudert. Mit dem Zeitalter der Dampfmaschine entwickelten sich dann bessere Transportmittel, welche diese schwere Arbeit nicht mehr erforderlich machten. Ab 1853 brachten Raddampfer das Obst über die Havel nach Berlin.

In jedem Frühjahr verwandelt sich die Stadt und die umliegenden Obstanlagen in ein riesiges Blütenmeer. Auf Vorschlag des Obstzüchters Wilhelm Wils führte der Obstzüchterverein 1860 das erste Baumblütenfest durch. Seit 1876 konnten die Besucher des Blütenfestes Weder mit dem Zug aus Berlin erreichen. Auf dem Blütenfest kann man verschiedenen Obstweine der Region kosten. Vorsicht : Der Obstwein hat es in sich !!! Der Obstwein wird auch liebevoll "Bretterknaller" genannt. Als erste und letzte Hürde des Festes entwickelte sich die sogenannte "Himmelsleiter" zur Friedrichshöhe. Sie hatte 202 hölzerne Stufen. Für den "Heimweg" wurde eine Sandrutsche neben der "Himmelsleiter" angelegt. Auf dieser Sandrutsche wurden die Zecher, die nicht mehr laufen konnten, zu Tale geschleift, auf Handwagen geladen und zum Bahnhof gebracht. Hier standen dann strohgepolsterte Güterwaggons für die Heimreise nach Berlin bereit. Dieses Fest entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem der größten Volksfeste in Deutschland.

Eine weitere wichtige Entwicklungsetappe Werders, mit Ausnahme des Fischereigewerbe, des Weinbaues und des Obstanbaues, war die Gründung von Brauereien und Ziegeleien. Die Brauereien hatten ihren Aufschwung von 1713 bis 1850 und das Ziegeleigewerbe entwickelte sich ab 1850. Ziegelsteine wurden für Berlin und Potsdam hergestellt. Die Bebauung der Vorstadt "Unter den Linden" erreichte seinen Höhepunkt. Der Strengkanal, die Verbindung zum Glindower See, mußte hergestellt werden, um den Ton und die Ziegel auf dem Wasserwege zu transportieren. Es fand ein enormer Aufschwung in Werder statt.

Während dieser Zeit (1884-1917) wurde unter dem Bürgermeister Dümichen das gesamte Straßennetz der Stadt ausgebaut. 1895 wurde eine Pferdebahn in Betrieb genommen.

Nach Plänen des Baumeisters Stülers wurde von 1856-1858 die um 1250 erbaute Kirche "Zum Heiligen Geist" auf der Inselstadt umgebaut und u.a. mit einem Glockenturm versehen. 1906 entstand auf der Nordseite der Inselstadt die katholische Kirche "Maria Meeresstern".

Als Sohn eines Obstzüchters wurde 1848 der Maler Karl Hagemeister in Werder geboren.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bodenreform durchgeführt. Die Obstbauern erhielten Land und konnten den Obstanbau wieder betreiben. In den 60er Jahren erfolgte nach russischen Vorbild die sogenannte Kollektivierung der Landwirtschaft.

Werder an der Havel bleibt das, was es schon immer gewesen ist : Die Blütenstadt der Mark und die Obstkammer Berlins.

Glindow
Glindow (Glina) wurde 1317 das erte Mal urkundlich erwähnt. Der Name Glina ist slawischen Ursprungs und bedeutet so viel wie Ton und Lehm. Die Glindower lebten zu dieser Zeit vorrangig von der Fischerei im Glindower See. Die ersten Wohnhäuser wurden um den Kietz gebaut, der heute als historischer Kern angesehen wird.

Im Jahr 1452 gehörte Glindow zum Kloster Lehnin. Die Mönche im Kloster befaßten sich mit dem Brennen von Ziegelsteinen im "Klosterformat". Als im Jahre 1862 Theodor Fontane auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg Glindow besuchte, waren mehr als 32 aufragende Schornsteine der Hoffmannschen Ringöfen von der Ziegelherstellung sichtbar. Um die Jahrhundertwende setzte ein sprunghafter Bedarf an Ziegelsteinen ein. Berlin begann sich stark auszudehnen, es wurden Millionen von Steinen benötigt. Caputher Schiffer brachten die Ziegel über die einheimischen Wasserstraßem mit Kähnen von Glindow nach Berlin. Um den Besucherstrom auch nach Glindow zu locken, erhielt das Gebiet, in der der Ton abgebaut wurde, den Namen "Glindower Alpen".

Romantische Wanderwege, einmalige schöne Schluchten sowie kleine Seen geben den "Glindower Alpen" die Prägung. Viele botanische und zoologische Besonderheiten bleiben dem Besucher nicht verborgen.

Zur Baumblütenzeit sind dort die Gärten auf der Glindower Platte ein besonderer Anziehungspunkt. Die Torfwiesen im Ortskern sowie die "Glindower Alpen" sind unter Natur- und Landschaftsschutz gestellt.

In diesem Jahr übergab die Gemeinde Glindow das sanierte "Haus Koch" zur Nutzung als Heimatmuseum an den Heimatverein. Das unter Denkmalschutz stehende Büdnerhaus wurde von den Eheleuten Dürre als Doppelwohnhaus im Hare 1769 erbaut. Die letzte Eigentümerin des Hauses war Frau Anneliese Koch, geb. Döring, die das Gründstück mit Haus, nach ihrem Willen, der Gemeinde Glindow übereignete, sofern die Gemeinde dieses Haus als Museum einrichtet. Eine besondere Attraktion ist die im Urzustand erhaltene "verrußte schwarze Küche", in der einst auf offenem Feuer gekocht und gebraten wurde. Bevor der Rauch durch die Öffnung in der Decke abziehen konnte, schwärzte er im Laufe der vielen Jahre die Wände und die Decke der Küche.

Viele Ausstellungsstücke vergangener Zeiten, wie alte Möbel, Geschirr, Gerätschaften, Fotos und alte Bilder, wurden von den Bewohnern Glindows zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung des Märkischen Ziegeleimuseums beschreibt und illustriert nicht nur den technologischen Prozeß der Ziegeleiherstellung, sondern veranschaulicht mit vielen Dokumneten auch die Geschichtre des Glindower Ziegeleigewerbes, von dem seit 1462 verbrieften Tonabbau bis zur Wiederbelebeung fast vergessener handwerklichen Könnens. Sie macht Sie mit den einstigen Arbeits- und Lebensbedingungen der einheimischen und der aus dem Lippischen-Westfälischen gekommenen Ziegler bekannt, stellt Ihnen frühere Ziegeleibesitzer vor und vermittelt darüber hinaus einen Einblick in die Ziegeleiindustrie im Raum Glindow-Werder-Rädel und der gesamten Region.

Das besondere an diesem Museum ist indes, daß der Besucher die geschichtlich dokumentierte Ziegelfertigung noch in Aktion erleben kann.

Auf dem Gelände befinden sich zwei der denkmalgeschützten Ringöfen aus den Jahre 1868, gebaut nach dem Patent von Friedrich Eduard Hoffmann. Einer davon ist der einzige in Europa noch originalgetreu erhaltene, kreisrunde Ringofen, wie er in der Hoffmannschen Patentschrift dargestellt ist. Er wurde 1962 stillgelegt und verfiel zusehends. Seit 1991 jedoch begannen hier erste Restaurationsarbeiten. Der andere, größere Ofen wurde 1967 rekonstruiert und seitdem treibt man hier das Feuer wieder ununterbrochen im Kreis.

Die zunächst für die Herstellung von Kohlepreßlingen und später Blumentöpfen genutzte Produktionsstätte verlassen seit 1990 wieder Ziegel- und Formsteine, von denen jeder seiner handwerklichen Fertigung wegen ungleichsam ein Unikat darstellt. Besonders begehrt sind die in Form und Farbe vielfältigen Tonziegel bei Restauratoren und Denkmalspflegern.

Schwielowsee
"Der Schwielowsee ist breit, behaglich, sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen", so empfand ihn Theodor Fontane auf seinen berühmten Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

In seine Ufer kuscheln sich vier " Gebilde aus Menschenhand", wie Fontane sie bezeichnete, die Dörfer Caputh, Ferch, Petzow und Geltow. Jedes ein Idyll für sich, ergeben sie zusammen ein ideales Ziel für denjenigen, der Natur sucht und auf Kultur nicht verzichten will, denn keine 40 Minuten mit dem Auto, und der Besucher des Schwielowsees steht vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Aus dem nahen Potsdam kommend, passiert die Havel den Templiner See, schiebt ihr Wasser dann durch das enge Caputher Gemünde, um sich endlich wohlig im Schwielowsee auszubreiten.

Caputh liegt nun schon fast hinter ihr. Sie erfreut sich an den herrlichen Wäldern in Richtung Ferch, die zu allen Jahreszeiten zum Wandern und Verweilen einladen, fließt in großen Bogen vorbei an der alten Fercher Fachwerkkirche und den verträumten Fischerhäusern, grüßt den stolzen Kirchturm von Petzow, der von oben herab ihren Lauf verfolgt. Fast widerstrebend verläßt sie nun Geltow, den Schwielowsee, um , wie von einem angenehmen Abstecher, auf ihren vorgegeben Weg zurückzukehren.

Der größte Ort dieses Quartetts ist Caputh. Sein Name wurde vor allem durch Albert Einstein in der Welt bekannt, denn der geniale Physiker baute sich hier 1929 sein Sommerhaus.

Kunstliebhaber werden verwöhnt, denn gleich zwei Schlösser säumen die Ufer des Schwielowsees. Das eine, noch aus dem 17. Jahrhundert und einst Sommerresidenz der Preußischen Könige, findet sich in Caputh. Das andere, im 19. Jahrhundert und nach den Plänen des berühmten Schinkel gebaut, steht in dem kleinsten der vier Orte, Petzow, umgeben von einem öffentlichen Landschaftspark, der von keinem geringeren als Peter Josef Lenné gestaltet wurde. Wem das noch nicht reicht, bitte schön : Schloß Sanssouci in Potsdam ist in wenigen Minuten erreicht.

Die ganze Schönheit der Havellandschaft kann bewundern, wer den freistehenden Kirchturm der Petzower Kirche, ebenfalls nach Schinkelschen Plänen fertiggestellt, besteigt. Oder er wandert ganz einfach auf den Wietkiekenberg bei Ferch, auf den Krähenberg in Caputh oder auf den Schäferberg bei Geltow, immer wird er für seine Anstrengungen reichlich belohnt werden.

Für Abwechslung aller Art ist gesorgt am Schwielowsee. Sport und Spiel ist überall angesagt, Wandern, eine Erholung für Lunge und Gemüt, sei es nun zu Fuß, per Rad oder auch per Boot auf dem Wasser, überhaupt ist der Schwielowsee ein Eldorado für den Wassersport.

Fast selbstverständlich behaupten drei landschaftlich außerordentlich reizvolle Campingplätze ihr Dasein am See, idealer Übernachtungsplatz auch für mobile Berlin- und Potsdam-Touristen.

Die Ufer des Schwielowsees sind Heimstatt für viele heute schon selten gewordene Tierarten und dem aufmerksamen Naturfreund stehen interessante Begegnungen mit ihnen bevor. Im Winter, wenn die Havel unter einer wärmenden Eishaut ihren Weg nimmt, treffen sich oft tausende Wasservögel am Caputher Gemünde, dem meist einzigen eisfreien Fleckchen der Region.

Hier tut auch seit 1853 die alte Fähre ihre Pflicht, unermüdlich an zwei dicken Stahlseilen zwischen Caputh und Geltow hin und her pendelnd.

Besonders Familien mit Kindern wird ein Besuch des Tierparks im tausendjährigen Geltow empfohlen. Einmal in diesem Ort sollten Liebhaber handwerklicher Künste einen Besuch des aktiven Museums der Kunsthandweberei nicht versäumen. Selbst eine Kleinkunststätte gibt es in der Region, die Fercher Obstkistenbühne, wo Musik und Lieder von uns, für uns und für andere dargeboten werden.

Eine alte Allee führt seit über hundert Jahren rund um den Schwielowsee und gewährt beim geruhsamen Befahren viele schöne Ausblicke über den See.

Romantische Straßen, in denen sogar das Pflaster unter Denkmalschutz steht, dazu viel Wasser und ein echter Weinberg - das alles erwartet Sie in Werder und Umgebung.

An der B1 Richtung Brandenburg nahe dem Großen Plessower See ist das typisch märkische Dorf Plötzin zu finden. Die Dorfkirche (rechteckiger Feldsteinbau des 13. Jahrhunderts) fügt sich in die Landschaft ein. Besinders malerisch zur Zeit der Baumblüte, die ausgedehnten Obstplantagen, welche im Weiß erstrahlen. Viele Obstzüchter laden später zur Erntezeit zum selber Pflücken des sonnengereiften Obstes ein. Bequemer jedoch für viele Durchreisende ist der Kauf des frischen Obstes und Gemüses auf den Frischemärkten in Werder und Glindow.

Töplitz auf der Insel Töplitz erreicht man, wenn man von Potsdam aus in westlicher Richtung fährt, die Wublitzbrücke überquert, die kleine Ortschaft Leest und noch ein Stück die malerische Landschaft mit Wiesen, Ackerland, Kirschplantagen und Kiefernwäldern durchfährt.

Die Insel Töplitz ist ein fast unberührtes Kleinod im landschaftlich geschützten Feuchtgebiet der Havel, umgeben vom Großen und Kleinen Zernsee, Schlänitzsee und Göttinsee, von der Wublitz und dem Sacrow-Paretzer Kanal - ein wunderschönes Terrain zum Radwandern mit ausgewiesenen Wegen. Wer die Tour in Töplitz beginnt und dann nach Süden durch das Naturschutzgebiet Wolfsbruch fährt, wird eine besonders idyllische Landschaft erleben.

Das Dorf Töplitz, das 1328 erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde, war immer ein richtiges Bauerndorf, und das will es auch bleiben. Im 18. und 19. Jahrhundert betrieb man die Seidenraupenzucht. Danach entwickelten sich auch hier die Ziegeleien, bis sie um 1900 stillgelegt wurden. Ab dieser Zeit begannen die Töplitzer vor allem mit dem Obstanbau. Besonders gut gedeihen hier die Kirschen, weil das Klima für sie günstig ist.

Am Übergang zwischen dem Kleinen Zernsee und der Havel der kleine Ort Phöben sichtbar. Ein Ausflug lohnt sich. Bietet er doch wie alle unsere Ausflugsziele vielfältige Sportbetätigungen wie z.B. Reiten und Angeln.

Kein Versäumnis darf es in diesem Zusammenhang sein, einen Abstecher nach Kemnitz zu unternehmen. Dort können Sie sich in die Kunst des Golfens einführen lassen.

Für Erkundungen in die Vergangenheit empfehlen wir, dem Spukhaus in Resau bei Bliesendorf einen Besuch abzustatten.

Nahe dem Naturschutzgebiet Nattwerder am Großen Zernsee liegt Golm. Im Golmer Luch sind viele Vogel- und Pflanzenarten zu Hause.

Karte Werder