Wriezen und Umgebung

Wriezen wurde im jahre 1247 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1337 wurde Wriezen durch Kurfürst Ludwig der Bayer das Stadtrecht verliehen. Im 14. jahrhunderte entwickelte sich Wriezen zum Zentrum des Handels im Oderbruch. Auf Veranlassung Friedrichs II. im Jahre 1747 wurde der Verlauf der Oder völlig verändert und gleichzeitig das Oderbruch urbar gemacht. Im Jahre 1806 eröffnete Albrecht Daniel Thaer in Möglin bei Wriezen seine landwirtschaftliche Lehranstalt.

1898 erhielt Wriezen Eisenbahnanschluss, als eine weitere Teilstrecke der Wriezener Bahn eröffnet wurde, die die Stadt später direkt mit Berlin und dem dortigen Wriezener Bahnhof verband. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde die nahe Hauptstadt Berlin von Wriezen aus mit Gemüse und Fisch versorgt. 1855 wurde in Wriezen die erste Freiwillige Feuerwehr in Brandenburg durch Albert Mahler gegründet. Ihm zu Ehren ist auf dem Schützenplatz ein Denkmal im Jahre 1895 errichtet worden.

1940 erhielt der NS-Staatsbildhauer Arno Breker zum 40. Geburtstag das im Ortsteil Eichwerder gelegene ehemalige Rittergut Jäckelsbruch von Adolf Hitler geschenkt. Die Schenkung umfasste nicht nur das Schloss mit Park, sondern auch die gesamte Ausstattung des Hauses sowie ein vom Architekten Friedrich Tamms neu erbautes Atelier. In Wriezen selbst befand sich seit Mitte 1941 ein großes Werksgelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen – die Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH. Bei den Steinbildhauerwerkstätten handelte es sich um eine Einrichtung der Generalbauinspektors für Berlin Albert Speer. Aufgabe der Werkstätten war die Ausführung von Bildhauerarbeiten für die Neugestaltung Berlins sowie der Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wriezen bei Kampfhandlungen fast vollständig zerstört und in den folgenden Jahrzehnten unter erheblicher Veränderung des Stadtbildes neu wieder aufgebaut.

Sehenswert ist die spätgotische St. Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert. Die Kirche ist bei den Kämpfen um Wriezen, während des 2. Weltkrieges, schwer beschädigt worden und ist heute leider nur noch als Ruine sichtbar. Der jüdische Friedhof in Wriezen hat die Zeit des Faschismus unbeschadet überstanden. Bereits im Jahre 1730 wurde der jüdische Friedhof angelegt. Er ist mit 1630 Quadratmetern die größte noch erhaltenen jüdische Grabstätte im Oderraum mit 132 Grabsteinen. Im Rahmen des Projektes Jüdische Friedhöfe in Brandenburg (Jüdische Studien, Universität Potsdam) wurde der jüdische Friedhof Wriezen in einer frei zugänglichen Online-Datenbank dokumentarisiert (www.uni-potsdam.de/juedische-friedhoefe/wriezen.htm). Das Gebäude der heutigen Stadtsparkasse wurde 1781 von dem Königlichen Kammerrat Friedrich Wilhelm Noeldechen ursprünglich als Seidenbauhaus im Barockstil erbaut und später zum Wohnhaus umgebaut. Es beherbergte den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. auf der Flucht nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt, war während der französischen Besetzung Kommandantur, beherbergte später eine Militärmusikschule und ist seit Anfang Mai 1922 Kreisbankgebäude. Der Hafen in Wriezen wurde im Jahre 1902 an der Alten Oder errichtet. Mit einem 300 Meter langen Kai bot er Anlegeplätze für Lastkähne nach Finowmaß. Transportiert wurden Baustoffe, Petroleum, Düngemittel und Getreide sowie Steinkohle und Kalk. Der Hafenbetrieb wurde 1969 eingestellt, das Hafenbecken teilweise zugeschüttet. Die "Interessengemeinschaft Hafen Wriezen" versucht das ehemalige Hafengelände wieder herzustellen und dem Besucher zugänglich zu machen.

Möglin
In der Barnimgemeinde Möglin, unweit von Wriezen, lebte und wirkte vor beinahe 200 Jahren Albrecht Daniel Thaer, bedeutender deutscher Agrarwissenschaftler, Landwirt, Pädagoge und Staatsmann. Ihm zu Ehren ist seine ehemalige Wirkungsstätte als Gedenkstätte eingerichtet worden. Die zu ihr gehörende Thaer-Ausstellung wurde von der 1991 gegründeten Fördergesellschaft mit Hilfe des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Potsdam eingerichtet. Zur Gedenkstätte gehört das 400 Jahre alte, rekonstruierte Herrenhaus, das Thaer bewohnte.

Albrecht Thaer wurde 1752 in Celle (Niedersachsen) geboren. Er studierte in Göttingen Medizin und ließ sich dann in seiner Heimat als Arzt nieder, wo er sehr erfolgreich praktizierte und bald zum königlichen Leibarzt und Stadtphysikus ernannt wurde.

1798 erschien sein erstes bedeutendes Werk über die englische Landwirtschaft, in welches er seine eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen einfließen ließ. 1802 gründete Thaer dann in Celle sein erstes Lehrinstitut. Verschiedene Studienreisen führten Thaer unter anderem auch nach Preußen, dessen liberale Gesetzgebung ihn beeindruckte. Itzenplitz und der Minister Hardenberg, ein Bekannter Thaers aus der Göttinger Studienzeit, veranlaßten den preußischen König, Friedrich Wilhelm III., Thaer zur Übersiedlung nach Preußen einzuladen. Er nahm das Angebot an und kaufte 1804 das Rittergut Möglin, welches 250 Hektar umfaßte.

1806 eröffnete er das landwirtschaftliche Lehrinstitut, das später Königlich-preußische Akademie des Landbaus wurde. In den 55 Jahren seines Bestehens eigneten sich hier fast 800 Studenten aus dem In- und Ausland umfangreiche Kenntnisse an.

1828 starb der große deutsche Agrarwissenschaftler in Möglin und wurde im Gutspark neben der kleinen Dorfkirche zur letzten Ruhe gebettet.

Kunersdorf
Kunersdorf liegt unweit von Wriezen am Rande des Oderbruchs. Leider hat die ehemalige DDR das Schloß indem einst Lestwitz und Itzenplitz lebten dem ideologischen Wahnsinn (oder auch Blindheit) zum Opfer gefallen . Nur noch wenig erinnert an das ehemalige Schloß, zwei Trauerweiden standen einstmal am Schloßteich und eine Reihe alter Linden zeichnet die Schloßauffahrt nach. Indem ehemaligen Schloß trafen sich viele berühmte Männer wie: Alexander von Humboldt, Leopold von Ranke, Friedrich Carl von Savigny, Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch.

Das Schloss in Kunersdorf wurde von Hans Sigismund von Lestwitz erbaut. Hans Sigismund von Lestwist hatte in der Schlacht von Torgau einen Sieg für den Friedrich II. errungen. Aus Dankbarkeit für diesen Sieg erhielt von Lestwitz das Land um Friedland und Wriezen. Im Jahre 1813 war Adalbert von Chamisso in Kunersdorf. Er legte nicht nur eine Pflanzensammlung für den Herrn von Itzenplitz an , sondern schrieb auch die Märchenovelle "Peter Schlemihl" in Kunersdorf. Noch sichtbar ist die Begräbnisstätte der Familien Lestwitz-Itzenplitz. Neun Nischen sind von einfachen Säulen eingefasst, in den Nischen sind Grabsteine, Urnen, Reliefbilder und Inschriften sichtbar.

In Altfriedland, wenige Kilometer von Kunersdorf entfernt, ist die Dorfkirche noch erhalten. Hier im Dorf stand ein Nonnenkloster der Zisterzienserinnen zwischen zwei herrlichen Seen.

Karte Wriezen