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Kurze Heimatkunde des Kreises Crossen (Oder)

6. Erwerbsquellen

Nach der Berufszählung vom Jahre 1907 waren 32.787 Bewohner des Kreises erwerbstätig. Davon beschäftigten sich in :

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei17.734
Industrie7.329
Handel und Verkehr2.024

 Wir sehen, daß die Land- und Forstwirtschaft bedeutend überwiegt; über die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung ist in diesem Berufszweige beschäftigt. Dann folgt Industrei mit etwa 1/4, während auf Handel und Verkehr etwa ein Sechzehntel der Erwerbstätigen entfallen.

6.1. Ackerbau

 Ungefähr 1/3 der Bodenflächen dient dem Ackerbau (rund 43.000 ha). Unter den Erzeugnissen des Bodenanbaus nimmt der Roggen die erste Stelle ein. Er ist unsere wichtigste Brotfrucht und fast die Hälfte des Ackerlandes ist davon bedeckt (1912 rund 20.000 ha mit einem Ertrage von 33.000 t = 660.000 Zentnern). In zweiter Linie kommt der Kartoffelbau in Betracht, der ungefähr halb so viel Ackerfläche einnimmt wie der Roggenbau (1912 über 9.000 ha mit einem Ertrage von 144.000 t, also fast 3 Millionen Zentnern). Die Kartoffel dient der Bevölkerung als alltägliches, unentbehrliches Nahrungsmittel; sie ist wertvoll für die Förderung der Viehzucht und wird ferner zur Branntweinbrennerei (13 Brennereien und Likörfabriken) und zur Stärkebereitung (5 Stärkefabriken) benutzt. Roggen und Kartoffeln stellen keine hohen Anforderungen an das Ackerland; sie begnügen sich mit dem leichten Boden, den unser Kreis meist bietet, und liefern befreidigende Erträge. (1912: Roggen auf 1 ha = 16,4 Doppelzentner, Kartoffeln auf 1 ha = 158,6 Doppelzentner. Durchschnittsernte in Preußen 1912 : Roggen auf 1 ha = 18,5 Doppelzentner; Kartoffeln auf 1 ha = 154,5 Doppelzentner.)

 Der Hafer gedeiht auch noch auf geringem Boden (1912: 3200 ha). Er ist die Hauptnahrung der Pferde; als Hafermehl und Haferschleim findet er auch im Haushalt Verwendung.

 Gerste und Weizen verlangen fruchtbaren Boden und werden deshalb im Kreise nur in geringem Maße angebaut (zusammen ungefähr 1.000 ha). Die Gerste dient zur Malzbereitung, ferner zur Herstellung von Graupen und Kaffeeersatz. Aus dem Weizen werden Brot, Kuchen, Grieß, Grütze und Stärke bereitet. Während der hafer eine Sommerfrucht ist, werden Roggen, Weizen und Gerste als Sommer- und Wintergetreide gebaut.

 Mit dem schlechtesten Boden nimmt der Buchweizen (das Heidekorn) vorlieb; er liefert eine gute Grütze.

 Fast ganz verschwunden sind die Flachsfelder mit den himmelblauen Blüten. Früher wurde viel Flachs gebaut und daraus Leinewand gefertigt; in der Neuzeit ist der Flachsbau sehr zurückgegangen; denn man trägt heutzutage mehr Baumwollensachen, und die Maschinenleinewand verdrängt die handgefertigte; sie ist billiger, wenn auch nicht so haltbar.

 Sehr beschränkt ist der Anbau der Hülsenfrüchte; es sind Erbsen, Bohnen und Linsen, die eine sehr nahrhafte Speise liefern. Sie sind in unserem Kreise mehr Garten- als Feldfrucht.

 Von großer Bedeutung ist der Obst- und Gemüseanbau. Es gibt im Kreise fast 1/2 Millionen Obstbäume (etwa 50.000 Apfelbäume, 50.000 Birnenbäume, 350.000 Pflaumen- und Zwetschenbäume, 40.000 Kirschbäume). Dazu kommt noch das Beerenobst. Das Obst ist eine sehr gesunde, wohlschmeckende, erfrischende Kost. Da der Obstbau zudem sehr einträglich ist und die Obstbäume an den Boden keine hohen Anforderungen stellen, müßte er in noch viel größerem Umfange betrieben werden; noch zahlt Deutschland alljährlich viele Millionen für Obst an das Ausland. Auch der Gemüsebau ist sehr lohnend. Die Gemüsepflanzen (die verschiedenen Kohlarten und Rüben, Gurken, Spinat, Spargel, Salat, Sellerie) bieten uns wertvolle Nahrungsmittel, die auch noch weit mehr gepflanzt und genossen werden müßten.

 Auf den Crossener Oderbergen wird auch Weinbau getrieben. Es ist die nördlichste Gegend, in der noch Wein gebaut wird. Der Crossener Weinbau ist schon sehr alt. Durch eingewanderte Kolonisten vom Rhein wurde er im Jahre 1154 begonnen, und er hat sich dann kräftig entwickelt. In einer Beschreibung der Mark Brandenburg vom Jahre 1572 wird erwähnt, daß sich um Crossen "viel Weinwuchs" findet. Damals war der Rebenbau weit ausgedehnter als heute: Crossen und Sommerfeld waren "rechte Weinstädte", und so mancher Sandhügel im Kreise, auf dem heute nur kümmerlich Roggen gedeiht prangte im Schmucke der grünen Reben. An diese weite Verbreitung erinnern noch die Flurbezeichnungen "Weinberg" (z.B. bei Sommerfeld, Göhren, Wellmitz, Brankow, Neu-Rehfeld, Pollenzig, Tammendorf, Weißig, Tornow, Sarkow, Logau, Thiemendorf) und der Hofname "Weinmeisters". In kalten und nassen Jahren wurden aber die Trauben nicht recht reif, so daß auf den märkischen Wein der alte Vers geprägt wurde.

"Märkischer Erde Weinerträge
gehn durch den Hals wie eine Säge."

 Das Fehlschlagen vieler Ernten durch die Ungunst der Witterung war auch der Grund, daß der Weinbau mehr und mehr zurückging. An Stelle der Weinberge entstehen von Jahr zu Jahr mehr Obstanlagen, die vollen Ersatz für die oft ertragslosen Rebengärten bieten.

6.2. Viehzucht

 Mit dem Ackerbau ist eine umfangreiche Viehzucht verbunden. Sie ist für ihn unbedingt notwendig: denn sie ermöglichst erst eine gründliche Bewirtschaftung des Bodens. Sie liefert uns wichtige, unentbehrliche Nahrungsmittel. Außerdem werden wertvolle Rohstoffe gewonnen, die in den Gewerbebetrieben Verwendung finden.

 Die Viehzucht gründet sich vor allem auf das Vorhandensein guter Wiesen und Weiden. Etwa ein Zehntel der Bodenfläche des Kreises ist Wiesen- und Weideland (rund 12.000 ha). Der Heuertrag betrug 1912 fast 1 Millionen Zentner (47.599,9 t); auf 1 ha wurden durchschnittlich etwa 100 Zentner geerntet. Außer dem Kartoffel- und Haferanbau kommt der Viehzucht noch der Anbau von Klee, Futterrüben, Luzerne, Wicken und Seradella zugut (rund 1.000 ha, davon ungefähr die Hälfte Klee). Wie sich die Viehzucht im Laufe der letzten 50 Jahre entwickelt hat, zeigt die folgende Zusammenstellung:

  Pferde Rinder Schafe Schweine Ziegen Geflügel Bienestöcke
1861 4.451 20.458 49.576 12.456 3.893   2.090
1910 5.375 26.781 5.842 37.410 7.194 97.514 3.290
1912 5.263 27.109 5.641 32.678 6.566 104.325 2.938
1913 5.406 27.922 4.655 39.212 6.693    

 Die Viehzucht hat also bedeutende Fortschritte gemacht. An erster Stelle steht die Schweinezucht. An zweiter Stelle folgt die Rinderzucht; auch sie zeigt eine starke Zunahme. Dagegen ist die früher blühende Schafzucht ganz bedeutend zurückgegangen. Der grund ist, daß die überseeische Weideländer die Wolle billiger liefern können. Einen erfreulichen Aufschwung hat auch die Geflügelzucht genommen (1912: 21.484 Gänse, 1.596 Enten, 81.245 Hühner).

 Es wäre erwünscht, wenn der Landmann auf diesem Zweig der Viehzucht noch viel mehr Wert legen würde. Auch die Bienenzucht, die meist nur von Freunden dieser Zucht ausgeübt wird, müßte noch weit mehr betreiben werden, da der Honig als Nahrungs- und Heilmittel sehr großen Wert besitzt.

 Im Jahre 1919 ergab die Zählung 5.127 Pferde, 26.816 Rinder, 6.161 Schafe, 23.200 Schweine, 9.451 Ziegen, 92.685 Stück Geflügel.

  Eine Reihe von Vereinen ist bemüht, die Landwirtschaft in ihren Berufe zu fördern. Es gibt den landwirtschaftlichen Kreisverein Crossen a.D., den Landwirtschaftsverein Bobersberg, den Landwirtschaftsverein Sonmmerfeld, 7 Bienenzuchtvereine (Crossen und Umgebung, Bobersberg und Umgebung, Merzwiese, Plau, baudach, Tornow und Umgebung, Topper) und 2 Geflügelzuchtvereine.

 Eine Hebung der Landwirtschaft bezwecken auch die im Kreise bestehenden landwirtschaftlichen Genossenschaften. Sie sind bestrebt, die Landbevölkerung zur Sparsamkeit zu erziehen. Darlehen zu gewähren und durch gemeinschaftlichen Bezug von Futter- und Düngemitteln, sowie landwirtschaftlichen Bedarfssachen für ihre Mitglieder wirtschaftliche Vorteile zu gewähren. Gleich den Vereinen wollen sie durch Vorträge, Belehrungen und Unterhaltungen bieten. Im nördlichen Teile ist vorwiegend der Offenbacher Verband, auch Reichsverband genannt, vertreten, im südlichen Teile des Kreises vorwiegend der Raiffeisenverband, der folgende Genossenschaften zählt:
1. die Darlehenskassen-Vereine Weißig, Treppeln, Jähnsdorf, Göhren, Plau, Deutsch-Sagar, Cossar, Gersdorf, Logau, Brankow, Hermswalde, Goskar;
2. An- und Verkaufs-Genossenschaft Bobersberg;
3. Elektrizitäts-und Maschinengenossenschaft Göhren.

 Die Landgesellschaft "Eigene Scholle" will auch den wenig Begüterten den Erwerb eines Hauses nebst Ackerland ermöglichen. Von den bestehenden Ansiedlungen befinden sich die ersten bei Gersdorf.

6.3. Waldwirtschaft

 Etwa die Hälfte des Kreises ist mit Wald bedeckt (rund 64.000 ha). Die vorherrschende Holzart ist die Kiefer (Föhre). Selten dinden sich Laubholzbestände. Ein großer teil des Waldes ist Staatsforst (rund 11.000 ha). Der andere Teil gehört Gemeinden und Grundbesitzern. Etwa ebenso groß wie die Staatsforst ist die Waldung des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, des größten Grundbesitzers im Kreise.

 Der Wald hat eine große Bedeutung. Da die Kiefer mit dem magersten Sandboden vorlieb nimmt, so wird auch demjenigen Boden ein Ertrag abgerungen, der die Arbeit des Landmannes nicht mehr lohnen würde. Ferner liefert uns der Wald Brennmaterial. Hauptsächlich wird das Holz aber als Bau- und Nutzholz verwertet. Tischler, Zimmerleute, Wagenbauer, Drechsler verbrauchen große mengen. Man baut daraus Schiffe und Eisenbahnwagen, man stellt Telegraphenstangen und Eisenbahnschwellen her, man verfertigt daraus Papier und Zündhölzer, als Grubenholz stützt es die Gänge im Bergwerk. Die Jagd auf die Waldtiere gewährt ein edles Vergnügen und liefert Fleisch und Felle. Den Boden der Kiefernheide überkleiden oft die kleinen Gebüsche der Blau- und Heidelbeeren, der Preißel-, Brom- und Himbeeren. Fast überall finden sich auch Pilze. Durch den Verkauf der gesammelten Beeren und Pilze strömen jährlich viele tausend Mark in den Kreis.

 Der vielfache Nutzen, den der Wald gewährt, fordert auf, ihn zu pflegen. Man schafft den Bäumen rechtzeitig Luft und Licht; gegen Raupenfraß werden Leimringe angebracht, es werden Kulturgärten angelegt, in denen die jungen Bäumchen aus Samen gezogen werden. Sehr nachteilig ist dem Baumwuchs das alljährliche Beseitigen der Nadeln, die als Streu für das Vieh dienen. Da die nadeln durch die Verwesung fruchtbare Humuserde bilden, düngen und verbessern sie den Waldboden.

6.4. Fischerei

 Zwischen den weidenbestandenen Ufern der Oder treiben auf der blanken Stromfläche oft Kähne abwärts; wortkarge Männer tauchen mit langsamen Bewegungen lange Ruder ins Wasser, um den Lauf der Fahrzeuge etwas zu beschleunigen. Im Kahne liegen die Netze aufgehäuft, am Vorderteil steht ein kleiner eiserner Ofen, hinten schleift im Wsser ein durchlöcherter, schiffartiger Fischbehälter nach. Es sind Crossener Fischer, die ihrem beschwerlichen Berufe nachgehen. Ihr Gebiet reicht stromab bis zum Schwarzen Wasser bei Fürstenberg, stromauf bis nach Milzig, Kreis Grünberg. (Laut einer Urkunde aus dem Jahre 1472.) Meist bleiben sie mehrere Tage unterwegs, abends sieht man dann am Ufer ihre lodernden Feuer durch die nacht leuchten. Um aufwärts zu kommen, benutzen sie meist die freundliche Erlaubnis eines Kapitäns und hängen den Kahn an einen Schleppzug. Ihr Heim liegt auf der Amtsfischerei Crossen, die von dem schnellfließenden Fischergraben durchströmt wird. An seinen Ufern liegt Kahn an Kahn angekettet; da erheben sich Gerüste, auf denen Netze trocknen, mancherlei Fischereigerät liegt und steht umher. In der Oder schwimmen große viereckige, durchlöcherte Fischkästen, in denen die zappelnden Wasserbewohner, Karpfen, Hechte, Barsche, Karauschen, Zander, Welse, Aale, Bleie usw. mißvergnügt durcheinanderschwimmen.

 Die Boberfischerei ist nicht unbestrittenes Eigentum des Fischereigewerkes Crossen a.O. Am 1.4.1919 ist das bisherige Laichschonrevier zwischen Deichow und der Weißiger Grenze aufgehoben worden. Früher wurde es vom Staate verpachtet, die Pächter durften dem Flusse nur Raubfische entnehmen. Jetzt geschieht die Verpachtung durch das Fischereigewerk Crossen a.O. Die Stadt Bobersberg stützt sich auf alte Rechte und verpachtet ihre Strecke selbst. Ein gerichtliches Verfahren soll erst Klarheit bringen. Bemerkenswert ist, daß die Lachsforelle eine Bewohnerin des Bobers ist.

 Der Reichtum an Fischen ist durch den stetig steigenden Schiffahrtsverkehr, durch Strombauten und auch durch Fabrikabwässer im Rückgange begriffen.

 In den meisten Seen und Teichen des Kreises wird Fischzucht betreiben. Es werden meist Karpfen, Zander und Aale gezüchtet. Der Fischbestand wird auch durch Einsetzen von Fischbrut ergänzt.

 Die Krebse, die früher in Millionen die fließenden und stehenden Gewässer des Kreises vevölkerten, sind durch eine verheerende Krankheit, die Krebspest, fast ausgerottet worden. Seit dem jahre 1900 gilt die Seuche als erloschen, und man sucht nun die wohlschmeckenden Krustentiere wieder anzusiedeln.

6.5. Gewerbe

 Ursprunglich fertigte der Hausvater mit seinen Hausgenossen, alle Kleidungsstücke und Geräte selbst an. Wie jeder sein eigener Schmied, Tischler, Schuhmacher und Schneider war, so war auch jeder sein eigener Bäcker und Fleischer. Es herrschte Hauswirtschaft, die teilweise heute noch besteht. Einige Männer erwarben sich in der Herstellung von Schwertern besondere Fertigkeiten und beschäftigten sich vorwiegend mit Schmiedearbeit. In Orten, in denen reiche Tonlager waren, nahm die Geschicklichkeit in der Verfertigung von Tonwaren besonders zu, so daß man hier hauptsächlich Töpfereien betrieb. Ähnlich war es mit der Verarbeitung von Flachs zu Leinewand und von Wolle zu Tuch. So bildete sich das Handwerk. Die ersten Arbeiten, die handwerksmäßig betrieben wurden, sind wahrscheinlich die Schmiedekunst, die Töpferei und die Weberei. Im Kreise Crossen blühten durch viele Jahrhunderte besonders die Töpferei, die Tuchmacherei und die Zigelherstellung.

 Mit der Erfindung der Dampfmaschine begann das Zeitalter der Fabrikarbeit, der Industrie. Einige Zweige des Handwerks wurden vernichtet, die Töpferei Sommerfelds und Bobersbergs durch die Massenherstellung von Emaillegeschirr. Andere wieder blieben unberührt vom Siege der Maschine, so die Bäckerei und die Fleischerei. Ein Teil ging zum fabrikmäßigen Großbetrieb über; es entstanden die Tuchindustrie, die Hutfabrikation, die Metall- und die Ziegelindustrie, die Dampfmühlen.

 An erster Stelle steht im Kreise die Tuchindustrie. Es gibt etwa 20 Tuchfabriken, eine in Güntersberg, die übrigen in Sommerfeld. Auch in Crossen hat sich jahrhundertlang die Tuchmacherei geblüht, 1913 ist sie durch das Eingehen der letzten Tuchfabriken endgültig verschwunden. Die Tuchfabriken fertigen aus Schafwolle, Baumwolle und Kunstwolle (hergestellt aus Lumpen und Tuchabfällen) Anzugstoffe und Damentuche. Die Wolle lieferte vor allem Australien, Südamerike und Südafrika, die Baumwolle Nordamerika, Ostindien und Ägypten. Nur ein Teil der verfertigten Waren blieb in Deutschland, ein großer Teil fand Absatz nach dem Ausland, besonders nach Amerika, Indien und China. Sommerfeld hat auch eine Webschule, in der tüchtige Meister ausgebildet werden.

 Sommerfeld besitzt einige bedeutende Hutfabriken, Rohstoffe der Hutindustrie sind Wolle und Haare. Von Bedeutung ist ferner die Maschinenindustrie. In Crossen und Sommerfeld gibt es 8 größere Eisengießereien und Maschinenbauanstalten, in denen landwirtschaftliche Maschinen, Ziegelei-, Spinnerei- und Webereimaschinen, elektrische Apparate und Maschinen usw. hergestellt werden. In Crossen sind auch zwei metallwerke. Über den ganzen kreis verteilt sind eine große Anzahl von Ziegeleien, ferner etwa 75 Getreide- und Sägemühlen. In Deichow-Neubrück am Bober liegt die Plaensche Holzstoff-Papierfabrik. Auch eine Glashütte besitzt der Kreis, die Rädnitzer Glashüttenwerke beim Bahnhof Rädnitz; es werden besonders Flaschen gefertigt. Schließlich gibt es noch einige Buchdruckereien und etwa 13 Bierbrauereien.

 Bisher lieferte zumeist der Dampf den Fabriken die Betriebskraft. Er wird zum Teil durch die Elektrizität verdrängt werden, den elektrischen Strom liefert die Überlandzentrale.

6.6. Handel und Verkehr

 Kein Ort unseres Kreises erzeugt alles, was er bedarf, selbst. Er muß Geräte und Waren von anderen Orten beziehen. Anderseits werden Erzeugnisse ausgeführt, welche die heimat über ihren eigenen Bedarf hinaus hervorbringt. Es wird Handel getreiben.

 Die größten Gütermengen befördert die Eisenbahn. Sechs Eisenbahnstrecken berühren unsern Kreis. Die älteste ist die Niederschlesisch-Märkische Bahn, die Sommerfeld berührt; si wurde im Jahre 1846 eröffnet. Die Märkisch-Posener Bahn, die an Topper vorüberfährt durchschneidet den Kreis auch nur auf einer kuzen Strecke. Im Odertal entlang geht die Märkisch-Posener Zweigbahn; bei Pommerzig überschreitet sie die Oder, bei Alt-Rehfeld den Bober, (Stationen: Thiemendorf, Crossen, Merzwiese). Den nördlichen Teil des Kreises durchschneidet die Bahn Breslau-Stettin. (Stationen: Deutsch-Nettkow, Rädnitz, Beutnitz, Baudach, Pleiskehammer.) Von Sommerfeld aus führt noch die Kleinbahn nach Muskau-Teuplitz. Die 3 Städte des Kreises sind seit neuester Zeit durch die Nebenbahn Crossen-Sommerfeld verbunden. (Stationen: Crossen, Neu-Rehfeld, Braschen, Deichow, BObersberg, Seedorf-Jähnsdorf, Preichow-Wellmitz, Tamnitz, Göhren, Räschen, Sommerfeld.) In den nächsten Jahren will man auch auf der rechten Seite des Bobers eine Bahn bauen (Crossen-Sagan). Auch eine Bahn Baudach-Crossen ist geplant.

 Dem Handel und dem Verkehr kommen ferner die Kunststraßen (Chausseen) und die Landwege zu statten. Seit dem Ausbau des Eisenbahnetzes spielen sie zwar nicht mehr eine so große Rolle wie früher. Ehemals führten schweren Lastkraftwagen die Kaufmannsgüter von Ort zu Ort, Postillione bliesen schmetternd ihre Weisen, ehrsame handwerker wanderten von Meister zu Meister, Hausierer trugen ihre gewichtigen Packen Kleinkram. Darin hat sich heute vieles geändert. Zwei Fahrposten bestehen noch im Kreise, eine von Crossen über Radenickel nach Ziebingen und eine von Deutsch-Nettkow nach Pommerzig. Radfahrer gleiten auf blinkendem Rade die Chaussee entlang, und Automobile erschrecken den Fußwanderer. Der Bau der ältesten Chaussee (Berlin-Crossen-Breslau) begann im Jahre 1803. 1914 hatte der Kreis 134 Kilometer Kunststraßen. Die bedeutendsten sind : Crossen-Frankfurt, Crossen-Fürstenberg, Crossen-Guben mit der Abzweigung nach Bobersberg-Sommerfeld, Crossen-Grünberg, Crossen-Züllichau, Crossen-Beutnitz. Die Chausseen, die von Sommerfeld ausgehen, überschreiten nach wenigen Kilometern die Kreisgrenze. Gegenwärtig wird das Chausseenetz bedeutend verengert.

 Eine wichtige Wasserstraße durchquert den Kreis, die Oder. Es handelt sich bei diesem Schiffahrtswege besonders um den Durchgangsverkehr von Gütern. Die vielen Frachtschiffe befördern hauptsächlich Kohlen, Eisen, Holz, Getreide, Mehl, Zucker, Petroleum, Spiritus, Düngemittel, Tiegel.

 Handel und Verkehr werden unterstützt durch die Post, die Telegraphie und das Fernsprechwesen. Sie dienen dem Austausch von Nachrichten. Der Kreis hat 4 Postämter (Crossen, Sommerfeld, Deutsch-Nettkow, Topper), daneben eine große Zahl von Postagenturen und Posthilfsstellen. Durch den Telegraphen und Fernsprecher sind wir in der Lage, uns in kürzester Zeit mit weit entfernten Wohnenden zu verständigen. In Minuten trägt uns der elektrische Funke Nachrichten zu über Länder und Meere.
(Crossener Kreiskalender 1921)

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