Neumark

Hinweise - LinkNeumark
Hinweise - LinkNeumark nach Bratring
Hinweise - LinkCrossen - Heimatkunde
Hinweise - LinkDas Kirchenspiel Witzen
Hinweise - Linkneumark.pl
Hinweise - LinkFestungsfront Oder-Warthe-Bogen

Landkarten

Hinweise - LinkMesstischblätter
Hinweise - LinkNeumark 1300 - Kreise
Hinweise - LinkNeumark 1485 - Kreise
Hinweise - LinkNeumark 1815 - Kreise
Hinweise - LinkNeumark 1938 - Kreise
Hinweise - LinkLandkarte der Neumark
Hinweise - LinkKreis Arnswalde
Hinweise - LinkKreis Crossen
Hinweise - LinkKreis Friedeberg
Hinweise - LinkKreis Guben
Hinweise - LinkKreis Königsberg
Hinweise - LinkKreis Landsberg (Warthe)
Hinweise - LinkKreis Meseritz
Hinweise - LinkKreis Oststernberg
Hinweise - LinkKreis Schwerin
Hinweise - LinkKreis Soldin
Hinweise - LinkKreis Sorau
Hinweise - LinkKreis Weststernberg
Hinweise - LinkKreis Züllichau-Schwiebus
Hinweise - LinkStadtkreis Frankfurt/Oder
Hinweise - LinkNeumark Umgebungskarten

Städte der Neumark

Hinweise - LinkArnswalde bis 1938
Hinweise - LinkBad Schönfliess bis 1945
Hinweise - LinkBerlinchen bis 1945
Hinweise - LinkBernstein bis 1945
Hinweise - LinkBetsche bis 1945
Hinweise - LinkBlesen bis 1945
Hinweise - LinkBobersberg bis 1945
Hinweise - LinkBomst bis 1945
Hinweise - LinkBrätz bis 1945
Hinweise - LinkBärwalde bis 1945
Hinweise - LinkChristianstadt bis 1945
Hinweise - LinkCrossen bis 1945
Hinweise - LinkDramburg bis 1945
Hinweise - LinkDriesen bis 1938
Hinweise - LinkDrossen bis 1945
Hinweise - LinkForst bis 1945
Hinweise - LinkFrankfurt/Oder bis 1945
Hinweise - LinkFriedeberg bis 1938
Hinweise - LinkFürstenfelde bis 1945
Hinweise - LinkGassen bis 1945
Hinweise - LinkGuben bis 1945
Hinweise - LinkGöritz/Oder bis 1945
Hinweise - LinkKallies bis 1938
Hinweise - LinkKönigsberg i.d.N. bis 1945
Hinweise - LinkKönigswalde bis 1945
Hinweise - LinkKüstrin bis 1945
Hinweise - LinkLagow bis 1945
Hinweise - LinkLandsberg/W. bis 1945
Hinweise - LinkLiebenau bis 1945
Hinweise - LinkLippehne bis 1945
Hinweise - LinkMeseritz bis 1945
Hinweise - LinkMohrin bis 1945
Hinweise - LinkNeudamm bis 1945
Hinweise - LinkNeuwedell bis 1938
Hinweise - LinkPförten bis 1945
Hinweise - LinkReetz bis 1938
Hinweise - LinkReppen bis 1945
Hinweise - LinkSchwerin/Warthe bis 1945
Hinweise - LinkSchwiebus bis 1945
Hinweise - LinkSoldin bis 1945
Hinweise - LinkSommerfeld bis 1945
Hinweise - LinkSonnenburg bis 1945
Hinweise - LinkSorau/Lausitz bis 1945
Hinweise - LinkSternberg bis 1945
Hinweise - LinkTirschtiegel bis 1945
Hinweise - LinkTriebel bis 1945
Hinweise - LinkUnruhstadt bis 1945
Hinweise - LinkVietz bis 1945
Hinweise - LinkWoldenberg bis 1938
Hinweise - LinkZehden/Oder bis 1945
Hinweise - LinkZielenzig bis 1945
Hinweise - LinkZüllichau bis 1945

Kurze Heimatkunde des Kreises Crossen (Oder)

8. Geschichte des Kreises Crossen (Oder)

Die Wendenzeit

 In den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung und während der Völkerwanderung zogen viele germanische Stämme nach Süden und Westen. Ihr Gebiet nahmen nach und nach slawische Völker ein, die langsam von Osten her bis über die Elbe drangen. Unsere Gegend wurde wahrscheinlich von dem Stamm der Liutizen besetzt. Es waren blauäugige, blondhaarige kräftige Gestalten, den Deutschen im Aussehen, in den Eigenschaften und im Glauben sehr ähnlich. Sie waren ehrenhaft und treu gegen Freunde, hinterlistig und grausam gegen Feinde, gastfrei und tapfer. Neben den Hauptgöttern Belbog (dem weißen, guten Gott) verehrten sie in heiligen Hainen auch Götter der Deutschen. Vielleicht liegt das daran, daß nicht alle Germanen, nur die Kühnen, Unternehmungslistigen abzogen, während die Vorsichtigen, Bedächtigen blieben und sich mit den Wenden vermischten. Ihre Dörfer bauten sie wegen der Fischerei gern am Wasser auf und nannten sie nach dem Baume, der in der Nähe am zahlreichsten vorkam (lipa - Linda, grab - Rotbuche, brasa - Birke, dub - Eiche, trunn - Schwarzdorn). Sie rodeten die Wälder, pflügten den Boden und säten ihn mit Korn, Gerste, Hafer, Flachs, Erbsen, pflanzten Obstbäume, schnitzten aus Holz Geräte und Götterbilder, brannten aus Lehm und Ton Ziegel und Töpfe. Die Kinder mußten Schafe hüten, deren Wolle zu Tuch und Decken verarbeitet wurde. Die Toten verbrannte man, die Asche vergrub man in tönernen Näpfen. Die wendischen Urnen sind meist grob gearbeitet, der Ton zeigt schwarz-graue Farbe und ist mit Steinchen untermischt.

 Die wendischen Namen der meisten Ortschaften unseres Kreises verraten, daß sie in dieser Zeit gegründet wurden. Ein Teil mag schon dagewesen sein und erhielt nur eine neue Benennung. Man leitet Crossen von dem wendischen Worte crosna - Webrahmen ab. Danach hätte die Stadt ihren Namen nach ihrer Lage erhalten; sie ist vom Wasser und von Bergen gleichsam eingerahmt. Man erklärt Crossen auch so: c - an, ross - Fluß, also "an dem Flusse". Auch Bobersberg, dessen Name deutlich klingt, ist wahrscheinlich wendischen Ursprungs. Nur wenige Jahrhunderte bleiben die Eindringlinge im ungestörten Besitze des Landes.

Die Eroberung unserer Heimat für Christentum und Deutschtum

 Dem Vorstoß der Wenden nach Westen folgte ein Gegenstoß der Deutschen nach Osten. An den Ufern der Elbe, wo die Völker zuerst zusammenprallten, tobte seit etwa 900 ein heftiger Kampf. Die Deutschen, die unterdessen ihre alten Heidengötter verlassen hatten und Christen geworden waren, sandten ihre Prediger und Mönche nach Osten, um die Wenden zu bekehren. Gleichzeitig zogen deutsche Bauern und Ritter über den Elbstrom, sich neue Wohnsitze zu erkämpfen. Die Wenden verteidigten ihre alten Götter und ihre neue Heimat in erbitterten, blutigen Kämpfen, unterlagen aber schließlich dem unaufhörlichen Ansturme der Deutschen.

 Viel friedlicher ging es an der Oder zu. In unsere Gegend kamen die Mönche ohne Furcht und predigten das Christentum ohne große Gefahr; denn die Polenkönige aus dem Hause der Piasten, zu deren Reich unsere Heimat damals gehörte, empfingen die Sendboten mit herzlichem Willkommen. 967 wurden auf besonderen Befehl des Piasten Miesko alle Götzenbilder in Crossen und der Umgebung zertrümmert und ins Wasser geworfen. Während die Fürsten dem Christentum zugeneigt waren, hing das wendische Volk zähe am alten Glauben.

 Um in geduldiger Arbeit die Herzen für den Heiland zu gewinnen, kamen die Prämonstratensermönche ins Land. Sie erbauten 1202 an der Oder neben dem Polnischen Ort Ossechnice ein Dorf, das sie Guntersberc nannten. Auf dem gegenüberliegenden Ufer gründeten sie Mönchsdorf (Münchsdorf), früher Zarbie. Sie erwarben Teile von Messowe (Messow). 1259 kauften sie Skonvelde (Schönfeld), später für 84 Mark Pollenczko (Pollenzig). Neuendorf (Nonnendorf) früher Zarnowo, das 1223 erwähnt wird, gehörte den Nonnen in Trebnitz. Bei Liebthal besaßen die Liegnitzer Nonnen Grundstücke. In Bobersbergm das früher in seinem Siegel einen Bischof mit Hut und Stab führte, stand wohl auch ein Kloster, wenn sich auch keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten haben. Zu einer kleinen Anhöhe, die heute noch Klosterberg heißt, führt eine Gasse, Klosterstraße genannt. Hier fand man im Erdboden ausgedehntes Mauerwerk, große Keller, lange Gänge. das alles scheint zu beweisen, daß hier eine Niederlassung der Mönche bestanden hat. Die Überlieferung berichtet außerdem, daß zwischen dem Kloster und dem dazugehörigen Vorwerk ein Knüppeldamm über die Sumpfwiesen führte.

 Auf der Fischerei in Crossen stand ein Franziskanerkloster, auf dem Neumarkt, nach dem die Münchenstraße (Mönchenstraße) führt, hatten die Dominikanerbettelmönche eine Niederlassung. Nach den Prämonstratensern kamen in weißen Kleidern mit schwarzem Überwurf die fleißigen Zisterziensermönche. Sie gingen in die unwirtlichsten Gebiete, in Sümpfe, in die dichtesten Wälder. Während die Wenden bis dahin nur den Fischreichtum und die Schiffbarkeit der Gewässer schätzen, zeigten die klugen Zisterziensermönche ihnen durch Anlage von Wassermühlen, welchen Wert die Kraft des fließenden Wassers habe. Ein Zisterzienserkloster stand in Güntersberg an der Stelle der Tuchfabrik.

 Die Mönche, die Sendboten des Christentums, hatten allmählich unsere Heimat gleichsam mit einem Netze überspannt, dessen Knotenpunkte die Klöster waren. Ihnen haben wir viel zu danken. Sie brachten nicht nur die edlen Lehren des Evangeliums, ihre Besitzungen waren für die Umgebung Musterwirtschaften in Acker- und Gartenbau. Sie führten bessere Obstarten (z.B. den Borsdorfer Apfel) ein, die die Knödelbirnen und sauren Holzäpfel langsam verdrängten. In rastlosem Fleiße lichteten sie die Wälder, beackerten den Boden und legten neue Siedlungen an.

 Bald folgte dem Christentum das Deutschtum. Friedrich Barbarossa zwang 1163 den Piasten Boleslaw IV. von Polen, seinen drei Neffen ihr Erbe Schlesien herauszugeben. Das Gebiet des heutigen Kreises Crossen gehörte zu dem nördlichen der drei schlesischen Piastenreiche, bei dem es bis 1476 verblieb. Die neuen Herrscher riefen in ihr dünn besiedeltes Land viele Bauern aus Westdeutschland. Der Schutz der Piasten machte es den Deutschen leicht, im Wendenlande festen Fuß zu fassen. Der Ansiedler führte nicht das blanke Schwert in der Faust, er kam mit dem Spaten auf der Schulter, mit Axt und Rodehacke in der Hand. Daß es zwischen den Eingewanderten und den Ansässigen manche Reiberei, manchen Streit gab, ist klar, aber im Ganzen ging es ruhig her. Während an den Ufern der Elbe die Deutschen die Wenden als Feinde behandelten, sie fast ausrotteten, waren an der Oder beide Völker gleichberechtigt. Man schlug sich hier nicht wegen des Glaubens und der Abstammung die Köpfe blutig, sondern höchstens wegen persönlicher Meinungsverschiedenheiten. Wie gut sich beide Völker vertrugen, kann man daraus ersehen, daß in Bobersberg bis ins 17. jahrhundert noch wendisch gepredigt wurde, daß in Sommerfeld eine wendische Kapelle stand, die erst 1583 eingerissen wurde, da sie einzustürzen drohte. Die deutschen Einwanderer gründeten neben alten wendischen Orten neue deutsche (Deutsch- und Wendisch Sagar, Deutsch- und Polnisch-Nettkow, Wendisch-Wellmitz). In der Piastenzeit entstanden auch Rusdorf (Rudolsdorf), Merzdorf (Martinsdorf), Gersdorf (Gerhardsdorf), Hundebelle, Rehfeld.

 Wenden und Deutsche, die sich zwar friedlich, aber doch anfangs mißtrauisch und fremd gegenüberstanden, kamen einander im Laufe der Jahrhunderte näher, besonders durch gemeinsam erlittenes Unglück, und so verschmolzen beide Völker zu einem Mischvolk, in dem das deutsche Wesen die Oberhand behalten hat.

 Drei Orte unseres Kreises entwickelten sich in der Piastenzeit zu Städten. Am frühsten wird Crossen erwähnt. Es war anfangs wohl ein Fischerdörfchen, das vermutlich hart an der Bobermündung lag. Die Polen verschanzten den Oderübergang bei Crossen und erbauten dabei eine feste Burg, die 1005 von dem deutschen Kaiser Heinrich II. vergebens berannt wurde. Der tapfere Polenkönig Boleslaw I. siegte. Mit dieser Begebenheit, die ein Merseburger Bischof aufzeichnete, tritt unsere Kreisstadt zum ersten Male ins Licht der Geschichte. Die Piasten umgaben Crossen mit starken Mauern. Wann es Stadtrecht erhielt, ist ungewiß, vermutlich im 13. Jahrhundert.

 Sommerfeld, früher Summirveld, war vielleicht ursprünglich ein wendisch-polnischer Ort; es ist möglich, daß der jetzige Name eine Übersetzung der früheren Benennung ist. 1106 gehört das Gebiet von Sommerfeld zur Mark Niederlausitz, die 1135 an die Markgrafen von Meißen kam, bei denen sie bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts blieb. In einer alten Beschreibung des Weinbaus der Mark Brandenburg wird erwähnt, daß 1154 in den Städten Sommerfeld, Crossen und Guben Weinberge angelegt wurden. Das älteste Schriftstück über Sommerfeld, das sich erhalten hat, stammt aus dem Jahre 1283. Aus der Urkunde geht hervor, daß die Stadt schon damals ein gewerbtätiger, mit Befestigungen und Toren versehener Ort war. Man nimmt an, daß Sommerfeld seit 1210 eine Stadt ist, als Gründer gilt Dietrich von Meißen. Die Burg, die den Mittelpunkt der ersten deutschen Ansiedlung bildete, stand wahrscheinlich an der Stelle, wo heute das Schloß steht.

 Nachrichten über die älteste Geschichte Bobersberg, früher Bobersdorf genannt, fehlen leider. 1413 wird es als Eigentum eines Herrn Hans von Landsberg genannt. Der Piast Heinrich X. kaufte Schloß Bobersberg und Zubehör von Otto von Landsberg, der dafür 11.000 böhmische Groschen und die Dörfer Neu-Rehfeld und Martinsdorf (Merzdorf) erhielt.

 Während der Piastenzeit brachte der Markgraf Waldemar von Brandenburg (1308-1319) aus dem Hause der Askanier das Herzogtum Crossen auf kurze Zeit in seinen Besitz, die wenigen Jahre, die unsere Heimat vor der Hohenzollernherrschaft brandenburgisch war, bedeuten für sie eine goldene Zeit; denn Waldemar, ein kühner, kluger, tapferer Fürst, befreite mit kraftvoller Hand das Land von Räubern und verschaffte dem Kaufmann sichere Straßen. Er bestätigte 1318 den Bund, den Crossen, Sommerfeld, Sagan, Guben und Triebel zur gemeinsamen Verfolgung von Verbrechern geschlossen hatte. Crossen und Sommerfeld wurden durch Waldemar besser befestigt. Mitten in seinen Kämpfen um Macht und Recht riß ihn der Tod nieder. Da er kinderlos starb, fiel das Herzogtum Crossen an die Piasten zurück.
Als 150 Jahre später das Herzogtum Crossen endgültig an Brandenburg fiel, begrüßte ein deutsches, christliches Volk die Hohenzollern.

Die Erwerbung des Herzogtums Crossen durch Brandenburg

 Heinrich XI., der letzte niederschlesische Piast, der über Crossen herrschte, hatte sich 1472 mit Barbara, der achtjährigen Tochter des Hohenzollern Albrecht Achilles vermählt. Durch Vertrag wurde ihr und ihren nächsten Erben aller Besitz des Gemahls verschrieben. 1473 huldigten ihr Crossen und Bobersberg. Im Jahre 1476 war sie schon eine Witwe, aber um die Erbschaft entbrannte ein heftiger Streit. Von den drei Gegnern Barbaras war Hans von Sagan der gefährlichste und ungestümste. Im Bunde mit dem Ungarnkönig Matthias und dem deutschen Ritterorden zog er 1476 heran und eroberte unter andern die Städte Züllichau und Sommerfeld. Am 14. Dezember erschien er vor Crossen und prahlte, in drei Tagen wollte er mit seinem siegreichen Heere auf dem Markplatze stehen. Aber die Crossener Bürger standen aufmerksam auf den Mauern und Türmen und sandten aus Armbrüsten einen Hagel eisenspitziger Pfeile in die Haufen der Saganer und stießen mit eisernen Haken die Sturmleitern, auf denen die Feinde über die Stadtmauer klettern wollten, um, so daß die Heraufsteigenden krachend auf den Boden schlugen. Auch machten sie kühne Ausfälle, indem sie, durch eisengeschmiedete Helme und Panzer geschützt, durch die Tore herausgestürzt kamen und viele Belagerer töteten. Dafür brannte Hans alle Vorstädte nieder und ließ die ganze Umgebung ausrauben. Als er abziehen mußte, sang man ihm spottend nach:

"Herzog Hans, ohn' Lüt' und Land,
Hat sich vor Crossen das Maul verbrannt."

 Im nächsten Jahre bestürmte er wiederum Crossen ohne Erfolg und wütete in der Umgebung. Sehr schwer traf er die Stadt, als er zum dritten Male vor ihr erschien. Sieben Tage stürmte er ohne Unterlaß, aber die Bürger waren auf ihrer Hut und wiesen ihn ab. Da verbrannte er sie Oderbrücke und ließ die Weinstöcke, die damals nicht nur die Abhänge, sondern auch die oberen Flächen der Berge bedeckten, abhauen. Doch der Lohn für den Frevel blieb nicht aus. Der kriegskundige Albrecht Achilles hatte ein Heer gesammelt und rückte heran. Hans versuchte zu entkommen, wurde aber bei Gersdorf und Plau eingeholt und erlitt bei Schlesisch-Drehnow eine furchtbare Niederlage. Sein Heer wurde zersprengt, die Mehrzahl der Truppen getötet. Kaum rettete sich der Herzog selber. Noch lange Zeit danach pflügte man auf dem Schlachtfelde Panzer und Waffen, Menschen- und Pferdeknochen aus der Erde.

 Trotzt dieses Denkzettels fiel Hans im nächsten Jahre mit ungarischen Kriegsvölkern mordend und plündernd in die Mark ein. Erst der Friede zu Camenz am 16. September 1482 machte den Kämpfen ein Ende. Barbara erhielt Crossen, Bobersberg, Sommerfeld und Züllichau. So kam das Herzogtum Crossen unter die Herrschaft der Hohenzollern.

Die Reformation im Kreise Crossen

 Im Jahre 1504 erschien der Dominikanermönch Tetzel in Sommerfeld und malte an die Kirchen, vor denen er seinen Ablaß verkaufte, rote Kreuze. Gewöhnlich richtete er auf dem Markte ein rotangestrichenes Kreuz auf und stellte zwei eisenbeschlagene Kasten davor auf. In dem einen waren die Ablaßbriefe, in den anderen kam das Geld. Um den Leuten die Höllenglut vor Augen zu führen, zündete er mitunter ein loderndes Feuer dabei an. Dann schrie Tetzel mit seinen Gehilfen unaufhörlich:

 "Leget ein! Leget ein! Solche Gnade ist seit Christi Leiden nicht auf Erden gewesen. - Mein rotes Kreuz mit des Papstes Wappen ist ebenso kräftig wie Christi Kreuz. Ich mag im Himmel nicht mit Petrus tauschen, denn ich habe mit meinem Ablaß mehr Seelen erlöset, als Petrus mit seinem Evangelium. - Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt! - Warum, o Mensch vergießest du Tränen? Warum beichtest du nicht vor dem Stellvertreter des Herrn? - Du Priester, du Edelmann, du Jüngling, du Jungfrau, hörst du nicht deine Verwandten, deine Eltern im Fegefeuer schreien? Du kannst sie durch eine Kleinigkeit erlösen und du bist so grausam, daß du es nicht tust? - Ihr könnt jetzt Ablaßbriefe für euch erhalten zur Vergebung eurer Sünden im Leben und im Tode; eure Äcker, eure Bäume, eure Weinberge, eure Haustiere könnt ihr fruchtbar machen und ihr tust nicht? Ihr kommt nicht?"

 Der schlaue Betrüger aber lachte höhnisch über die, die mit zitternder Seele ihr mühsam erspartes Gut herbeitrugen. Zu einem Priester sprach er: "Die Welt will betrogen sein, also werde sie betrogen. Ich getraue mir, wenn es nötig wäre, die Leute dahin zu bringen, daß sie öffentlich Heu treffen wie die Ochsen!"

 Nach diesen Proben ist es begreiflich, daß sich in Sommerfeld ein kräftiger Widerstand gegen das schamlose Treiben des Ablaßverkäufers und gegen die katholische Kirche bemerkbar machte. Schon 1521 macht sich das Eindringen der Reformation fühlbar. 1524 schrieb der katholische Prediger zu Sommerfeld dem Kurfürsten Joachim I., daß die Priester hier verhungern oder wegziehen müßten, wenn die lutherische Lehre nicht unterdrückt würde. 1525 klagte der Bischof von Meißen dem Kurfürsten, daß sich in Sommerfeld Irrlehrer, verlaufenen Mönche, eingeschlichen hätten, die das Volk verführen. 1526 befahl Erzbischof Albrecht dem Rat zu Sommerfeld, die Lutherischen als Ketzer zu verjagen. Viele Bürger gingen fleißig nach Sorau zur Kirche, denn dort war die Reformation schon 1528 eingeführt.

 1525 lassen sich in Crossen evangelische Prediger hören, werden aber bald aus der Stadt vertrieben, da die Strenge Joachims I. jede Regung eines evangelischen Geistes niederzuzwingen suchte. Seit dem Regierungsantritt des sparsamen, treusorgenden Markgrafen Hans von Küstrin, der 1537 zur evangelischen Kirche übertrat, atmete man auf. 1538 wurde die Reformation in Crossen und Sommerfeld durchgeführt. Die Crossener sandten im Jahre 1545 an Luther aus Dankbarkeit ein Viertel Wein mit Abschrift eines Liedes, das man in Crossen am Sonntag Lätare 1535 beim Gottesdienst gesungen hatte. Es erinnert in der Frische und Kraft des Ausdrucks an Luthers Lieder.

Der Crossener Kreis im Dreißigjährigen Kriege

 Die Geschichte unserer Heimat in der Zeit von 1626-1644 ist voller Brand und Blut und Tränen. Der Große Krieg, der verderblichste und furchtbarste, der je auf deutscher Erde geführt wurde, goß gerade über den Kreis Crossen die volle Schale seiner Leiden aus.
Nach der Schlacht bei Prag 1620 kamen die Trümmer des geschlagenen böhmischen Heeres durch Crossen; ihnen folgte bei großer Kälte still und demütigt mit ihrem Säugling die einst so hochfahrende Gemahlin des entthronten "Winterkönigs" Friedrich.

 1626 jagte der Graf Mansfeld mit seinen Söldnerscharen durch unseren Kreis; er verbrannte die Crossener Oderbrücke, um seinen Verfolger Wallenstein aufzuhalten. Die Kaiserlichen, in deren Händen die Stadt bis 1631 blieb, erpreßten in Crossen und den umliegenden Dörfern Tausende von Talern, raubten und plünderten, so daß mancher Bürger bei Nacht und Nebel floh; um nur sein nacktes Leben zu retten; denn wehe denen, die sich widersetzten. Ihnen gossen sie Wasser, in den hals, bis sie erstickten, sie schraubten ihnen die Daumen zusammen, bis das Blut unter den Nägeln hervorspritzte. Einen Bauer in Nusdorf, der sich seine Schweine nicht wegnehmen lassen wollte, steckten sie in den Backofen und zündeten Strohfeuer an.

 Ein Regiment folgte dem anderen, eins immer habsüchtiger und gewalttätiger als das andere! Nicht nur Geld, auch Gegenstände aus Gold, Silber. Messing, Kupfer, Zinn, sowie Kleider, Betten, Fenster, Türen, Speck, Fleisch - alles wurde gestohlen und wagenweise mitgenommen. Und was half's, daß diese Plagegeister 1630 von dannen zogen; denn ihre Nachfolger trieben es nicht besser.

 Dann besetzten 200 Mann schwedisches Fußvolk und 60 Reiter die Stadt Crossen und verteidigten sie im Bunde mit der Bürgerschaft gegen 6.000 Kaiserliche, die das Hospital und alle Häuser vor dem Glogauer Tor verbrannten. Zu allen Nöten des Krieges und der Pest kam 1631 noch eine Feuerbrunst, die, durch Nachlässigkeit der Schweden entstanden, 462 Häuser nebst der Marienkirche, in Schutt und Asche legte. Die Schweden brachten erst ihre Munition in Sicherheit und raubten dann, statt zu löschen. Die Handvoll Schweden schlug noch einmal einen Ansturm von 4.000 Kaiserlichen blutig zurück. Als sie kurz darauf dennoch weichen mußten, erpreßten sie noch 8.550 Taler. Die Kaiserlichen nahmen die Stadt ein und raubten sie aus. Um die Stadt besser verteidigen zu können, brannte der Kommandant die St. Andreaskirche, einen Teil des Dorfes Berg und die Fischereikirche ab, so daß Crossen nun statt 4 Kirchen keine mehr hatte.

 Durch den Frieden von Prag 1635 hörte das Bündnis zwischen Schweden und Brandenburg auf. Als die Schweden nun die Stadt besetzten, kamen sie als Gegner und mißhandelten die Einwohner auf das entsetzlichste. Es ist kaum zu glauben, daß es der Stadt gelang, die unter den schlimmsten Drohungen geforderten 5.000 Taler Verpflegungsgelder aufzubringen. Die Stadt wurde in eine Festung umgewandelt, wobei die Bürger die Arbeiten an den Verschanzungen ausführen und noch dazu den Soldaten Speisen und Löhnung geben mußten. Durch besonderen Wall und Graben gesichert, bildete das Schloß den festesten Punkt des Verteidigungsringes. Als Außenwerk wird die "Schwedenschanze", ein wohl natürlich entstandener Erdwall an der Gubener Chaussee, erwähnt. Über die Oderbrücke zogen dann zahlreiche Truppen unter Baner, Wrangel, Königsmark. Erst im Jahre 1644 übernahm der Große Kurfürst die Stadt, einen Haufen elender Häuser mit scheuen, verarmten, zum Teil liederlichen und Lasterhaften Menschen; denn die übergroßen Drangsale hatten die Gemüter verroht.

 Sommerfeld wurde erst 1626 in den Wirbel der Kriegsleiden hineingezogen. Graf Mansfeld nahm mit seinen Raubscharen in der Gegend auf vier Wochen Standquartier. Die wilden Kriegsbanden fütterten ihre Pferde mit dem grünen Getreide und erpreßten von Sommerfeld, Schwiebus und Züllichau Tuch. Als Wallenstein über Cottbus und Guben heranrückte, floh Mansfeld mit seinen 20.000 Mann und seinen 33 Geschützen über Schlesien nach Ungarn. Die Kaiserlichen besetzten Crossen, Sommerfeld und die umliegenden Ortschaften und bedrückten das ausgesogene Land, bis die Pest sie vertrieb. 1627 blieb Wallenstein in Sommerfeld über Nacht. Einige Kompanien des Fahrenbachschen Regiments plünderten die Stadt danach rein aus. Das war die erste von 21 Plünderungen, die die Stadt in dem furchtbaren Kriege erdulden mußte. Als Wallenstein 1628 mit einem Gefolge von Fürsten, Grafen und Rittern einen Tag in Sommerfeld verweilte, verursachte er der Stadt mehr als 600 Taler Unkosten. Eine Einquartierung folgte der anderen, die Truppen mußten von den Wirten verpflegt, gekleidet und besoldet werden. Jeder Offizier verlangte täglich mindestens 3 Gerichte. Kirche, Schule, Rathaus, alle Wirtshäuser wurden ausgeraubt gepeinigt, die Männer gemartert und gemordet, die Viehherden weggetrieben. Als die Kompanie Brandenburger, die 1632 Sommerfeld gegen Kroaten zu verteidigen suchte, nach Süden abzog, folgte ihr fast die ganze Einwohnerschaft, die Tore blieben offen, die Häuser leer. Die Kroaten durchsuchten alles und nahmen die großen Kirchenleuchter aus Messing mit. Den zurückgekehrten Brandenburgern gelang es, einen Sturm von 2.500 Kroaten durch das wirksame Feuer der auf dem Kirchturme und dem Schlosse aufgestellten kleinen Geschütze ("zwei Falkonettlein und Doppelhacken") zurückzuschlagen. Bald bekamen die Kaiserlichen die Oberhand, bald wieder die Schweden, immer aber mußten die unglückliche Stadt die Rechnung bezahlen. In Raubgier und Grausamkeit waren sich alle gleich, die brandenburgischen Soldaten mit einbegriffen. Die Kroaten, die 1634 die Stadt besetzten, zündeten Häuser an, um sich zu wärmen, und rissen das Holzwerk aus der Kirche, um damit die Wachtfeuer, die auf dem Kirchhofe brannten, zu speisen. 1635 fielen 1.500 Mann sächsische Kriegsvölker in die Stadt ein und plünderten sie nebst den Vorstädten Schönfeld und Hinkau, trotzdem Brandenburger und Sachsen verbündet waren. 1641 lagerte die ganze kaiserliche Armee, 24 Regimenter, in und um Sommerfeld, verbrannte Häuser, Bäume, Zäune und vernichtete Wälder und Weinberge. Die Dörfer waren oft nur Schutthaufen, über die sich die dicken, rauchgeschwärzten Schonsteine erhoben. 12 Regimenter Kaiserliche folgten, dann 200 Schweden, die 1.000 Stück Vieh wegtrieben. Im Sommer 1642 hielt sich die schwedische Armee zwischen Crossen, Guben und Sommerfeld auf. Ihr folgten wieder kaiserliche Truppen und umgekehrt. Die Sommerfelder Bäckerinnung meldet in ihren Aufzeichnungen, daß die Festmahlzeit 1631 nur aus Hering und Branntwein bestand; denn die Stadt war durch die fortwährenden Plünderungen an den Rand des Verderbens gebracht worden. In 8 Jahren zahlten die Sommerfelder 41.000 Taler Kriegsgelder.

 Noch schlimmer als in den Städten sah es auf den Dörfern aus. Viele Einwohner wurden zu Tode gemartert, andere, die die Trümmer ihres Glückes und Wohlstandes nicht mehr ansehen konnten, schlossen sich in grimmiger Verzweiflung den Soldaten an. Manche Dörfer nördlich der Oder standen leer, da alle Bauern nach Polen entflohen waren. Von Zettitz wird das besonders berichtet. Kurtschow hatte eine Zeitlang nur 4 Einwohner. Von Pollenzig berichtet die Überlieferung, daß eine Großmutter ihre Enkelkinder im Frühjahr auf die Wiese schickte, damit sie dort Sauerampferblätter aßen, weiter konnte sie ihnen nichts bieten. Man schabte im Frühjahr das Mark aus den Krautstrünken, um den nagenden Hunger zu stillen. Das Innere der Kirche in Schönfeld wurde fast völlig verwüstet, die Einrichtung hinausgeworfen, der Turm, "Klageturm" genannt, schwer beschädigt. Die verrohte Soldestka scheint die Kirche als Pferdestall benutzt zu haben. Das Dorf Dubrauke bei Sommerfeld wurde vom Erdboden weggefegt.

 So verstehen wir, wie ein Offizier schreiben konnte: In diesem Lande konnten sich weder Hund noch Katze, geschweige denn Menschen und Vieh aufhalten und ernähren.

Große Brände

 Wer die Nachrichten aus alter Zeit durchblättert, erschrickt über die Häufigkeit großer Brände. Nicht einzelne Gebäude fallen den Flammen zum Opfer, meist sind es ganze Dörfer, ganze Stadtteile, oft genug ganze Städte. Schuld daran sei der Mangel an guten Löschvorrichtungen, am meisten aber die Bauart. Die Wände waren Holzfachwerk, vielfach ohne Putz, die Dächer bestanden aus Stroh oder Holzschindeln. In der trockenen Jahreszeit genügte ein verwehter Funke, um unabsehbares Unheil anzurichten.

 Jedes Dorf hat sein besonderes Leidenskapitel der Feuerbrünste, es ist aber nicht möglich, hier ausführlich davon zu berichten. Nur einige größere Stadtfeuer sollen erwähnt werden.

 Ein Bobersberger Prediger schreibt:"1613 ist das ganze Städtlein samt Kirche und Turm, welcher letztere, vermutlich in Folge dieser und andere Feuerbrünste an drei Seiten, fast von unten bis oben geborsten, verankert werden mußte, abgebrannt. 1648 ist das halbe Städtlein abgebrannt, auch das Pfarrhaus, das 1649 noch nicht aufgebaut war. Anno 1712, Festo Trinitatis, schlug der Blitz des Morgens 7 Uhr, als zum andern male zur Kirche geläutet werden sollte, in eine Scheune, und weil sie alle beieinander standen, brannten wohl 18 weg. 1717, den 12. August, brannte ein großer Teil der Stadt nebst Kirche, Pfarr- und Schulhaus ab."
Wieviel Leid und Elend diese kurzen Anmerkungen verbergen, kann man kaum ermessen!

 Sommerfeld hat auch eine Reihe von Feuerbrünsten erdulden müssen, am schlimmsten wurde es am 13.Juli 1496 mitgenommen, die ganze Stadt nebst Kirche und Rathaus brannten nieder. Diese beiden Gebäude nebst 93 Häusern blieben bei dem nächsten größeren Brandunglück 1597 erhalten, alles andere lag wiederum in Asche. 1635 wurde innerhalb zwei Stunden 38 Häuser ein Raub der Flammen. Am 18. August 1790 wurden 20 Wohnhäuser, darunter 5 Töpferöfen, und 18 Scheunen und Stallgebäude in Asche gelegt. Die Nacht des 10. Juni 1833 war für die Vorstadt Hinkau eine wahre Schreckensnacht. Ein Schadensfeuer vernichtete in 1,5 Stunden 30 Wohngebäude nebst Stallungen und 60 Scheunen.

 Das große Feuer vom 25. April 1708 zerstörte die Stadt Crossen völlig, nur das abseits gelegene Schloß wurde mit den größten Anstrengungen gerettet, trotzdem die Schloßbrücke schon brannte. Da der Brand durch seine Folgen historische Bedeutung erlangte, soll darauf näher eingegangen werden.

 Nach der letzten Feuerbrunst 1631 war Crossen wieder aufgeblüht. man ging sogar daran, die Marienkirche zu erweitern und zu vergrößern, aber da die Baumeister Fehler über Fehler machten, kam der bau nicht recht von der Stelle. Innerhalb der Umfassungsmauern, die das hölzerne Baugerüst umgab, wurde Gottesdienst abgehalten. Am 25. April 1708 waren viele Crossener nicht anwesend, viele zur Leipziger Messe, noch mehr aber zu den Jahrmärkten nach Bobersberg und Rothenburg gereist. Die Fischer waren auswärts tätig. Um 1 Uhr nachts brach auf dem "Damm" (heute Dammstraße) das Feuer aus, wurde aber anfangs wenig beachtet. Man schaute gemütlich zu, schrie wohl nach Spritzen und Eimern, regte aber weder Hand noch Fuß. Ehe man sich's versah, brannte schon der Damm, Sichdichfür und Fischerei. Einige Uferhäuschen konnten gerettet werden, sie waren die einzigen Häuser der Stadt, die stehen blieben.

 Um wenigsten die ummauerte innere Stadt zu retten, schaffte man die große Spritze herbei, fuhr sie aber in der Verwirrung in einen Morast, aus dem sie mit großer Anstrengung herausgezerrt wurde. Sie versagte schließlich den Dienst, weil sie mit Schmutzwasser gefüllt war. Ein Teil der Stadtbewohner war auf die Berge geflüchtet und sah dem Flammenschauspiel zu. Als das Feuer nun die innere Stadt, den Markt, das Baugerüst der Kirche, schule, Glogauerstraße, Neumarkt usw. in Flammen setzte, flüchtete der übrige Teil der Bevölkerung durchs Glogauer Tor (an der Elisenbrücke), um nicht durch den Einsturz des Tores in den Flammenring eingeschlossen zu werden. Es war, als ob es Flammen regnete, in 5 bis 6 Stunden lag die ganze Stadt in Asche, meilenweit leuchtete die Röte am Himmel. Zu dem vernichtenden Feuer gesellte sich ein entsetzlicher Sturm, selbst Menschen und Tiere in die Höhe hob. Ein Klavier sog er turmhoch in die Luft.

 Der nächste Tag zeigte den Abgebrannten einen kläglichen Anblick! Überall rauchende, glimmende Trümmer, geschwärzte Wände, geborstene Giebel, die nach und nach einstürzten. Die Stadt war so rein ausgebrannt, daß man kaum so viel Holz hätte finden können, um sich ein Gericht Fische zu kochen. Viele hatten ihre beste Habe in die Keller gerettet und sahen nun mit Schrecken, daß auch dahin das Feuer gekommen war. Ein Verlust an Menschenleben war nicht zu beklagen, am Tage nach dem Brande erschlug ein fallender Giebel drei Eichberger Bauern.

 Auf dem Markte, zwischen den Schutthaufen, wurde Gottesdienst abgehalten, zu dem eine mit dem Hammer geschlagene Glocke rief. Viele der Erschienenen hatten weder Hüte noch Schuhe, die wenigsten Mäntel oder Sonntagskleider, und alle sahen aus wie berauchte, ausgebrannte Stöcke oder halbe Leichen.

 König Friedrich I., dem das große Unglück berichtet worden war, versprach den Crossenern seine Hilfe. Damals lag die Regierung des Königreiches in den Händen des Ministers Wartenberg und seiner Freunde Wittgenstein und Wartensleben. Weil sie durch Verschwendung das Land in Schulden stürzten und das Volk durch harte Steuern bedrückten, nannte man sie "das dreifache Weh" Preußens. Vier Abgesandte der Stadt Crossen begaben sich nach Berlin zum Grafen Wittgenstein, dem die Oberaufsicht über die Feuerkasse übertragen war. Als sie die zum Wiederaufbau der Stadt bestimmten 70.000 Taler in Empfang nehmen wollten, kamen sie übel an. Der Graf hatte die Gelder für Lustbarkeiten ausgegeben und zeigte sich höchst empört. Er verfluchte und bedrohte sie, meinte, es sei unverschämt, jetzt Geld zu fordern, da sie doch wissen müßten, wie notwendig es der Hof brauche. Zuletzt jagte er die Abgeordneten aus seinem Palast. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm, an den sich die Crossener wandten, nahm sie in seinen Schutz und brandmarkte laut und öffentlich das nichtswürdige Verfahren, so daß der König den Minister Wartenberg und seine Freunde in Ungnade entlassen mußte. Das Feuerkassengeld wurde dann nach und nach gezahlt. So war der Brand Crossens die Ursache, daß Preußen von den drei Betrügern und Verschwendern erlöst wurde.

 Für den Aufbau der Stadt erließ der König eine genaue Bauordnung, nach der die Häuser am markt drei, die übrigen zwei Stockwerke haben mußten. Die Baumeister sollten streng darauf achten, daß die Gesimse benachbarter Häuser gleich hoch und die Fenster gleich groß anzulegen seien. Die Straßenzüge mußten in grader Richten verlaufen. So verlieh der erste Preußenkönig der Stadt Crossen ihr heutiges Aussehen. Seinem Schönheitssinn verdankt sie ihre regelmäßige Bauart und besonders ihren schönen Marktplatz, der jetzt mit seiner sauberen Pflasterung ein Schmückstück der Städtebaukunst darstellt.

Friedrich der Große und der Kreis Crossen

 Den ersten Schritt in die Welt des Kriegsruhms und der Kriegsleiden tat Friedrich II. von Crossen aus. Am 1. Dezember 1740 traf er in Crossen ein. Hier lagen große Vorräte an Mehl, Brot, Hafer, Pulver, Kugeln aufgehäuft, dazu waren 24.000 Mann bereit, in Schlesien einzufallen. Zu der Zeit brach im Glockenstuhl der Marienkirche das Gebälk, und die große Glocke sank etwas. Für Abergläubische war das ein schlimmes Zeichen. Der König aber, der in dem jetzt durch eine Büste geschmückten Hause am markte wohnte, sprach voll kühner Zuversicht: "Auch in nehme die Sache als Vorzeichen an, aber nicht als ein übles, sondern als ein gutes; denn wie die hohe Glocke zusammenbrach und fiel, so wird es auch dem hohen und stolzen hause Habsburg ergehen!"

 Auf dem großen Exerzierplatz, den die alte Heerstraße nach Schlesien durchschnitt, ist 1907 ein Stein errichtet worden, dessen Vorderseite die Inschrift "König Friedrich der Große begann seine Heldenlaufbahn auf dieser uralten Heerstraße und zog dieselbe oft noch im Kampfe gegen eine Welt in Waffen" und dessen Rückseite das Wort des Alten Fritz "Immer auf dem Posten" ziert.

 Vom ersten Schlesischen Kriege sah unser Kreis nur Scharen österreichischer Gefangener, die von Stadt zu Stadt geschickt wurden.

 Im zweiten Schlesischen Kriege wurden auf den Bergen bei Pollenzig und Messow eine preußische Beobachtungstruppe mit 4 Kanonen aufgestellt. Ihre Kriegstaten bestanden aber nur in Hühnerdiebstählen.

 Das Jahr 1759 überschwemmte den Kreis mit einer Woge des Unheils. Der Kanonendonner der unglücklichen Schlacht bei Kay am 23. Juli 1759 tönte deutlich herüber. Bald war der Kreis von feindlichen Völkern überflutet. Während die Nordhälfte und Crossen unter den Russen zu leiden hatte, sah Sommerfeld Österreicher, Ungarn und Russen in seinen Mauern. Crossen mußte 15.000 Taler zahlen, um der Plünderung zu entgehen. Vier nachziehende Kosaken erhielten von der Bürgerschaft furchtbare Prügel, der eine wurde tödlich verwundet. das sollte ihr teuer zu stehen kommen; denn eine Woche danach kam ein Major mit 800 Reitern. Er legte der Stadt eine Strafe von 4.000 Talern auf. Die Russen verübten die größten Unmenschlichkeiten und stahlen wie die Raben, der Major immer voran. Ein Major, der die Boberbrücke bei Neubrück, sowie Deutsch- und Wendisch-Sagan besetzt hielt, sandte täglich schriftliche Forderungen in die Stadt. Er verlangte Geld, Wein, Schuhe, Stiefel, Strümpfe, Hemden, Zucker, Tabak, Kaffee, Mandeln, Rosinen, Landkarten. Sein Nachfolger forderte 50 Dukaten und sogar zwei Windhunde, die man nach langem Suchen aus Zettitz herbeischaffte. Nach Christianstadt mußte 4.000 Zentner Brot und 6.000 Scheffel Hafer geliefert werden.

 Außer den ungeheuren Lieferungen hat Crossen während des Krieges 50.000 Taler an die Feinde zahlen müssen.

 Bobersberg wurde ebenfalls arg gebrandschatzt, eine Zeitlang war es in den Händen des russischen Generals Fermor.

 Am 30. Juli 1759 erschien der österreichische Rittmeister Claudy mit 16 Husaren vor Sommerfeld und ritt, als er nicht eingelassen wurde, nach Göhren, wo ihn eine Abteilung preußischer Husaren unvermutet überfiel. Im Keller des Brauers zu Göhren, in dem er sich verbarg, fand man Depeschen, die er weggeworfen hatte. Sie wurden durch den Pastor des Ortes dem König übergeben, der aus ihnen wichtige Aufschlüsse über die Absichten seiner Feinde erhielt. Am Abend desselben Tages schlug General Laudon bei Dolzig ein Lager auf. Die Stadt mußte Bier, Brot und Branntwein liefern, die Kassen wurden geleert und 700 Schafe geraubt. Gleich darauf erschien Friedrich der Große in Sommerfeld und übernachtete in einem Hause am Markte, das jetzt eine Tafel ziert mit der Inschrift: "In diesem Hause wohnte König Friedrich der Große am 1. August 1759."

 Am Tage nach der Unglücksschlacht bei Kunersdorf war Sommerfeld in der Hand der siegreichen Österreicher. Oft wohnten 30-40 Soldaten in einem Hause. Neben Brot und Fleisch wurden 1.000 Scheffel Hafer gefordert. Die Bürger mußten die Scheunen leeren und Hafer- und Gerstengarben am Rathaus abliefern. Unterwegs wurden ihnen manchmal Garben, Geld und Kleider geraubt, dennoch mußten sie ihren Verpflichtungen nachkommen.

 Nach einem Treffen bei Christianstadt strömten die geschlagenen Österreicher nach Sommerfeld; tagelang wurde hier geplündert. Dann mußten die Bürger große Mengen Heu, Gerste und Hafer nach Sorau bringen. Da es Fuhrwerke nicht mehr gab, mußte man große Tücher und Schiebkarren benutzen.

 Nach einem russischen Einfall wurde die Gegend wieder durch Österreicher besetzt. General Laudons Hauptquartier war Leuthen. Am 19. September bezogen die russischen Heerführer Soltikoff und Fermor das Schloß. Ihr Heer lag vor der Stadt. Magistrat und Geistlichkeit baten um milde Behandlung des Ortes. Wie das rohe Kriegsvolk aber hauste, darüber meldet die Chronik: "Gärten und Weinberge wurden verwüstet, die Trauben abgerissen, die Stöcke von den Pferden zertreten, die Wasserröhren zerstört, die Mahlmühlen, hauptsächlich aber die Walkmühlen bei der Hedwigsmühle, gänzlich ruiniert, die kupferne Braupfannen, Ösen, Türen und Fenster, Balken und Treppen zerschlagen und verbrannt."

 Die Österreicher schleppten in demselben Jahre sechs der angesehensten Männer, darunter Bürgermeister und Prediger, nach Prag. Erst nach dem Frieden kehrten die letzten Geiseln zurück, der Bürgermeister war gestorben und in fremder Erde bestattet worden.

 Durch den Krieg wurde die Stadt nebst ihrer Umgebung furchtbar verwüstet, am Ende des Krieges besaß sie statt 1.300 Einwohner nur noch etwa 950.

 Die Städte konnten sich durch Verhandlungen ihrer Behörden noch einigermaßen schützen, schlimmer waren die Landleute daran. Ihnen wurden die Erntevorräte geraubt, Rindvieh, Pferde, Schweine davongetrieben; vielfach mußten sie Menschen vor den Pflug spannen. Bei Lochwitz lag eine ganze Brigade, ebenso befand sich ein Lager der Russen bei Trebichow. Ihre Grausamkeit beweist die Nachricht, daß sie einen Trebichower Hirten nicht nur im Sterben mißhandelten, sondern auch noch den Körper aus dem Grabe rissen. Sie plünderten die Kirche und stahlen Geld und Altardecken. Auch der Tammendorfer Prediger beklagte den Verlust der Kirchenkasse, der meisten Abendmahlsgeräte. sowie der Altarbekleidung. Der Kurtschower Kirchenkasse wurde in der Kirche vergraben, aber von den Russen aufgestöbert und geraubt. Ein Mädchen aus Dobersaul suchte den Tod in der Pleiske, um nicht in die Hände der sie verfolgenden Kosaken zu fallen. Mit welcher Rohheit die feinde vorgingen, zeigt der Tod des Schulzen in Drewitz; als ihnen der mutige Mann ihr Unrecht vorhielt, wurde er erbarmungslos zu Boden geschlagen.

 Wie groß die Lasten waren, die auf den einzelnen Gemeinden lagen, zeigt eine Anweisung des österreichischen Generals Daun. Das Schriftstück lautet:

 "Es wird auf hohen Befehl der Landes-Commissariats-Assitent Herr Müller mit einigen Dragonern nach Sommerfeld im Brandenburgischen verschickt, daß alle in den nachfolgenden Orten: Göhren, Hermswalde, Grabkow, Duberow, Baudach und Gablenz und herumliegenden Oertern zum Behuf der Kaiserl. Königl. Oestr. Armee erforderlichen Naturalien, als Hafer, Gerste, Heu und Stroh mittelst dasiger Fuhren und Schiebkarren in das Hauptquartier anhero schicken, wobei man sich versiehet, daß Herrschaften, Obrigkeiten, Gemeinden und Unterthanen Alles getreulich anzeigen und bei Tag und Nacht anhero liefern werden, widrigenfalls die Widerspengstigen mit den härtesten Strafen belegt werden. Haupt-Quartier Triebel, den 24. August 1759"

 Mit unnachsichtiger Strenge kamen die Dragoner dem Befehl nach und ließen Pferde, Ochsen, Getreide, Wein und anderen Armeebedarf nach Triebel schaffen. Lange Jahre brauchte die Landwirtschaft des Kreises, um sich von den Wunden, die ihr der Krieg schlug, zu erholen.

 Als endlich die Friedensglocken klangen, erscholl kein lauter Jubel in unserem Kreise; zu schwer lasteten die trüben Erinnerungen auf den Gemütern. Doch des Königs frisches Streben flößte auch den verzagtesten neuen Mut zu neuer Arbeit ein. Er hat sein Wort "Ich will alles wieder gut machen" voll erfüllt. Fast in jedem Jahr zog er durch unsern Kreis nach Schlesien. In seinem alten Reisewagen, den er aus Sparsamkeit vier Jahrzehnte benutzt hat, ratterte der König auf der elenden Straße, die von Frankfurt über Birkendorf nach Crossen führte, dahin, mit scharfem Auge aufmerksam das Land betrachtend, um zu helfen, um zu fördern, um zu strafen. Man erzählt sich heute noch, die schöne Birkenallee bei diesem Dorfe habe er anlegen lassen. In mühevoller Arbeit wurde auf seinen Befehl die Bergstraße an der Oderbrücke ausgegraben, um einen bequemeren Abstieg zu ermöglichen. Im Allgemeinen war Friedrich für eine Verbesserung der Wege nicht recht zu haben, man sagt, weil dadurch nach seiner Ansicht feindliche Einfälle erleichtern würden.

Die Gründung von Königswille

 Bei den zahlreichen Reisen, die Friedrich II. zur Besichtigung seines Landes unternahm, war das Übernachten ein schwieriges Kapitel. Er blieb am liebsten in den Pfarrhäusern, denn die Pfarrer erhielten dafür 100 Taler und waren damit vollauf entschädigt; bei den Gutsbesitzern kehrte er nicht gern ein, sie nahmen kein Geld, aber er fürchtete, sie würden unbequeme und kostspielige Wünsche äußern. In Liebthal erzählt man, er habe 1 Kilometer vom Dorfe entfernt auf freim Felde im Wagen übernachtet.

 Um 1780 herum kam er einmal nach Göhren. Der Pfarrer war gestorben, die Wohnung versiegelt. Der König nahm darum diesmal die Einladung des Gutsbesitzers von Blomberg an und fuhr zum Schlosse. Er kam in einem altertümlichen, von 8 Postpferden gezogenen Wagen, ihm folgten 5 Wagen, jeder mit 6 Bauernpferde bespannt. Am nächsten Morgen fuhr der König mit seinem Gastgeber 3 1/2 Stunden durch die Felder, um das Gut zu besichtigen. Ihm fiel das elende Aussehen eines Waldes auf. Der Gutsbesitzer erklärte: "Das liegt daran, daß die Bauern das Recht haben, in diesem Walde ihr Vieh zu hüten." " So haue Er das Krüppelzeug ab und säe Kienäpfel", riet der König. "Wenn ich für den Wald das Hüterecht abschaffen könnte, würde ich ihn zu Ackerland machen und Ansiedler herbeirufen." "Und ich soll das Geld dazu geben! Daraus wird nichts, ich habe nichts, ich bin arm wie eine Kirchenmaus!" "Wenn Eure Majestät nur die Ansiedler auf einige Jahre von Steuern und vom Militärdienst befreien würden, so wäre kein Geld nötig!" "Dann könnte es gehen. Wenn die Leute von mir nichts wollen, will ich auch nichts von ihnen." - Nach einer Weile sprach der König: "Was würde er den bauern für das Hüterecht geben?" " Jeder soll ein Stück Wiese erhalten, das ihm doppelt soviel einbringt wie die Weide."

 Damit war der König einverstanden, er wünschte, daß mit dem Tausch zugleich die Äcker der Bauern zusammengelegt würden. Damals lagen nämlich sämtliche Ackerstücke der Bauern und des Gutes bunt durcheinander. Es war umständlich und zeitraubend, von einem Stück zum anderen zu kommen. Vor der Abreise beauftragte der König den Rittergutbesitzer, ihm bald einen Plan der Neuordnung einzusenden.

 von Blomberg rief die Bauern zu sich und ließ sich die Ernteerträge der Äcker angeben, um den Wert jedes Bauerngutes zu erfahren. Nach kurzer Zeit erhielt der König den Plan der Zusammenlegung der Äcker und der Weiderechtablösung. Er legte ihn einigen Sachverständigen vor, die ihn günstig beurteilten und anerkannten, daß der Gutsbesitzer dabei den Schaden habe. Der König erteilte darauf die Genehmigung.

 Der Rittergutsbesitzer versammelte die Bauern, legte ihnen den Plan vor und wies ihnen nach, daß sie von nun an vorteilhafter wirtschaften würden. Er gab von seinen Ländereien jedem Bauern 1/3 mehr, als er bis dahin besaß. Sie sollten einsehen, daß er nur ihr Wohl im Auge hatte.

 Die Bauern gingen stumm nach Hause. Da sie der Meinung waren, der Gutsbesitzer wolle sie übervorteilen, so verfaßte einer von ihnen eine Beschwerdeschrift, in der sie dem Könige mitteilten, von Blomberg betrüge sie und richte sie zugrunde. Zwei Bauern wanderten damit nach Berlin. Der König hörte sie freundlich an und ließ von Blomberg sagen, er solle vorläufig alles beim Alten lassen. Die Freude des Dorfes dauerte nicht lange, denn die Untersuchung ergab, daß die Bauern beim Tausch sehr gewannen. Wegen der nachgewiesenen Unwahrhaftigkeit wurden sie vom König ernstlich verwarnt.
von Blomberg begann die Änderun. Den Hütewald umzog er mit einem tiefem Graben und beackerte das Land, das ihm zugefallen war. Um sein Werk zu hindern, gingen die Bauern in sonderbarer Weise vor. Während sie ihre Äcker unbebaut liegen ließen, verwüsteten sie die den Gutsbesitzer zugefallenen Teile. Sie schütteten in der Nacht den Graben zu. Die vom Gutsbesitzer umgepflügten Wiesenstreifen brachten sie wieder in den alten Zustand, indem sie heimlich die Schollen umdrehten, so daß das Gras wieder oben lag.

 Tagtäglich ließ der Gutsbesitzer alles wieder in Ordnung bringen, am nächsten Morgen war alles wieder zerstört. Am Tage schliefen sie, in Nacht verrichteten sie unsinnig ihre unnütze Arbeit. Lieber wollten sie verhungern, als nachgeben. Als sie auf liebevolles Zureden dem Gutsbesitzer mit Steinwürfen antworteten, verklagte er das Dorf endlich beim König. Auf dessen Befehl sandte der Oberst der nächsten Garnision einen Leutnant und 10 Mann nach Göhren. Die Bauern samt Weibern und Kindern standen mit trotzigen, verbissenen Gesichtern auf der Dorfstraße. Der Leutnant ritt heran, fragte einen Bauern barsch nach dem Schulzen und schlug ihm die Mütze herunter mit den Worten: "Kann Er Bauernlümmel nicht den Hut ..." Im nächsten Augenblicke lag er auf der Erde, durch Fußtritte furchtbat mißhandelt. Ehe sich die Soldaten besannen, wurden sie zusammengedrängt. ihrer Gewehre beraubt und mit Hohn aus dem Dorfe getrieben. Der König war sehr entrüstet. Sofort wurde eine Kompagnie abgeschickt, die unter Trommelschlag in Göhren einrückte. Kein Bauer zeigte sich. Jedes Haus wurde mit 15 Mann besetzt, die Schuldigen mußten 30 mal Spießruten laufen. Hatte sich die Ehefrau an den Gewalttätigkeiten beteiligt, so mußte der Bauer noch 10 mal laufen. Jetzt war der Widerstand gebrochen. Sie fügten sich nun den Willen des Gutsbesitzers. Ihm aber war die Freude an der Arbeit verdorben. Er leitete noch die Einrichtung der Kolonie, indem er die frühere Waldwiese unter Ansiedler verteilte. Da sie durch den festen Willen des Königs gegründet war, nannte er sie mit dessen Genehmigung: Königswille. Die Bauern meinten, dort müsse jeder verhungern, und nannten sie "hungriger Fuchs", von Blomberg verkaufte dann sein Gut und erwarb das Rittergut Liebthal, das noch heute im Besitz der Familie ist.

 Später sahen die Göhrener ein, wie unrecht sie an ihrem Wohltäter gehandelt hatten, aber die Reue kam zu spät.

Die Franzosenzeit

 Zwei Wochen nach der unglücklichen Doppelschlacht Jena-Auerstädt erschienen duie siegreichen Franzosen im Kreise Crossen. Ihre Ankunft bedeutete den beginn einer schweren, trüben Zeit der Kriegslasten, des Niederganges. Den nördlichen Teil des Kreises besetzten im November 1806 Württemberger und Bayern, die von Jerôme, dem Bruder Napoleons, befehligt wurden. Ihre Rücksichtslosigkeit und Roheit ist den Landleuten durch die Erzählungen ihrer Vorfahren heut noch in Erinnerung. Sie betrugen sich gegen ihre Volksgenossen ebenso feindlich wie die Franzosen.
Die Erpressung von geld und Lieferungen überstiegen alle Grenzen. Prinz Jerôme, der 6 Tage in dem früher von Friedrich II. bewohnten Hause am Markt blieb, brauchte in dieser Zeit für 2.000 Taler Wein, worin er sich badete. Die Läden der Schuhmacher, der Tuch- und Lederhändler, der Kaufleute usw. wurden vollständig geleert, ohne daß die Beraubten ein Entgelt erhielten. Nicht nur der einzelne erlitt schwere Verluste, auch der Gesamtheit wurden ungeheure Lasten auferlegt. Die Stadt Sommerfeld mußte November und Dezember 1806 ungefähr 60 Tonnen Bier, mehrere Hundert Quart Branntwein, 400 Zentner Heu, 600 Scheffel Hafer, 50 Schock Stroh, 700 Paar Schuhe, 4.100 Ellen Tuch, 400 Hufeisen, dazu Brot, Öl, Graupen, Leinwand, Bettücher, Bettgestelle u.a.m. liefern. Außerdem mußte sie 2.000 Taler aufbringen. In dem Heere Napoleons hatte jeder General und Oberst 8 Taler, jeder sonstige Offizier 4 Taler, jeder Soldat 1 Taler Tagegeld von dem Orte der Einquartierung zu verlangen. Die 10 Kreise der Neumark, zu denen Crossen gehörte, mußte eine Kriegssteuer in der Höhe von 2.786.400 Talern aufbringen, die Sädte 1/3, das Land 2/3 der Summe. Schutzlos der Willkür preisgegeben, merkte man, was es bedeutet, den Feind im Lande zu haben.

 Im Februar 1807 überfiel ein kleiner Trupp preußischer Husaren und Dragoner unter den Leutnants von Wedell und von Hirschfeld die aus Bayern bestehende Besatzung der Stadt Crossen. Einige Bayern wurden getötet, eine große Anzahl nebst vielen Pferden mitgenommen. Der französische Befehlshaber Michels rannte im Schlafrock auf die Auenwiesen und entkam. Zwei Kahnladungen Kanonenkugel warf man in die Oder. Die frische Reitertat konnte für die Stadt die schlimmsten Folgen haben. Eine Woche danach zog eine französische Abteilung in Crossen ein, voran mit finsterem Gesicht der Obristwachtmeister Letort. Am Glogauer Tor empfing der Torschreiber die Truppen, die er für Preußen hielt, mit einem begeisterten: "Es lebe Preußen!" Sofort packten ihn französische Fäuste und machten ihn durch eine Tracht Prügel auf seinen Irrtum aufmerksam. Letort trug in seiner Tasche den Befehl, den Magistrat erschießen, die Stadt plündern und niederbrennen zu lassen, falls eine Schuld festgestellt würde. Die Franzosen sahen jedoch, daß ihnen der Vorfall viel schlimmer geschildert worden war, als er sich zugetragen hatte. Nur der Hutmacher Koch erhielt 100 Hiebe, während die Stadt alles Geraubte ersetzen mußte, wodurch 5.000 Taler Kosten entstanden. Ebenso mußten die versenkten Kanonenkugeln aus der Oder herausgeholt werden.

 Auch nach dem schmachvollen Frieden von Tilsit litt der Kreis schwer unter den Durchmärschen und Einquartierungen französischer Truppen. Napoleon behandelte das niedergeworfene Preußen mit kaltherziger Grausamkeit, um es seiner letzten Kräfte zu berauben. Da erkannte König Friedrich Wilhelm III., daß sein Staat von Grund auf geändert werden müßte, um das Joch der Femdherrschaft abschütteln zu können. Auf den Rat des Freiherrn von Stein erließ er eine Reihe von Gesetzen, die die Wiedergeburt Preußens einleiteten. Am 9. Oktober 1807 erschien das Gesetz über den erleichterten Besitz und den freien Gebrauch des grundeigentums, das die Erbuntertänigkeit der Bauern aufhob. Ein Aufatmen ging durch die Dörfer. Nun hörte die erzwungene, widerwillig den Gutsbesitzern geleistete Arbeit auf. Wie oft mußte der Bauer seinen Acker vernachlässigen, während er mit seinem Gespann auf dem Gutshof müßig stand! Nun war er mit der Herr seines Besitzes, der Herr seiner Person. Ein freier Bauernstand entstand, Liebe zur Arbeit und Liebe zu heimatlichen Scholle im Herzen. Durch die Städteordnung vom 19. November 1808 erhielten die Städte das Recht, sich ihre Bürgermeister selbst zu wählen und ihre Angelegenheiten selbst zu verwalten. Neues Leben regte sich überall. Trotzdem Napoleons Hand immer noch schwer auf dem Lande lag, fühlte so man sich frei. Man spürte das Herannahen einer neuen Zeit.

 Im Frühjahr 1812 erfüllte unsern Kreis der Waffenlärm der Truppen, die nach der russischen Grenze zogen. Es ist kaum zu begreifen, wie das verarmte Land die Lasten der unaufhörlichen Einquartierungen ertragen konnte. Die Stadt Crossen allein hatte vom 1. Januar 1812 bis zum 31. Dezember 1813 370.000 Mann unterzubringen und zu verpflegen.

 Frost, Hunger und Kosaken vernichteten die stolze "Große Armee". Jämmerliche Reste des Heeres kamen im Dezember 1812 durch unsere Gegend, zerlumpte, kranke, elende Gestalten. Eine Kompagnie bestand nur noch aus einem Hauptmann, einem Soldaten und einem Trommler. Jeder Vaterlandsfreund fühlte: Die Stunde der Vergeltung, der Befreiung ist da! Man war eigentlich entschlossen, das Elend der sechs Leidensjahre an den Trümmern der "Großen Armee" zu rächen und kein Feind über die Oder zu lassen; doch beim Anblick der Jammergestalten schmolz der Grimm.

 Von nun an durchbebte eine erwrtungsvolle Unruhe das land, jedes Herz erfüllte flammende Begeisterung für einen Freiheitskrieg, jeder war bereit, sein Letztes dahinzugeben, man wartete nur auf ein Zeichen zur Erhebung. Da erließ König Friedrich Wilhelm III. am 17. März 1813 seinen "Aufruf an mein Volk" und die Verordnung über die Bildung der Landwehr. In jedem Kreise bildete sich aus zwei Vertretern des Großgrundbesitzes, und je einem Vertreter der Städte und der bäuerlichen Bevölkerung ein Landwehrausschuß. Im Kreise Crossen bestand er aus von Blomberg (Liebthal), von Oppel (Schmachtenhagen), Kupsch, Schulze in Deutsch-Nettkow, und Schelz, Bürgermeister in Sommerfeld. Zu den drei Landwehr-Infanterie-Regimenter der Neumark stellte der Kreis 883 Fußsoldaten und 84 Reiter. Große Schwierigkeiten bereitet die Bewaffnung. Mit den vorhandenen Gewehren war gewöhnlich nicht viel anzufangen, man bewaffnete darum die Soldaten mit langen Piken. In verstaubten Ecken, auf dem Bodenraume der alten Häuser findet man hier und da heute noch eine davon als Andenken aufbewahrt. Um die Kleidung stand es ebenso schlecht, noch im Herbst gingen viele Landwehrmänner barfuß. Alle trugen die hohe Feldmütze, geziert mit einem Kreuz, das die Inschrift führte: Mit Gott für König und Vaterland. Alle äußeren Mängel der Bewaffnung, Kleidung und Ausbildung wurden ausgeglichen durch die tiefe Begeisterung, durch die todesmutige Entschlossenheit, für Fürst und Vaterland, für Haus und Hof, für Weib und Kind zu kämpfen, zu siegen und zu sterben. Für den Unterhalt und die Ausrüstung der Krieger wurden Sammlungen veranstaltet.

 Da Sommerfeld abseits der großen Herrstraßen lag, blieb es 1812 und 1813 von größeren feindlichen truppendurchzügen verschont.

 Nach dem Abzuge der bayrischen Besatzung im Frühjahr 1813 war Crossen in Verteidigungszustand gesetzt worden. Auf den Wällen standen schußbereit 8 Geschütze, rings um die Stadt zog sich ein Pfahlzaun. So konnte der tapfere Befehlshaber Dobschütz der französischen Abteilung, die nach dem unglücklich verlaufenen Frühjahrsfeldzuge Stadt und Kreis besetzen wollte, mutig standhalten. Die Feinde gingen ohne Kampf zurück. Auch in Sommerfeld wurden kleinere französische Abteilungen durch den 460 Mann starken, in 5 Kompagnien eingeteilten Landsturm der Stadt energisch abgewiesen. Da die abziehenden Bayern die Oderbrücke bei Crossen teilweise zerstört hatten, so wurde die Heeresstarße von der Mark nach Breslau über Sommerfeld gelegt und Tausende von rekruten, berittenen und unberittenen Jägern zogen durch die Straßen der Stadt, mitunter auch Kosaken. Im Juli erschienen zwischen Sommerfeld und Crossen eine Anzahl von Ausreißern, die dem französischen Heere entlaufen waren, ein württembergischer Offizier mit 3 Mann, 21 Westfalen, 17 Holländer, 15 Italiener, 4 Franzosen, 3 Spanier, 1 Sachse. Die Landwehr rückte aus, den anrückenden Franzosenheeren, von denen eins Berlin bedrohte, entgehen. In den Schlachten bei Groß-Beeren (23. August) und bei Dennewitz (6. September) erkämpften sich die meisten Landwehrmänner Gewehr, Säbel, Kugeln, Pulver. Sie nahmen auch an der Schlacht bei Leipzig rumreichen Anteil und marschierten im Siegeszuge unter Bülow durch Westfalen und weiter bis nach Holland hinein. Im nächsten Jahre (1814) lernten unsere Vorfahren auch Frankreich kennen. Jetzt hätten sie Gelegenheit gehabt, der Bevölkerung die Bosheiten und Grausamkeiten, die das französische Heer im Crossener Kreis verübte, mit Zinsen heimzuzahlen. Aber ihnen zur Ehre sei es gesagt, daß sie strengste Manneszucht hielten; französische Bürger und Bauern nahmen den Landwehrmann mit Freuden auf, um dadurch der russischen Einquartierung zu entgehen. Im Oktober 1814 zog Blücher, umjubelt von der dankbaren Bevölkerung, durch Crossen. Nach kurzem Aufenthalte in der Heimat focht die Landwehr des Kreises Crossen 1815 bei Waterloo mit und zog stolz in die Hauptstadt Frankreichs ein. (Ein häßliches Zwischenspiel hatte diese Zeit für den Kreis dadurch, daß Teile des russischen Heeres, die auf dem Heimwege waren, rechts der Oder die Bevölkerung bedrückte und mißhandelte. So zogen durch Beutnitz vom 1.-11. September 1815 60.000 Russen, die sich, wie immer, nicht gerade wie Verbündete betrugen.) Im Januar 1816 kehrten die Landwehrregimenter in die Heimat zurück. Doch nicht alle, die einst in den Freiheitskampf zogen, kamen wieder. In manchen Hause saß ein Weib mit tränennassen Augen, klagte die Kinder um den Vater, der den Tod für Freihaeit und Vaterland starb und nun fern in fremder Erde ruhte. In den Kirchen ehrten Tafeln mit den Namen der Gefallenen das Andenken der toten Sieger.

 So hat auch der Kreis Crossen leidend und kämpfend ruhmreichen Anteil genommen an jenen großen Tagen, so hat auch er an seinem Teile beigetragen, die zeit der Schande und der Schwäche umzuwandeln in eine Zeit der Ehre und der Kraft.
(Crossener Kreiskalender 1921)

Zurück Ortschaften      Organisation und Behörden Vorwärts