Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Logo des Biosphärenreservat Beiderseits der deutsch-deutschen Grenze war die Elbtalaue lange undurchlässig. Hier überlebten jedoch seltene Tier- und Pflanzenarten, und die weiten Auen an der Elbe, Deutschlands drittgrößten Strom, blieben unzerstört. Heute ist die wertvolle Natur ein Kapital der Region.

Bereits 1990 beschloß der Schweriner Bezirkstag die Gründung des Naturparks Elbetal. Mit der Auflösung der DDR-Bezirke und der Wiederherstellung der historischen Landesgrenzen zwischen Brandenburg und Mecklenburg - Vorpommern gehören weite Teile der Elbtalaue zum Land Brandenburg.

Das 5533 Quadratkilometer große Gebiet erstreckt sich am östlichen Ufer der Elbe von der Havelmündung bis kurz vor die Tore von Dömitz in Mecklenburg. Knapp 40 Einwohner leben auf einem Quadratkilometer in diesem Teil der Westprignitz. Das entspricht den niedrigsten Siedlungsdichten in Deutschland überhaupt. Zunächst hatte der brandenburgische Teil der Elbtalaue den Status eines Naturparkes. Im März 1998 gab die UNESCO das landerübergreifende Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe bekannt. Die fünf Bundesländer Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg sind beteiligt. Jetzt ist der ehemalige Naturpark brandenburgischer Teil des Biosphärenreservats. Die Flusslandschaft Elbe ist eine touristische Attraktion inm nordwestlichen Brandenburg.

In der norddeutschen Tiefebene wird die Elbe zm breiten, wenig verbauten und nichrt begradigten Strom. Der Fluß breitet sich aus, sucht nach neuen Wegen, zieht die Mäander weitläufiger, verändert Landschaft ständig, sofern der Mensch dies zuläßt.

Es gibt keinen festen Rhytmus im Verhalten des Flusses, keine Konstante, außer der Dynamik und Veränderung an sich. Kein anderer deutscher Strom bringt Sommerhochwasser mit sich. An der Elbe nennt man diese seit alten Zeiten "Johanni-Hochwasser". Manchmal bleiben sie über Jahre aus, dann wieder sind sie von beeindruckendem Ausmaß. Anderseits sind die Winterhochwasser oftmals bescheidener als an anderen deutschen Strömen. In den Deichvorländern hinterläßt der alljährliche Hochwasserrhytmus des Elbstroms seine Spuren. Hier wechseln leuchtende Sandbänke, Flutrinnen und Altarme ab. Knorrige Reste alter Auenwälder geben der Landschaft ihren besonderen Reiz.

Die Mittelelbe ist Deutschlands einziger Sandstrom. Sedimente schieben sich mit den Fluten vorwärts. Durch das Jahrtausende währende Wechselspiel von Ablagerung, Ausspülung, Asutrocknung, Wiedernässung und neuen Ablagerungen entstanden ein reich gegliedertes Mosaik aus Mulden, Senken, Flutrinnen, unterschiedlich stark verlandten Altarmen und durch nacheiszeitliche Aufwehungen die Binnendünen wie die bei Quitzöbel und Klein Schmölen. Auf engsten Raum finden sich in der Elbtalaue Pflanzen und Tiere, die völlig unterschiedliche Lebensbedingungen benötigen, an extreme Nässe oder an ausgesprochene Trockenheit angepaßt sind.

Seit vielen Jahrhunderten prägen Wiesen- und Weidewirtschaft das Landschaftsbild an der Elbe. Trotz Unkalkulierbarkeit und oftmals nasser Füße für Mensch und Tier haben hier die Landwirte auf eine Weidewirtschaft auch in den Vorländern nicht verzichten wollen.

Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg geht es wie in allen Großschutzgebieten Brandenburgs darum zu zeigen, dass Landnutzungen naturverträglich sein können. Das Land Brandenburg investiert erhebliche Finanzmittel in den Vertagsnaturschutz mit der Landwirtschaft. In der Elbtalaue konnte eine extensive Bewirtschaftung auf über 50 Prozent der vorhandenen Grünlandflächen erreicht werden. Die Verwaltung des Biosphärenreservates unterstützt die Bemühungen um den Absatz regionaler, ländlicher Produkte. Mit Landwirten und Produzenten im Nebenerwerb wird daran gearbeitet, wie die Produkte aus der Westprignitz präsentiert und verkauft werden können.

Wer in die Elbtalaue reist, sucht Stille, Weite, Unberührtheit. Doch wenn die Schönheit des Landschaft, intakte ökologische Kreisläufe und wichtige, weil oftmals letzte Lebensräume für seltene Arten erhalten bleiben sollen, braucht es die kluge und behutsame Lenkung der zahlreichen "Stillesucher". Dies geschieht im brandenburgischen Biosphärenreservat durch die Mitarbeiter der Naturwacht. Die Mitarbeiter der Naturwacht stehen Besuchern und Bewohnern gleichermaßen Rede und Antwort zum Naturschutz.

Orte wie Rühstädt, Bad Wilsnack mit Kurklinik und Wunderblutkirche, die Plattenburg, älteste erhaltene Wasserburg Norddeutschlands, Lanz, das Heimatdorf des Turnvaters Jahn oder die Burg Lenzen werden in den Sommermonaten von unzähligen Gästen aufgesucht. Doch läßt sich entlang des Stroms noch manch anderes entdecken. Die prächtigen Niedersachsenhäuser in den Marschhufendörfern der Lenzer Wische, alte Bauerngärten, kleine Dorfkirchen, in denen sich Spuren längst vergangener Zeiten und Geschlechter finden lassen. Nehmen Sie sich Zeit, mit den Leuten in den Dörfern zu reden. Sie werden deren Humor kennenlernen, ihre Liebe zu alten Geschichten, und vor allem die zum Fluss.

Rühstädt ist Deutschlands Storchendorf Nr. 1. Über 40 Brutpaare kehren alljährlich in den kleinen Ort zurück. Tausende Touristen zieht es während der Storchsaison nach Rühstädt. Im Oktober 1995 bezogen die acht Mitarbeiter der damaligen Naturparkverwaltung Räume in der neu gebauten Naturschutzstation am Rande des Dorfes, die mittlerweile zum Besuchermagnet geworden ist. Hier kann eine Storchenausstellung des naturschutzbundes besichtigt werden, und es gibt ein Storchenmuseum. In der Galerie des hauses finden kulturelle Veranstaltungen statt. Die Naturschutzstation ist auch Ausgangspunkt für die zahlreichen Führungen, die die Mitarbeiter der Naturwacht in den Sommermonaten anbieten.

weitere Informationen:
Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg
Neuhausstraße 9
19322 Rühstädt
Telefon : (038791) 98022
Fax : (038791) 98011
E-Mail: ruehstaedt@naturwacht.de

Naturwacht Elbtalaue
Seestraße 18
19309 Lenzen
Telefon: (038792) 1701
Fax: (038792) 80051
E-Mail: elbtalaue@naturwacht.de