Großtrappenschutzgebiete im Land Brandenburg

Großtrappen kommen in Mitteleuropa nur noch in Deutschland, Österreich und Ungarn, allerdings meist in winzigen Beständen, vor. Sie sind beeindruckende, urige Vogelgestalten, die sich im Frühjahr in den Schutzgebieten Brandenburgs mit etwas Glück und gutem Wetter gut bei der spektakulären Balz beobachten lassen.

Großtrappen gehören mit einer Körpermasse der Männchen von 8-18 kg zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde. Sie sind kraftvolle und ausdauernde Flieger, die trotz ihres beachtlichen Gewichtes zügig vom Boden abheben können. In offenen, unzerschnittenen Lebensräumen wechseln Großtrappen bevorzugt zu Fuß ihren Einstand. Ihr Aktionsradius umfasst selten mehr als zehn Kilometer. Lediglich in den östlichen Ausläufern ihres Verbreitungsgebiets, in den Steppen Asiens, ziehen die mächtigen Tiere im Winter über weite Strecken in Gebiete mit gemäßigtem Klima.

Das Vorkommen der Großtrappe reicht von Russland, Kasachstan und China im Osten über weite Teile Europas bis nach Marokko in Nordafrika. Ehemals flächendeckend verbreitet, existiert die Großtrappe heute nur noch in kleinen, versprengten Inselpopulationen. Schon seit Jahren gehört sie zu den am stärksten gefährdeten Brutvögeln Europas. Nur in Spanien gibt es noch bedeutende Vorkommen. Etwa die Hälfte der weltweit nur noch etwa 30 000 Tiere lebt in den Trockengebieten des südeuropäischen Landes.

Trotz ihrer Größe bekommt man die scheuen Vögel nur selten zu Gesicht. Ihr rotbraunes Federkleid tarnt den ursprünglichen Steppenbewohner hervorragend. Zudem ist die Fluchtdistanz der Großtrappe recht groß. Meist entdeckt sie nahende Menschen, lange bevor sie selbst gesehen wird und verschwindet schnell zu Fuß.

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland noch über 4000 Großtrappen. Im Mittelalter waren sie so zahlreich, dass Bauern Bittgesuche versandten, die Plage zu bekämpfen. Und obwohl sie seit 1955 unter Naturschutz steht und auch auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzorganisation IUCN geführt wird, ging der Bestand der großen Vögel bis 1980 auf 560 Tiere zurück. Heute leben die letzten etwa 100 Exemplare im brandenburgischen Havelland, sowie im benachbarten Sachsen-Anhalt.

Gegenwärtig sind in Deutschland geeignete Lebensräume für Großtrappen nur noch in Schutzgebieten mit großflächig extensiver Landnutzung und speziell angepassten Bewirtschaftungskonzepten zu erhalten. In Brandenburg haben die Bestandsgruppen von 20-130 Individuen zur Fortpflanzungszeit Areale von 30-80 km² genutzt (1970-1990). Aktuell liegt die Größe des Fortpflanzungsareals der Großtrappen in den Belziger Landschaftswiesen und im Havelländischen Luch bei 30-40 km². Von September/ Oktober bis Februar/ März nutzen die Großtrappen regelmäßig auch außerhalb des Fortpflanzungsraumes liegende Ackerlandschaften zur Äsung und Übernachtung. Das Winterareal ist damit in der Regel ohne Winterflucht 2 bis 3-mal größer, als das Fortpflanzungsareal.

Hauptverursacher des dramatischen Rückgangs ist die Industrialisierung der Landwirtschaft, die Lebensraum verändert und häufig bei der Balz stört. Viele brütende Hennen wurden Opfer von Traktoren und Mähdreschern. Sie vertrauen so stark auf ihre gute Tarnung, dass sie bei Gefahr einfach auf ihrem Gelege sitzen bleiben. Die Taktik, die bei Füchsen oder Dachsen erfolgreich sein mag, erweist sich bei modernen Maschinen als verhängnisvoll. Da Trappen spät geschlechtsreif werden und nur wenige Eier legen, können sich angeschlagene Bestände selbst unter guten Bedingungen nur langsam erholen.
Quelle : www.birdnet-cms.de

Die Zahl der vom Aussterben bedrohten Großtrappen hat in Brandenburg wieder deutlich zugenommen. Der Bestand der Großvögel in den Verbreitungsgebieten in der Mark und Sachsen-Anhalt sei binnen zehn Jahren von 55 auf erstmals rund 100 Tiere angewachsen, sagte der Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, Matthias Freude, im April 2005 in Potsdam. Die Großtrappe habe nunmehr eine realistische Chance, in Deutschland zu überleben. Als Grund für die Zunahme des Bestandes nannte er unter anderem ein Nistschutzgebiet im Havelland.

weitere Informationen: www.grosstrappe.de
  • Fiener Bruch = 1
  • Havelländisches Luch = 2
  • Belziger Landschaftswiesen = 3


Nistschutzgebiete der Grosstrappe in Brandenburg