Brandenburg im Rheinland und Westfalen

Herzogtum Kleve
Kleve wurde 1417 vom Kaiser Siegmund zum Herzogtum erhoben und gehört seit 1500 zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Herzog Adolf war in jahrzehntelange Auseinandersetzungen mit seinem jüngeren Bruder Gerhard verstrickt; 1444-49 war das Herzogtum Kleve in die Soester Fehde mit dem Kölner Erzbischof verwickelt, 1450-58 in die Münsterische Stiftsfehde. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geriet Kleve zeitweise unter starken Einfluss des Herzogtums Burgund. Herzog Johann III., der Friedfertige, schon seit 1511 Herzog von Jülich und Berg, vereinigte 1521 diese Herzogtümer mit dem Herzogtum Kleve und der Grafschaft Mark zu den Vereinigten Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg. Damit vertrat er die weltliche Vormacht im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis.

Mit Herzog Karl von Geldern schloss er einen Erbvertrag, dem zufolge nach des letzteren kinderlosem Tod 1538 Geldern und Zutphen an Kleve fielen; doch mussten jene Länder 1543 an den Kaiser Karl V. abgetreten werden. 1540 heiratete Anna von Kleve, die Schwester Herzog Wilhelms, den englischen König Heinrich VIII. Nachdem Johann Wilhelm IV. 1609 ohne Erben gestorben war, erhoben mehrere fürstliche Häuser Ansprüche auf seine hinterlassenen Länder Jülich, Kleve, Berg, Mark, Ravensberg und Ravenstein, was den jülich-klevischen Erbfolgestreit auslöste.

Durch den Vertrag von Xanten 1614 kam Kleve zunächst in vorläufigen, 1666 in definitiven Besitz der Kurfürsten von Brandenburg. Von 1609 bis 1672 hielten indes die Generalstaaten die festen Plätze von Kleve mit ihren Truppen besetzt, und erst der Große Kurfürst von Brandenburg vereinigte nach Vernichtung der ständischen Sonderrechte Kleve völlig mit dem brandenburgisch-preußischen Staat.

Nachdem Kleve 1757-1762 in französischer Gewalt gewesen war, blieb Preußen im Besitz des eigentlichen Herzogtums bis zum Frieden von Basel 1795, in welchem es den Teil auf der linken Rheinseite an Frankreich abtrat. Nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft Ende 1813 wurde Preußen auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 das gesamte Rheinland zugesprochen.

Herzogtum Jülich
Nach dem Aussterben des Fürstenhauses mit Herzog Johann Wilhelm am 25. März 1609 machen mehrere deutsche Fürsten, besonders Sachsen, Brandenburg und Pfalz-Neuburg, auf seine Hinterlassenschaft Ansprüche geltend. Dieser Streit wird als Jülich-Klevischer Erbfolgestreit bekannt und dauert von 1609 bis 1614.

Das Haus Sachsen gründet seine Ansprüche an die Erbschaft auf ein kaiserliches Versprechen, dass Kleve, im Fall der Mannesstamm des dortigen Fürstenhauses ausstürbe, an das Haus Sachsen fallen solle. Hiergegen erheben sich die weiblichen Erben (drei Schwestern des Herzogs Johann Wilhelm und deren Nachkommen), denen Karl V. 1546 das Recht der Succession zugesprochen hat.

Die älteste der Schwestern, Marie Eleonore, war an den Herzog von Preußen, Albert Friedrich von Brandenburg, vermählt gewesen und noch vor ihrem Bruder gestorben. Sie hatte aber aus jener Ehe eine Tochter, Anna, hinterlassen, die an den Kurfürsten Johann Siegmund von Brandenburg verheiratet war und sich, dem Heiratsvertrag ihrer Mutter von 1573 gemäß, als Erbin der Ansprüche derselben betrachtet.

Sofort nach dem Tod Johann Wilhelms ergreifen Brandenburg und Pfalz-Neuburg Besitz der Erbschaft. Im Einverständnis mit Sachsen verlangt aber der Kaiser zunächst, bis nach erfolgter Ausgleichung der Sache, Jülich, Kleve und Berg zu sequestrieren, und lässt sogleich den Erzherzog Leopold mit kaiserlichen und den Erzherzog Albrecht mit spanischen Truppen aus den Niederlanden in die Herzogtümer einrücken.

Spanische und holländische Truppen rücken nun gleichzeitig ins Land, die spanischen für die Pfalz, die holländischen für Brandenburg. Da aber die Furcht vor einem allgemeinen Krieg überwiegt wird am 12. November 1614 ein Vertrag zu Xanten über eine geteilte Verwaltung mit Vorbehalt des Kondominats vermittelt. Der Pfalzgraf erhält Jülich und Berg, der Kurfürst von Brandenburg Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein. Doch bleiben die fremden Truppen im Lande; die Holländer halten die klevischen Festungen bis 1672 besetzt. Erst am 9. September 1666 schließt der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit dem Pfalzgrafen Philipp Wilhelm einen Erbvergleich auf Grund des Status quo, nach welchem ersterer Kleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg, der Pfalzgraf Jülich und Berg behalten und nach dem Aussterben des Mannesstamms der einen Linie die andere erben sollte.

Grafschaft Mark
Adolf III. von der Mark, der Sohn Adolfs II. von der Mark und der Margaretha von Kleve, erwarb 1368 auch diese Grafschaft, und 1391 wurden die Grafschaften Kleve und Mark erstmals in Personalunion vereinigt. Beide Grafschaften gehörten später zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Als Folge der Soester Fehde (1444–1449) gelangte die Stadt Soest mit der Soester Börde unter die Herrschaft des Herzogs von Kleve und Mark und damit in enge Verbindung zur Grafschaft Mark. Das Verhältnis der Stadt Soest zu ihren neuen Herren war von sehr weitgehender Selbstverwaltung geprägt.

1609 starb das Herschergeschlecht im Mannesstamm aus, und die Mark gelangte bei der Teilung der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg zunächst provisorisch und 1666 beim Erbvergleich dann definitiv an Brandenburg.

Während der napoleonischen Kriege wurde die Grafschaft 1807, als Folge des Tilsiter Friedens, vorübergehend durch Frankreich annektiert. Durch die Neuordnung der Teritorialstaaten des aufgelösten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation durch Napoleon kam die Grafschaft schließlich, als Teil des Ruhrdepartements, an das Großherzogtum Berg. Mit Napoleons Niederlagen in Russland und der Völkerschlacht bei Leipzig endete die großherzogliche Herrschaft, und ab 1813 war die Grafschaft wieder preußisch.

Grafschaft Ravensberg
1511/21 wird Jülich-Berg-Ravensberg durch Erbfall mit Kleve-Mark zu Jülich-Kleve-Berg verbunden. Die Herzöge stehen den Ideen der Reformation, die seit etwa 1525 sich im Ravensbergischen verbreiten, tolerant gegenüber, so dass hier die Bevölkerung allmählich aber schließlich bis 1600 vollständig zum Luthertum übertritt. Als das Herzogshaus 1609 ausstirbt, kommt es zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit. Der Erbvergleich 1614 bringt Ravensberg zusammen mit Kleve und Mark an Brandenburg-Preußen.

Während des Dreißigjährigen Krieges durchziehen Truppen fast aller Kriegsparteien die strategisch wichtige Grafschaft, die Landesburgen werden mehrfach belagert. Der Friedensschluss 1648 bringt Brandenburg als günstige territoriale Verstärkung und Abrundung das der Grafschaft benachbarte Fürstentum Minden ein. Dazu kommt noch die Reichsstadt Herford, die 1652 aufgrund umstrittener Ansprüche annektiert und zu Ravensberg geschlagen wird.

Im Zuge der Neuordnung Deutschlands durch Napoleon I. wird die Grafschaft Ravensberg 1807 dem Königreich Westphalen (Kanton Bielefeld im Departement der Weser) eingegliedert, 1811 fallen der Norden und Westen unmittelbar an Frankreich (mehrheitlich Distrikt Minden im Departement der Oberen Ems); der Rest bildet ab 1811 mehrheitlich den Distrikt Bielefeld Paderborn im weiterhin westphälischen Departement der Fulda. 1813 erlangt Preußen infolge der Befreiungskriege das Gebiet zurück und stellt die Grafschaft zunächst symbolisch wieder her, verwaltungstechnisch hat dies im Rahmen des Zivilgouvernements zwischen Weser und Rhein keine Auswirkungen.

Die Grafschaft Ravensberg hört endgültig 1816 auf zu bestehen, ihr Gebiet wird auf die neugebildeten Kreise Bielefeld, Halle, Herford und Bünde (mit kleineren mindischen Anteilen) sowie zu kleinen Teilen Rahden verteilt. Die Kreise gehören zum Regierungsbezirk Minden und damit zur Provinz Westfalen.

Fürstentum Minden
Das Fürstentum entstand 1648, als gemäß den Bestimmungen des Westfälischen Friedens das lutherische Hochstift Minden säkularisiert und unter die Herrschaft des Kurfürstentums Brandenburg gestellt wurde, um jenes für den Verlust Vorpommerns zu entschädigen.

Die eingesetzte Regierung saß zunächst in Petershagen, ab 1650 vorübergehend und ab 1669 dauerhaft in Minden. Von hier aus wurden ab 1719 das Fürstentum Minden und die Grafschaft Ravensberg zusammen verwaltet (Minden-Ravensberg).

1807 wurde das Territorium von Napoleon I. dem Königreich Westphalen zugeschlagenwas sein Ende der Gebietseinheit darstellte. Im Königreich Westphalen repräsentierte das ehemalige Fürstentum in etwa den Distrikt Minden im Departement der Weser. 1810 fiel der Teil links der Weser und nördlich der Werre unmittelbar an das Kaiserreich Frankreich (als Distrikt Minden im Departement der Oberen Ems). Der westlich der Weser gelegene Teil (ganz oder teilweise u.a. die Kantone Windheim und Hausberge) fielen an den Distrikt Rinteln und mit ihm an das weiterhin westfälische Departement der Leine. 1813/14 kam das Land wieder unter preußische Kontrolle - zunächst als Teil des Zivilgouvernements zwischen Weser und Rhein.

Bei der Neugliederung des preußischen Staatsgebietes 1815 wurde das Fürstentum nicht wiederhergestellt, der Titel des Fürsten zu Minden blieb jedoch im Großen Titel der preußischen Herrscher erhalten. Das Gebiet wurde Teil des Regierungsbezirks Minden in der Provinz Westfalen und auf die Kreise Minden, Rahden, Bünde und Herford verteilt.

Brandenburgische Länder im Rheinland und Westfalen

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