Naturpark Barnim

Logo des Naturparkes Der Barnim ist eine Grenzregion in vielerlei Hinsicht. Der Naturpark Barnim wird dadurch zum Novum: Er ist das erste länderübergreifende Großschutzgebiet von Brandenburg und Berlin. Im Städtedreieck Berlin, Eberswalde und Oranienburg liegt der Brandenburger Teil des rund 750 Quadratkilometer großen Naturparks. Etwa fünf Prozent der Fläche befinden sich in den nördlichen Berliner Stadtbezirken Pankow, Reinickendorf und Weißensee; deutlich ist hier die Stadtkante am Horizont zu erkennen.

Der Barnim bezeichnet eine eiszeitlich entstandene Hochfläche, die zusammen mit den Teilen des Eberswalder Urstromtals im Norden und der Havelniederung im Nordwesten den heutigen Naturpark bildet. Die letzte Eiszeit - die Weichselvereisung vor über 10.000 Jahren - vollzog hier jedoch lediglich den Feinschliff. Ein relativ "müder" Gletscher folgte mit geringer eigener Gestaltungskraft den Hinterlassenschaften der vorherigen Saale-Eiszeit, die die Hochfläche des Barnim schuf. So ist der Gletscherrand heute nur an wenigen Stellen durch hochaufragenden Endmoränen nachgezeichnet. Der hier verlaufende, zuweilen mehr als 80 Meter ansteigende Höhenzug zwischen Wandlitz, Ladeburg, Rüdnitz und Trampe bildet die Stromgebietsgrenze von Oder und Elbe und damit die Wasserscheide für die Fließgewässer des Barnim.

Wasser prägt das Gesicht des Naturparks. Auffallend sind die überall in der Feldflur verstreuten Ackerhohlformen - Sölle genannt - und die vielen kleinen und größeren Seen. Einzeln oder wie an einer Perlenkette aufgereiht finden sie sich entlang der Fließe in langgestrecktern ehemaligen Schmelzwasserrinnen. Die Kette Wandlitzsee, Rahmer- und Lubowsee führt in das lauschige Tal der Briese, die bei Birkenwerder in einem breiten Erlenbruch in die Havel mündet. Ein naturnaher, stark mäandrierender Abschnitt dieses Flusses im Nordwesten, die sogenannte Schnelle Havel, ist dort von weiten Feuchtwiesen und Mooren gesäumt. Über das Pregnitzfließ führt die Prendener Seenkette; Liepnitz- und Hellsee entwässern über das Hellmühlfließ und die Alte Finow. Andere Wasserläufe wie das Tegeler Fließ und die Panke fließen Berlin zu. Entlang dieser natürlichen Verbindungen liegen Kleinode, die das Land Berlin in den Naturpark einbringt: das Tegeler Fließtal, der Bucher Forst, die Karower Teiche und die Blankenburger Feldflur.

Die Endmoräne und die vorgelagerten Sander heute die großen, fast unzerschnittenen Waldgebiete, die mehr als die Hälfte der Naturparkfläche ausmachen. Zwar dominiert die Kiefer. Aber an vielen Standorten trifft man auf die ursprüngliche natürliche Vegetation: auf die für den Naturpark typischen Buchenwälder wie am Liepnitzsee oder in der Barnimer Heide, aber auch auf Eichenmischwälder im Kreuzbruch oder Erlenbruchwälder im Finow- und im Briesetal.

Am Grund der Gletscher entstanden die Grundmoränenflächen, die süöstlichen Teil des heutigen Naturparks lehmige, sehr fruchtbare Böden bilden. Überwiegend in diesem Bereich - auf insgesamt 40 Prozent der Naturparkfläche - wird Landwirtschaftbetrieben. An einigen Stellen im heutigen Naturpark - so in der bis vor wenigen Jahren militärisch genutzten Schönower heide und der Barnimer Heide bei Melchow - wurde nach dem Abschmelzen der Gletscher Sand zu Dünen aufgeweht. Ende der achtziger Jahre haben Geologen unter diesen Dünen eine bislang unbekannte, 11.000 Jahre alte Bodenschicht entdeckt und sie Finowboden getauft.

Die Rotbauchunke ist das Wappentier des Naturparks. Wegen ihrer leicht zu erkennenden Bauchmusterung wird ihre Bestandsentwicklung stellvertretend für verschiedene Frösche, Kröten und Unken in einem brandenburgweiten Amphibienschutzprogramm der Naturschutzstation Zepernick untersucht. Die wasserreiche Agrarlandschaft des Barnim, in der noch 40 Sölle pro hundert Hektar zu finden sind, ist idealer Lebensraum für die vom Aussterben bedrohte Unkenart wie auch für Kammolch und Knoblauchkröte, Moor- und Wasserfrosch.

An den vielen naturnahen und unverbauten Fließgewässern des Barnim sind nicht nur Fischotter, Elbebiber und Wasserspitzmaus zuhause. Wasseramsel, Eisvogel und Gebirgsstelze sind seltene Vertreter der Vogelwelt im Naturpark. Bedrohte Kleinfische wie Steinbeißer und Bitterling kommen hier ebensovor wie der Edelkrebs. Die bei Feinschmeckern beliebte Kleine Maräne kann noch im Liepnitz- und Wandlitzsee gefischt werden. In die Altholzbestäde einiger Seeufer ist die Schellente als Brutvogel zurückgekehrt und leistet Fisch- und Seeadler Gesellschaft. In den von den Gewässern gespeisten Mooren und zuweilen orchideenübersäten Feuchtwiesen brüten Kranich und Wachtelkönig, Weiß- und Schwarzstorch finden hier ihre Nahrung.

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, ob der Name Barnim vom slawischen Personennamen Barnimir, vom Pommernkönig Barnim I., der 1230 das Land Barnim abtreten mußte, oder vom altpolnischen Bara (Sumpf) abstammt. Auf jeden Fall ist der Barnim sehr altes und traditionelles Kulturland. Historisch gewachsene Siedlungsstrukturen - zu erkennen am Angerdorf Schönfließ, am Winkeldorf Zepernick, in der Streusiedlung Kreuzbruch, am Straßendorf Schönwalde oder an der mittelalterlichen Stadtmauer Bernau - sind Zeugen jüngerer Geschichte. Die vielerorts erhalten gebliebenen Feldsteinkirchen zählen ebenso zum kulturellen Erbe wie der sehenswerte Finowkanal im Norden des Naturparks, der jüngst sein 250jähriges Jubiläum feierte.

Quer durch den Naturpark verläuft die Grenze des sogenannten Berliner Speckgürtels, die dem Gebiet hinsichtlich der Gewerbeansiedlung, der touristischen Struktur und der Bevölkerungsdichte ein Nord-Süd-Gefälle verleiht. Die Nähe zur Großstadt Berlin ist vor allem eine Chance, im gesamtem Naturpark eine naturvertägliche Land- und Forstwirtschaft und einen naturschonenden Fremdenverkehr zu fördern. Mit dem "Melchhof" in Melchow und den Hoffnungstaler Werkstätten in Lobetal arbeiten zwei Bio-Betriebe im Naturpark, die wie der Oberhavel-Bauernmarkt in Schmachtenhagen ihre regionalen Produkte erfolgreich direkt vermarkten. In den Berliner Forstämtern Buch und lanke wird - historisch durch die Erholungsnutzung des Waldes bedingt - bereits seit langem nach den Richtlinien eines naturnahen Waldbaus gewirtschaftet.

Der Naturpark Barnim ist der einzige in Brandenburg mit direktem S-Bahn-Anschluß. So sind die vielen Ausflugziele gut und umweltfreundlich mit der Bahn erreichbar. Besonders beliebte Badeseen der Brandenburger und Berliner sind Liepnitz-, Wandlitz- und Lehnitzsee. Das Briesetal und die Heidelandkrautbahn, die Hussitenstadt Bernau und die Waldstadt Eberswalde, das Agrarmuseum in Wandlitz und die Märkische Eiszeitsträße sind in ein bereits gut ausgeschildertes Wanderwegenetz eingebettet. Erlebnisse der besonderen Art bietet der Naturpark-Äquator, eine Langstreckenwanderung des Wandersportverbandes Berlin, und der Naturpark-Meridian - eine jährlich stattfindende Radtour mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und dem Naturpark-Förderverein.

weitere Informationen:
Naturparkverwaltung Barnim
Wandlitzer Chaussee 55
16321 Bernau
Telefon : (03338) 751760
Fax : (03338) 7517613
eMail: np-barnim@lua.brandenburg.de
Internet : www.barnimnatur.de
Internet : www.np-barnim.de