Naturpark Nuthe-Nieplitz

Logo des Naturparkes Nur 40 Auto-Minuten von Berlins Zentrum und 20 Minuten von der Landeshauptstadt Potsdam entfernt eröffnet sich eine Landschaft wie aus einer anderen Welt - die Nuthe-Nieplitz-Niederung. Der majestätisch über weiten Wiesen kreisende Rotmilan, Störche auf ihren Horsten in alten märkischen Dörfern, der süße Duft der Pappeln entlang der Nuthe und Nieplitz: Das strahlt eine ländliche Ruhe und Gelassenheit aus, die man eben noch im Gewühl der beiden Hauptstädte nicht für möglich gehalten hätte.

Der Naturpark erstreckt sich von Saarmund im Norden bis nach Jüterbog im Süden und wird östlich von der Bundesstraße B 101, im Westen von der Autobahn A9 begrenzt. Er repräsentiert die Großlandschaft der mittelbrandenburgischen Platten und Niederungen und schließt sich im Süden an den Fläming an.

Das Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung ist das Herzstück des 623 Quadratkilometer großen Naturparks. Hier wurde 1992 Brandeburgs erstes Naturschutzgroßprojekt von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung eingerichtet. Wie an einer Kette reihen sich die Seen in der Niederung aneinander. Der größte ist der Blankensee, ein Vogelparadies mit bis zu 400 m breiten Schilfgürtel.

Im Naturpark gibt es keinesweg nur plattes Land - Wanderer und Radfahrer können leicht ins Schwitzen geraten. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog West trifft die Altmoräne der Saale-Eiszeit (vor 170.000 Jahren) auf die Jungmoräne der jüngsten, vor 12.000 Jahren zu Ende gegangenen Weichsel-Eiszeit. Ihre Moränen durchziehen den Naturpark von Potsdam bis zum nördlichen Fläming als zuweilen recht steile Erhebungen. Nur der markante, fast vier Kilometer lange Zug der Glauer Berge mit dem Fontane-Wanderweg verläuft in ost-westlicher Richtung - eine Laune der Eiszeit.

Überschwemmungen waren in der Niederung lange Zeit eine ernste Bedrohung. Vieh ertrank, Ernten verfaulten auf den nassen Feldern. Seit 1776 sind Nuthe und Nieplitz, die bei Jütchendorf zusammenfließen, immer wieder reguliert und begradigt worden. Heute gibt es nur noch wenige naturnahe Abschnitte : Beispielsweise das obere Nieplitztal nahe Treuenbrietzen und der Nutheverlauf im östlichen Abschnitt des Naturschutzgebietes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog West.

Sinkende Wasserstände wirkten sich Ende des 19. Jahrhunderts merklich auf den Fischfang aus. So wurden aus Fischern notgedrungen Ackerbauern. Besonders in den 60er Jahren wurden Wiesen und Felder systematisch entwässert. Schöpfwerke hielten die Flächen der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften trocken. Sie wurden 1991 abgeschaltet. Danach stieg der Wasserspiegel wieder deutlich an. Innerhalb kurzer Zeit bildeten sich im Zauchwitzer Busch bei Stangenhagen ausgedehnte Flachwasserseen: Überflutete Wiesen, die spontan von zahlreichen Wasservögeln und -pflanzen besiedelt wurden. Weithin leuchtet das weiße Gefieder zahlloser Höcker- und seltener Singschwäne. Der Seeadler hat hier sein Nahrungsgebiet. Überwinternde nordische Feldgänse nutzen die Flächen als Schlafgewässer. Im Uferröhricht quaken Moor-, Teich- und Grasfrosch, Erd- und Knoblauchkröte um die Wette.

Die beiden Naturpark-Städte liegen an der Nieplitz. Beelitz ist bekannt für seine Heilstätten und den Spargel. "Beelitzer Spargel" ist ein Qualitätsbegriff für das weiße Edelgemüse, das von April bis Juli auf vielen Feldern der Region gestochen wird. Die Sabinchenstadt Treuenbrietzen erinnert mit jährlicher Sabinchen-Kür und mit einem Denkmal an die schaurig-schöne Moritat vom holden "Frauenzimmer", das einem treulosen Schuhmacher zum Opfer fällt.

Beide Orte haben einen restaurierten Stadtkern und eine reizvolle Umgebung: Bei Beelitz die Nieplitzniederung und der große Beelitzer Stadtwald; bei Treuenbrietzen das malerische obere Nieplitztal und das Niedermoorgebiet Zarth mit dichtem Laubwald, feuchten Wiesen und kleinen Bächen.

Viele seltene und gefärdete Tier- und Pflanzenarten leben im Gebiet. Aber nicht nur sie verdienen Beachtung. Wer auch kleine Schönheiten wahrnimmt, den spricht der Naturpark mit allen Sinnen an. In den alten Bäumen vieler Ortschaften schlägt auch am Tag die Nachtigall. Der Ameisenlöwe lauert in winzigen Sandkratern auf "abstürzende" Ameisen. Über Moorwiesen hängt im Juni der aromatische Duft des baldrians. Das Schnarren der Ödlandschrecke mit ihren kornblumenblauen Hinterflügeln ist nicht zu überhören. Und in der Dämmerung ist über dem Wasserspiegel das lautlose Huschen eines kleinen, mit nadelspitzen Zähnen bewaffneten Raubtieres zu beobachten: Die Wasserfledermaus geht auf Beutefang.

Im Herbst und Frühjahr ist weithin der Ruf des Kranichs, "Wappentier" des Naturparks, zu hören. Tausende von Wildgänsen durchkreuzen unter unaufhörlichen Rufen im charakteristischen "V" den Himmel.

Auf dem früheren Truppenübungsplatz Jüterbog West wurden 635 Arten Farn- und Blütenpflanzen nachgewiesen. Wiedehopf und Ziegenmelker haben hier einen Verbreitungsschwerpunkt. Für die Region einmalig sind die großen Lurch- und Kriechtierpopulationen mit Laubfrosch, Rotbauchunke, Kreuzkröte und Schlingnatter. Die Dünen-Springspinne, der Dornfinger und die Zweigestreifte Quelljungfer sind Vertreter einer reichhaltigen Wirbellosenfauna. Hier gibt es auch eine etwa neun Hektar große Wanderdüne. Sie ist eine der letzten aktiven Flugsanddünen im deutschen Binnenland.

Aufgrund seiner Munitionsbelastung bleibt der ehemalige Truppenübungsplatz ein in drei Zonen eingeteiltes Sperrgebiet. Durch ein Netz von Wander-, Rad- und Reitwegen in den umgebenden Randbereichen soll die einmalige Naturausstattung in Zukunft aber für Besucher erlebbar gemacht werden.

Rund 500 Jahre lang lagen die Geschicke zwischen Nuthe und Nieplitz in den Händen des Adelsgeschlecht derer von Thümen. Unter ihnen gab es ebenso tollkühne wie streitbare Vertreter. Im 16. Jahrhundert soll ein von Thümen in der Blankenseer Kirche hoch zu Ross die Treppe zur herrschaftlichen Loge hinaufgeritten sein. Der Sage nach brachen Ross und Reiter sich dabei den Hals. 1865 starb Leo von Thümen eines gewaltsamen Todes: Der rechthaberische und streitsüchtige Adlige war so verhasst, dass ein aufgebrachter Inspektor ihn erschoss. 1902 verkaufte Viktor von Thümen als letzter Gutsherr den hochverschuldeten Familienbesitz, darunter auch das Schloss in Blankensee. Schloss und Park erwarb der Schriftsteller und Dramatiker Herrmann Sudermann, der den Park mit Kunstschätzen ausstattete, die er von seinen Reisen mitbrachte. Nach wechselvoller Geschichte ist heute die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Hausherr im Schloss Blankensee.

Im benachbarten Stücken wurde 1993 das Naturschutzzentrum eingeweiht. Es ist Sitz der Naturparkverwaltung, des Landschafts-Fördervereins Nuthe-Nieplitz-Niederung und der Naturwacht. Fast das ganze Jahr über, nahzu jedes Wochenende, starten von hier aus geführte Wanderungen oder Radtouren, auf denen Besucher die schönsten Winkel des Naturparkes kennenlernen können. Schon heute locken die Natur, Bauernmuseum, Schloss und Sudermann-Park in Blankensee, freundliche Landgasthäuser, das Spargelmuseum in Schlunkendorf, und nicht zuletzt die Badestellen am Seddiner See und in Dobbrikow viele Besucher in die Region.



weitere Informationen:
Naturparkverwaltung Nuthe-Nieplitz
Beelitzer Straße 24
14947 Nuthe Urstromtal OT Dobbrikow
Telefon : (033732) 50610
Fax: (033732) 50620
eMail: Astrid.Schuette@LUA.Brandenburg.de
Internet : www.naturpark-nuthe-nieplitz.de