Naturpark Stechlin-Ruppiner Land

Logo des Naturparkes "Im Norden der Grafschft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von den Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hier und da mit ein paar alten Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung."

Dieser Flecken Erde, den der märkische Dichter und Wanderer Theodor Fontane zum Ende des 19. Jahrhunderts beschrieb, hat sich sein Gesicht bis heute bewahrt. Er ist das Herz des heutigen Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. Das 800 Quadratkilometer groß Gebiet liegt im Norden Brandenburgs zwischen den Städten Fürstenberg, Gransee, Neuruppin und Wittstock. 60 Kilometer von Berlin entfernt, grenzt es direkt an Mecklenburg-Vorpommern und ist mit dem Nationalpark Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) und dem Naturpark Uckermärkische Seen (Brandenburg) verbunden.

Im Naturpark wohnen 17.000 Menschen in 38 Gemeinden und den Städten Rheinsberg und Lindow. Während sie jahrhundertelang fast ausschließlich von der Forst- und Landwirtschaft lebten, sichert heute immer mehr der Fremdenverkehr das Auskommen der Bewohner. Die Landschaft ist dabei ihr wichtigstes Kapital.

Buchenwälder und Klarwasserseen - das sind die Markenzeichen des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land . Auf zwei Drittel der Naturparkfläche wachsen Wälder. Besonders schön und ökologisch wertvoll sind die großflächigen Buchenwälder. In Deutschland kommt die Buche nicht einmal mehr als fünf Prozent ihrer ursprünglichen Standorte vor - im Naturpark sind es noch rund 25 Prozent.

Mehr als 100 Seen gibt es im Naturpark, darunter viele hier zu Lande seltene Klarwasserseen. Rund die Hälfte aller nährstoffarmen Klarwasserseen Brandenburgs befindet sich in diesem Gebiet. Der Groß Stechlin - 425 Hektar groß und bis zu 68 Meter tief - ist der größte und bedeutenste in der gesamten norddeutschen Tiefebene. Sein Name kommt aus dem Slawischen. Entweder der "steklo" - das bedeutet "Glas" und weist auf das klare Wasser hin - oder von "-tek", was so viel wie "fließen, bewegen" bedeutet. Schon bei mäßen Wind schlagen auf dem Stechlin die Wellen erstaunlich hoch. Der See wiederum ist der Namenspatron für Fontanes Spätwerk "Der Stechlin" und den heutigen Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.

Angeln und Baden sind in fast jedem See möglich. Zum Paddeln eignen sich neben den Havel- und Rhingewässern besonders die Rheinsberger Seen. Am Rheinsberger Rhin beispielsweise unterstützt die Naturwacht mit Hinweistafeln einen naturschonenden Wassertourismus auf dieser sensiblen und bei Paddlern sehr beliebten Wasserwanderstrecke. Dampferfahrten sind u.a. von Rheinsberg und Neuruppin aus möglich. Fast jeder See im Naturpark kann zu Fuß umwandert werden. Um Rheinsberg herum besteht ein gut ausgebautes Radwegenetz.

Das Wappentier des Naturparks ist die Schellente - ihr Fluggeräusch erinnert an das Schellen einer Glocke. Sie ghört zu den Tauchenten und jagt auf Sicht. Wegen ihres goldenen Augenrings wird sie im Englischen "Golden Eye" genannt. Die Schellente brütet in ehemaligen Schwarzspechthöhlen alter Buchen. Faszinierend ist der "Ausflug" der Jungenten. Die kleinen "Wattebäusche" springen aus den zum Teil acht Meter und höher liegenden Nestern zu Boden und watscheln der lockenden Entenmutter zum Gewässer nach. Deshalb ist das Stechlinseegebiet mit seinen Klarwasserseen und Altbuchenbeständen ein idealer Lebensraum der scheuen Enten.

Das Naturparkhaus Stechlin in Menz zieht über zwei Jahren als Besucherzentrum für den Naturpark viele Gäste in die Stechlinseeregion. Das Gebäude der alten, schon von Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erwähnten Oberförsterei wurde von der Gemeinde Stechlin und dem "Förderverein Naturlandschaft Stechlin und Menzer Heide e.V." sehr aufwendig rekonstruiert. Die vor allem auf Familien ausgerichtete Ausstellung stellt die Naturräume des Gebietes dar.. Der erhobene Zeigefinger fehlt, dafür ist "Spielen" angesagt. Der Besucher irrt durch einen Ameisenhaufen, belegt einen Kurs in Moorfrosch-Quaken, telefoniert mit einem Kranich und ist die ganze Zeit mit Schnuppern, Tasten und Knöpfe-Drücken beschäftigt. Hier gibt es Informationsmaterial, Wanderkarten und Empfehlungen für Ausflüge. Das Naturparkhaus Stechlin hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter bis 16 Uhr.

Während Rheinsberg schon lange mit Besucherströmen vertraut ist, ist im Drei-Seen-Städtchen Lindow Entspannung pur angesagt. Als erstes entstand auf einer Landenge zwischen Gudelack- und Wutzsee ein Kloster, um das sich die Sage von der schönen Nonne rankt. Verliebt in einen Jungen von niederem Stande, wurde das Mädchen von den Eltern ins Lindower Kloster geschickt. Der Jüngling schabte und kratzte so lange an den Klostermauern, bis er mit der Angebeteten fliehen konnte. Die beiden sind spurlos verschwunden; nur zur Mitternachtsstunde ist dort, wo die Liebenden die Klostermauer überwanden, ein Kratzen und Schaben zu hören ...

Neben der Klosterruine und der Lindower Stadtkirche sind vor allem die drei umgebenden Seen ein lohnendes Ausflugziel.

Das Schloss Rheinsberg geht vor allem auf den Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zurück, dessen Fähigkeiten Friedrich der Große auch für das Schloss Sanssouci heranzog. Der Preußenkönig wohnte als Kronprinz von 1736 bis zum Tode seines Vaters 1740 im Rheinsberger Schloss und bezeichnete diese Zeit später als die schönste seines Lebens. Im Schloss befindet sich heute - neben dem Spiegelsaal und Muschelsaal - auch eine Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte. 1912 setzte der Dichter und Satiriker der Stadt mit "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte" ein literarisches Denkmal. Rheinsberg iat u.a. Gastgeberin der alljährlichen Opernfestspiele, beherbergt ein Schlosstheater sowie eine Musikakademie und betreibt jedes zweite Oktoberwochenende einen Töpfermarkt mit über siebzig Ausstellern aus ganz Deutschland. Einen Abstecher lohnt auch die Grabstätte derer von Fredersdorf in Zernikow. Der ehemalige Kämmerer Freidrich des Großen bekam für seine Dienste Zernikow zum Dank und fand in der lieblichen Landschaft mit Alleen und Hecken seine letzte Ruhe.

Seit einhundert Jahren ist das heutige Naturparkgebiet als Sommerfrische bekannt. Erholung in der Natur ist aber nicht nur an den Lindower Seen oder am Stechlinsee bei Neuglobsow möglich, sondern überall im Naturpark : an den Havel- und Rhingewässern, in der Ruppiner Schweiz, in der Baumgarten-Meseberger Heide, im Rheinsberger Becken und im Zempow-Sewekower Wald- und Seengebiet. Die Mitarbeiter der Natruwacht geben gern den einen oder anderen Ausflug(geheim)tipp oder organisieren auf Nachfrage Führungen und Exkursionen.

weitere Informationen:
Naturpark Stechlin-Ruppiner Land
Am Friedensplatz 9
16775 Stechlin OT Menz
Telefon : (033082) 40 70
eMail : np-stechlin-ruppiner-land@lua.brandenburg.de