Naturpark Märkische Schweiz

Logo des Naturparkes "... und bei bloßer Nennung des Namens steigen freundliche Landschaftsbilder auf : Berg und See, Tannenabhänge und Laubholzschluchten, Quellen, die über Kiesel plätschern und Birken, die, vom Winde halb entwurzelt, ihre langen Zweige bis in den Waldbach tauchen."

So sah Theodor Fontane die betörende und einmalige Vielfalt dieser Landschaft inmitten der "Brandenburgischen Streusandbüchse". Und der Besucher heute findet all die landschaftlichen Reize wieder, die Fontane einst beschrieb - ob Drachenkehle, Teufelsstein, Silberkehle oder den malerischen, sagenumwobenen Schermützelsee. Kein Wunder, daß gerade die Märkische Schweiz mit Wirkung vom 1. Oktober 1990 auf 200 Quadratkilometer Fläche den Rang eines Naturparkes erhielt.

Der Naturpark ist mit seinen 205 Quadratkilometer der kleinste, aber "dienstälteste" im Land Brandenburg. Er liegt im Kreis Märkisch-Oderland und wird von Strausberg im Westen, Müncheberg im Südosten und dem Schinkeldorf Neuhardenberg im Nordosten eingerahmt.

Auf der kleinen Fläche sind fast alle Landschaftsformen der Mark Brandenburg aufzuspüren : Seen und Bäche, Laubwälder, Schluchten und Täler, Moore und Fischteiche, Sölle und Quellen, Felder, Wiesen, Hecken und eine kleine Sanddüne bei Münchehofe. Sie sind hauptsächlich in der letzten Brandenburger Eiszeit entstanden, die vor rund 12.000 Jahren zu Ende ging. Kräftige Schmelzgewässer haben die Buckower Rinne ausgewaschen, die heute quer durch den Naturpark führt. Im Buckower Kessel liegt der größte See des Naturparks, der 146 Hektar große und etwa 40 Meter tiefe Schermützelsee. Nur anderthalb Kilometer weiter erhebt sich mit 129 Metern der Krugberg. Außer dem Schermützelsee sind auch der Große Klobichsee, der Buckowsee und der Große Däbersee über zehn Hektar groß und mehr als zehn Meter tief. In der Pritzhagener Forst liegen der Kleine und Große Tornowsee nur 250 Meter auseinander - aber mit einem Höhenunterschied von 16,5 Metern !

Die Kraft des Eises ist heute noch sichtbar : an riesigen Findlingen wie dem Bollersdorfer Stein mit 18 Metern Umfang oder an den "Kehlen". Die für hiesige Verhältnisse ungeheuer tief eingeschnittenen Schmelzwasserrinnen targen solche illustren Namen wie Silberkehle, Buchenkehle oder Wolfsschlucht. Bei aller Enge gibt es auch schöne weite Ausblicke : vom Panoramaweg und der Bollersdorfer Höhe auf den Schermützelsee, vom Krugberg und vom Dachsberg in die Pritzhagener Berge, von "Schau ins Land" in Münchehofe über den Klobichsee oder vom Galgenberg bei Reichenberg über die weiten Felder des Oberbarnim.

Fast die gesamte Naturparkfläche ist Europäisches Vogelschutzgebiet. Zu den 143 gezählten Brutvogelarten gehört die créme de la créme : Schwarz- und Weißstorch, Rot- und Schwarzmilan, Wespenbussard, Seeadler und Kranich. Aber auch die kleineren Vertreter wie Schwarz- und Mittelspechte, Waldwasserläufer oder Sperbergrasmücke beweisen die Güte und Vielfalt der Lebensräume.

Im Teichgebiet von Altfriedland und Karlsdorf rasten im Herbst bis zu 40.000 Saat- und Blesgänse aus Nordeuropa. Das knapp 300 Hektar große Areal ist im Zusammenspiel von Natur und menschlichen Einfluss entstanden. Flussseeschwalben, Lach- und Silbermöwe gehören ebenfalss zur Szenerie. Hier wird auch heute noch gefischt und alljährlich das Fischerfest gefeiert. Im Teichgebeit hat der Naturpark zwei Beobachtungskanzeln errichtet - von dort sind mit dem Fernglas viele Wasservögel sogar beim Brüten zu beobachten.

Der Stobber ist das zentrale Fließgewässer des Naturparks. Er entspringt im Roten Luch und durchfließt von Südwesten nach Nordostenb die Seen des Buckower Kessels Feuchtwiesen, Reste von Auenwäldern und Quellgebeite säumen seinen naturnahen Lauf. Das klare, sauerstoffreiche, bewegte Wasser liebt die Gemeine Keiljungfer (oder Flussjungfer), eine von 53 bislang im Gebiet nachgewiesenen Libellenarten und gleichzeitig Wappentier des Naturparks.

Auf den 25 Kilometern im Naturpark verliert der Stobber 43 Meter an Höhe. Die acht Mühlräder am Fluss sind heute weitgehend verschwunden. Geblieben sind jedoch die Staue. Die flussauf wandernden Fischarten können sie nicht überwinden.

Deshalb wurden im Naturpark acht Staueinrichtungen zu treppenförmigen Wasserkaskaden umgebaut. Die Fische sind nun in der Lage, den Höhenunterschied "Schritt für Schritt" zu bewältigen. Von Jahr zu Jahr und mit jeder neu hinzugekommenen Fischtreppe steigt die Anzahl der wandernden Fische. Allein zwischen Pritzhagener und Eichendorfer Mühle tummeln sich heute 20 Fischarten, darunter solche seltenen wie Döbel, Bitterling, Schlammpeitzger, Steinbeißer und auch der Gründling. Vir dem Bau der Treppe waren es nur sechs. Jetzt hat sich aus wieder der Biber zu Fischotter, Wasserspitzmaus und Flussmuschel gesellt.

Gut ein Drittel des Naturparks ist heute Wald. Er ist auffallend reich an ökologisch wertvollem Totholz und Laubhölzern, z.B. Ulmen, Rot- und Hainbuchen, Stiel- und Traubeneichen. Im Buckower Kessel, einer großen Senke mit fünf Seen und vielen Schluchten, gibt es viel Nebel und feuchte Luft. Das gefällt der Rotbuche, die hier am Rande ihres natürlichen Verbreitungsgebietes gut wächst. Das Wort Buckow leitet sich von dem slawischen Wort "buk" für die Rotbuche ab.

Die Hochflächen waren schon immer dünn besiedelt. Die damals vorherrschende Gutswirtschaft mit großen Ackerschlägen ermöglicht heute die weiten unverbauten Blicke in die Landschaft. Ein gut entwickeltes System von Hecken und Gehölzgruppen fällt dabei zwischen Garzin, Bergschäferei, Prädikow und Grunow auf.

Anders sieht es im Buckower Kessel aus. Durch die räumliche Enge und das zersplitterte Eigentum der Buckower Ackerbürger wurden kleine Flächen bewirtschaftet. Soe entstanden die Buckower Weinberge oder die Ackerloser am Fontaneweg.

Um die durch Landnutzung entstandenen Landschaft am Leben zu erhalten, gibt die Naturparkverwaltung jährlich rund 250.000 Mark für den Vertragsschutz aus. Honoriert werden u.a. die Beweidung, um Halbtrockenrasen offen zu halten, die zeitlich gestaffelte Wiesenmahd, um den Bruterfolg für die Vögel zu verbessern und die Neuanlage von Hecken.

Aber es gibt auch Lebensformen und Arten, die uns menschen nicht brauchen. Dazu gehören zum Beispiel die Erlen-Eschenwälder im Natruschutzgebiet Stobbertal zwischen Buckow und der Pritzhagener Mühle, die Silberkehle, die Wolfsschlucht, die Hangwälder am Schermützelsee und der Altholzbestand im Naturschutzgebiet Tiergarten. In der vermeintlichen "Unordnung" ist hier die der Natur eigene Ordnung zu bewundern.

Mit dem Ausbau der Buckower Kleinbahn an der Eisenbahnstrecke Berlin-Küstrin entwickelte sich seit 1897 sprunghaft der Ausflugsverkehr. Neben Theodor Fontane reiste u.a. auch der Meister des epischen Theaters, Bertolt Brecht, in die Märkische Schweiz. Daran erinnert heute das "Brecht-Weigel-Haus" in Buckow, in dem alljährlich der Literatursommer stattfindet. Jahr für Jahr ziehenMusiker mit ihrem Repertoire durch Dorfkirchen im Naturpark. Im stadtpark von Buckow wird in jedem Sommer "Klassik im Grünen" veranstaltet. Das kleine, fast 2.000 Einwohner zählende Städtchen Buckow ist damals wie heute "Hauptstadt" der Märkischen Schweiz. Es erhielt bereits 1854 höchstes Lob vom Leibarzt des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. : "Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt." In dem staatlich anerkannten Kneipp-Kurort gibt es eine Reha-Klinik mit 220 und eine Mutter-Kind-Klinik mit 100 Betten. Der Naturpark soll dazu beitragen, dass sich der Tourismus in Buckow und in der M6auml;rkischen Schweiz wieder zur wichtigen Erwerbsquelle entwickeln kann.

Eine Ausstellung und Natur-Tourismus-Informationen gibt es in Buckow im Besucherinformationszentrum Schweizer Haus, dem Sitz der Naturparkverwaltung und der Naturwacht. Dort erhalten Besucher Kartenmaterial über das 150 Kilometer umfassende Wanderwegenetz im Naturpark, Empfehlungen für Radtouren und Publikationen.Hier erfährt man alles über die beliebten Lurch- und Fledermauswanderungen der Naturwacht und über die Paket-Angebote für einen ökologischen Kinder- und Jugendtourismus.

Kommen Sie in die Märkische Schweiz und erleben Sie eine Landschaft, die Kindheitserinnerungen wachruft, zum Verweilen und Träumen einlädt.

weitere Informationen:
Naturpark Märkische Schweiz
Besucherinformationszentrum Schweizer Haus
Lindenstraße 33
15377 Buckow
Telefon : (033433) 15841 oder 15846
eMail: schweizer.haus@lua.brandenburg.de
Internet : www.maerkische-schweiz.com