Die Neumark
Ostbrandenburg setzte sich aus verschiedenen Gebieten zusammen. Der Neumark mit den Kreisen Königsberg/Neumark, Soldin, Landsberg/Warthe, Friedeberg, Arnswalde, Dramburg und Schivelbein, dem Land Sternberg, dem Herzogtum Crossen und dem Kreis Züllichau-Schwiebus, der Niederlausitz mit den Kreisen Sorau und Guben, und den nach der Polnischen Teilung dazugekommenden Kreisen Schwerin/Warthe, Meseritz und Bomst. Dieses gebiet wurde dann als die neumark bezeichnet.
Die Neumark war bis 1945 Bestandteil der Mark Brandenburg und somit der Provinz Preußen. Das Gebiet der Neumark war im Westen und Süden von der Oder begrenzt, im Norden lag Pommern und im Osten Polen bzw. die Provinz Posen. Neben der Oder beherrschten die Flüsse Warthe und Netze mit ihren weiten Sumpfgebieten die Landschaft. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung (Ende des 17. Jahrhunderts) umfasste die Neumark die Kreise Königsberg/Neumark, Soldin, Landsberg/Warthe, Friedeberg, Arnswalde, Dramburg, Schivelbein, Sternberg, Crossen und Cottbus.

Der Dreißigjährige Krieg machte der Neumark schwer zu schaffen. Schwedische wie kaiserliche Truppen zogen plündernd und brandschatzend durch das Land, die Pestepidemien der Jahre 1626 und 1631 rafften die Bevölkerung dahin. Während der schwedischen Besetzung musste die Neumark 60.000 Taler und 10.000 Wispel Roggen an Stationierungskosten aufbringen.
Mit der Gründung des preußischen Staates 1701 begann sich die Situation der Neumark wieder zu verbessern. Bereits unter König Friedrich I. setzte eine neue Kolonisationswelle ein, und zu den neuen Einwanderern zählten auch zahlreiche reformierte Franzosen, die ihres Glaubens wegen ihre Heimat verlassen mussten. Zielgerichtet wurde in der Neumark das Tuchmacherhandwerk angesiedelt. Einen erneuten Rückschlag für das wirtschaftliche Leben brachte der Siebenjährige Krieg mit sich, als erneut hohe Kontributionen aufgebracht werden mussten. Erheblicher Landgewinn und wirtschaftliche Konsolidierung kam durch das Trockenlegungsprogramm von Friedrich dem Großen für das Warthe- und Netzebruch ab 1770 für die Neumark zum Tragen.

Die Rote Armee erreichte die Neumark Ende Januar 1945. Von den 645.000 Einwohnern (Volkszählung 1939) waren noch rund 400.000 anwesend, von ihnen kamen in den darauffolgenden Wochen bis Kriegsende bis zu 190.000 gewaltsam ums Leben (d.h. 47,5 % der anwesenden Gesamtbevölkerung). Das ostbrandenburgische Gebiet ist damit die Region Deutschlands mit den höchsten Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Während bis kurz nach den Kämpfen kam es zu Kriegsverbrechen der sowjetischen und polnischen Armee an der deutschen Zivilbevölkerung Ostbrandenburgs, insbesondere zu Massenvergewaltigungen und Raubmorden. Die verbliebene Restbevölkerung wurde dann in den Jahre 1945 bis 1947 nahezu vollständig vertrieben. Die Vertreibung und vollständige Enteignung der deutschen Bevölkerung erfolgte mit Hilfe der von der polnischen Regierung erlassen Bierut-Dekrete. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, zumeist Spezialisten wie Techniker für Wasserwerke wurde zurückgehalten und musste Zwangsarbeit leisten. Diese Personengruppe durfte Ostbrandenburg Anfang der fünfziger Jahre verlassen.
Das Gebiet der Neumark war von jeher von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Auch die mittelgroßen Siedlungen war zumeist Ackerbürgerstädte. Vom 19. Jahrhundert an gewann das Tuchmachergewerbe an Bedeutung. Mit dem Bau der modernen Verkehrswege, der Reichsstraße 1 von Berlin nach Königsberg und der Ostbahn, wurde auch die Voraussetzung für industrielle Ansiedelungen geschaffen. Sie waren hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft ausgerichtet und konzentrierten sich auf die beiden großen Städte Landsberg/Warthe und Küstrin.
Im Frühjahr 1945 unterstellte die UdSSR das Gebiet durch einseitigen Beschluss der polnischen Zivilverwaltung. Durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz ("Potsdamer Protokoll") vom Juli/August 1945 kam das Gebiet offiziell unter polnische Verwaltung. Die ansässige Bevölkerung wurde bis 1947 vertrieben und per Dekret vom 6. März 1946 enteignet. An ihre Stelle traten zu etwa zwei Dritteln Bürger aus Zentralpolen sowie zu ca. einem Drittel ebenfalls aus ihrer Heimat vertriebene Ostpolen und Ukrainer. 1975-98 gehörte die Neumark zu den Woiwodschaften Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) und Zielona Góra (Grünberg); nur ein kleiner Teil um Chojna (Königsberg Nm.), gehörte zur Woiwodschaft Szczecin (Stettin).
Seit dem 1. Januar 1999 gehört fast die ganze Neumark der Woiwodschaft Lebus an. Ein kleiner Teil gehört zur Woiwodschaft Westpommern.
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Landkreise der Neumark :
Landkreis Crossen
Landkreis Guben
Landkreis Königsberg
Landkreis Landsberg
Landkreis Meseritz
Landkreis Oststernberg
Landkreis Schwerin
Landkreis Soldin
Landkreis Sorau
Landkreis Weststernberg
Landkreis Züllichau-Schwiebus


