Naturpark Schlaubetal

Logo des Naturparkes Als schönstes Bachtal Brandenburgs preisen die Einheimischen und Besucher das Schlaubetal - zu Recht. Auf ihrem 20 Kilometer langen Lauf im Tal liebt die Schlaube Abwechslung. Sie schlängelt sich durch Wälder und Schluchten, durchfließt Seen und Teiche, läßt Bäche und Moore hinter sich, säumt Wiesen und Binnendünen. Wo die Schlaube später in den Brieskower See und die Oder mündet, liegt wenig westlich Müllrose.

Das märkische Ackerbürgerstädtchen, anderthalb Bahnstunden von Berlin entfernt, bildet das nördliche Tor zum Schlaubetal. Der gleichnamige Naturpark erstreckt sich von hier über rund 35 Kilometer nach Süden bis vor das Braunkohlegebiet von Jänschwalde. Das Schlaubetal wurde als dritter Naturpark Brandenburgs 1995 eröffnet. Mit seinen 227 Quadratkilometern Fläche ist er Teil der Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald.

Das Antlitz der im Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet gelegenen Landschaft hat sich im Brandenburger Stadium der Weichseleiszeit herausgebildet, die vor 90.000 Jahren begann. Mit dem Zerfall des Eises entstanden die heute landschaftsprägenden Elemente : das Schmelzwasserrinnensystem der Schlaube, Ölse und Demnitz und die Sanderflächen bei Reichskreuz.

Das Tal der Schlaube und die Reichskreuzer Heide bilden das Herz des Naturparks. Sie werden im Osten durch das Dorchetal mit seinen Übergängen zur Auenlandschaft von Oder und Neiße und nach Süden durch das Gubener Naherholungsgebiet mit seinen vielen Badeseen ergänzt.

Mehr als zwei Drittel des Naturparks sind mit Wald bedeckt. Der nördlich und unweit der Schlaube-Quellen gelegene und von ihr durchflossene Wirchensee ist von verschiedenen Laubmischwäldern umgeben. Erlenbrüche, Buchen- und Hainbuchenwälder begleiten den Oberlauf der Schlaube. Wie ein Mittelgebirgsbach windet sie sich dort durch steile, bis zu 30 Meter hohe Schluchten. Hier sind mit Klautzke-, Kesselfließ und Boberschenk und weiter nördlich mit dem Planfließ noch unverbaute Seitenbäche zu finden. An einigen Stellen im Schlaubetal, u.a. im Naturschutzgebiet Teufelssee bei Schernsdorf, wachsen naturnahe Traubeneichen-Kiefern-Mischwälder. In diesem Bereich, in dem die Schlaube eine Kette von Seen durchfließt, sind auch noch ursprüngliche Buchenwäder erhalten geblieben.

Im nördlichen Tal gibt sich die Schlaube als Wiesenbach, der sich durch die Landschaft mit unzähligen Mooren schlängelt. Östlich des Flußlaufes liegt am Belenzsee ein deutschlandweit gefährdetes Braunmoosmoor. Bemerkenswert in diesem Abschnitt ist auch das Naturschutzgebiet Mahlheide. Auf Dünenstandorten haben sich Kiefern mit besonderen Wuchsformen erhalten. Hier wurde im ausgehenden Mittelalter Landwirtschaft betrieben. Die Kiefern haben sich mehrfach geteilt - die Zweige wuchsen wieder in den Boden.

Eine jahrzehntelange Nutzung als Truppenübungsplatz hat im südlichen Teil des Naturparks ausgedehnte Heideflächen geschaffen. Ein großräumiges Naturschutzgebiet von 30 Quadratkilometern Größe wurde eingerichtet, um die Bildung neuen Grundwassers zu sichern und viele Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Wo vor einigen Jahren noch Panzer rollten, findet heute einmal jährlich das Heidefest Ende August statt. Die südlich von Heidekreuz und Henzendorf gelegenen, trockenen und nährstoffarmen Sanderflächen sind im Mai von gelber Besenginsterblüte und im September von lilafarbener Heidekrautblüte bedeckt. Die Naturschutzgebiete Reicherskreuzer Heide und Schwansee sind wegen Munitionsbelastung gesperrt.

Die Weite der prachtvollen Heidelandschaft kann jedoch über einen Naturlehrpfad, mit einem Beobachtungsturm, erschlossen werden. Dieser Weg wurde von Munition freigeräumt und gefahrlos begangen werden. Auf dem Weg von Henzendorf in die Heide befindet sich ein Findlingspark mit unbearbeiteten und mit von Künstlern bearbeiteten Findlingen.

Im Schlaubetal wird sich noch heute die Sage vom Vermächtnis der Schlangenkönigin erzählt. Auf den Wirchenwiesen, wo die Schlaube entspringt, soll das Reich der Schlangen begonnen haben. Der Sage nach hat ein Bauersjunge aus Treppeln eines Tages hier einen herrlichen Palast in glänzender Pracht erblickt. Als er die Kellergewölbe der menschenleeren Gemäuer voll gläzenden Goldes sah und zugriff, verschwand das Schloß - für immer. Zurück im Pelz des Burschen blieb nur ein großes Goldstück auf dem eine gekrönte Schlange zu sehen war.

Ringelnattern tummeln sich noch heute in den Wirchenwiesen. Doch der Reichtum des Schlaubetals wird nicht mehr in Gold aufgewogen. Allein 13 Tier- und Pflanzenaretn kommen brandenburgweit nur noch im Naturpark Schlaubetal vor. Dazu gehören Frauenschuh und Korallenwurz als Orchideenarten, die Smaragdeidechse, die es nirgendwo anders in Norddeutschland gibt, und der Hochmoor-Perlmutterfalter.

Die Vielgestaltigkeit des Schlaubetals hat eine Fülle unterschiedlichster Lebensräume hervorgebracht, die den Ansprüchen verschiedenster, seltener und gefährdeter Arten gerecht werden. Über 1.000 Pflanzenarten sind bis heute im Naturpark nachgewiesen, darunter derzeit noch 13 Orchideenarten und bedeutende Farne wie Rippen- und Königsfarn. Fast 200 Vogelarten wurden festgestellt. In der Reicherskreuzer Heide sind z.B. Brachpieper, Ziegenmelker und Raubwürger zuhause. Im Schutzgebiet Schlaubetal haben Fischotter und mehrere Fledermausarten wie der Große Abendsegler und das Braune Langohr stabile Populationen. See- und Fischadler, Uhu und Eisvogel, Schwarzstorch und Schreiadler, Sumpfschildkröte und Bachforelle leben im Naturpark. Allein im Schlaubetal sind bisher nahezu 700 Großschmetterlingsarten festgestellt worden - das sind fast drei Viertel der in Brandenburg nachgewiesenen Arten.

Auffälliges Zeugnis der Kulturgeschichte sind die fünf ehemaligen Mühlen des Schlaube-, die drei des Öse- und vier des Dorchetals. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden, findet in ihnen heute längst kein Mühlbetrieb mehr statt. Sie sind z.T. denkmalgeschützte und touristische Anziehungspunkte im Naturpark. Wer früher kein Korn mahlte, wirtschaftete als Bauer auf den wenig ertragreichen Böden, lebte vom Holzverkauf oder Fischfang.

In dem landwirtschaftlich geprägten, sehr dünnbesiedelten Naturparkgebiet gibt es 21 Dörfer und die mittelalterliche Kleinstadt Müllrose. Das mittelalterliche Bürgerstädtchen ist das Tor zum Naturpark und seit Februar 1996 als Erholungsort anerkannt. Auf knapp einem Fünftel des Naturparks wird heute von drei größeren Agrarbetrieben Landwirtschaft betrieben. Der Naturpark arbeitet mit dem örtlich ansässigen Landschaftspflegeverband zusammen, um beispielsweise auf den Reichskreuzer Heideflächen, den Schlaube- und Orchideenwiesen eine naturgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung zu organisieren.

Die geschichtliche Entwicklung des Gebietes ist eng an das 1268 gegründete Kloster Neuzelle gebunden. Das Stift mit der Barockkirche ist heute eines der bekanntesten kulturellen Erbe in Brandenburg.

weitere Informationen:
Naturparkverwaltung Schlaubetal
Wirchensee
15898 Neuzelle OT Treppeln
Wirchensee
Telefon : (033673) 422
Fax : (033673) 55051
eMail: np-schlaubetal@lua.brandenburg.de
Internet: www.schlaubetal-online.de