Nationalpark Unteres Odertal

Logo des Nationalparks Der Nationalpark Unteres Odertal ist der jüngste von nunmehr zwölf deutschen Nationalparks. Er ist von Anfang an als Bestandteil eines deutsch-polnischen Naturschutzprojektes angelegt worden, das das gesamte untere Odertal von Hohensaaten bis vor die Tore von Stettin (Szczecin) über eine Länge von 60 Kilometer einschließt. Auf deutscher Seite gehören neben der zwei bis vier Kilometer breiten Flußaue, die von vielen Altarmen durchzogen ist, wertvolle Wälder und blütenreiche Trockenrasen auf den Oderhängen dazu. Während an anderen deutschen Flüssen Hochwasser schnell zur Gefahr werden kann, ist es an der unteren Oder jährliche Normalität, daß

Tausende Hektar Wiesen und Weiden, Auwälder und Moore meterhoch überflutet werden. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa sind derartig große natürliche Überflutungsräume erhalten geblieben. Die natürlichen Gegebenheiten, aber auch die unmittelbare Grenzlage zu Polen haben bewirkt, daß das untere Odertal nicht weiter verbaut wurde und so die überaus artenreiche Auenlandschaft weitgehend erhalten geblieben ist.

Auf polnischer Seite ist das durch Kriegseinwirkungen teilweise zerstörte Poldersystem nicht wieder instand gesetzt und jegliche Nutzung aufgegeben worden, so daß in den vergangenen 50 Jahren eine einzigartige, vom Menschen unbeeinflußte, Renaturierung stattgefunden hat. Mit der Verabschiedung des Nationalparkgesetzes durch den Brandenburger Landtag im Sommer 1995 sind etwa 1.100 des insgesamt 9.500 Hektar großen Schutzgebietes als Totalreservat ausgewiesen worden. Im Verlauf der nächsten 15 Jahre sollen insgesamt 50 Prozent des Nationalparkes als Totalreservat sich selbst überlassen bleiben. Auf den restlichen Flächen kann, wie schon jetzt im gesamten Nationalpark praktiziert, eine extensive landwirtschaftliche Nutzung stattfinden.

Kultur- und Naturlandschaft sollen geschützt, entwickelt, gepflegt und für die Besucher erlebbar gestaltet werden.

Auen sind die vom Flußhochwasser regelmäßig überfluteten Bereiche. Sie gehören zu den gefährdetsten Lebensräume überhaupt. Von Stützkow bis Friedrichstal stehen im Winterhalbjahr, selten auch im Frühsommer, 4.700 Hektar unter Wasser.

Im anschließenden polnischen Teil, dem Zwischenoderland, kommen nochmals 5.700 Hektar hinzu. Zusammen bilden diese Flächen ein riesiges Rückhaltebecken, in dem sich das Hochwasser verlaufen kann, ohne flußabwärts Schaden anzurichten. Gleichzeitig wirkt die überschwemmte Flußaue wie eine

überdimensionale biologische Kläranlage und säubert gratis das belastete Flußwasser.

Umfangreiche Kartierungsarbeiten der letzten Jahre haben ergeben, daß das untere Odertal mit den anschließenden Hängen zu den artenreichsten Lebensräumen Deutschlands gehört. Stille, von Seerosen bedeckte Altwasser gehören ebenso dazu wie bunte Feuchtwiesen, auf denen die verschiedensten Schnepfenvögel geeignete Brutplätze finden. Daneben existieren urwüchsige Auwaldreste und auf den Oderhängen naturnahen Laubmischwälder, die zu den wertvollsten Beständen in Brandenburg gehören. Eine Besonderheit stellen die überaus artenreichen und das ganze Sommerhalbjahr hindurch bunt blühenden Trockenrasen dar. Hier finden viele Pflanzen- und Tierarten der Steppenzone ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze. Darunter sind solche attraktive Pflanzenarten wie der blaublühende Kreuzenzian, das silbrige Federgras und das großblütige, gelbe Adonisröschen. Die Pflege dieser Standorte gehört zu den herausragenden Aufgaben im Nationalpark.

Als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung (FIB) waren große Teile der Überflutungspolder schon lange vor der Nationalparkgründung wegen der außerordentlichen reichen Wasservogelwelt unter internationalen Schutz gestellt worden. Vor allem während der Zugzeiten sammeln sich allein bis zu 150.000 Gänse, Enten, Schwäne und über 3.000 Kraniche im unteren Odertal. Mehr als 120 Vogelarten brüten im Nationalpark, darunter See-, Fisch- und Schreiadler, viele Weißstörche, der seltene Schwarzstorch sowie die weltweit vom Aussterben bedrohten Seggenrohrsänger und Wachtelkönige, die hier ihren bedeutendste Brutplatz in Deutschland haben.

Egal, ob man mit Fahrrad, Kutsche oder zu Fuß unterwegs ist : Zu allen Jahreszeiten bietet der Nationalpark vielfältige Anreize für einen lohnenden Besuch. Am besten ist er jedoch für Fahrradtouren geeignet. Ein ausgedehntes Wegenetz führt durch die unterschiedlichsten Lebensräume. Besonders im Winterhalbjahr sind die langen Rundwege auf den Deichen der überfluteten Polder fast nur mit dem Rad zu bewältigen.

Von Ende November bis in den April hinein dauert gewöhnlich das Hochwasser. Anschließend beginnt die Brutzeit der Vögel. Im Sommer ziehen die bunten Wiesen der Trockenrasen und Feuchtgebiete Besucher an, und im Herbst sammeln sich durchziehende und rastende Wasservögel in beeindruckenden Schwärmen auf Wiesen, Feldern und Wasserflächen, wo sie nicht zu übersehen und von den Deichen aus besonders gut zu beobachten sind. Ohne einen Blick auf die polnische Naturlandschaft geworfen zu haben, sollte man den Nationalpark nicht verlassen. Gelegenheit dazu besteht vom Stettiner Berg in Mescherin aus, wo sich ein weiter Blick über unberührte Flußaue öffnet oder durch einen direkten Besuch des polnischen Landschaftsschutzparkes Unteres Odertal.

Was gibt es wo zu entdecken, beobachten und erkunden ? Welche Reglen sind in einem Nationalpark zu beachten ? Für alle Fragen haben Besucher des Nationalparkes kompetente Ansprechpartner : Die Mitarbeiter der Naturwacht. Als 1872 in den USA der erste Nationalpark der Welt, Yellowstone, gegründet worden wurde, arbeiteten dort vom ersten Tag an Park-Ranger. Zwischen seiner Gründung und dem 1990 begonnenen Aufbau von Großschutzgebieten in Brandenburg liegen über 120 Jahre weltweit gewonnene Erfahrung in der Betreuung von Schutzgebieten. Diese Erfahrung sagt : Ohne Naturwacht, zu deren Aufgaben es unter anderem gehört, vor Ort auf die Einhaltung der Schutzbestimmung zu achten, vor allem aber Ansprechpartner für Besucher und Bewohner der Region zu sein, sind Schutzgebiete auf Dauer nicht zu bewahren. Seit 1991 startete mit 200 Teilnehmern das Pilotprojekt "Naturwacht Brandenburg". Mitarbeiter der Naturwacht sind in allen brandenburgischen Großschutzgebieten tätig und leicht an ihrer Dienstkleidung zu erkennen.

weitere Informationen:
Nationalparkstiftung Unteres Odertal
Schloss Criewen
16303 Schwedt/Oder
Telefon: (03332) 21980
Fax: (03332) 219826
E-Mail: nationalparkverein@unteres-odertal.info
Internet : www.nationalpark-unteres-odertal.de