Naturpark Westhavelland

Logo des Naturparkes Wasser, weite Niederungen, waldreiche Erhebungen und kleine märkische Ortschaften mit fachwerkhäusern und Ziegelbauten geben der Landschaft zwischen Brandenburg an der Havel, Friesack und Neustadt/Dosse ein unverwechselbares Gesicht. Das dünn besiedelte Westhavelland mit seiner landschaftlichen Vielfalt hat dem Besucher viel Natur und Kultur zu bieten.

Der rund 70 Kilometer westlich von Berlin gelegene und im Juni 1998 eröffnete Naturpark gehört zu den gewässerreichsten Regionen Deutschlands und eignet sich damit besonders für umweltgerechten Wassertourismus. Die im Mecklenburgischen entspringenden Havel mündet nach rund 345 Kilometern Lauf bei Havelberg in die Elbe. Die Havel ist die "Lebensader" des Westhavellandes. Hier gibt es eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete im Binnenland des westlichen Mitteleuropas. Im Rahmen der Ramsar-Konvention sind davon auf brandenburgischem und sachsen-anhaltinischen Gebiet 58 Quadratkilometer unter internationalen Schutz gestellt.

Der 1.315 Quadratkilometer große Naturpark ist vor allem durch die Weichselkaltzeit, die vor über 10.000 Jahren endete, geprägt. Mächtige Gletschermassen und Schmelzwasserströme formten die Landschaft; Endmoränenzüge, Grundmoränen, Sanderflächen und breite Urstromtäler blieben zurück. In den tiefen Lagen entstanden große Moor- und Sumpfgebiete: das Havelländische Luch, das Rhinluch und das Dossebruch. Eine Besonderheit das Westhavellandes sind die Grundmoränenplatten und Endmoränen "Inseln" - die sogenannten Ländchen. Wie große Inseln erhebn sie sich aus den Niederungen und eigneten sich so für die Anlage von Dörfern und Städten.

Vor 250 Jahren begann man die Niederungen trockenzulegen. Doch Teile dieser einzigartigen Niederungslandschaft sind erhalten geblieben, so daß man ihren landschaftlichen Reiz noch heute erwandern oder erfahren kann. Bis zum Bau des Plauer Kanals Mitte des 18. jahrhunderts ging die gesamte Schiffahrt zwischen Magdeburg und der Mark über die Stremme, einem ehemaligen Hauptarm der Elbe. Damit mußten alle Schiffe an der Burg Milow vorbei, von der aus der Handelsverkehr kontrolliert wurde.

Im Naturpark finden viele bedrohte und stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Internationale Bedeutung hat die Region für Wat- und Wasservögel. Tausende nordische Gänse und Schwäne, Kraniche, Enten und Schnepfenvögel finden hier im Frühjahr und Herbst auf ihren langen Zugrouten die unentbehrlichen wasser- und nahrungsreichen Rastplätze. Hier ist der prächtige Kampfläufer - das Wappentier des Naturparks - während des Frühjahrs bei seinen Balzspielen zu beobachten. Wie andere in Deutschland sehr selten gewordenden Wiesenbrüter - Uferschnepfe, Rotschenkel, Großer Brachvogel, Bekassine und Wachtelkönig - ist er im Naturpark Brutvogel. Biber und Fischotter sind hier ebenso zu Hause wie eine bemerkenswerte Vielfalt an Amphibien, Fischen, Insekten und Pflanzen.

Im 7. Jahrhundert siedelten sich die slawischen Stodoranen im Gebiet des heutigen Havellandes an. Nach der Havel wurden sie auch Heveller genannt. Mit der deutschen Eroberung 1157 durch Albrecht den Bären kamen Siedler u.a. vom Niederrhein (Rhin: niederdeutsch Rhein). Seit dem 18. Jahrhundert wurde das zu großen Teilen sumpfige Land durch Deiche, Schöpfwerke, Wehre, Gräben und Verlegung der Havelmündung zunehmend entwässert. Die Urbarmachung des Rhin- und Dossegebietes veranlaßte Friedrich den Großen bei einer Inspektionsfahrt in das Rhinluch zu dem Ausspruch: "... Das ist wider meine Erwartung! Das ist schön! Ich muß euch das sagen, allen, die ihr daran gearbeitet habt".

Mit zunehmender Landgewinnung und einer teilweisen industriemäßen Landbewirtschaftung nahmen Artenreichtum und Landschaftsvielfalt ab. Im Naturpark Westhavelland soll eine standortgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung beiden nutzen: Mensch und Natur.

Das Westhavelland ist reich an historischen Häusern, Kirchen und technischen Denkmälern. Die südlich an den den Naturpark grenzende Stadt Brandenburg mit dem Dom, dessen Bau 1165 begonnen wurde, gilt als Wiege der Mark Brandenburg. Sehenswert sind u.a. das 1768 errichtete Schloß Görne, die dreischiffige Hallenkirche in Milow, die Bockwindmühlen in Bamme und Ketzür sowie drei der letzten funktionstüchtigen Nadelwehre Deutschlands in Grütz, Garz und Bahnitz, die um 1910 errichtet wurden. Auch ein Besuch in der brandenburgischen Pferdezucht-Hochburg Neustadt an der Dosse ist lohnenswert. In der frühgotischen Kirche von Kampehl ist der mumifizierte Ritter Kahlebutz zu "besichtigen".

Literarisch Interressierte können auf den Spuren des märkischen Dichters Theodor Fontane wandern. Bei seinen Besuchen im Westhavelland lernte er die Landratstochter v. Briest kennen, die Namensgeberin seines Romanes "Effi Briest".

Das Westhavelland kann viele Geschichten erzählen. Beispielsweise über den Bau der ersten Wassermühle der Mark Brandenburg in Rathenow oder darüber, was die Marställe von Berlin mit den Havelwiesen zu tun haben und warum während des Dreißigjährigen Krieges die Schiffsflotte des Großen Kurfürsten in den Havelarmen versteckt wurde. Es mag sein, daß sich die Weite der Flußtal- und Niederungslandschaft dem Besucher erst nach dem zweiten Blick erschließt. Wer jedoch Zeit und Muße mitbringt, findet hier wirkliche Ruhe und Abgeschiedenheit.

weitere Informationen:
Naturparkverwaltung Westhavelland
Dorfstraße 5
14715 Havelaue OT Parey
Telefon : (033872) 7430
Fax : (033872) 74312
eMail: np-westhavelland@lua.brandenburg.de