Brandenburger Landstreicher

Der Brandenburger Landstreicher

Deutsch-Polnisches Erbe Gruß aus Landsberg

Wappen von Landsberg Die Stadt liegt am Fluss Warthe und am Rande des Warthebruchs, rund 80 km nordöstlich von Frankfurt/Oder und 130 km nordwestlich von Posen entfernt. Nördlich und südlich erstrecken sich weitläufige Waldgebiete.

Nachweislich war das Gebiet des späteren Landsberg bereits frühgeschichtlich besiedelt. Am 2. Juli 1257 erteilte Markgraf Johann von Brandenburg dem Ritter Albert von Lange die Vollmacht, die Stadt Neu-Landisbrech als eine eigene Vogtei zu errichten. Siedlern aus dem Gebiet der heutigen Länder Brandenburg, Niedersachsen und Westfalen nach Magdeburger Recht gegründet und gehörte zum niederdeutschen Sprachgebiet. Es sollte als Bollwerk gegen die nahe gelegene polnische Grenzfestung Santok (dt.: Zantoch) dienen. Bis in das 16. Jahrhundert trug die Stadt den Namen Neu-Landsberg. Im 13. Jahrhundert wurde die Marienkirche erbaut. 1321 wurde die Stadt mit Stadtmauern und Toren gesichert. Im 14. Jahrhundert hatte sich Landsberg zum wirtschaftlichen Zentrum seines Umlandes entwickelt, im Jahre 1360 wird die Stadtschule erstmals erwähnt. 1402 verkaufte Kaiser Sigismund die Neumark oder das "Land jenseits der Oder" an den Deutschen Ritterorden. Schwere Zeiten brachen für de Stadt an. Der Deutsche Orden vermochte gegen die Raubzüge keien Schutz zu bieten. 1434 drangen die Hussiten und Polen verheerend in das Land ein, und verwüsteten die Stadt Landsberg. 1554 kaufte Friedrich II. die Stadt vonm Deutschen Ritterorden wieder zurück.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden alle Vorstädte zerstört. Nach 1648 entwickelte sich Landsberg zu einem bedeutenden Umschlagplatz im Handel mit dem benachbarten Polen. Im 18. Jahrhundert sorgte die Etablierung des Tuchmacherhandwerks und des Wollhandels für einen weiteren Aufschwung. 1772 wurde die Friedrichstadt gegründet.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress gehörte Landsberg/Warthe seit 1818 zum gleichnamigen Kreis im Regierungsbezirk Frankfurt in der preußischen Provinz Brandenburg, seit 1939 Mark Brandenburg. Seit 1857 war Landsberg an die Preußische Ostbahn angeschlossen und erlebte dadurch erneut einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1892 wurde die Stadt aus dem Landkreis ausgegliedert und erhielt den Status eines Stadtkreises. Die Verwaltung des Landkreises blieb jedoch weiterhin in der Stadt. Ab dem 20er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung "Landsberg (Warthe)" durch.

Im Jahre 1939 wohnten in Landsberg an der Warthe zirka 48.000 Einwohner. Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt durch die Rote Armee erobert und ist zu 10 Prozent zerstört worden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde in Landsberg an der Warthe ein Speziallager Nr. 4 des NKWD für Deutsche eingerichtet. 13.000 Menschen durchliefen das Lager und wurden zum Teil zur Zwangsarbeit in die UdSSR gebracht. (Anmerkung : Zwangsarbeit wurde in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zum Kriegsverbrechen des Deutschen Reiches erklärt). In dem Lager starben 2.000 Menschen an den Haftbedingungen und Hunger. Nach Auflösung des Lagers wurden die Verbliebenen in das Speziallager Nr. 2 in Buchenwald abtransportiert.

Die bisherige Landsberger Bevölkerung wurde am 6. März 1946 enteignet und, soweit nicht im Krieg geflohen, vertrieben bzw. bis 1949 zwangsausgesiedelt. Die an ihre Stelle getretene neue Stadtbevölkerung stammt überwiegend aus Zentralpolen und dort vor allem aus der bisherigen Region Großpolen.

Der heutige polnische Name von Landsberg an der Warthe lautet : Gorzów Wilkopolski.
(Text größtenteils aus Wikipedia® mit Korrekturen und Ergänzungen)

Spaziergang durch Landsberg an der Warthe - 1910

Vom
Bahnhof
aus gelangt man über den Bahnhofsplatz, an dessen östlicher Seite sich der Eingang zum Elektrizitätswerk befindet, durch die
Bahnhofstraße
gegenüber dem Hospital in die
Küstrinerstraße
. In dieser rechts an dem Gebäude der Loge vorbei und über die beiden Arme der Kladow zum
Mühlenplatz
an der Stelle des abgerissenen Mühlentors. Hier zweigt sich links der Schießgarten ab mit malerischen, efeuumrankten Resten der alten Stadtmauer, rechts die
Luisenstraße
, in der noch manches alte Giebelhaus an vergangene Zeiten erinnert. Geradeaus beginnt die belebte, anfangs etwas schmale
Richtstraße
, die Hauptverkehrsader der Stadt. In der links abzweigenden
Wollstraße
, ganz nahe der Richtstraße, liegt das Hauptpostamt, weiterhin ein altertümliches Fachwerkhäuschen mit Holzverzierungen und nahe der
Priesterstraße
das durch eine Gedenktafel mit Reliefportrait bezeichnete Haus, in dem 1800 der große Philologe Bernhardy geboren wurde. Nun durch die Richtstraße zum Markt, an dessen Westseite die Hauptkirche
St. Marien
aufragt, ein gotischer, dreischiffiger Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. An der Außenseite, namentlich im S und W, findet sich, wie auch an vielen anderen Kirchen der Mark, eine große Anzahl runder Vertiefungen, deren Entstehungen auf mannigfache Weise zu erklären versucht worden ist. Den Altar schmückt ein Gemälde von Begas: " Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. " Die Wirkung des Schmucklosen aber würdigen
Innenraums
wird leider durch die eingebauten Emporen beeinträchtigt; auch passen die Renaissancesäulen des Orgelchores mit ihren korinthischen Kapitälen nicht zu dem sonst innegehaltenen gotischen Charakter des Ganzen. An der Ostseite des Platzes erhebt sich an Stelle des 1850-51 abgerissenen Rathauses, von Kastanienbäumen eingefaßt, der
Pauksch-Brunnen
, ein Geschenk des Kommerzienrats Paucksch. Auf einem Sandsteinsockel steht die Wasserträgerin, eine kräftige Frau aus dem Volke; ihr zu Füßen beschäftigen sich Putten mit Maschinenteilen, Flußschiffen und Fischfang, dadurch auf einst und jetzt wichtige Erwerbszweige der Stadt hindeutend. Das Denkmal ist von Bildhauer v. Üchtritz in Erzguß ausgeführt.

Weiter östlich an der Richtstraße das Rathaus, ein altersgraues, unscheinbares Gebäude, dann das
Land- und Amtsgerichtsgebäude
an der Ecke der
Neustadt
genannten Straße. Auf dem mit Anlagen geschmückten Paradeplatz erhebt sich ein Kriegerdenkmal (Germania) für die im Kriege 1870-71 Gefallenen. Von hier führt südlich eine Straße ab, die durch ihren Namen Grabenmühle an den zugeschütteten östlichen Kladowarm erinnert, rechts Reste der alten Stadtmauer, nach S das Königliche Gymnasium mit Realschule. Das Gebäude, im Jahre 1859 in romanischem Stil errichtet, ist neuerdings durch einen am Ostflügel und den Bau der Turnhalle in seiner einheitlichen Wirkung beeinträchtigt worden. Am 15. Oktober 1909 wurde das fünfzigjährige Jubiläum der Anstalt und seines Heimes festlich begangen. Neben dem Gymnasium steht ein unscheinbares Häuschen, an dem eine Marmortafel kündet, daß Schleiermacher hier 1794-96 wohnte.

Die östliche Fortsetzung der Richtstraße ist die Zechowerstraße mit ihren Erweiterungen, dem schattigen
Lindenplatz
. Weiter rechts mehrere
Schulgebäude
(Knaben-Mittelschule, Mädchen-Bürgerschule und zwei Volksschulen), links eine schloßartige Villa an grünem Bergeshang, dann die
katholische Kirche
, ein schöner romanischer Bau, 1908 von Baumeister Nonn an Stelle des 1854-55 erbauten Kirchlein errichtet, das für die schnell anwachsende Gemeinde bei weitem nicht mehr ausreichte. Rechts die Uferstraße mit dem städtischen
Krankenhaus
, das im Jahre 1905 erweitert und allen modernen Anforderungen entsprechend ausgestaltet worden ist. Der ältere Teil ist in romanischen Stil gebaut wie viele öffentliche Gebäude der Stadt z.B. das Gymnasium, das Gerichtsgebäude, das Hospital. Dies erklärt sich daraus, daß sie alle etwa in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, meist auch wohl von einem Baumeister, dem Stadtbaurat Böhm (nach ihm ist die Böhmstraße benannt) errichtet worden sind. Am Landarmenhaus rechts in der die Theaterstraße einbiegend, gelangt man an dem einfach nüchternen
Aktientheater
vorbei zum Paradeplatz zurück. Die Theaterstraße besteht noch zum Teil aus gleichmäßigen, einstöckigen Giebelhäusern, zu denen freilich die Neubauten der letzten Jahrzehnten wenig passen wollen.

Vom
Paradeplatz
aus steigt in nordöstlicher Richtung die
Friedebergerstraße
zur Hochfläche hinan. Nach wenigen Schritten rechts die
Konkordienkirche
Konkordienkirche, 1786 nach einem größeren Brande des östlichen Stadtteils von Friedrich II. neu aufgebaut. Die einfache, in Kreuzform errichtete Kirche ist von schönen Anlagen umgeben, in denen sich ein
Denkmal Schleichermachers
erhebt. Unter einem tempelartigen Bau steht die Büste des großen Theologen mit der Inschrift: " Friedrich Schleiermacher, Prediger an der Konkordienkirche 1794-96." Weiter gelangt man am Reichsbankgebäude und am Landratsamt vorbei zum großen Kirchhof der St. Marien-Gemeinde mit manchem sehenswerten von Künstlerhand gefertigten Grabmonument (zwei von Üchtritz) und auf der von alten Linden eingefaßten
Friedeberger Chaussee
zur Landes-Irrenanstalt.

Von der
Friedebergerstraße
führt gegenüber dem Landratsamt ein Verbindungsweg durch den Quilitzpark zum neuen Stadtteil. Er besteht ausbreiten, mit Bäumen bepflanzten Straßen und enthält Plätze, deren Verschönerung durch gärtnerische Anlagen die Stadtverwaltung sich besonders angelegen sein läßt. Die Gebäude dagegen zeigen bis auf nicht gerade zahlreiche Ausnahmen in ihrer Gleichförmigkeit und ihrem unechten, unkünstlerischen Schmuck das kasernenmäßige Gepräge, das den neueren Teilen rasch emporgewachsener Städte vielfach eigen ist. Am hübschesten ist die
Bismarckstraße
und die
Böhmstraße
an den durch geschmackvolle Anlagen malerisch gestalteten Ufern des munteren Kladowflüßchens. Hier die städtische
Mädchenschule
, umgeben von hübschen Villen. Nördlich gelangt man durch die
Neuestraße
zur Artillerie-Kaserne und dem Schützenhaus, an dessen Ufer eine Villa mit großer Obstplantage liegt. Östlich erheben sich zwischen hübschen Anlagen die Gebäude des städtischen Wasserwerkes; von hier durch die Heinersdorferstraße und über den alten Kirchhof, der jetzt zu einem kleinen Park umgestaltet ist, zurück zum Hospital gegenüber der Bahnhofstraße. Nordwestlich steigt die Soldiner Straße zum städtischen
Schlachthaus
und zum Exerzierplatz der Artillerie empor. Nach W erstreckt sich in langem Straßenzuge der Kietz mit der städtischen Gasanstalt und dem Pumpenwerk der Kanalisation und die Friedrichstadt, durch ihre einstöckigen Häuser mit dahinter liegenden Hausgärten als eine Gründung aus der Zeit der friderizianischen Kolonisation gekennzeichnet. Südlich vom Markt führt die Brückenstraße über die Schienengleise der Ostbahn hinweg zum
Bollwerk
. Hier links die Druckerei und Expedition der Neumärkischen Zeitung im Gebäude der alten Post, die im Jahre 1812 Napoleon auf der Durchreise nach Rußland zur Wohnung diente. Rechts etwas zurückliegend an der Ecker Bader- und Judenstraße die 1853/54 erbaute
Synagoge
. Bei dem grossen Hochwasser des Jahres 1888 drangen die Fluten über die Ufermauer hinweg bis in die Erdgeschosse der Bollwerkhäuser. Die jetzige Wartebrücke ist provisorisch auf den Fundamenten der am 1. Juli 1905 durch Feuer vernichteten
Holzbrücke
errichtet. Sie genügt nur in unzugänglicher Weise den Anforderungen des sehr regen Fuhrwerks- und Fußgängerverkehrs, soll daher demnächst durch eine breite massive Brücke ersetzt werden. Aus demselben Grunde sollen auch die Niveaukreuzungen der Ostbahn durch Höherlegung beseitigt werden. Von der Brücke schöner Blick stromaufwärts über Wiesen und zote Flußarme auf die Zechower Berge, stromabwärts auf die Eisenbahnbrücke der Landsberg-Bentschener Bahn und auf die Gegend von Wepritz. Fesselnd ist der Anblick des Flußverkehrs, namentlich wenn Schleppdampfer sich mühsam gegen den Strom emporarbeiten oder langen lange Reihen von Holzflößen hinabgleiten. Jenseits der Brücke steht auf einem Platz zwischen gärtnerischen Anlagen die Büste des Kommerzienrats Pauksch, der sich durch die Gründung der großen Maschinenfabrik in der Brückenvorstadt um die industrielle Hebung der Stadt wohlverdient gemacht hat. Durch die ganze Brückenvorstadt führt die Dammstraße bis zu der hölzernen Brücke über den im Sommer nur stehendes Wasser enthaltenden Vorflutkanal. Jenseits leitet die unzusammenhängende Häuserreihe der Roßwiesentraße zu den Einzelsiedlungen des Angers im Warthebruch über. Westlich liegt nahe dem Kanal die Schröder'sche Netz- und Kabelfabrik mit ihrer langen Seilerbahn.

Die Brückenvorstadt und das zugehörige Acker- und Wiesenland wird von dem Rundungswall umgeben. An ihm im O der Winterhafen für die Dampfer, Bagger und Arbeitskähne der Strombauverwaltung, im W die Schiffswert der Firma Paucksch und der mächtige Gebäudekomplex der Bahr'schen
Jutespinnerei
. In der zugehörigen Arbeiterkolonie bietet sich an Sonntagen öfter Gelegenheit, ein Stück italienischen Lebens kennen zu lernen.

Stadtplan von Landsberg an der Warthe
Stadtplan von Landsberg an der Warthe